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Karlsruhe Kalkschleier ade: Stadt und Gemeinderat einigen sich auf gemeinsames Treffen mit den Stadtwerken

Das Wasser aus Karlsruher Hähnen ist ein kalkhaltiges. Dies bringt zwar gewisse Vorteile, lässt einen beim jährlichen Frühjahrsputz aber regelmäßig verzweifeln. Grund: der hohe Kalkgehalt und die dadurch entstehenden Rückstände. Den Stadträten von FDP und Die Linke reicht es - sie wollen weicheres Wasser in Karlsruhe und bringen das Thema in den Gemeinderat. Die Stadt hält von dieser Idee derweil recht wenig.

Verstopfte Duschköpfe, ein weißer Schleier im Wasserkocher und Wasserflecken auf Badarmaturen oder Tassen. Das Problem ist oft dasselbe: Kalk. Das Karlsruher Trinkwasser muss immer wieder mit dem Ruf kämpfen, besonders kalkhaltig - oder wie man im Volksmund sagt, hart - zu sein.

FDP und Linke wollen weicheres Wasser

Die Karlsruher Gemeinderatsfraktionen von FDP und Die Linke wollen diesem Mythos nun genauer nachgehen und bringen das Thema "Enthärtung des Karlsruher Trinkwassers" in Form eines Antrags und einer Anfrage mit in die kommende Gemeinderatssitzung am Dienstag, 20. April. 

An Armaturen und Haushaltsgeräten lagert sich oft Kalk ab.
An Armaturen und Haushaltsgeräten lagert sich oft Kalk ab. | Bild: picture alliance / dpa-tmn

"Insbesondere die von Bürgern häufig geschilderte Problematik des stark kalkhaltigen Trinkwassers in Karlsruhe muss mithilfe einer tiefer gehenden fachlichen Analyse angegangen werden", begründen die Fraktionen ihren Antrag und möchten unter anderem erreichen, dass die Karlsruher Stadtwerke eine Umfrage zum Thema in der Karlsruher Bevölkerung durchführen. 

So soll in Erfahrung gebracht werden, ob in der Fächerstadt der Wunsch nach einer zentralen Enthärtung des Trinkwassers besteht. Diese hätte zahlreiche Vorteile, wie die Fraktion in ihrem Antrag weiter ausführt. 

Gute Erfahrungen in Nachbargemeinden

So wurde in Nachbargemeinden - die bereits eine zentrale Enthärtung durchführen - unter anderem eine "Reduktion der Anzahl und Intensität von Entkalkungen von Geräten, Duschkabinen und Armaturen festgestellt."

Damit auf Gläsern keine Kalkflecken nach dem Spülgang zurückbleiben, muss die Spülmaschine in vielen Fällen das Wasser enthärten.
Damit auf Gläsern keine Kalkflecken nach dem Spülgang zurückbleiben, muss die Spülmaschine in vielen Fällen das Wasser enthärten. | Bild: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Und aufgrund von weniger "Kisten schleppen, konnten auch positive gesundheitliche Aspekte sowie eine Steigerung der Lebensqualität festgestellt werden. Nachweislich wurde auch die Menge an Nitrat und an anderen Schad- und Fremdstoffen durch die Enthärtung vermindert", erklären beide Fraktionen.

Im Antrag, heißt es weiter: "Die Verbraucher sparten nachweislich monetäre Kosten, Industrie und Gewerbe, die auf eine öffentliche Wasserversorgung angewiesen sind, konnten von einer zentralen
Enthärtung wirtschaftlich profitieren und in der Gesamtbetrachtung konnten auch Zielsetzungen in der
Umwelt- und Klimapolitik mittel- und langfristig besser verwirklicht werden."

Mit Essig und Zitronensaft im Putzwasser lassen sich Kalkverschmutzungen vom Fenster entfernen.
Mit Essig und Zitronensaft im Putzwasser lassen sich Kalkverschmutzungen vom Fenster entfernen. | Bild: Jens Kalaene

Argumente des großen Aufwands, zu hoher Kosten und ökologisch sowie ernährungsphysiologisch angeführter Zweifel an der Erbauung, am Betrieb und an den Folgen einer kommunalen Enthärtungsanlage sollten auch von einer Perspektive der Nachhaltigkeit und des langfristigen Nutzens für Mensch und Umwelt betrachtet werden, meinen FDP und Linke.

