Browserpush
11  

Karlsruhe Schluss mit dem schlechten Ruf: Diese vier Maßnahmen sollen Oberreut attraktiver machen

Gefährlich, kriminell oder einfach nicht besonders beschaulich - mit solchen Vorurteilen sieht sich Karlsruhe-Oberreut schon seit Jahren konfrontiert. Erste Ansätze, um das Image des Stadtteils zu verbessern, gibt es bereits. Der Karlsruher Gemeinderat geht nun noch einen Schritt weiter: In vier Phasen soll Oberreut attraktiver gestaltet werden.

Nicht erst seit gestern hat Oberreut unter den Karlsruhern einen schlechten Ruf. Der Stadtteil kämpft mit einem negativen subjektiven Sicherheitsempfinden, mit wenig Aufenthaltsqualität und dadurch mit einigen Vorurteilen. 

Das soll sich jedoch künftig ändern - mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept Karlsruhe 2020 (ISEK). Für dessen Durchführung hat am vergangenen Dienstag einstimmig der Karlsruher Gemeinderat gestimmt.

Ziel dieses Programms des Amtes für Stadtentwicklung: die "Förderung von Bildung, Arbeit, Integration und sozialem Miteinander" innerhalb des Stadtteils. So erklärt die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage an den Gemeinderat.

Seit Anfang 2019 seien im Rahmen des ISEK-Projekts vier Phasen der Informationsbeschaffung und der Projektgruppenbildung durchgeführt worden. Dabei wurden die Einwohner Oberreuts nach den Verhältnissen ihres Stadtteils befragt und in gebildeten Gremien nach Lösungsansätzen gesucht, so die Stadt. Daraus entstanden vier konkrete Handlungsschritte, wie Oberreut attraktiver werden kann.

Schritt 1: Soziales Image verbessern und Kultur fördern

Zunächst einmal sei das grundsätzliche Straßenbild des Stadtteils auf Vordermann zu bringen: Die Straßen sollen gereinigt und Mülleimer besser positioniert werden. Förderung von Ehrenämtern, die die Pflege und Müllbeseitigung übernehmen, stehen ebenfalls auf der Agenda. Zusätzlich wolle man auch "attraktive Anziehungs- und Treffpunkte" einrichten, um sozialen Austausch, Kulturevents oder Festivitäten zu begünstigen.

So plane man beispielsweise mehrere mobile Bühnen für Theater- und Musicalaufführungen oder auch die Einrichtung eines Jugendzentrums in Kooperation mit dem Stadtjugendausschuss, in dem verschiedene Anreize zum kulturellen und sozialen Austausch geschaffen werden sollen. Dies könne jedoch laut Verwaltung nur bei reger Zusammenarbeit zwischen Stadt und Bürgerschaft gelingen - und diese soll Teil des zweiten Schritts sein.

Schritt 2: Mehr Beteiligung, Engagement und Zusammenarbeit

Um Oberreut "positiv weiterzuentwickeln", sei es nötig, die Kooperation zwischen Stadt und engagierten Einwohnern zu verbessern. So schlage die Stadt vor, Grünflächen oder Sportplätze für Projekte und Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen, die Kosten sollen dabei die Veranstalter selbst tragen. Weiterhin wolle man verschiedene Gemeindezentren, wie etwa das Jugendzentrum "Weiße Rose" unterstützen und so für weiteren Austausch sorgen.

Um das zu schaffen, sollen die Bürger aktiv in die Kommunikation mit eingebunden werden. Daher plane man im Rahmen des Projekts ISEK eine Vernetzung verschiedener Verwaltungsstellen, die daran beteiligt sind. 

