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Karlsruhe ka-news.de-Leser besorgt: Geht in der Karlsruher Südweststadt eine neue Betrugsmasche um? Telekom gibt Entwarnung

Ein Klingeln an der Tür, ein freundliches Lächeln, ein neuer Vertrag? Haustürverkäufe sind von Unternehmen ein gern genutztes Werbemittel. Leider machen sich das auch Betrüger gern zunutze, Bürger stehen dem Vertreterbesuch entsprechend skeptisch gegenüber. So auch ka-news.de-Leser Frank Schaar: Er fürchtet, in der Karlsruher Südweststadt eine neue Betrugsmasche entdeckt zu haben. Stimmt das tatsächlich? ka-news.de hat bei der Telekom nachgefragt.

Es ist Montag, der 7. Juni, als Frank Schaar die Tür zu seinem Haus in der Südweststadt öffnet. Vor ihm steht eine junge Frau, er schätzt sie auf Mitte 20, mit einem pinkfarbenen T-Shirt. Sie sei im Auftrag der Deutschen Telekom hier und wolle darüber informieren, dass Glasfaserleitungen in dem Wohngebiet verlegt werden sollen.

Soweit, so normal. Um allerdings das Highspeed-Netz auch nutzen zu können, müsse Schaar ein entsprechendes Modem für 50 Euro erwerben. Andernfalls sei auch ein Vertragsabschluss für fünf Euro möglich. Frank Schaar wird misstrauisch, wimmelt die Dame ab und schildert seine Erfahrung über die Nachbarschafts-Plattform nebenan.de, um Nachbarn für eventuell weitere Vertreterbesuche zu sensibilisieren.

Er schreibt dort: "Ich lehnte den Vertragsabschluss dankend ab, da ich der Meinung bin, dass die Telekom dafür Sorge tragen muss, dass mein Endgerät funktioniert." Um einen Betrugsversuch ausschließen zu können, wendet sich Schaar daraufhin als ka-Reporter auch an die ka-news.de-Redaktion und möchte wissen: War die Vertreterin tatsächlich echt?

Telekom-Vertreter waren angekündigt - das kann auch Betrüger anlocken

Auf Nachfrage der Redaktion kann das Polizeipräsidium Karlsruhe hier Entwarnung geben: "Die Haustürbesuche der Telekom-Vertreter waren angemeldet, wir haben Kenntnis darüber", erklärt die Polizei.

Das Logo der Deutschen Telekom steht in einer Verkaufsfiliale des Unternehmens in der Kölner Innenstadt.
Das Logo der Deutschen Telekom steht in einer Verkaufsfiliale des Unternehmens in der Kölner Innenstadt. | Bild: Rainer Jensen/dpa

Dennoch wolle die Polizei nicht ausschließen, dass solche Hausbesuche auch ausgenutzt werden könnten. Denn: Hausbesuche werden zuvor angekündigt, sodass potentielle Betrüger genau über den Zeitraum und den Stadtteil Bescheid wissen. Eine Voranmeldung beim Kunden selbst finde durch die Unternehmen zumeist nicht statt. 

Dass es durch Corona - wodurch die Menschen sich seit über einem Jahr vorwiegend zu Hause aufhalten - allgemein zu einer Zunahme von betrügerischen Haustürverkäufen gekommen sei, können die Beamten so aber nicht bestätigen. Aber warum macht die Telekom - in Zeiten von Digitalisierung - überhaupt noch solche Hausbesuche?

Hausbesuche sind von Kunden gewünscht

Die Telekom begründet diese Besuche damit, dass das Unternehmen auf einen "Vertriebsmix aus Service-Centern, eigenen Shops, Franchise- und Partnershops, Online/eCommerce-Plattformen und Direktvertriebs-Aktivitäten" setze, der von vielen Kunden auch gewünscht sei.

"Die Telekom nimmt über andere Unternehmen Dienstleistungen im Bereich Direktvermarktung in Anspruch. Dabei werden Privatkunden durch diese Vertriebsmitarbeiter an der Haustür und ohne Voranmeldung angesprochen und beraten. Dazu gehören auch Kundenangebote, die nur in diesem Vertriebskanal angeboten werden können. Der Mitarbeiter erhält auf Nachfrage eine Produktinformation und führt auf Kundenwunsch vor Ort eine individuelle Beratung durch", heißt es in einer Stellungnahme gegenüber ka-news.de.

