56  

Karlsruhe "Klima retten ist wichtiger als Schule": Darum streikt Fridays for Future erst nach den Ferien

Nach langer Demonstrationspause sind sie wieder zurück: Fridays for Future. Doch statt dem klassischen Demo-Zug stand am Freitagmorgen zum globalen Klimastreik eine Menschenkette auf dem Plan. 3.500 Teilnehmer forderten dabei den bundesweiten Kohleausstieg und Zuwendung zu erneuerbaren Energien. ka-news.de war mit dabei - und hat mit den Teilnehmern gesprochen.

Musik ertönt aus großen Musikboxen im Karlsruher Schlossgarten, immer wieder unterbrochen von aufgezeichneten Interviews mit Karlsruher Fridays for Future-Aktivisten. Die Stimmung: entspannt, aber trotzdem ernst.

Mit 1,5 Meter Abstand, Plakaten und Mund-Nasen-Schutz ausgerüstet startete am Freitag um 11 Uhr der erste Fridays for Future-Streik des Jahres in Karlsruhe. Mit einer über drei Kilometer langen Menschenkette, die von der Moltkestraße/ Erzbergerstraße über das Schloss und den Fasanengarten bis zur Parkstraße verläuft, wollen die Demonstranten auf die Energiewende aufmerksam machen.

Die Menschenkette in Richtung Fasanengarten | Bild: Paul Needham

Ein Blick über die Menge zeigt: Alle Altersgruppen sind am Freitag beim globalen Klimastreik vertreten und damit auch einige Schüler - die dafür die Schule sausen lassen. Da stellt sich die Frage: Warum findet der Streik erst jetzt statt - und nicht schon während der vor rund zwei Wochen beendeten Ferienzeit? 

Klima retten statt Schulbank drücken?

Paula Kanzleiter von Fridays for Future Karlsruhe hat da eine klare Meinung: "Würden wir nachmittags, am Wochenende oder in den Ferien auf die Straße gehen, hätten wir nicht annähernd dieselbe Aufmerksamkeit", sagt sie im Gespräch mit ka-news.de.

Paula Kanzleiter von Friday for Future | Bild: Verena Müller-Witt

"Die Aufmerksamkeit haben wir, weil es ein Streik während der Schulzeit ist, weil wir hier eine ganz konkrete Bedrohung für unsere Zukunft haben und dafür unsere Stimmen erheben. Das tun wir, indem wir eben einmal den Alltag durchbrechen und sagen: 'Hier ist Schluss.'"

"Das Klima zu retten ist wichtiger als zur Schule zu gehen"

Ähnlich sieht es Sylvia Kotting-Uhl, Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Grünen und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: "Die Aufgabe, das Klima zu retten und damit unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren ist größer, als jeden Tag zur Arbeit oder zur Schule zu gehen. Das finde ich richtig so, denn diese jungen Menschen haben begriffen, worum es geht."

"Eine Krise verschwindet nicht"

Zu diesen "jungen Menschen" gehört auch Jule Brandl, die aktuell noch die Oberstufe besucht. Sie hat sich bewusst dazu entschieden, bei der Menschenkette mitzumachen. "Es ist das Mindeste, was ich tun kann", sagt die Schülerin im Gespräch mit ka-news.de.

Schülerin Jule Brandl | Bild: Verena Müller-Witt

Selbst Corona schreckt die Demonstrantin nicht davon ab, am Klimastreik teilzunehmen: "Eine Krise verschwindet nicht, nur weil eine andere Krise auftaucht."

Auch die älteren Teilnehmer stehen dem Einsatz der Jugendlichen positiv gegenüber: "Klimaschutz ist das wichtigste Thema aktuell. Und solche Aktionen setzen nun mal Akzente", sagt ein älterer Herr, der sich in der Menschenkette eingereiht hat, gegenüber ka-news.de.

