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Karlsruhe "Kinder wollen wieder ein normales Sozialleben haben": Karlsruher Klinikum will Corona-Impfung ab 5 Jahren zustimmen

Lange war es still um die Covid-Stationen im Städtischen Klinikum in Karlsruhe - bis zu diesem Freitag. Der Grund: Die aktuelle Lage auf der Allgemein- und der Intensivstationen hat sich pünktlich zum Spätsommer wieder verschärft. Auch bei den Kindern rechnet das Klinikum mit steigenden Infektionszahlen. Dennoch unterscheide sich die jetzige Situation innerhalb der "vierten Welle" von denen zuvor.

Immunität und ein neues Corona-Maßnahmen-System. Im Städtischen Klinikum ist man auf die zukünftigen Entwicklungen während der Corona-Pandemie vorbereitet. Besonders die Abwendung von der 7-Tages-Inzidenz, hin zur 7-Tages-Hospitalisierungs-Inzidenz, wird vom Direktor der Medizinischen Klinik III, Martin Bentz,  begrüßt. 

Pressekonferenz im Städtischen Klinikum am 17. September
Pressekonferenz im Städtischen Klinikum am 17. September | Bild: Markus Kümmerle/Städtisches Klinikum Karlsruhe

"Ich finde, das ist ein maßvoller Marker, um damit zu arbeiten. In der zweiten Welle hatten wir das Problem mit dem exponentiellen Wachstum und die Hospitalisierungs-Inzidenz hing der 7-Tages-Inzidenz immer so zwei Wochen hinterher", so Bentz auf der Pressekonferenz. Er macht aber auch deutlich, dass mit dem aktuellen Stand der Corona-Patienten der "Monatsrekord" geknackt wurde. 

Intensivstationen füllen sich wieder

So sind befinden sich am Freitag neun Patienten auf der Covid-Allgemeinstation, sechs Personen müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Davon werden zwei Patienten künstlich beatmet. Damit befindet sich das Klinikum in der Pandemiestufe 2.

"Seit August sind die Zahlen der Covid-Patienten wieder am Steigen. Wir haben jetzt sechs Patienten auf der Intensivstation, zuvor lagen die Zahlen immer zwischen zwei und vier", so Bentz auf der Pressekonferenz am Freitag.

Der Punkt: Das Klinikum geht davon aus, dass die Anzahl noch weiter steigen wird. "Wir hatten am Mittwoch fünf Personen auf der Allgemeinen und fünf auf der Intensivstation. Das heißt, dass die, die zu uns kommen, auch eher eine Intensivbehandlung benötigen."

Martin Bentz, Direktor Medizinische Klinik III
Martin Bentz, Direktor Medizinische Klinik III | Bild: Markus Kümmerle/Städtisches Klinikum Karlsruhe

Die gute Nachricht: Der Aufenthalt auf der Intensivstation sei im Vergleich kürzer als bei den vorangegangenen Corona-Wellen. Laut Bentz könnte dies am jüngeren Alter der Patienten liegen. Allerdings handle es sich bei dabei fast ausschließlich um ungeimpfte Patienten zwischen 40 und 70 Jahren.

Zum Vergleich: Seit August soll sich nur eine geimpfte Person auf der Intensivstation in Behandlung befunden haben. "Grundsätzlich beobachten wir, dass Personen, die trotz Impfung wegen Covid aufgenommen wurden, eine Grunderkrankung hatten, die ihr Immunsystem schwächt. Bei diesen Menschen fällt die Impfantwort oft nicht optimal aus", heißt es seitens des Klinikums. 

Interesse an Kinderimpfungen steigt

Deutlich weniger Betrieb findet derweil auf den Corona-Kinderstationen des Klinikums statt. Denn hier wird momentan nur ein Kind auf der allgemeinen Covid-Station behandelt. Insgesamt sollen seit Anbeginn der Pandemie bislang 44 Kinder wegen Corona ins Klinikum eingeliefert worden sein. Davon befanden sich fünf auf der Intensivstation, wovon zwei künstlich beatmet werden mussten. 

"Wir sind von diesen Fällen auf den Kinderstationen immer weitgehend verschont geblieben, die Verläufe bei Kindern sind meistens mild ausgefallen", so der Oberarzt der Kinder und Jugendmedizin, Paul Vöhringer. "Dieselben Erfahrungen haben mir auch Kollegen aus anderen Krankenhäusern im Südwesten bestätigt."

Paul Vöhringer, Oberarzt Kinder und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum
Paul Vöhringer, Oberarzt Kinder und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum | Bild: MAGIC-PICTURE-KARLSRUHE

Zwar rechnen er und das Klinikum damit, dass die Inzidenz bei Kindern mit den Herbstmonaten wieder steigen werde, gleichzeitig verzeichne man aber auch ein steigendes Interesse der Kinder an Impfungen. Die Gründe hierfür seien aber primär sozialer und nicht medizinischer Natur.

"Die Kinder haben in der Pandemie viel aushalten müssen, wie etwa Schulschließungen. Viele wollen sich dann auch einfach impfen lassen, um wieder bei Freizeitaktivitäten oder am Präsenzunterricht teilnehmen zu können, weil sie sich sonst ausgeschlossen fühlen", erläutert der Kinderarzt auf der Pressekonferenz.

Übertragung zwischen Kindern geringer als von Erwachsenen auf Kinder

"Es gibt aber sehr gute Daten aus dem Frühjahr darüber, dass die Übertragung von Kind zu Kind viel geringer ist, als die Übertragung von Erwachsenen auf Kinder."

In Bezug auf Kinderimpfungen, die wohl schon bald ab fünf Jahren zugelassen werden, sagt Vöhringer: "Kinder haben natürlich einen Anteil an den Infektionen. Aber wir orientieren uns da an den Empfehlungen der Stiko. Dieser Empfehlung werden wir uns dann anschließen, weil wir wollen, dass die Kinder bald wieder ein normales Sozialleben haben."

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