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Karlsruhe Ist die Genetik schuld? Karlsruher Klinikdirektor erklärt, warum Corona in Einzelfällen auch für Jüngere tödlich enden kann

Die vierte Corona-Welle ist bislang vor allem durch eines geprägt: Durch eine höhere Infizierungsrate bei jüngeren Menschen. Das zumindest teilte das Karlsruher Klinikum auf der Pressekonferenz am Donnerstag mit. Demnach sollen die Corona-Stationen im Klinikum primär mit 35- bis 59-Jährigen belegt sein, wobei es sich ohne Ausnahme um ungeimpfte Personen handeln soll. Auch Todesfälle könnten sich laut Martin Bentz, dem Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III, in dieser Alterspanne häufen.

Die gute Nachricht vorweg: Die Corona-Lage in der Region Karlsruhe befindet sich momentan eher unterhalb des Durchschnitts. Während das Land Baden-Württemberg eine 7-Tages-Inzidenz von 85,7 aufweist, befindet sich der Karlsruher Stadtkreis bei 79,1.

links: Martin Bentz, Direktor Medizinische Klinik III.
rechts: Tobias Herrbich, Pflegedienstleitung
links: Martin Bentz, Direktor Medizinische Klinik III. rechts: Tobias Herrbich, Pflegedienstleitung | Bild: Verena Müller-Witt

"Es wirkt, als wäre das Leben deutlich normaler, als es noch vor einem Jahr war, obwohl die Zahlen ähnlich sind wie im vergangenen Jahr", berichtet Bentz am Donnerstag auf der Pressekonferenz. Allerdings müsse erst einmal abgewartet werden, was in den Wintermonaten auf das Klinikum zukomme. "Davon wird auch sicherlich abhängen, ob es nochmal einen weiteren Impffortschritt geben wird", so Bentz weiter.

"Delta Variante birgt höheres Risiko, zu sterben"

Der Grund: Nach Angaben des Klinikums zufolge solle es sich bei den derzeitigen Patienten ausschließlich um ungeimpfte Personen handeln, die "überwiegend unter 60" seien - und die würden häufig erst gar nicht mehr auf der Normalstation, sondern direkt auf der Intensiv landen.

"Wenn Sie sich erinnern, vor einem Jahr war die Anzahl der Patienten auf Normalstation dreimal so hoch. Inzwischen ist es fast gleich. Das heißt: Wer jetzt im Zuge der vierten Welle ins Krankenhaus kommt ist offenbar jünger. Er hat aber auch ein höheres Risiko, relativ schnell auf die Intensivstation zu kommen", so der Klinikdirektor.

Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III am städtischen Klinikum Karlsruhe.
Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III am städtischen Klinikum Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

Dass dies automatisch auf eine höhere Sterblichkeitsrate hindeute, zweifelt der Mediziner zwar an, betont aber: "Wenn Sie jung sind und in die Klinik kommen, ist das Risiko mit der Delta Variante zu sterben höher, als es im letzten Jahr mit der Alpha Variante war. Das ist mein Eindruck."

Derzeit sind auf der Corona-Allgemeinstation fünf Patienten untergebracht, auf der Corona-Intensivstation sind es fünf Patienten, wovon einer beatmet werden muss. Damit befindet sich das Klinikum weiterhin in Pandemiestufe 2.

Genetik schuld an schweren Krankheitsverläufen?

Um das Thema genauer zu konkretisieren, erzählt Bentz von einem Fall aus der vergangenen Woche.  Ein 33-Jähriger - ohne Vorerkrankung - soll infolge einer schweren Covid-Infektion im Städtischen Klinikum gestorben sein. Aber warum kommt es vereinzelt doch zu solch heftigen Krankheitsverläufen bei jüngeren Personen?

Laut Bentz sei dieses Phänomen momentan noch Bestandteil wissenschaftlicher Untersuchungen, er vermutet jedoch, dass hier die Genetik die Ursache sein könnte. "Wir staunen immer wieder, dass selbst so junge Menschen so stark erkranken können. Bei der Grippe ist es ja genauso. Ich kenne eine Familie aus dem Karlsruher Landkreis, da sind der Großvater, der Vater und der Sohn, der Anfang 30 ist, alle schwer an Covid erkrankt. Außer dem Sohn sind alle verstorben und selbst er stand auch schon auf Messers Schneide. Die Mutter, die mit dem Großvater nicht verwandt war, hatte es ebenfalls, erkrankte aber nur leicht."

Eine Intensivpflegerin versorgt auf einer Intensivstation einen an Covid-19 erkrankten Patienten (Archivbild).
Eine Intensivpflegerin versorgt auf einer Intensivstation einen an Covid-19 erkrankten Patienten (Archivbild). | Bild: Ole Spata/dpa

Demnach gebe es einen gewissen Anteil von Menschen, die "sehr anfällig" für Covid-Infektionen seien. Diese Theorie sei aber noch nicht soweit gereift, dass man dies gezielt testen lassen könne. "Ob anfällig oder nicht anfällig, das lässt sich schwierig untersuchen. Aber ich glaube, dass es daran liegt", so Bentz abschließend. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   barheine
    (727 Beiträge)

    14.10.2021 15:39 Uhr
    Dass die Genetik eine Rolle spielt, weiß man. Das sieht man auch daran, dass z. B. die Chinesen weniger stark von Covid betroffen sind als wir Europäer, da wir ungünstige Gene in uns tragen, die wir von den Neandertalern geerbt haben.
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  •   Waterman
    (6759 Beiträge)

    14.10.2021 17:25 Uhr
    Die Chinsesen sind nicht weniger betroffen,
    die haben immer mit rigorosen Maßnahmen auf Ausbrücke reagiert und ganze Städte und sogar den drittgrößten Hafen der Welt Ningbo geschlossen. Auch daher kommt übrigens die gegenwärtigen Probleme mit der Lieferkette, der mangelnde Umlauf der Container und auch der Preisexplosion der Frachtraten, was sich dann bei uns als Mangel an Nachschub und Preissteigerung zeigt.

    Um daraus eine Genetiktheorie zu basteln, muss man das nur in Verbindung mit dem großen Smiley tun.
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  •   Karlsrator
    (2753 Beiträge)

    14.10.2021 16:06 Uhr
    Uiuiuiuiui - steile Thesen!
    1. Seit wann "weiß" man (wer ist "man" - Herr Dr. Bentz als Fachmann offenbar nicht?), dass die Genetik eine Rolle spielt? Wenn dem so wäre, ließe sich das persönliche Risiko ja vorhersagen. Dem ist leider nicht so.

    2. Sterblichkeitsrate CN: 4.636 Tote auf 96.500 Erkrankungen - macht 4,8%,
    Sterblichkeitsrate DE: 94.027 auf 4,2 Mio. Erkrankungen - macht 2,2%
    (Quelle: Statistika)

    3. Neandertaler lebten vor 100.000 Jahren auch in Asien. Etwaige "ungünstigen Gene" dürften sich vermischt haben.
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  •   silberahorn
    (10996 Beiträge)

    14.10.2021 16:59 Uhr
    Neandertaler
    Mediziner Prof. Dr. Johannes Krause über Neandertaler und Zukunft

    siehe klick
    aus Wikipedia:
    Johannes Krause (* 17. Juli 1980 in Leinefelde) ist ein deutscher Biochemiker mit Forschungsschwerpunkt zu historischen Infektionskrankheiten und der menschlichen Evolution.
    Interessant ist, wie viele DNA Sequenzen die Maschinen in der Zwischenzeit entschlüsseln können.
    Pro Tag 20 Millarden!
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