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Karlsruhe Karlsruher Tierretter empört: Er wollte den Hund von der Südtangente retten - doch die Polizei verbot es ihm

Rund eine Woche ist es her, dass ein entlaufener Hund auf der Karlsruher Südtangente für ein kleines Verkehrschaos sorgte. Den eingesetzten Polizisten beim Einfangen des Tieres helfen wollte Markus Wagner von der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee. Doch die Polizei lehnte die Unterstützung des Tierretters ab - auf Kosten der Gesundheit des Hundes, wie Wagner selbst meint. Er wünscht sich nun eine bessere Zusammenarbeit mit der Polizei - um Tieren in Karlsruhe in Zukunft schneller helfen zu können.

Am Donnerstagabend, 18. Februar, sorgte ein entlaufener Hund für einen großen Polizeieinsatz auf der Karlsruher Südtangente: Zwischen 18 Uhr und zirka 20.45 Uhr versuchten die Beamten der Karlsruher Polizei - mithilfe von mehreren Streifenwagen und einem Helikopter mit Wärmebildkamera - das entlaufene Tier einzufangen. Vergeblich, der Hund konnte durch ein Loch in einer Lärmschutzwand flüchten. 

Entlaufenem Hund geht es gut

"Mittlerweile konnten wir den Hund aber finden und es geht ihm auch den Umständen entsprechend gut", berichtet Markus Wagner von der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee, im Gespräch mit ka-news.de. "Am Sonntagabend konnten wir den Hund in der Nähe der Südtangente einfangen." Bis es aber soweit war, musste der Tierretter einiges an Mühe auf sich nehmen. 

Gerettet: Im Kofferraum der gerettete Hund. Davor ein Bezugshund der den Ausreißer aufspürte.
Gerettet: Im Kofferraum der gerettete Hund. Davor ein Bezugshund der den Ausreißer aufspürte. | Bild: Markus Wagner

"Als wir im Laufe des Freitags keine Sichtungsmeldung bekommen haben, wurden Suchhunde eingesetzt, diese führten uns dann zum Karlsruher Zoo", so Wagner. Mit einer Sondergenehmigung durften die Tierretter ihre Suche dort fortsetzen, leider ohne Ergebnis. Erst nachdem die Polizei am Sonntagnachmittag eine erneute Sichtungsmeldung über den Hund erhielt, konnte er schließlich am späten Abend eingefangen werden.

Auch wenn der Tierretter froh über das verspätete Happy End ist: Seiner Ansicht nach hätte es gar nicht so weit kommen müssen, hätte die Polizei während des eigentlichen Einsatzes auf der Südtangente anders reagiert. "Bei allem Respekt, aber das Verhalten der Polizei war der Situation nicht angemessen." 

Tierretter darf nicht helfen

Der Tierexperte ist überzeugt, er hätte den entlaufenen Hund schon am Donnerstag auf der Südtangente einfangen können. "Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher - spätestens, als er dann im Edeltrudtunnel war." Doch es gab ein Problem: Die Polizei lehnte seine Unterstützung ab.

Zwei Autos der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee.
Zwei Autos der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee. | Bild: Markus Wagner

"Ich war zufällig mit meinem Auto und Werkzeug vor Ort und habe meine Hilfe angeboten, ein Polizist  sagte mir aber, dass meine Hilfe nicht benötigt wird", erklärt Wagner. Der angebliche Grund: 150 Euro, die die Rettung gekostet hätte und die die Polizei nicht tragen wollte. Eine Erklärung, die Wagner sauer aufstößt.

"Erstens geht es hier um ein verletztes Tier, da spielt Geld weniger eine Rolle. Zweitens hätte der Hundebesitzer für die Kosten aufkommen müssen. Die Polizei hätte auf keinen Fall eine Rechnung erhalten", sagt der 38-Jährige gegenüber ka-news.de. Und: "Die Polizei wollte eine 150 Euro-Rechnung vermeiden, setzt im Laufe des Abends aber vier Streifenwagen und später sogar einen Hubschrauber ein. Wo ist da die Logik?", meint Wagner.

Die gesperrte Südtangente.
Die gesperrte Südtangente. | Bild: Markus Wagner

Hinzu komme: "Was hätte die Polizei gemacht, wenn sie den Hund gefangen hätte? Es hieß, der Hund sei schwer verletzt. Wer hätte ihn medizinisch versorgt und vor allem wie?", so Wagner. Der Tierretter ist laut eigenen Angaben seit vier Jahren bei der Tier-Taxi-Zentrale und erfahren und geschult - auch im Umgang mit verletzt Tieren.

"Das hätte alles nicht sein müssen"

Auch im weiteren Verlauf der fast vier Tage dauernden Suche wirft Wagner der Polizei massive Verfehlungen vor, etwa am Fundtag selbst. So hätte bis dahin selbst der Besitzer des Hundes "sogar den Auftrag gegeben, sein Haustier zu fangen. Als wir aber bei der Polizei nachfragten, wo sich der Hund denn genau befände, wurde uns nicht geholfen."