Internet und Telefon sind gefragter denn je. Techniker der Telekommunikationsbetreiber arbeiten mit Hochdruck daran, die Infrastruktur am Laufen zu halten.
Internet und Telefon sind gefragter denn je. Techniker der Telekommunikationsbetreiber arbeiten mit Hochdruck daran, die Infrastruktur am Laufen zu halten. | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Die fünf Euro, welche ka-Reporter Frank Schaar bei Vertragsabschluss hätte zahlen sollen, wären dann für einen gemieteten Glasfaser-kompatiblen Router nötig gewesen, sofern der Kunde keinen eigenen erwerben möchte. Zu späterer Stunde wird der Kunde zu einer Vertragsbestätigung nochmal kontaktiert.

"Wenn es in der Wohnung zu einem Vertragsabschluss kommt, wird der Kunde innerhalb von 24 Stunden von uns angerufen, um die wichtigen Produktinformationen noch einmal zu bestätigen. In diesem Anruf kann der Kunde von seinem Recht auf Widerruf Gebrauch machen. So ist gewährleistet, dass der Kunde eine womöglich vorschnell geleistete Unterschrift nachträglich und ohne Risiko zurückziehen kann", so die Telekom weiter.

So erkennen Sie seriöse Haustürverkäufer

Um künftig seriöse und unseriöse Haustürverkäufe unterscheiden zu können, gibt die Polizei diverse Tipps, was Bürger bei solchen Besuchen beachten sollten:

  • Die Direktvermarkter können sich stets ausweisen. Sie betreten die Wohnung nur, wenn sie dazu aufgefordert/eingeladen werden und sind an ihrer Kleidung auch als Telekom-zugehörig erkennbar. Darum rät die Polizei dazu, stets den Dienstausweis sorgfältig auf Druck, Foto und Stempel zu prüfen.
  • "Geldwechsler“ oder "Falschgeld-Prüfer“ niemals ins Haus lassen. Handwerker und Vertreter der Stadtwerke nur, sofern diese selbst bestellt oder von der Hausverwaltung angekündigt worden sind. Ebenso wenig sollte vom Anwohner Geld gewechselt werden. Bei den erhaltenen Scheinen könnte es sich um Falschgeld handeln.
  • Keine Unterschriften für Buchungsbestätigungen oder angebliche Geschenke geben.
  • Kommt es tatsächlich zu einem Vertragsabschluss, sollte das Datum und die Unterschriften des Unternehmens überprüft werden. Fordern Sie zudem eine Vertragsdurchschrift, auf der Name und Anschrift des Vertragspartners deutlich lesbar sind. Des Weiteren sei die Präsenz einer weiteren Person von Vorteil, die als Zeuge agiert.
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  •   myopinions
    (1254 Beiträge)

    15.06.2021 15:14 Uhr
    ..........man hat heutzutage ja
    üblicherweise eine Sprechanlage. Dadurch kann man mitteilen, daß man weder Kaufabsichten noch Informationsbedarf hat.

    Allerdings, wenn der bofrost oder Eismann kommt und die Bestellung bringt, sollte man die Türe natürlich öffnen!
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  •   mein-senf
    (1034 Beiträge)

    15.06.2021 15:13 Uhr
    einfache Regel für Privatpersonen
    kauf grundsätzlich nichts an der Haustür oder am Telefon ..
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  •   Winston_Smith
    (782 Beiträge)

    15.06.2021 11:46 Uhr
    "...Direktvertriebs-Aktivitäten",...von vielen Kunden auch gewünscht sei..."
    Das möchte ich sehen 😂
    Wer genau wünscht sich nochmal, von unangemeldeten Herrschaften überrumpelt zu werden?

    "Sie können Geld sparen."
    "Danke, brauch ich nicht, ich hab genug Geld."
    "Ja aber viel günstiger bei blabla Leistung..."
    "Ich will aber nix günstiges. Bin total zufrieden, wie es ist, und dafür zahl ich gern, auch viel zu viel."

    Am Telefon hat das früher gereicht. Wenn allerdings 2 finstere Gesell*Innen schon das Bein in der Tür haben, kA ob die Argumentation hilfreich ist. 😀
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  •   froschi
    (123 Beiträge)

    15.06.2021 10:52 Uhr
    Abgesehen vom unseriösen Hausieren, sind die technischen Aspekte
    in diesem Fall auch zweifelhaft. Und ich weiß als Ingenieur, wovon ich rede.

