1  

Karlsruhe Karlsruher Schülerin berichtet: So ungewöhnlich ist mein Corona-Schulalltag

Der Schulalltag hat sich durch Corona massiv verändert. Zwischen Absperrband, Desinfektionsmittel und Maske lernen aktuell auch Karlsruher Schüler neue Inhalte und arbeiten den Stoff der Corona-Pause nochmal auf. Mittendrin: ka-news.de-Mitarbeiterin Lena Ratzel. Sie berichtet von ihren ersten Schulwochen an einem Karlsruher Gymnasium.

Eines ist definitiv klar: Für uns Schüler ist der Schulalltag seit Corona ein anderer. Gerade mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 14. September - und damit auch wieder dem Präsenzunterricht - hat sich einiges verändert.

Doch auch klar ist: Ich bin froh wieder in die Schule gehen und meinen Alltag - zumindest in einigen Punkten - wie zu Vor-Corona-Zeiten leben zu dürfen. Natürlich muss man dafür aber auch einige Regeln beachten und Bequemlichkeiten hintenanstellen. 

Überfüllte Busse und Straßenbahnen

Diese Einschränkungen werden mir aber nicht erst beim Betreten des Schulgebäudes deutlich, sondern schon am frühen Morgen, wenn es für mich zuerst mit dem Bus und dann mit der Straßenbahn in die Schule geht.

Hier gilt normalerweise: Abstand halten. In der Praxis sieht dies allerdings oft anders aus: In überfüllten Bussen und Straßenbahnen kann kaum der Mindestabstand eingehalten werden. Zusätzliche Fahrten werden trotz Ankündigung nicht eingesetzt.

Wege-Konzept lässt Schulhaus zu Irrgarten werden

In der Schule angekommen, heißt es für mich und meine Mitschüler auch dort wieder: Maske auf und hinein in das Schulhaus. Das Klassenzimmer zu erreichen kann allerdings seine Zeit dauern, das Schulhaus gleicht einem Labyrinth. Der Grund: In den Gängen darf nur in eine Richtung gelaufen werden, damit sich keiner frontal begegnet. 

Bild: Lena Ratzel

Wechselt man mehrmals am Tag den Raum, kann das schon einmal einige Zeit in Anspruch nehmen - oft sogar mehr als die obligatorischen fünf Minuten Pausenzeit. Mir fällt aber auf: Die Lehrkräfte gehen als gutes Beispiel voran und nehmen genauso wie die Schüler die Umwege in Kauf. Einzelne Verstöße von Schülern gibt es immer, doch die Umwege sind definitiv sinnvoll und notwendig. 

Unterricht ohne Maske

Angekommen am Sitzplatz im Klassenzimmer darf die Maske schließlich abgenommen werden und auch das Abstandsgebot ist aufgehoben. Die Fenster bleiben dauerhaft geöffnet, damit die Luft ständig ausgetauscht wird. An kälteren Tagen kann dies durchaus dazu führen, dass wir Schüler mit dicken Jacken im Unterricht sitzen.

Gruppenarbeiten werden vermieden und auch Aufgaben außerhalb unserer eigenen Sitzplätze bleiben aus. Das einzige Problem: Nah kommt man sich trotzdem, denn der Sitznachbar darf in nächster Nähe sitzen, als gäbe es kein Abstandsgebot. 

Kontakte werden auf ein Minimum reduziert 

Läutet es zur Pause, stürmen die Schülermengen nicht mehr - wie üblich - alle nach draußen. Die Klassen sind fest eingeteilt, sodass jede Klasse eine der beiden großen Pausen auf dem Pausenhof verbringt und eine im Klassenzimmer.

Bild: Lena Ratzel

Auf dem Pausenhof haben die verschiedenen Klassenstufen ihr eigenes "Viertel", damit die Kontakte auf ein Minimum reduziert werden. Mir fällt allerdings auf: Umsetzbar ist dies kaum, denn die Schulgemeinschaft lebt vom Kontakt zwischen den Altersklassen - und dieser kann somit im Alltag kaum vermieden werden. 

Im Sportunterricht schwinden die Corona-Regeln

Ein Sonderfall bildet der Sportunterricht: Mit Maske geht es in die Sporthallen, in der Umkleide wird die Maske allerdings abgelegt und gegen die Sportkleidung getauscht. Ich gebe zu: Nach den strikten Corona-Monaten ist es ist ein komisches Gefühl, seinen Mitschülern plötzlich so nahe zu sein, ohne Maske.

ka-news.de-Mitarbeiterin Lena Ratzel - sie erlebt als Schülerin eines Karlsruher Gymnasiums den Corona-Alltag an den Schulen hautnah mit. | Bild: Lena Ratzel

Home Schooling trotz normalem Schulalltag

Neben dem Präsenzunterricht geht es für meine Mitschüler und mich aber auch immer noch regelmäßig in den Fernunterricht. Denn: Lehrkräfte, die nicht an der Schule unterrichten können, halten ihren Unterricht über das Home Schooling. So schalte ich jeden Dienstagnachmittag meinen Laptop ein, um der Videokonferenz meines Geschichtskurses beizutreten.

Der Unterricht läuft wie gewohnt ab, allerdings digital. Eine Wortmeldung signalisiere ich nun nicht mehr durch das Aufzeigen, sondern durch einen Klick mit der Maus. Mittlerweile funktionieren die Videokonferenzen - zumindest bei uns - einwandfrei, ganz im Gegensatz zu der Zeit während des Lockdowns.

Im Home Schooling ist Verantwortung gefragt - auch Lena Ratzel muss jeden Dienstag zur Geschichtsstunde per Videokonferenz. | Bild: Lena Ratzel

Unter meinen Mitschülern wird das Thema Corona-Regeln natürlich auch intensiv diskutiert. Der Kanon dabei: Uns ist bewusst, dass auch der Unterricht im Home Schooling ernst genommen werden muss und gleichwertig zählt wie Unterricht in der Schule. Manch einer mag das noch belächeln und auf die leichte Schulter nehmen, doch ich finde: So viel Eigenverantwortung muss man von Schülern voraussetzen können.

Corona-Regeln werden weitestgehend eingehalten

Das etwas über zwei Wochen andauernde Schuljahr hat gezeigt: Die Corona-Regeln bestimmen den Schulalltag. Wir Schüler haben uns mit diesen Regeln abgefunden, erkennen den Sinn dahinter und ermahnen uns auch gegenseitig bei Verstößen - insgesamt werden die Vorgaben allerdings meines Erachtens eingehalten.

Auf dem Schulgelände eine Maske zu tragen, stößt in einigen Fällen hingegen noch auf fehlende Akzeptanz. Dennoch kann man aus Schülersicht weitestgehend zufrieden sein, wie die Regeln gehandhabt und schließlich umgesetzt werden. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (1)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   hoza
    (1 Beiträge)

    30.09.2020 08:24 Uhr
    Lob
    Respekt für den guten und informativen Beitrag ihrer Schülerreporterin
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.