Schritt 3: Erholungsräume schaffen und Rad- und Fußverkehr stärken

Ein weiteres Ziel, das mit dieser Kooperation verfolgt werde, sei die Weiterentwicklung Oberreuts zu einem grünen Stadtteil mit vielfältigen Erholungsangeboten. So solle das Waldgebiet regelmäßig von Müll befreit werden. Man plane, im Wald Erholungsgebiete einzurichten, einen Treffpunkt beim Jugendgarten anzulegen und Ausflugsangebote für Schulklassen im Waldgebiet zu schaffen.

Der Jugendgarten in Oberreut. | Bild: (fst)

Im Wohngebiet sollen vor allem die Sportanlagen überholt werden, ferner seien Grünflächen und Spielplätze zu renovieren. So werde der Spielplatz in der Graf-Galen-Straße in den nächsten beiden Jahren saniert werden, so der Gemeinderatsbeschluss. Weitere Unternehmungen zu diesen Themen sollen "mittel- bis langfristig umgesetzt werden". Bei allen Maßnahmen plane man die Einwohner zu beteiligen.

Schritt 4: Lebensmittelversorgung und Gesundheitswesen

Damit auch an die Infrastruktur gedacht ist, plane man außerdem, das lokale Gesundheitswesen in Oberreut nachzubessern - so hatte schon der örtliche Bürgerverein im Gespräch mit ka-news.de einen Mangel an Ärzten in ihrem Stadtteil kritisiert. Hierzu sei nun allerdings bereits ein Dialog zwischen Einwohnern, Stadtverwaltung und interessierten Ärzten hergestellt, so die Stadt in ihrer Beschlussvorlage. Weitere Dialoge, auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung, stünden bereits bevor. 

Doch nicht nur die medizinische Versorgung - auch die Erweiterung des Wochenmarktsortiments innerhalb Oberreuts soll Teil der Maßnahmen werden. Hierzu wolle man sich verstärkt um neue Stände und Marktsortimente bemühen, indem die Stadt "aktiv mit Neubewerbern in Kontakt" trete. 

Wird das Projekt auf andere Stadtteile ausgeweitet?

Wann genau aber diese vier Schritte eingeleitet und vollzogen werden sollen, sei trotz aller Vorplanung noch nicht festgelegt. Gleiches gilt für die Kosten der Umsetzung der ISEK-Maßnahmen. Großen Anklang fand das Projekt bei den Karlsruher Stadträten am vergangenen Dienstag nichtsdestotrotz - so groß, dass es, sollte es Früchte tragen, in Zukunft auf weitere Stadtteile ausgeweitet werden könnte.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (11)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1 Beiträge)

    05.10.2021 14:51 Uhr
    Zu Spät
    Der Ruf von Oberreut wird sich, egal was gemacht nicht ändern.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Jo92
    (5 Beiträge)

    05.10.2021 10:49 Uhr
    Der "schlechte Ruf " ist längst überholt!
    Insbesondere durch das Neubaugebiet in der Feldlage hat sich der Stadtteil positiv entwickelt und gehört für mich zu den schönsten in Karlsruhe. Es sind gerade solche Berichte (die sich bei Ka-News leider häufen), die durch das Aufwärmen von Klischees vergangener Tage, dem Image schaden. Ein wichtiger Schritt wäre es wohl, wenn Ka-News aufhören würde so negativ über Oberreut zu berichten. Da hier z.b. die Kriminalitätsrate unterdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen Stadtteil ist, brauchen Wörter wie gefährlich und Kriminalität auch nicht in jedem Bericht über den Stadtteil vorkommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   timo
    (3397 Beiträge)

    05.10.2021 20:15 Uhr
    Der schlechte Ruf ist sicher nicht überholt,
    eventuell ist er nicht mehr begründet. Ich kenne Oberreut nur als AfD-"Hochburg" (zum Glück auch dort weniger) . Leider macht man so sein eigenes Viertel kaputt.

