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Karlsruhe Karlsruhe knackt den Inzidenzwert 50: 5 Gründe, warum Lockerungen jetzt trotzdem keine gute Idee sind

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen konnte die Lage in der aktuell "zweiten Welle" stabilisiert werden - doch wohin geht der Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage: Karlsruhe knackt die Inzidenzgrenze 50

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe bleibt angespannt, allerdings nicht hoffnungslos, denn: Die Anzahl der Neuinfektionen geht weiter zurück. Waren so am vergangenen Mittwoch, 3. Februar, noch 222 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Mittwoch, 10. Februar, noch 196. 6.236 Personen gelten als genesen. Der 7-Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 44,9 pro 100.000 Einwohner. 

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Nach monatelangen Corona-Restriktionen ist es damit endlich soweit: Der Inzidenzwert im Stadtkreis Karlsruhe hat die Marke 50 unterschritten. Der Landkreis steuert bereits auf die Senkung auf 60 zu. Höchste Zeit, um über Lockerungen nachzudenken - oder etwa doch nicht?

Tatsächlich haben sich Bund und Länder am heutigen Mittwoch darauf geeinigt, den Lockdown noch einmal bis zum 7. März zu verlängern. Aber weshalb Verlängerung, wenn die 50er-Grenze vielerorts bereits unterschritten ist?

5 Gründe gegen die Lockerungen

Dass Rufe nach ersten Lockerungen spätestens jetzt laut werden könnten, das sieht auch das Land Baden-Württemberg als "verständlich" an. Dennoch gebe es einige Gründe, die dafür sprechen, mit den ersten Öffnungsschritten im Land noch zu warten, erklärt die Regierung in einer Pressemeldung. 

  1. Ein 7-Tage-Inzidenzwert von 50 sei kein Garant dafür, dass Lockerungen in den einzelnen Kreisen oder Städten vorgenommen werden können. Ein Wert über 50 galt im vergangenen Frühjahr gar noch als "Alarmstufe Rot". Zum Vergleich: Im "Lockdown Light" im vergangenen Spätjahr waren die Werte zum Teil auf 200 geschossen.
  2. Im Hinblick vor allem auf die drohenden Corona-Mutationen sei die Reproduktionszahl (R), die sich aktuell bei 0,9 befindet, noch zu hoch, so das Land in der Meldung. Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. "Bei aktuellem Tempo würden wir landesweit die 50er-Schwelle bei der 7-Tage-Inzidenz erst gegen Ende Februar unterschreiten."
    Und: Durch die noch ansteckendere B.1.1.7 Mutation könnte der R-Wert sogar um 0,3 steigen, wie das Land prognostiziert. "Statt wie jetzt bei ungefähr 0,9 und einem leichten Rückgang, wären wir also bei 1,2 und einem starken Anstieg."
  3. Die Dunkelziffer - also die unentdeckten und asymptomatischen Corona-Fälle - ist laut Landesregierung nicht kalkulierbar. Das heißt: Zu den aktuell 20.592 infizierten Personen in Baden-Württemberg kommen nochmal einige Infizierte hinzu, die sich wegen fehlender Symptome nicht haben testen lassen.
    Und: Durch die kürzlich zugelassenen Selbsttests würden zudem mutmaßlich noch weniger Fälle in der Statistik auftauchen - und die Dunkelziffer weiter steigen lassen. Dadurch könnten sich wiederum die Krankenhäuser bis zur Kapazitätsgrenze gefährlich füllen.
  4. Der Schutz vulnerabler Gruppen würde bei zu frühen Lockerungen auf dem Spiel stehen. Nur mit niedrigen Zahlen lassen sich Ausbrüche - zum Beispiel in Pflegeheimen - minimieren, so das Land.
  5. Würde zu früh gelockert werden und erneute Corona-Ausbrüche nach sich ziehen, würde die Wirtschaft so noch mehr beansprucht werden als ohnehin schon, so die Meinung der Landesregierung. "Die Krankenstände würden explodieren – viele Infizierte laborieren mehrere Monate an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung und fallen entsprechend lange aus. Auch Angehörige müssten in Quarantäne.

Kurzum: Mit breiten Lockerungen oder gar mit einer Aufhebung des Lockdowns kann, so das Land, erstmal nicht gerechnet werden. Bund und Länder haben am Mittwoch zudem beschlossen: Weitere Öffnungsschritte werden erst bei einer Inzidenz von höchstens 35 unternommen .

Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe, geht da sogar noch weiter: Um wirklich über Lockerungen nachdenken zu können, sollte der R-Wert tunlichst auf 0,7 und der Inzidenzwert auf 10 bis 15 herabsinken. Das sei - sofern die aktuelle Entwicklung anhält - laut Geißler in zirka vier bis acht Wochen der Fall.

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten großen Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen aufgrund privater Veranstaltungen wieder in die Höhe. Durch einen erneuten Lockdown beginnen die Neuinfektionen zu sinken. 