Markus Wagner mit einer geretteten Gans.
Markus Wagner mit einer geretteten Gans. | Bild: Markus Wagner

Der Grund: Erneut die Kostenfrage sowie die Aussage, es sei Aufgabe der Polizei, das Tier einzufangen, so schildert Markus Wagner. Erst nach mehrmaligem Nachfragen seien die Beamten bereit gewesen, den Standort des Hundes preiszugeben. "Das war um 20 Uhr und um 21 Uhr konnten wir ihn dann einfangen." Die tagelange Suchaktion auf Kosten der Gesundheit des Tieres - "das hätte alles nicht sein müssen", meint Wagner.

Es kommt darauf an, wo Hilfe benötigt wird

Doch was sagt die Karlsruher Polizei zu den Vorwürfen? Auf Nachfrage von ka-news.de hält sich das Polizeipräsidium bedeckt, verweist lediglich auf die bekannten Fakten rund um den Vorfall auf der Südtangente und erklärt, "dass es bei der Tierrettung darauf ankommt, wo genau Hilfe benötigt wird, ob im Stadt- oder im Landkreis".

"Hier entscheidet dann die jeweilige Zuständigkeit über mögliche angeforderte Hilfe." Zudem seien Mitglieder der Hundestaffel vor Ort gewesen, die viel Erfahrung im Umgang mit Hunden hätten, so ein Sprecher zu ka-news.de.

Für Markus Wagner ein schwacher Trost. Er will nun gegen die beteiligten Beamten Beschwerden einlegen und wünscht sich für die Zukunft wieder mehr Kooperationsbereitschaft seitens der Behörden. "Früher hat das alles deutlich besser funktioniert und wir wurden oft angefordert, auch von der Polizei. Doch mittlerweile ist es deutlich weniger geworden."

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  •   Prof_Arogora
    (95 Beiträge)

    02.03.2021 15:50 Uhr
    An die eigene Nase packen, Herr Wagner!
    "Erstens geht es hier um ein verletztes Tier, da spielt Geld weniger eine Rolle. Zweitens hätte der Hundebesitzer für die Kosten aufkommen müssen. Die Polizei hätte auf keinen Fall eine Rechnung erhalten", sagt der 38-Jährige gegenüber ka-news.de.

    Wenn da Geld weniger eine Rolle spielt, hält man in solchen Situationen besser mal den Mund und tut etwas für ein verletztes Tier, ohne über Eisatzkosten zu sprechen.
    Die Polizei darf nicht im Namen des Hundebesitzers einen kostenpflichtigen Fremdeinsatz beauftragen. PUNKT!
    Ihre kostenlose Werbung haben Sie ja jetzt leider bekommen. Die ist wertvoller als 150,-€
    Ich für meinen Teil weiß jetzt, mit welchem Unternehmen ich künftig keine Zusammenarbeit mehr anstreben werde.
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  •   Dobermann
    (258 Beiträge)

    01.03.2021 12:56 Uhr
    Auf den Hund gekommen....
    Wenn diese Version von Herrn Wagner geschrieben wird, dann hätte ich auch gerne einmal die andere Seite gehört. Fakt ist : Die Polizei hat sich bemüht und selbst einen Hubschraubereinsatz beauftragt. Das finde ich toll. Der Hund ist entwischt,das kommt vor. Die Gefahrenlage auf der Südtangende war somit nicht mehr gegeben . Herr Wagner spricht hier 150 € an, behauptet er hätte das Tier eingefangen.Da liegt aber immer eine große Spanne zwischen Sagen und Machen. Ein echter Tierfreund hätte niemals 150 Euro verlangt, sondern hätte sich danach als kleiner Held gefühlt. Vielleicht hat die Polizei das Angebot nicht bewilligt, weil es zu gefährlich für einen Menschen gewesen wäre.Wir waren nicht vor Ort und wissen nur das was in der Presse berichtet hat. Langsam glaube ich , das gegen unsere Polizei immer gewettert wird, selbst wenn die Polizisten übers Wasser gehen könnten, würden manche noch sagen, "Die können nur nicht schwimmen". Ah,cool das Herr Wagner zufällig vor Ort war.... grins
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  •   olafb
    (355 Beiträge)

    01.03.2021 12:42 Uhr
    Ziel erreicht
    So nun hat dieser Tierfreund schön kostenlos Werbung für seine Firma gemacht. Diese böse, böse Polizei aber auch.
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  •   80er
    (5999 Beiträge)

    01.03.2021 19:45 Uhr
    Sag..
    ...ich doch..da macht sich jemand wichtig
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  •   andip
    (11000 Beiträge)

