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Karlsruhe Karlsruhes OB Frank Mentrup sieht Ende der kostenlosen Corona-Tests kritisch: "Ist mir zu pädagogisch getriggert"

Auf der im zwei-Wochen-Rhythmus stattfindenden virtuellen Corona-Pressekonferenz der Stadt Karlsruhe gibt Oberbürgermeister Frank Mentrup einen Überblick über die aktuelle Corona-Lage in Karlsruhe und äußert sich außerdem zur neuen geplanten Corona-Verordnung der Landesregierung. Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums in Karlsruhe, ordnet außerdem die aktuellen Zahlen aus Israel ein und versucht Prognosen für die Entwicklung in Karlsruhe zu treffen. 

Alles in allem sei die Situation in Karlsruhe generell ruhig, so der OB. Gleichzeitig warnt Mentrup aber vor einer steigenden Inzidenz. "Durch unsere Abwasser-Beobachtung rechnen wir damit, dass sich die Inzidenz in den nächsten Wochen weiter nach oben entwickeln wird." Das Stadtoberhaupt rechne mit Zahlen zwischen 40 und 50. Auch durch die zu erwartenden Reiserückkehrer, sei mit einer steigenden Inzidenz zu rechnen. Aktuell liege der Anteil der Corona-Infektionen durch Reiserückkehrer bei 16 Prozent. 

Ehepaar auf Intensivstation des Klinikums

Auch im Städtischen Klinikum Karlsruhe sei die Lage laut Mentrup weiter ruhig. Obwohl aktuell zwei Personen intensivmedizinisch dort versorgt werden. Bei den Patienten handle es sich um ein Ehepaar, welche beide doppelt geimpft seien. "Dieser Fall zeigt: Es kommt auch bei Geimpften zu Infektionen und im Einzelfall auch zu schweren Verläufen", so Mentrup.

Oberbürgermeister Frank Mentrup.
Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Carsten Kitter

Der Fall des Ehepaares zeige auch, dass es "sinnvoll wäre, sich trotz doppelter Impfung zur eigenen Sicherheit testen zu lassen." Gerade wenn man eine große Menschenmenge besuche oder aus einer großen Menschenmenge kommt, sei ein Test eine weitere Absicherung "weil auch Geimpfte sich infizieren und das Virus weitergeben können."

In diesem Zusammenhang äußert sich der Rathaus-Chef auch zur geplanten Corona-Verordnung der Landesregierung, die am kommenden Montag in Kraft treten soll. "Generell halte ich es für schwierig aus 3G, 2G zu machen und dabei auch noch eine Klassifizierung bei den Tests vorzunehmen."

Mentrup über Bürgertests

Zusätzlich sei die zeitliche Komponente nicht zu unterschätzen. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Einrichtungen mit der Kurzfristigkeit überfordert sind." Auch das geplante Ende der kostenlosen Bürgertests ab dem 11. Oktober bewertet Mentrup kritisch.

Ein Corona-Tester führt einen Schnelltest durch.
Ein Corona-Tester führt einen Schnelltest durch. | Bild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

"Die Regelung betrifft nicht nur Ungeimpfte sondern auch Geimpfte die sich zu Sicherheit noch mal testen lassen würden. Für mich ist diese Maßnahme deutlich zu pädagogisch getriggert und nicht genug infektiologisch gedacht." Außerdem entstehe so die Gefahr, dass sich Menschen in großer Zahl privat treffen, da sie an öffentlichen Veranstaltungen nicht teilnehmen dürfen. 

Michael Geißler ergänzt: "Für jetzt ist die Maßnahme vielleicht die richtige Idee um Druck zu machen und Menschen zur Impfung zu bringen, doch im Herbst und Winter könnten die fehlenden Tests, verehrende Auswirkungen haben."

Risiko für Ungeimpfte drei bis sechsmal höher

Wie wichtige die Impfung für die Pandemiebekämpfung sei, erklärt Geißler im zweiten Teil der Pressekonferenz. "Ungeimpfte haben drei- bis sechsmal mal höheres Risiko einer Corona-Infektion als Geimpfte. Auch bei der Delta-Variante zeigen aktuelle Zahlen das die Impfstoffe von Moderna und Biontech eine Wirksamkeit zwischen 88 und 92 Prozent haben. Deshalb möchte ich eine Lanze für die Impfung brechen: Sie ist effektiv und wir brauchen eine höhere Impfquote."

Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.
Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Zu aktuellen Zahlen aus Israel, dass beide Impfstoffe nur noch eine Wirksamkeit von rund 45 Prozent hätten, sagt Geißler: "Man muss hier aufpassen da man noch nicht weiß welche Faktoren noch mit einfließen, aber es zeigt: Die Zahl der Antikörper sinkt und da man in Israel früh angefangen hat zu impfen, ist es jetzt logisch das die Antikörper weniger werden." Deswegen sei die Diskussion um eine "Booster-Impfung" richtig. 

Auch zu Impfdurchbrüchen (Infektion trotz Impfung) äußert sich der Krankenhaus-Chef. "Die Quote der Durchbrüche liegt bei 0,2 Promille. Es ist also logisch, dass mit steigender Impfquote auch die Zahl der Impfdurchbrüche steigt. Die Frage ist nun: Ist das problematisch?"

Problem der Impfdurchbrüche?

Geißler antwortet: "Die Verläufe sind bei Geimpften auf jeden Fall weniger schwer, aber Menschen mit Vorerkrankung oder ältere Menschen haben ein höheres Risiko eines Impfdurchbruchs." Dies sei ein weiterer Punkt der für eine Booster-Impfung - gerade bei älteren Personen - spreche.

Die Politik appelliert an die Bürger, sich auch als Schutz für alle impfen zu lassen - und macht klar: Ohne Impfung wird es schwieriger.
Die Politik appelliert an die Bürger, sich auch als Schutz für alle impfen zu lassen - und macht klar: Ohne Impfung wird es schwieriger. | Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Doch was bedeutet das nun für den weiteren Verlauf der Pandemie? Hierfür wirft Geißler einen Blick nach Großbritannien, wo seit dem 19. Juli fast alle Corona-Maßnahmen aufgehoben wurden. "Wenn wir ähnliche Zahlen erreichen, wären zehn bis 15 Prozent der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt." In Karlsruhe wären das vier bis acht Patienten. 

"Dies würde zwar zu Einschränkungen im Klinik-Alltag und auf anderen Stationen führen, doch diese wären bei Weitem nicht so dramatisch wie sie während der zweiten und dritten Welle waren", so Geißler abschließend. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   Beiertheimer
    (1359 Beiträge)

    13.08.2021 08:05 Uhr
    Zumal ja auch eine ausreichende Bedenkzeit
    seitens der Politik eingeräumt wurde. Jeder der bisher skeptisch einer Impfung gegenüber stand hat noch ausreichend Zeit sich impfen zu lassen, danach muß man mit den Folgen seiner Entscheidung leben.
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  •   barheine
    (743 Beiträge)

    13.08.2021 07:27 Uhr
    Impfungen gibt es kostenlos! Kann ja wohl nicht angehen, dass der Steuerzahler Impfmuffeln auch noch die Tests finanziert. Und schauen Sie einmal die Milliardendefizite der GKV. Das gibt nächstes Jahr ein großes Hallo bei den Mitgliedern und Unternehmen.
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