Inzwischen sind die Infektionsketten oft nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. Reiserückkehrer spielten laut Gesundheitsamt nahezu keine Rolle mehr. Stattdessen sind die meisten Ansteckungen auf den eigenen Familienkreis zurückzuführen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage. In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI Bericht 9.2.21
Dateigröße : 1.87 MBytes.
Datum : 10.02.2021 12:12
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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   kuba
    (1068 Beiträge)

    12.02.2021 17:00 Uhr
    Begeisterung
    Die hat mich befallen, lauter Experten hier. Aber auch die journalistischen Oberexperten, die mich jeden Tag nerven. haben ihr Thema gefunden. Es ist "wunderbar", immer diese Neuigkeiten.
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  •   Dalli_Klick
    (593 Beiträge)

    11.02.2021 19:27 Uhr
    5 Gründe
    Hallo, ich suche noch die Contra-Argumente. Ist Ihr Programm abgestürzt bevor Sie den Artikel zu Ende schreiben konnten?
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  •   FCKSUV
    (604 Beiträge)

    11.02.2021 17:10 Uhr
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
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  •   auchmalsenfdazu
    (3204 Beiträge)

    11.02.2021 15:29 Uhr
    PS:
    Söder hat wieder mal eindrucksvoll bewiesen, dass andere Meinungen in unserer sogenannten Demokratie nicht erwünscht sind.

    Wacht endlich auf , Leute. Es haben inzwischen einige wenige Personen in diesem Staat zu viel Macht. Das hatten wir schon mal und da wollen wir nicht wieder hin.
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  •   tom1966
    (1342 Beiträge)

    11.02.2021 16:02 Uhr
    Richtig: Wacht auf!
    Wir haben eine Pandemie! Auch wenn es einige auch nach über einem Jahr nicht wahrhaben wollen.

    Unten ist ein interessanter Link von Beiertheimer zu den Dunkelziffern.

    Im Übrigen: Diese ewigen Vergleiche mit dem 3. Reich und / oder der DDR nerven und gehen doch wohl weit an der Realität vorbei. Unter diesen Regimen wäre das Veröffentlichen solcher Posts verfolgt worden!

    Keiner behauptet, dass die Corona-Maßnahmen populär sind, im Gegenteil sie sind lästig - aber notwendig!
    Auch ziehen hier alle führenden Politiker in den Regierungen am gleichen Strang, und zwar über fast alle Parteigrenzen hinweg! Es werden aber immer einzelne dafür verantwortlich gemacht: mal Merkel, mal Kretschmann, besonders gerne Söder, usw.. Welche Parteien sind denn gegen die Maßnahmen: Die FDP und ....
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  •   auchmalsenfdazu
    (3204 Beiträge)

    11.02.2021 16:15 Uhr
    ach..
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  •   tom1966
    (1342 Beiträge)

    12.02.2021 07:50 Uhr
    ??
    Ist das für Sie eine sachliche Argumentation?

    Auf Ihre Unterstellungen im Einzelnen einzugehen, spare ich mir. Aber soviel sei gesagt: Meine Berufsgruppe kennt kaum Homeoffice und sie arbeitet zum Teil 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr!

    Was den Nutzen des Lockdown betrifft: Was denken Sie, wo wir ohne den wären? Wenn Sie wissen wollen, wie sich die Pandemie entwickeln kann, wenn keine staatlichen Maßnahmen zur Einschränkung getroffen werdern, schauen Sie doch mal in die USA.

    Was die WHO und den Lockdown betrifft, so warnte EIN WHO-Gesandter vor den Auswirklungen des Lockdowns auf die ärmeren Teile der Bevölkerungen. Es wurde NICHT festgestellt, dass Lockdown ein untaugliches Mittel zur Eindämmung der Pandemie ist!

    Im Übrigen: Ich wüsste nicht, dass wir Brüderschaft getrunken hätten und verbitte mir das "Du"!
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  •   Svantovit
    (165 Beiträge)

    12.02.2021 08:45 Uhr
    WHO
    Da gebe ich Ihnen recht. Und nicht nur irgendein Gesandter der WHO schlug Alarm. WHO-Chef Dr. Tedros persönlich tat das und vertritt nebenbei die Ansicht, daß China ein Vorbild wäre, und das nicht nur in der Bekämpfung von "Pandemien". Um das besser einordnen zu können, muss man sich mit der Vita dieses Herren auseinandersetzen.
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  •   tom1966
    (1342 Beiträge)

    12.02.2021 09:27 Uhr
    China
    hatte letztes Jahr einen totalen Lockdown und hat vermutlich damit die Infektionen auf einen längern Zeitraum unten gehalten (soweit man deren offiziellen Zahlen glauben kann). Im Vergleich damit haben wir hier nur ein Lockdownchen.
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  •   Svantovit
    (165 Beiträge)

    12.02.2021 10:11 Uhr
    China
    China Covid 19 Tote (stand 11.03.21) : 3173
    China Covid 19 Tote (stand 02.02.21) : 4823
    Das ist in der Tat erstaunlich, bei einer Bevölkerungsgröße von ca. 1,4 Milliarden Menschen.
    Wie Sie selbst schrieben, wenn man den offiziellen Zahlen Chinas, sprich der Kommunistischen Einheitspartei, glauben schenken darf. China hat Dank des digitalen Vortschritts, alle Instrumente in der Hand, um die Bevölkerung total zu kontrollieren. Einen Zustand den sich bei uns niemand wünschen kann.

    Desweiteren ist die härte/milde westlicher Lockdowns, eine stark subjektive Wahrnehmung, welche von verschiedenen Faktoren abhängt. Diese wären BeruflicheTätigkeit, falls überhaupt noch vorhanden, vor dem März '20 gelebtes soziales Verhalten, sozial aktiv oder Stubenhocker, gefühlte oder reale Ängste um Angehörige und die eigene Person und letztendlich
    die persönliche Einstellung zum Tod, und die damit einhergehende philosophische Auseinandersetzung.
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