Menschenkette über drei Kilometer lang

Nach Angaben von Fridays for Future Karlsruhe nahmen insgesamt 3.500 Demonstrierende an der über drei Kilometer langen Menschenkette teil. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen. Nach rund einer Stunde, um 12.15 Uhr, wurde die Aktion wieder aufgelöst. 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (56)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   80er
    (5782 Beiträge)

    27.09.2020 11:52 Uhr
    Für das...
    ....Klima zu demonstrieren ist ja guz und schön. Nur warum ist dies wichtiger als eine gut Schulbildung? Ohne Schulbildung kann man kein Fach studieren bzw. einen Beruf ergreifen, in dem man etwas fürs Klima tun kann. Irgendwas naturwissendchaftliches oder auch VWL/BWL, damit man nachweiseb kann, dass Klimaschutz nicht schädlich für die Wirtschaft sein muss. Etwas technisches, damit man klimafreundliche Antriebe entwickeln kann. Ja, auch Jura. Damit man Gesetze entwickeln kann, die den Klimaschutz mit dem Eigentumsrecht in Einklang bringt etc. Zu alldem gehört ein ordentlicher Schulabschluss. Ergo Freitags kein Streik, sondern Schulbank.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1488 Beiträge)

    27.09.2020 14:32 Uhr
    Recht viele
    führende Vordenker und Wissenschaftler waren Schulabbrecher oder schlechte Schüler, die eben nicht das taten und nachmachten, was die Alten von ihnen erwarteten zwinkern
    Ich bin kein Fan des Schulschwänzens, aber ganz so einfach scheint der Zusammenhang nicht zu sein.

    Bei der Bildung und Wissenschaft, gerade auf Top-Niveau, kommt es glaube ich auch daran an, dass man eine klare Motivation hat für die man "glüht". Da sieht es doch bei den FFFler ned so schlecht aus, oder?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kunvivanto
    (273 Beiträge)

    27.09.2020 15:17 Uhr
    Diese Vordenker
    waren aber eben schon als Jugendliche stark eigeninitiativ, und keine Mitläufer, die nur einem Hype folgten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    27.09.2020 16:46 Uhr
    Woher
    weißt Du daß es sich um Mitläufer handelt? Warst Du dort, hast Du Dich mit den Jugendlichen unterhalten? Wenn nicht: Hörensagen, Vermutung, Nachgeplappere.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    27.09.2020 10:55 Uhr
    Eine Betrachtung von einer anderen Seite:
    Teil 1:
    Autor Clemens Traub
    Future For Fridays? -Streitschrift eines jungen Fridays for Future Kritikers
    Der junge Autor ist immer noch entschieden dafür, dass alles für den Klimawandel getan werden muss.
    Er hat die Bewegung von „innen“ betrachtet und da kann man schon nachdenklich werden.
    „Eine Studie der Grünen nahen Heinrich Böll Stiftung stellt durch Befragung der Demonstranten fest, dass 90% Abitur oder Fachhochschulreife haben, Anteil der Hauptschüler liegt bei 1%. Zwei Drittel der FfF Bewegung rechnen sich selbst der oberen Mittelschicht zu. Damit verkörpern sie nicht einen Querschnitt der Gesellschaft, wie sie selbst oft behaupten. Rebellion von unten sieht anders aus“
    Die Initiatoren*innen von FfF reagieren eher abgehoben, wenn man sie darauf anspricht.
    Luisa Neubauer, aufgewachsen in einem gut betuchten Hambuger Stadtviertel erreicht man nur noch über ihr Management und scheint eine politische Karriere anzustreben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    27.09.2020 11:08 Uhr
    Eine Betrachtung von einer anderen Seite:
    Teil 2:
    Kann sie ja, aber das Sprungbrett ist für sie FfF.

