10  

Karlsruhe Keine zusätzliche Beleuchtung für Karlsruhe: Muss mehr für die nächtliche Sicherheit getan werden?

Dunkelheit macht Angst. Viele Menschen in Karlsruhe fühlen sich abends und nachts unsicher, wenn sie durch schlecht oder nicht beleuchtete Parks, Straßen oder Parkplätze gehen. Damit sich das verbessert, will die Karlsruher CDU-Fraktion ein neues Beteiligungsformat auf den Weg bringen. Das ist nun aber im Gemeinderat gescheitert. Aber müsste Karlsruhe nicht mehr für die nächtliche Sicherheit tun?

"Im Dialog mit den Vorsitzenden der Bürgervereine wurde die CDU-Fraktion darüber informiert, dass es in den Stadtteilen Bereiche gibt, in denen die Beleuchtungssituation dringend zu verbessern ist", wendet sich die Fraktion im November in einem Antrag an die Stadt Karlsruhe - und damit nicht zum ersten Mal.

"Passiert ist seitdem nichts"

"Schon im März stand dieser Antrag auf der Tagesordnung, wurde allerdings mit dem Hinweis auf die Ausarbeitung des Sicherheitskonzepts und durch die Corona-Pandemie immer wieder vertagt. Jetzt haben wir November und passiert ist seitdem - nichts", sagt CDU-Stadträtin Karin Wiedemann im Gespräch mit ka-news.de. 

Dabei habe es bereits zahlreiche Rückmeldungen aus den Stadtteilen gegeben, wo sich Bürger aufgrund mangelnder Beleuchtung unsicher fühlen, etwa das Areal um den Penny-Markt in der Lameystraße und der Junker-und-Ruh-Weg. Zudem seien insbesondere in Oberreut Straßenlaternen von Bäumen zugewachsen.

Das Hochhaus am Lameyplatz, rechts die Feuerwache.
Das Hochhaus am Lameyplatz, rechts die Feuerwache. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Wir wollen nicht suggerieren, dass Karlsruhe unsicher ist"

"Wichtig: Wir wollen damit nicht suggerieren, dass Karlsruhe unsicher ist, denn das ist nicht der Fall. Es geht konkret um das subjektive Sicherheitsgefühl", erklärt Wiedemann. Tatsächlich gehen die eigentliche Sicherheit und das Sicherheitsempfinden weit auseinander.

So kamen laut Kriminalitätsstatistik 2019 auf 100.000 Bewohner in Karlsruhe insgesamt 5.867 Straftaten. Das sind gerade einmal 29 Straftaten mehr im Vergleich zum Vorjahr. Zum Vergleich: 2017 lag die Zahl noch bei 8.917 Straftaten pro 100.000 Einwohner. 

Sicherheitsempfinden und Kriminalitätsstatistik gehen auseinander

Doch den nackten Zahlen steht das Sicherheitsempfinden gegenüber. Eine Umfrage im Bericht über das subjektive Sicherheitsempfinden aus 2018 ergibt: Das Sicherheitsempfinden der Karlsruher hat in der Innenstadt seit der letzten Befragung 2014 tagsüber und noch stärker bei Dunkelheit abgenommen.

Etwa ein Drittel der Befragten gibt an, Plätze in der Innenstadt zu kennen, an denen sie sich tagsüber nur sehr ungern aufhalten. In den Abendstunden, wenn es dunkel ist, sind es gar drei Viertel der Karlsruher. in den einzelnen Wohngegenden gaben 15,5 Prozent der Befragten an, vor allem unbeleuchtete und unbelebte Straßen und Plätze zu meiden. 2014 lag die Zahl hier noch bei 8,3 Prozent. 

Bürger und Polizei sollen sich zusammentun

"Dass man sich bei Dunkelheit unsicher fühlt, darf man nicht immer gleich mit möglichen Straftaten assoziieren", erklärt CDU-Stadträtin Wiedemann gegenüber ka-news.de. "Auch schon schlecht ausgeleuchtete Wege, die ein Sturzrisiko darstellen, werden als unsicher wahrgenommen.

Damit sich das in Zukunft ändert, will die Fraktion erreichen, dass "sich die Stadtverwaltung mit den Bürgervereinen und der Polizei zusammensetzt, Problemstellen identifiziert und Lösungen erarbeitet". "Man muss sich zusammentun und gemeinsam vor Ort gehen, dann kann sich etwas verbessern", so Karin Wiedemann.