    01.03.2021 12:16 Uhr
    ??
    "Zweitens hätte der Hundebesitzer für die Kosten aufkommen müssen. Die Polizei hätte auf keinen Fall eine Rechnung erhalten"

    Wenn dieser Tierretter sowieso dem Hundebesitzer die Rechnung schicken wollte, wieso fängt der dann überhaupt an, mit der Polizei über Kosten zu verhandeln?
    Einfach anbieten, den Hund zu fangen und dann im Erfolgsfall das Geld gleich vom Besitzer kassieren.
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  •   lynx1984
    (3405 Beiträge)

    01.03.2021 12:44 Uhr
    Auftrag!
    Ist die Polizei involviert kann man da nicht einfach so dazwischen funken. Erst recht nicht auf einer voll gesperrten Bundesstraße mit einer Net Gun herum schießen und sein Fahrzeug dann dafür im Rückstau stehen lassen.

    Über die Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme muss in dem Fall die Polizei entscheiden. Nur das ermöglicht es dem Tierretter eine Rechnung an den Hundehalter zu schreiben bzw. überhaupt erst einen Rechtsanspruch auf Vergütung (und Auskunft wer ist der Halter) zu bekommen.
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  •   udoh
    (1945 Beiträge)

    01.03.2021 12:08 Uhr
    Ist Polizeibashing grad in Mode? Reißerische Überschriften mit Sicherheit
    Nein, weder arbeite ich für diese "Firma" noch jemand mir besonders Nahestehndes. Und JA, ich habe mich auch schon über manche Aktion geärgert, ABER was soll uns die Überschrift suggerieren?
    Polizei als Tierquäler? Oder Polizei beauftragt nicht kostenpflichtig jemanden der "ich kann das von sich gibt"? Der Nächste entschärft dann Bomben zum Schnäppchenpreis - uppps doch schief gegangen - oder was?
    Das Bashing - letzt haben die doch glatt jemand verfolgt, der auf Aufforderung nicht stehen geblieben ist - geht mir langsam echt auf Nerven.
    Ich will in einem Rechtsstaat leben, in dem nicht über jede behördliche Anweisung (die adhoc und im Einklang mit Vorschriften getroffen wird) erstmal öffentlich herablassend aus der Distanz vom warmen Schreitisch rumgenölt wird. Wenn jemand im Dienst Sch... baut: dafür gibt es erstmal eine Dienstaufsicht und nicht erst öffentliche Stimmungsmache ohne Hintergrundwissen und einer Perspektive!
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  •   quicksilver
    (105 Beiträge)

    01.03.2021 10:07 Uhr
    nunja
    es sollte mal hinterfragt werden was dieser Artikel bezwecken soll?!
    1. hier geht es nicht um das Tierwohl sondern um einen kostenpflichtigen Einsatz durch das Tiertaxi!!! Es wurde wie beschrieben keine kostenlose Hilfe angeboten sondern eine Dienstleistung für 150 EUR. Wäre der feiner Herr ein Tierfreund hätte er kostenlost geholfen!
    2. wer sagt, dass der angebliche "Profi" das Tier gefangen hätte?
    3. Natürlich hätte die Polizei die Rechnung zahlen müssen (wer bestellt bezahlt) ... die Rechnung hätte dann weiterberechnet werden müssen

    ich finde das Tiertaxi und der Mitarbeiter geben hier ein ganz schwaches Bild ab!! Wie im letzten Absatz geschrieben geht es hierbei darum, dass die Polizei früher mehr Aufträge erteilt hat und das mittlerweile mit eigenem Personal erledigt.
    Es ist nur Werbung!
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  •   lynx1984
    (3405 Beiträge)

    01.03.2021 11:23 Uhr
    Schwach?
    Schwach war die Leistung der Polizei und deren angeblicher „Fachkräfte“. Die haben sogar einen Hubschrauber eingesetzt, welcher nach nicht mal 2 Minuten den Kostensatz des Tiertaxis übersteigt. Ganz zu schweigen von den Kosten der Sperrung der Südtangente.
    Offensichtlich ist, dass der Einsatszenario „Tierrettung“ bei der Polizei nicht im Vordergrund steht (muss auch nicht, die haben anderes zu tun!). Dann sollte man aber so klar sein und Profis in der Sache ran lassen. Das ist nicht geschehen. Tausende Euros Steuergeld wurden verbraten. Kann den Frust vom TierTaxi gut verstehen.
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  •   quicksilver
    (105 Beiträge)

    01.03.2021 11:57 Uhr
    der hubschrauber
    kostet eh Geld! ob für Trainingsflüge oder eben einen Hund zu suchen - bewegen muss er sich. Es lag eine Gefährdungslage vor - punkt. wenn der zweitligaverein wieder seine Hooligans nicht mehr im Zaun halten kann ist es völlig legitim wenn der Hubschrauber in der Luft ist und tausende von Euros verbrennt?
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