5  

Berlin Corona-Lage nach den Sommerferien: GEW rechnet nicht mit erneuten Schulenschließungen

Drohen auch im nächsten Schuljahr wieder Schulschließungen? Die Kultusminister der Länder beraten, wie es weitergeht nach dem Sommer.

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) berät heute über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Sommerferien. Aktuell normalisiert sich der Schulbetrieb angesichts sinkender Corona-Zahlen zwar wieder, und einige Länder lockern auch die Maskenpflicht in den Einrichtungen.

Allerdings ist nicht absehbar, wie die Lage im Herbst sein wird. Die Ministerinnen und Minister wollen bei ihrer Videokonferenz außerdem eine Empfehlung für den Umgang mit Antisemitismus an Schulen verabschieden.

In den Schulen soll im Regelbetrieb unterrichtet werden - unabhängig davon, ob Schülerinnen und Schüler geimpft sind oder nicht.
In den Schulen soll im Regelbetrieb unterrichtet werden - unabhängig davon, ob Schülerinnen und Schüler geimpft sind oder nicht. | Bild: Christoph Soeder/dpa

Angebot für ungeimpfte Kinder geplant

Die brandenburgische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Britta Ernst (SPD) hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, die Schulen nach dem Sommer in voller Präsenz zu öffnen - und zwar unabhängig davon, ob Kinder geimpft sind oder nicht.

Auch die designierte Chefin der größten deutschen Bildungsgewerkschaft GEW, Maike Finnern, geht davon aus, dass die Schulen nach den Sommerferien mit normaler Klassenstärke starten können. Ihrer Ansicht nach bleiben aber Unsicherheiten: Es sei zum einen nicht klar, wie sich die Corona-Zahlen im Sommer und Herbst entwickelten.

In den Schulen soll im Regelbetrieb unterrichtet werden - unabhängig davon, ob Schülerinnen und Schüler geimpft sind oder nicht.
In den Schulen soll im Regelbetrieb unterrichtet werden - unabhängig davon, ob Schülerinnen und Schüler geimpft sind oder nicht. | Bild: Christoph Soeder/dpa

Und sie sei ziemlich sicher, dass nicht alle Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern bis zum Schuljahresbeginn geimpft seien, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Zum Thema Kinder-Impfung ergänzte Finnern: "Sie sollen ein Angebot bekommen. Ob sie das annehmen, müssen Eltern, Kinder und Jugendliche selbst entscheiden."

Insgesamt rechnet die künftige GEW-Chefin nicht damit, dass es nach den Ferien erneut zu so drastischen Einschränkungen kommen wird wie in diesem Schuljahr. Das sei eigentlich unvorstellbar. "Ich glaube nicht, dass wir noch einmal in eine Situation kommen, in der Schulen mehrere Monate geschlossen werden müssen."

Sommerpause nutzen, um  Schulen aufzurüsten

Finnern, bisher Landeschefin der GEW in Nordrhein-Westfalen, soll am Donnerstag bei einem digitalen Gewerkschaftstag zur neuen Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft gewählt werden und die langjährige Vorsitzende Marlis Tepe ablösen.

"Wichtig ist, dass die Bundesländer jetzt die Phase bis zum kommenden Schuljahr nutzen, um in den Schulen zu investieren", forderte sie. Es gehe nicht nur um Luftfiltergeräte, sondern auch darum, dass Fenster sich öffnen lassen, Heizungen funktionieren und es in jedem Raum ein Waschbecken gibt. "Das ist eine dringende Aufgabe, damit es im kommenden Winter einen verlässlicheren Betrieb gibt."

Schüler arbeiten in einem Klassenraum.
Schüler arbeiten in einem Klassenraum. | Bild: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Wegen der stark sinkenden Corona-Infektionszahlen hatte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo zuletzt Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen gefordert, wie sie in einigen Bundesländern bereits angekündigt worden sind. "Die Maskenpflicht ist ein großer Eingriff in die Freiheit und wir müssen immer wieder kritisch hinterfragen, ob sie noch verhältnismäßig ist", sagte er. Mit Blick auf die KMK forderte Piazolo "einen intensiven Austausch" für ein bundeseinheitliches Vorgehen.

Weiteres Thema: Umgang mit Antisemitismus 

Bei ihren Beratungen wollen die Ministerinnen und Minister auch eine gemeinsame Empfehlung der KMK, des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule beschließen.

In der Videokonferenz zugeschaltet sind der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und die Vorsitzenden der Bund-Länder-Kommission, Felix Klein und Samuel Salzborn.

Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer während des Unterrichts.
Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer während des Unterrichts. | Bild: Marijan Murat/dpa/Symbolbild

In einem Entwurf der Empfehlung, der der dpa vorliegt, sind unter anderem Hilfestellungen für Lehrkräfte enthalten. So werden Unterschiede zwischen politischem, sozialem, religiösem und rassistischem Antisemitismus erklärt.

Empfohlen wird in dem Papier auch, dass neben der zwingend nötigen Thematisierung des Holocaust im Geschichtsunterricht "das Judentum im Unterricht nicht auf die Themen der Verfolgung und Schoah sowie die Opfer-Perspektive reduziert wird."

Antisemitische Äußerungen und Vorfälle müssten an Schulen als solche benannt werden und dürften nicht bagatellisiert, relativiert, verschwiegen oder ignoriert werden, heißt es in dem Entwurf.  Schülern sollten demnach Begegnungen mit Juden ermöglicht werden, etwa über Austauschprogramme und Partnerschaften mit Schulen in Israel.

In der Lehrerbildung wird zudem eine intensivere Vermittlung von Kenntnissen zu Antisemitismus, Judentum und jüdischer Geschichte und Gegenwart gefordert. Am Freitag sollen die Ergebnisse der KMK-Beratungen bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (5)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   tom1966
    (1387 Beiträge)

    11.06.2021 07:53 Uhr
    Typisch politische Absichtserklärung
    bei deren Realisierung es massive Probleme geben wird: (mobile) Lüftungsanlagen: ok, Fenster, die sich öffnen lassen - schwierig, Waschbecken in jedem Klassenzimmer - wie soll das in den 6 Wochen Sommerferien gehen?

    Und "Umgang mit Antisemitismus": Ich halte dies für zu einseitig, es sollte ein Komplex behandelt werden, der nicht nur den Antisemitismus, sondern auch andere Formen der Intoleranz gegen andere behandelt: Rassismus, Antiislamismus, Fremdenfeindlichkeit, usw.. Das gehört doch zusammen und der Antisemitismus ist nur eine Facette davon, die jedoch in unserer Geschichte eine große Rolle spielt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris.Lok75
    (734 Beiträge)

    10.06.2021 16:07 Uhr
    ?
    Steht ja nicht welche Sommerferien.
    Also alle wieder entspannen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bingobongo
    (554 Beiträge)

    10.06.2021 09:03 Uhr
    Sommerferien nutzen?
    Wie soll das gehen, es handelt sich um Lehrer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schlaule2
    (384 Beiträge)

    10.06.2021 09:13 Uhr
    seit wann sind Lehrer für
    Luftfilteranlagen, Heizungen und Waschbecken zuständig?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (11068 Beiträge)

    10.06.2021 12:20 Uhr
    Das muss dann der Hausmeister machen ;)
    Aber in den 6 Wochen Ferien kann man das alles nicht fertig bekommen, selbst wenn das Geld dafür da wäre.
    Bei der üblichen Bürokratie dauert es sowieso mindestens bis nächstes Jahr, bis man anfangen könnte und dann ist es (hoffentlich) nicht mehr nötig.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.