Genug Melde-Möglichkeiten vorhanden

Von diesem Vorschlag zeigt sich die Verwaltung allerdings nicht überzeugt. Der Grund: "Für die Bürger Karlsruhes sowie deren Parteien und Bürgervereine gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten, zusätzliche Beleuchtungswünsche zu nennen", schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme.

So sind beispielsweise direkte Anschreiben an die Stadtverwaltung oder die Stadtwerke möglich, aber auch Meldungen über die KA-Feedback-App oder förmliche Anträge und Anfragen "in den entsprechenden gemeinderätlichen Gremien". "Die bisherigen Erfahrungen mit diesen Instrumenten waren durchaus positiv und zeigen, dass sie rege wahrgenommen werden", so die Stadt weiter.

"Lapidare Wischi-Waschi-Antwort"

Angesichts des zusätzlich dazu im Oktober im Hauptausschuss vorgestellten Sicherheitskonzeptes "ist es aus der Sicht der Stadtverwaltung nicht sinnvoll, einen weiteren umfangreichen Dialog unter Beteiligung aller Bürgervereine durchzuführen. Der hierfür notwendige hohe personelle Aufwand ist derzeit nicht leistbar". Zudem bestehe dabei die Gefahr, "dass eine Erwartungshaltung erzeugt wird, der aufgrund verschiedenster Randbedingungen dann letztendlich nicht nachgekommen werden kann".

Bild: CDU Karlsruhe

Für Karin Wiedemann ist diese Antwort allerdings alles andere als zufriedenstellend: "Das ist eine lapidare 'Standard-Wischi-Waschi-Antwort', die auch andere Fraktionen schon bekommen haben. Nach neun Monaten Beantwortungszeit erwarte ich etwas anderes. Das hat mich sehr geärgert", sagt sie im Gespräch mit ka-news.de. 

CDU-Fraktion will weiter an Beleuchtung festhalten

Auch, dass sich das angesprochene Sicherheitskonzept nur auf den Innenstadtbereich rund um die Kaiserstraße beschränken soll, kann die Stadträtin nicht verstehen. "Die Innenstadt geht doch nicht nur bis zur Kaiserstraße. Wir hatten auf ein stadtweites Konzept gehofft." Da helfe es auch nicht, dass laut Stadt hierdurch bereits Teile Europaplatzes unter den Arkaden heller gestaltet werden konnten, weitere Teile des Euros sowie des Kronenplatzes sollen folgen. 

Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dass der Gemeinderat den Antrag der Fraktion auf mehr Bürgerbeteiligung beim Thema Beleuchtung daher abgelehnt hat, kann Wiedemann nicht nachvollziehen. Sie will mit ihrer Fraktion nach eigener Aussage weiter am Thema Beleuchtung bleiben.

"Wir bleiben mit Bürgern und Bürgervereinen im Gespräch und werden nun erst einmal auf die Veröffentlichung des Sicherheitskonzeptes warten - dann werden wir das Thema eventuell noch einmal in den Gemeinderat einbringen."

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (10)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   max
    (256 Beiträge)

    02.12.2020 14:05 Uhr
    Der CDU ist ein Licht aufgegangen!
    Dies ist ein schwacher Beitrag von Frau Wiedemann. Nur an allem herum motzen ist nicht in Ordnung. Anstatt in solchen Zeiten zusammen stehen, giftet man sich an. So kommt man nicht weiter.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zwerchfell
    (129 Beiträge)

    01.12.2020 19:40 Uhr
    Verwaltungsdefizite
    In der Verwaltung kriselt es gewaltig, und das schon seit Jahren. Der Aussage von Frau Wiedemann ist nichts hinzuzufügen. Auch die Freien Wähler haben sich hierzu schon öfters geäußert. Bei den Gemeinderatssitzungen bekommt man tatsächlich nur wischiwaschi Aussagen. Oftmals sind Aussagen widerwillig, man hört von Überlastungen und oft ist niemand zu erreichen. Firmen würden bei einer solchen Einstellung pleite gehen, aber unser verantwortlicher OB dreht Däumchen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2490 Beiträge)

    01.12.2020 14:18 Uhr
    Karlsruhe ist sicher, sicherer, am sichersten.
    Es wird so oft betont, da kann ja keiner mehr zweifeln. Und jetzt will uns die CDU auch noch "erleuchten". Als ob ein paar LED-Birnen irgend etwas daran ändern würden, dass man sich bei Nacht in der Stadt nicht mehr wohl fühlt.