    Die letzte technische Umstellung der Telekom, die bei den Kunden neue Router erforderten, war vor ca. 5 Jahren die Umstellung von analoger Telefonie (Telefon über Splitter angeschlossen) auf IP-Telefonie (Telefon am Router angeschlossen). Da ältere Router dies noch nicht konnten, brauchte man einen neuen, der den ab jetzt genutzten Modus "IP Annex J" unterstützt (z.B. FritzBox ab 72xx).

    Alle späteren Erweiterungen der Telekom, beispielsweise die Bereitstellung von VDSL, erfordern bei den Kunden keine Änderung. Es sei denn, man nimmt das Angebot freiwillig an und ändert seinen Vertrag von DSL auf VDSL, dann braucht man einen VDSL-tauglichen Router (z.B. FritzBox ab 73xx). Eine Pflicht, auf VDSL zu wechseln, besteht nicht, man kann auch bei DSL bleiben.
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  •   mkalle
    (105 Beiträge)

    15.06.2021 12:01 Uhr
    Nicht VDSL
    Es geht um Glasfaser (FTTH), die Frau war aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich von der Telekom.
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  •   Beiertheimer
    (1315 Beiträge)

    15.06.2021 15:56 Uhr
    Danke mkalle
    das du den inschienör aufgeklärt hast.
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  •   froschi
    (123 Beiträge)

    15.06.2021 12:55 Uhr
    OK, danke für den Hinweis.
    Bei "FFTH" geht die (VDSL-taugliche) Glasfaser tatsächlich bis in die Wohnung, und dann braucht man auch einen anderen Router. Normalerweise geht die Glasfaser nur bis auf den Anschlusspunkt auf der Straße (bei mir direkt vor dem Haus), und von dort per klassischer Kupferleitung in die einzelnen Häuser und Wohnungen.

    Zwangsweise, von der Telekom veranlasst, wird allerdings niemals FFTH installiert, sondern das müssen die Hauseigentümer selbst bei der Telekom bestellen. Im Fall, über den im Artikel berichtet wird, hatte die Person aber wohl kein FFTH bestellt (sonst wüsste sie ja Bescheid), sondern die Telekom-Werber wollten wohl für einen FFTH Anschluss werben?
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  •   Motorhead
    (549 Beiträge)

    15.06.2021 10:34 Uhr
    Jetzt mal halblang
    Bei uns war bereits letztes Jahr schon eine Mitarbeiterin der Telekom. Es ging lediglich um den Glasfaseranschluß und um die Zustimmung, die von jedem Eigentümer vorliegen muss. Das war alles seriös, nachprüfbar und man wurde binnen 5 Minuten beraten. Kein Verkaufsgespräch, keine Kosten.
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  •   kangootom
    (12 Beiträge)

    15.06.2021 09:21 Uhr
    Hausierer unseriös
    Hausierer sind generell unseriös. Der Kunde wird von einem Moment auf den Anderen in ein Verkaufsgespräch verwickelt, ohne sich darauf vorbereiten zu können. Sowas sollte verboten werden. Wer eine persönliche Beratung will, dem kann man eine anbieten.

    Bei mir waren 2 junge Kerle mit Telekomjacken. Keine Vorstellung, wer sie sind und welche Firma sie geschickt hat. Nur Frage, ob ich Internetanschluss habe, wie viel ich zahle, wie schnell.
    Als ich die Antworten verweigert habe, haben sie abgewunken und sind ohne Verabschiedung weitergezogen.
    Egal ob Betrüger oder echte Angestellte: So wird man keinen Erfolg haben.
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  •   Cl@udia
    (40 Beiträge)

    16.06.2021 19:02 Uhr
    Verantwortung auslagern
    Das übliche Spielchen, sind die Drücker erfolgreich nimmt man die Verträge gerne. Gibt es Beschwerden über die Methoden war das natürlich nur irgend eine Aushilfe vom Subunternehmer der das so natürlich nie hätte machen sollen. Ob man dann "aus Kulanz ohne Anerkennung einer Rechtspflicht" aus dem Vertrag 'rauskommt hängt leider oft davon ab wie viel Aufmerksamkeit die Aktion erregt.
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