Was sagt die Stadt?

Soweit die Argumente der "Entkalkungs-Befürworter." Doch braucht es in Karlsruhe überhaupt eine solche Enthärtung und was würde diese kosten?  Hier kommt nun zusätzlich eine Anfrage der FDP ins Spiel, in der die Stadt detaillierte Informationen zum Trinkwasser gibt. 

Der Gemeinderat in der Gartenhalle.
Der Gemeinderat in der Gartenhalle. | Bild: Carsten Kitter

Beispielsweise wird das Karlsruher Trinkwasser nicht nur als "hart" wahrgenommen, es ist auch per Definition ein hartes Wasser. 2020 hatte das Wasser in der Fächerstadt "eine mittlere Härte von etwa 3,2 Millimol Calciumcarbonat pro Liter, dies entspricht nach den Einstufungen des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes etwa 18 Grad deutscher Härte", erklärt die Stadt. 

Nach Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes gilt Wasser als "hart", wenn es mehr als 2,5 Millimol Calciumcarbonat pro Liter aufweist. Außerdem ergänzt die Verwaltung: "Beim Härtegrad des Karlsruher Trinkwassers sind über die Jahre hinweg nur marginale Veränderungen zu beobachten, er bleibt nahezu konstant im Bereich zwischen 17 Grad und 18 Grad deutscher Härte."

Trotz des hohen Calciumcarbonat-Gehaltes ist eine Enthärtung aus "fachlicher Sicht weder erforderlich noch notwendig", wie die Stadt in ihrer Antwort schreibt. 

Zentrale Enthärtung würde bis zu 40 Millionen Euro kosten

Gründe seine unter anderem die hohen Kosten welche sich nach Angaben der Stadt zwischen 20 und 40 Millionen Euro bewegen und dass das Karlsruher Trinkwasser weder durch Nitrat noch andere Schadstoffe belastet sei. 

Zum Badezimmer-Putzen muss es nicht immer ein Spezialreiniger sein. Gegen Kalk und Harnstein helfen auch Zitronensäure oder Essig.
Zum Badezimmer-Putzen muss es nicht immer ein Spezialreiniger sein. Gegen Kalk und Harnstein helfen auch Zitronensäure oder Essig. | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Zusätzlich würde der Wasserpreis um 0,3 bis 0,6 Euro pro Kubikmeter steigen, um die erhöhten Investitions-, Betriebs- und Personalkosten abdecken zu können. Außerdem sei eine Enthärtung erst ab einem Wert von 20 Grad deutscher Härte sinnvoll. 

Bei der Stadt treffen die Antragssteller mit ihrem Antrag also auf taube Ohren. Wie es bei den anderen Fraktionen im Gemeinderat aussieht, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Sollte sich die Mehrheit der Stadträte aber für den Antrag aussprechen, können sich die Karlsruher Bürger vielleicht doch bald auf "weicheres Wasser" freuen. 

Update aus dem Gemeinderat

Während der Diskussion im Karlsruher Gemeinderat machen die Antragsteller noch einmal klar, was genau sie mit ihrem Antrag erreichen wollen. "Wir wollen mit dem neuesten Stand der Dinge arbeiten und nicht mit dem Stand von 2004", sagt FDP-Stadtrat Thomas Hock. Hock stellt die Frage, ob es nicht sinnvoll sei, die Sachlage aus aktueller Sicht zu betrachten und eine Studie zu beauftragen, um Dinge zu eruieren, die für die Bürger interessant sind. 

Thomas Hock, Stadtrat für die FDP.
Thomas Hock, Stadtrat für die FDP. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Die übrigen Fraktionen stellten sich eher auf die Seite der Stadt beispielsweise sagt CDU-Stadträtin Bettina Meier-Augenstein: "Zwar merkt man, dass das Karlsruher Wasser sehr kalkhaltig ist, aber der finanzielle und ökologische Aufwand für eine Anlage wäre schon sehr hoch. Aus diesem Grund folgen wir der Antwort der Verwaltung.

Abschließend schlägt Oberbürgermeister Frank Mentrup einen gemeinsamen Termin mit den Stadtwerken vor, um Interessierte auf den neuesten Stand zu bringen. Sollte nach diesem Treffen weiterhin der Wunsch nach einer Umfrage in der Bevölkerung bestehen, soll das Thema erneut diskutiert werden, so der OB. Diese Idee wurde von FDP und Linke begrüßt. Der Antrag wurde daraufhin als erledigt betrachtet, eine Abstimmung fand nicht statt. 