    Ich glaube, in dem Sicherheitsbericht standen noch ein paar andere, wesentliche Dinge - aber die wesentlichen Gründe für die schlechten Werte ignoriert man in der Kommunalpolitik lieber.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kemp
    (35 Beiträge)

    01.12.2020 12:28 Uhr
    Der Weg zur Weisheit..
    war schon immer schlecht beleuchtet......
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   10tacle
    (325 Beiträge)

    01.12.2020 11:35 Uhr
    Karlsruhe ist sicher
    sagen Polizei und Rathaus. Also muss es stimmen. Zumal sich auch Kriminelle in Coronazeiten an die Abstandsregeln halten müssen. Gibt also kein Problem.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7492 Beiträge)

    01.12.2020 08:58 Uhr
    Sicher
    müssten einige Straßen und Plätze in der Stadt besser in der Nacht beleuchtet werden. Aber geschulte Strolche lassen sich auch in der Nacht in einer hell erleuchteten Straße nicht davon abhalten, einer Frau direkt vor der Haustür die Handtasche von der Schulter wegzureißen, wenn sonst weit und breit kein Mensch zu sehen ist. Solche Fälle und andere Straftaten passieren sicher öfter auch in gut ausgeleuchteten Straßen, wenn sich die Gelegenheit bietet.
    Übrigens, der Typ wollte meine Handtasche haben, ist ihm nicht gelungen, habe ihm den Schirm um die Ohren gehauen und konnte glücklicherweise schnell im Haus verschwinden. 😊
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   FG1961
    (418 Beiträge)

    01.12.2020 08:41 Uhr
    Da der Mensch eine Sehschwäche
    in der Dunkelheit hat, ist er seit Anfang an unsicher in der Dunkelheit. Sicherlich ist eine künstliche Beleuchtung zweckmäßig, ob dadurch öffentliche Delikte verhindert werden, ist fraglich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nachteule
    (925 Beiträge)

    01.12.2020 07:59 Uhr
    Am Sonntag haben wir die Möglichkeit, das zu ändern !
    Dass das Thema Sicherheit für Mentrup und seine immer grüner
    werdende Stadtverwaltung nie wirklich eine Rolle gespielt hat, kann
    man seit Jahren beobachten. Das war der Fall, als die Straftaten in
    den Jahren von 2014 bis 2017 hochgingen und es ist erst recht der
    Fall, seit sie seit 2018 wieder runtergehen. Dass immer mehr Leute
    Angst haben, abends oder nachts auf die Straße zu gehen oder
    auch Straßenbahn zu fahren, wurde nie ernst genommen -
    obwohl die Stadt das in ihren eigenen Sicherheitsberichten sogar
    selbst nachgewiesen hat. Von daher ist dann auch klar, dass die
    Verbesserung der nächtlichen Beleuchtung von den rot-grünen
    Strategen im Rathaus allenfalls als Stromverschwendung angesehen
    wird, die zusätzliche Nachteile für das Klima hat. Aber wie schon
    gesagt: am Sonntag und dann in einem zweiten Wahlgang haben
    wir die Möglichkeit das zu ändern. Was in Stuttgart geht, ging in
    Karlsruhe schon immer !!!
    👍👍👍
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schattegustl
    (212 Beiträge)

    01.12.2020 17:26 Uhr
    Das war der Fall, als die Straftaten in den Jahren von 2014 bis 2017 hochgingen und es ist erst recht der Fall, seit sie seit 2018 wieder runtergehen

    Den Satz verstehe ich nicht. Kann es mir jemand erklären?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris23
    (612 Beiträge)

    01.12.2020 10:41 Uhr
    Es ist ja nicht nur die Energie
    Die Beleuchtung kann durchaus auch die Anwohner stören, das ist ja auch ein Umwelt thema ... Diebe und sonstige lassen sich vermutlich nicht durch eine extra laterne abschrecken (und wenn dann gehen sie 50m weiter),und ob man damit viele Stürze verhindert ich glaube nicht.
    Ich denke das Geld wäre deutlich besser in anderen Bereichen angelegt, die können dann von mir aus auch die tatsächliche Sicherheit verbessern anstatt nur die Gefühlte.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.