    Wie gesagt der junge Autor ist immer noch Kämpfer für den Klimawandel, es lohnt sich seine Streitschrift zu lesen, auch im Hinblick auf seinen Blick darauf wie der Klimawandel gelingen könnte in der Welt.
    Aber ein hoher Prozentsatz unserer Klima Demonstranten *innen muss sich um ihre Zukunft keine Sorgen machen, wie sie vorgeben.
    Im Gegensatz zum Beispiel zu den 20.000 Arbeitern in der Lausitz und anderswo, wenn die Kohlebergwerke wie FfF wünscht, sofort geschlossen werden, oder der 125.000 Arbeitnehmer, die längerfristig in der Automobilindustrie wegfallen.

    Mir scheint, diese Arbeitnehmerschicht, die sich dann Sorgen machen muss um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie sind nicht im Blick der doch großen Zahl der jungen Protestler mit privilegierten Background.
    Natürlich kann man nicht verallgemeinern, aber darüber nachdenken kann man schon.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1488 Beiträge)

    27.09.2020 12:10 Uhr
    Bei
    Klimaschutzdemos geht is in erster Linie um Klimaschutz, nicht um die Rechte der Indianer, politische Gefangene in Nordkorea, Rassismus oder andere ebenfalls wichtige Probleme der Welt. Ist das echt so erstaunlich? Die soziale Schere ist ein großes Problem, das ebenfalls angegangen werden muss, auch in Kombination mit wirksamem Klimaschutz. Ich sehe da keinen Gegensatz.
    In den "Kohleausstieg" fließt deratig viel von meinem Steuergeld, das ist Wahnsinn. Jeden Arbeitnehmer eine Mio EUR zu überweisen wäre preiswerter. Wenn da jemand jammern müsste, dann der ganz normal Steuerzahler, nicht die Begünstigten. Aber weitere Dauersubventionen für überholte und schädliche Technologien können sicher keine Lösung sein. Da hat FFF natürlich zu 100% Recht.
    Wie bei anderen Themen auch ist die Notwendigkeit für schleunigst deutlich mehr Klimaschutz längst Mainstream in allen Schichten (z.B. auch beim Tierwohl, Verkehrswende, Atomausstieg...), auch wenn nicht alle auf die Straße gehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1488 Beiträge)

    27.09.2020 14:25 Uhr
    Das
    Mißverständnis liegt wohl darin begründet, was Du und der Autor unter "man muß sich keine Sorgen machen" versteht (nämlich finanziell) und Gegensatz zum Verständnis von FFF.
    FFF steht glaube ich u.a. dafür ein, dass man nicht ausschießlich an sich selbst denkt.
    Dass es so etwas wie eine "Gesellschaft" gibt.
    Weltweit.
    Jeder hat die Freiheit sein Denken und Handeln nicht nur am den eigenen Geldbeutel festzumachen und an den Landesgrenzen zu beenden zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    27.09.2020 15:16 Uhr
    Es handelt sich nicht um ein Missverständnis
    Der junge Mann hat mit seinen (ehemaligen) Mitstreitern ja darüber diskutiert.
    Ich will jetzt nicht ganze Passagen aus diesem Buch zitieren. Ich finde diesen Einblick in gewisse Kreise von FfF sehr interessant und wie gesagt auch für nachdenkenswert.
    Und noch einmal der Autor hat dies ganz sachlich geschrieben und setzt sich nach wie vor für Klimaschutz ein.
    Er studiert in Mainz Politik und war lange Zeit selbst begeisterter "Fridays for Future", hat sich dann aber kritisch abgewandt.
    Er arbeitet als studentischer Mitarbeiter in der HEUTE-Redaktion .
    Empfehlung Buch kaufen, es schadet ja nicht auch mal "hinter die Kulissen" zu schauen. 😊
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    27.09.2020 12:21 Uhr
    @Freigeist
    In meinem Kommentaren geht es auch nur um den Klimaschutz und bezieht sich ausschließlich auf die FfF Bewegung. Auch in der von mir erwähnten Streitschrift geht es nur um den Klimaschutz, aber auch wie man ökologisch und ökonomisch mit einander zusammenarbeiten muss.
    Der Autor beschreibt außerdem seine Erfahrungen mit der FfF Bewegung und sein Nachdenken darüber.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.