    Wüsste keinen Grund da hin zu gehen - warum nicht mal große Veranstaltungen dort hinverlegen? Das ist sicher ein guter Anfang.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (11287 Beiträge)

    05.10.2021 13:49 Uhr
    ??
    Wo und wann wird denn ständig negativ über Oberreut berichtet, sowohl von ka-news oder anderen?
    Und wenn es was negatives gibt, soll dann nicht darüber berichtet werden?
    Der schlechte Ruf sitzt in den Köpfen drin, auch wenn er nicht berechtigt sein mag.
    Genauso wie beim Europaplatz, der auch nicht der kriminelle Hotspot ist, für den ihn alle halten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Jo92
    (5 Beiträge)

    05.10.2021 23:36 Uhr
    Danke für die Nachfrage:
    Unten habe ich einen Artikel von meinka.de als Gegenbeispiel verlinkt. Insgesamt erlebe ich die anderen Lokalmedien bei diesem Thema differenzierter und objektiver. Bei Ka-News wird hingegen in mehreren Artikeln von negativen und subjektiven Empfindungen geschrieben. Und diese stehen eben im Gegensatz zu meiner Wahrnehmung, sowie der zahlreicher anderer Anwohner. Es war bestimmt nicht beabsichtigt, aber ich denke mit diesem Artikel wurden eher Vorurteile geschürt, als abgebaut. Schade!

    https://meinka.de/oberreut-zusammen-weiterentwickeln-buerger-koennen-sich-einbringen/
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Micha
    (173 Beiträge)

    05.10.2021 12:49 Uhr
    Kann ich...
    voll bestätigen. Ich wohne in der Feldlage und fühle mich dort alles andere als unwohl oder von Kriminalität bedroht. Hauptsache mal alte Klischees ausgepackt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Jo92
    (5 Beiträge)

    05.10.2021 10:46 Uhr
    Der "schlechte Ruf " ist längst überholt!
    Insbesondere durch das Neubaugebiet in der Feldlage hat sich der Stadtteil positiv entwickelten und gehört für mich zu den schönsten in Karlsruhe. Es sind gerade solche Berichte (die sich bei Ka-News leider häufen), die durch das Aufwärmen von Klischees vergangener Tage, dem Image schaden. Ein wichtiger Schritt wäre es wohl, wenn Ka-News aufhören würde so negativ über Oberreut zu berichten. Da hier z.b. die Kriminalitätsrate unterdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen Stadtteil ist, brauchen Wörter wie gefährlich und Kriminalität auch nicht in jedem Bericht über den Stadtteil vorkommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (699 Beiträge)

    05.10.2021 08:18 Uhr
    Wäre vielleicht auch gut,
    wenn man die Linie 1 nach Inbetriebnahme der U Straub so beläst wie sie ist. Eine direkte Anbindung an die Innenstadt fördert auch die Attraktivität.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (12399 Beiträge)

    05.10.2021 12:05 Uhr
    !
    Primark ist direkt angebunden und ECE auch, um die Uni wird ein großer Bogen gefahren, was will man mehr in Oberreut? *duck&renn* zwinkern
    Die Waldstädter sind halt ein Kollateralschaden ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (11039 Beiträge)

    06.10.2021 08:06 Uhr
    Die Verkehrsleidbetriebe
    werden das in Bälde simultanübersetzt richtig in allen Sprachen zu regeln wissen.
    Ich frage mich gerade: wie kommt es, dass in meinem Post "läßt" steht und nicht lässt. Ich weiß, dass man vor einem "t" dann das "ä" lang aussprechen müsste. Hat da eine Autokorrektur zugeschlagen?

    Jedenfalls könnte man auch rechtzeitig etwas dagegen unternehmen, dass nicht demnächst behauptet wird, eine Autokorrektur dient dazu, dass Autos total verschwinden. Nicht nur aus der Innenstadt, sondern überall. Überall heißt Overall. Der ist aber nicht bunt, sondern uni. Und um eine Uni gehört ein Bogen gemacht, eber kein Regenbogen.
    Verkehrsleid -betriebe regeln das sicher!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen