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Karlsruhe ka-news unterirdisch unterwegs: Das passiert im Südabzweig des Straßenbahntunnels der Kombilösung

Es geht voran mit der Kombilösung: Im Südabzweig des Straßenbahntunnels wird derzeit fleißig gebaut. ka-news-Mitarbeiterin Sophia Wagner hat sich in die Tiefe begeben und sich bei einem Baustellenspaziergang der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) ein Bild von der Situation unter der Erde machen können: Welche Baumaßnahmen sind aktuell, was steht noch an?

"Uns steht heute etwas spannendes bevor" begrüßt uns Erich Serbinski, Leiter der Baustellenrundgänge bei der Kasig, vor dem Eingang zu den unterirdischen Haltestellen. Die Bauarbeiten am Südabzweig des Stadtbahntunnels im Rahmen der Kombilösung sind in vollem Gange. Weil oben nicht mehr so viel zu sehen ist, gibt es regelmäßig Rundgänge durch die unterirdischen Baustellen und somit die Möglichkeit, sich einmal im Tunnel umzuschauen. Das nutze ich natürlich gerne bevor in knapp zwei Jahren nur noch Bahnen durch die Tunnel fahren dürfen. 

Vom Marktplatz ausgehend erstreckt sich der etwa ein Kilometer lange Tunnel des Südabzweiges unter der Karl-Friedrich-Straße und der Ettlinger Straße hindurch. Auf Höhe der Augartenstraße in der Südstadt kommen die Straßenbahnen dann wieder zurück an die Oberfläche und setzen ihre Fahrt bei Tageslicht fort.

Vom Kongresszentrum zum Marktplatz

Also: Schutzhelm auf, Warnweste und Sicherheitsschuhe an und los - ab dem Kongresszentrum geht es für mich und die Besuchergruppe hinunter in die Tiefe. Allen anderen voran: Baustellen-Experte Erich Serbinski. Er wird während des Rundgangs einige sicherlich wissenswerte Dinge zum aktuellen Bauprojekt erzählen.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Ab in die Tiefe: Eine Gerüsttreppe führt hinab unter die Erde. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Erste Station unter der Erde: die Haltestelle Kongresszentrum. Diese nimmt langsam Form an: Ich kann schon deutlich das Gleisbett und die Stellen erkennen, an denen die Bahnen ins Dunkel verschwinden. "Wir sind hier in der höchstgelegenen Haltestelle, sie ist gerade mal zehn Meter unter der Erde. Hier wird es das Tageslicht noch runter schaffen!", so Serbinski. Ein Blick nach oben zeigt warum: Oberlichter im Freien sorgen nämlich dafür, dass die Haltestelle lichtdurchflutet wird.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Nächster Halt: Kongresszentrum: Hier beginnt die Reise durch den U-Strab-Tunnel. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Von der höchsten Haltestelle sind wir nach einem kurzem Fußmarsch schnell an der tiefsten Stelle: 16 Meter unter der Erde, am Ettlinger Tor. Ich schaue mich staunend um, denn es ist beeindruckend, wie hoch die Decken hier sind. Ich fühle mich fast ein bisschen verloren. Für alle, die nicht die Rolltreppe nehmen wollen gibt es bis hoch zur Verteilerebene zwei Aufzüge, zumindest deren Skelette kann ich schon erkennen.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Sehr hohe Decken am Ettlinger Tor, links und rechts stehen die dunkelgrauen Aufzugschächte. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Wo oberirdisch Bahnen und Autos noch Unfälle bauen können, kann dies unterirdisch nicht mehr passieren, obwohl sie sich hier ebenfalls kreuzen - nur eben auf zwei verschiedenen Ebenen. Am "Kombibauwerk", das sich am Ettlinger Tor befindet, trifft der Autotunnel nämlich auf den Straßenbahntunnel. Und hier, direkt über mir, werden also bald die Autos durch ihren Tunnel rasen.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Deckenarbeiten im Tunnel. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Wir führen unseren Weg Richtung Marktplatz durch einen etwa 250 Meter langen Tunnel fort, der nach dem Vorbild der österreichischen Bergbauweise entstanden ist. Hier kam Tunnelbohrer "Giulia" nicht zum Einsatz. Stattdessen wurde zunächst das Erdreich verfestigt. Anschließend wurde aus Stahlträgern und Beton eine schützende Schale für den Tunnelvortrieb gebildet. 

Unter der Erde - da braucht man Taucher? 

"Während des Tunnelbaus war hier ein permanenter Überdruck zwischen 0,8 und 1,5 Bar, damit das Grundwasser nicht durchkommt", erklärt uns Serbinski. "Die Mitarbeiter haben hier also unter denselben Umständen wie Taucher gearbeitet!"

Die Seiten des Tunnels bestehen aus 80 Zentimeter dicken Stahlbetonwänden. Der zirka fünf Meter dicke Betonboden im Straßenbahntunnel setzt sich aus drei Schichten zusammen, weiß Erich Serbinski. "Eine Hochdrucksohle, eine Ausgleichsschicht und einer oberflächlichen Sohle. Dies hält das Grundwasser draußen und der Tunnel bleibt trocken."

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Bohrarbeiten an der Haltestelle Marktplatz: Hier werden die Gerüste für die 70 Kilo schweren Betonplatten angebracht. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Während die Haltestellen weiß beleuchtet waren erstrahlt der Tunnel in diesem Abschnitt in einem warmen Rot. Wozu das nötig ist? "Die roten Leuchten werden sich im Falle von starker Rauchentwicklung einschalten, ähnlich wie es in Autotunneln üblich ist", so Serbinski. Die roten Leuchtstoffröhren zeigen im Brandfall außerdem an, wo sich Feuerlöschwasser-Zapfstellen befinden - nämlich genau unter den Lampen. Das soll aber nur so lange so aussehen, wie gebaut wird. Im eigentlichen Tunnel wird anders signalisiert, wo die Wasseranschlüsse sind. 

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Der Tunnel erleuchtet in rotem Licht - aus einem besonderen Grund. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Unsere Reise neigt sich dem Ende zu - langsam steuern wir auf das Gleisdreieck kurz vor der Pyramide am Marktplatz zu, wo der Südabzweig auf den Tunnel in der Kaiserstraße trifft. Vorher passieren wir noch die "Trompete", wie Erich Serbinski sie nennt. Hier wird der Tunnel breiter, ein zusätzliches Gleis kommt nämlich dazu.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Der Eingang der Haltestelle am Marktplatz mit der Gleisteilung, der "Trompete": Das dritte Gleis dient der Entlastung der Haltestelle. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Dieses dritte Gleis endet in einem Prellblock und soll für mehr Flexibilität beim Stadtbahnbetrieb sorgen: Hier kann die Bahn auch mal länger warten und Fahrgäste zu- und aussteigen lassen, ohne dass die nächste Bahn von hinten drängt. Die Ausfahrt aus diesem Gleis ist auch kein Problem - die Karlsruher Stadtbahnen können sowohl vorwärts als auch rückwärts fahren, da sich an beiden Enden eine Fahrerkabine befindet.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Das Gleisdreieck am Marktplatz, hier biegen die Bahnen vom Südabzwei in die Kaiserstraße ein. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Auch bei den restlichen Gleisen hat sich etwas getan - die Strecke zwischen Durlacher Tor und Marktplatz ist komplett verlegt. Wenn man in den Tunnel blickt, sieht es fast so aus als könne jeden Moment eine Bahn anrauschen. Jetzt fehlt nur noch die Gegenseite Richtung Mühlburger Tor und der Südabzweig.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Gleisverlegung unter der Kaiserstraße am Marktplatz, Blickrichtung Kronenplatz. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Nach etwa einer Stunde ist die Führung auch schon wieder vorbei - für mich war es die Erste und ganz schön beeindruckend. Auf der Zwischenebene, welche die Haltestellen Marktplatz und Lammstraße künftig miteinander verbinden wird, nehmen wir die Holztreppe hoch in Richtung Tageslicht.

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
ka-news-Mitarbeiterin Sophia Wagner im Gespräch mit Erich Serbinski. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

Erich Serbinski zeigt sich zum Abschied zuversichtlich: "Bald werden Sie hier zum Bahnfahren hinuntergehen. Bis Ende 2021 ist alles fertig!" 

Baustellenführung Kombilösung am Südabzweig
Erich Serbinski, Leiter der Baustellenführung. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

 

 

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   bingobongo
    (255 Beiträge)

    15.04.2019 17:19 Uhr
    Hoffentlich wurde der arme Typ mit der Hilti gut bezahlt
    Ich hab den in der Verteilerebene Südabzweig arbeiten sehen beim "Stocken", Hölle, was für ein kranker Job. Mit einem Lineal die Hilti im Kreis geführt und immer nur "drrrrrrrrrrrrrrrrrrr". Wieviele quadratmeter hat der arme Kernl geknechtet....
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  •   ALFPFIN
    (6624 Beiträge)

    15.04.2019 09:52 Uhr
    Also
    interessant ist das schon da unten, aber ehrlich, wenn ich do so neiguck, mir graut's e bissle davor, ich glaub ich bleib doch lieber obbe und guck, dass ich irgendwie obbe rum weiter komm. grinsen
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  •   magambo
    (51 Beiträge)

    15.04.2019 09:16 Uhr
    Anmerkung
    Hallo Frau Wagner,

    vielen Dank für den interessanten Bericht aus Sicht eines Erstbesuchers. Dazu eine kleine Anmerkung: Wenn sie unten in der Haltestelle Ettlingen Tor stehen, dann fahren (hoffentlich nicht rasen) die Autos im Kombibauwerk über ihren Kopf hinweg, nicht unter ihren Füßen hindurch. Die Wanne für die Tunnel ist an der Decke der Haltestelle gut zu erkennen.
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  •   dipfele
    (5306 Beiträge)

    15.04.2019 17:57 Uhr
    Vergessen wurde dass...
    …. für den 250 m langen Tunnel ein Jahr Bauzeit veranschlagt war. Es wurden über vier !!! Da die Tunnelbauer nicht für Gotteslohn arbeiten, dürften sich auch die Kosten vervierfacht haben. Aber darüber schweigt sich die Kasig lieber aus. Und den Steuerzahlern ist es eh wurscht, ist ja nicht ihr Geld.
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