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet. 

 

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  •   ALFPFIN
    (7659 Beiträge)

    20.04.2021 20:25 Uhr
    Weiches Wasser
    Den Stadträten von FDP und Die Linke reicht es - sie wollen weicheres Wasser

    Mal eine Frage, entfernen die Stadträte zu Hause selbst die Kalkspuren im Bad und den Armaturen, ich meine ja nur, wegen der Aufregung
    oder schauen sie ihren Frauen ganz aufgeregt nur zu?😉
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  •   silberahorn
    (10788 Beiträge)

    21.04.2021 09:50 Uhr
    Freche Frage,
    aber so wie ich Karlsruhe wirklich von unten bis oben miterleben durfte, gibt es genug Männer die noch nicht einmal zuschauen, denn sie haben eine Frau die zuschaut wie die Putzfrau es macht. Wenn der Betrag für diesen Haushaltsposten steigt, weil die Löhne steigen, dann löst man das Problem nicht dadurch, dass man nur einmal am Tag und nicht dreimal täglich duscht ...

    Früher war alles besser. Da ist am Samstag einer nach dem anderen in die Badewanne gestiegen um Wasser und Heizkosten zu sparen, unter der Woche hat man sich mit Waschlappen die besonders streng riechenden Teile mit weniger Wasser gereinigt. Und zumindest der Boden wurde sowieso mit dem Restwasser aus der Badewanne geputzt. Täglich zu fegen war aber nötig. Und Kalkspuren hat man mit einem Schuss Essig entfernt.
    Essig soll aber manche Kunststoffe in Kaffeemaschinen angreifen, also wird diese heute mit Zitronensäure gereinigt. Das macht die Putzfrau oder man wirft die Maschine weg, wenn sie wegen Verkalkung streikt.
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  •   Revoluzzer
    (61 Beiträge)

    20.04.2021 15:36 Uhr
    Arterienverkalkung
    Ja, da muss man sich ja nicht wundern, das bei der Karlsruher Bevölkerung eine erhöhte Arterienverkalkung stattfinden in den USA währe es möglich, den Wasser Lieferant zu verklagen
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  •   Motorhead
    (281 Beiträge)

    20.04.2021 16:12 Uhr
    Hoher Kalkgehalt
    im Wasser ist sogar gesund, nicht gewusst?
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  •   schlaule2
    (374 Beiträge)

    20.04.2021 15:57 Uhr
    so ein Blödsinn, hoher
    Kalkgehalt im Wasser hat damit ja nix gemein, das Rathaus hat eine Entkalkungsanlage
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  •   andip
    (11008 Beiträge)

    20.04.2021 13:49 Uhr
    Wo ist das Problem?
    In meinen Wasserkocher kommt gefiltertes Wasser, in die Waschmaschine werfe ich eine Entkalkertablette und das Bad muss man sowieso regelmässig putzen, auch ohne Kalkränder.
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  •   Kommentar
    (732 Beiträge)

    20.04.2021 22:55 Uhr
    Was genau macht denn so ein
    Wasserfilter?
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  •   Waterman
    (6545 Beiträge)

    20.04.2021 17:29 Uhr
    Calcium
    fällt bei 60C aus. Einfach bis dahin waschen. Spart Tabletten.

    Und wenn sich im Wasserkocher Kesselstein bildet, einfach ein bisschen verdünnten Essig reinleeren und stehen lassen. Dann ist der auch weg.
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  •   Reger
    (543 Beiträge)

    20.04.2021 12:33 Uhr
    Häufig
    Wie auch immer entschieden wird, momentan muss man finde ich mindestens einmal pro Woche dem Kalk zu Leibe rücken, nicht nur beim Frühjahrsputz. Ansonsten sieht's schnell ungepflegt aus.
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  •   schlaule2
    (374 Beiträge)

    20.04.2021 14:52 Uhr
    bei Waschpulver muss man nur richtig
    dosieren, steht ja die Menge und Härtegrad drauf, dann kann man sich die Entkalkertablette/pulver sparen.

    Flüssigwaschmittel soll man eh nicht nehmen das das Silikon da drin die Leitungen zusetzt und die Waschmaschine schneller kaputt geht.
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