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Berlin 10 Gramm Eigenbedarf? So weit gehen die Meinungen bei Cannabis auseinander

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung lehnt die von Grünen und CDU in Baden-Württemberg geplante Lockerung beim Besitz von Cannabis ab. "Von der geplanten Erhöhung des Eigenbedarfs auf zehn Gramm halte ich gar nichts", sagte Daniela Ludwig der Deutschen Presse-Agentur. Mit zehn Gramm könne man sich schon 20 bis 30 Joints drehen. "Das hat mit Eigenbedarf herzlich wenig zu tun." In den Koalitionsverhandlungen hatten sich Grüne und CDU darauf geeinigt, dass künftig der Besitz von Cannabis bis zu zehn Gramm als Eigenbedarf gewertet werden soll und dann nicht strafrechtlich verfolgt werden muss. Bislang lag die Grenze bei sechs Gramm. Dieser Kompromiss in der Koalition sei eine "bittere Pille", sagte die CSU-Bundestagsabgeordnete. Die Suchtexpertin Christa Niethammer sieht das anders.

Hintergrund der Entscheidung im Südwesten sei die Annahme, die Justiz komme mit der Verfolgung von Drogendelikten nicht hinterher und Cannabis sei nicht so schlimm, so die Ministerin. Beides sei falsch, schließlich führe eine gute Mischung aus Prävention und Strafverfolgung zum Erfolg.

Ein Anhebungswettbewerb zwischen den Ländern sei nicht hinzunehmen. Berlin und Bremen setzen mit 10 bis 15 Gramm die höchsten Obergrenzen. Die meisten Länder ziehen die Grenze bei sechs Gramm. Diesen Wert schlägt Ludwig auch als bundeseinheitliche Maximalgrenze vor. "Das schafft Klarheit für alle und lässt keinen Platz für weiteres Durcheinander."

Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, spricht.
Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, spricht. | Bild: Wolfgang Kumm/dpa

Sie warnte die Länder, sich durch erhöhte Mengen des Eigenbedarfs aus der Verantwortung für die Gesundheit der Gesellschaft und für deren Schutz vor Drogenkriminalität zurückzuziehen.

Die CSU-Politikerin erklärte der Legalisierung der Droge, deren Besitz, Handel und Erwerb derzeit noch verbotenen sind, eine Absage. "Was passiert denn, wenn Cannabis legalisiert wird? Beispiel USA oder Kanada: Wir sehen, dass dort weder weniger gekifft, noch der Schwarzmarkt ausgetrocknet wird."

Deutschland habe bereits mit den Folgen zweier legaler Drogen - Alkohol und Tabak - zu kämpfen. Ludwig lobte hingegen das portugiesische Modell: "Hier sind Drogen nicht legal, wie immer behauptet wird, aber Erstkonsumenten werden nicht automatisch angezeigt." Sie haben die Wahl, eine Beratung anzunehmen, sich helfen zu lassen oder eine gewisse Summe für eine Ordnungswidrigkeit zu zahlen.

"Cannabis ist keine Einstiegsdroge"

Anders sieht das die Referentin für Suchtfragen und Prävention der Landesstelle, Christa Niemeier: "Das ist eine erforderliche Anpassung an die Realität", sagte Christa Niemeier, Referentin für Suchtfragen und Prävention der Landesstelle, der Deutschen Presse-Agentur. Für weite Kreise gehöre Cannabis zum Freizeit- und Genusskonsum. "Wir müssen wegkommen von der Kriminalisierung von Konsumenten."

Christa Niemeier spricht bei einem Pressegespräch.
Christa Niemeier spricht bei einem Pressegespräch. | Bild: Sina Schuldt/dpa

Ein Fokus allein auf problematischen Konsum bei Jugendlichen werde den Tatsachen nicht gerecht. In den Koalitionsverhandlungen hatten sich Grüne und CDU darauf geeinigt, dass künftig der Besitz von bis zu zehn Gramm Cannabis als Eigenbedarf gewertet werden soll und dann nicht strafrechtlich verfolgt werden muss.

Bislang lag die Grenze bei sechs Gramm. Allerdings seien die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Obergrenzen nicht mehr vermittelbar, betonte Niemeier.

Nach dem ersten Lockdown 2020 gab in einer Online-Befragung rund ein Drittel der regelmäßig Konsumierenden an, dass sie mehr konsumiert hätten als zuvor.
Nach dem ersten Lockdown 2020 gab in einer Online-Befragung rund ein Drittel der regelmäßig Konsumierenden an, dass sie mehr konsumiert hätten als zuvor. | Bild: picture alliance / Oliver Berg/dpa

Auch wenn Cannabis wegen Züchtungen viel intensiver wirke als noch vor 20 Jahren, sei die Droge nicht per se zu verteufeln, sagte die Expertin. "Cannabis als Einstiegsdroge ist ein Mythos, es müssen mehr Faktoren zusammenkommen, um schädliche Abhängigkeiten zu erzeugen."

Langfristig sei vorbehaltlich einer Bundesgesetzesnovelle eine staatliche Abgabe an zertifizierten Stellen wünschenswert - mit starkem Jugendschutz, der besser funktionieren müsse als beim Alkohol. Unverzichtbar seien eine Abgabe erst ab 21 Jahren und Aufklärungskampagnen.

Hanf-Pflanzen (Cannabis) wachsen in einem Garten.
Hanf-Pflanzen (Cannabis) wachsen in einem Garten. | Bild: Oliver Berg/dpa

Dabei seien die körperlichen und psychischen Folgen des Haschisch-Rauchens nicht zu verleugnen, sagte Niemeier. "Das ist wie beim Alkohol - manche werden abhängig, andere nicht, aber gerade bei frühem Einstiegsalter sind bei Entzug Unruhe, Konzentrationsprobleme, Depressionen, Antriebslosigkeit möglich." Ein 30-Jähriger, der am Wochenende einen Joint rauche, setze sich hingegen keiner großen Gefahr aus.

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  •   FG1961
    (492 Beiträge)

    11.05.2021 06:40 Uhr
    Mein Gedanke: Freigabe der Drogen
    Dann würden die gesamten Kartelle und Drogenbeschaffungskriminalität wegfallen. Weltweit.
    Was da alles dran hängt, ist vermutlich unvorstellbar.
    Erstmal Drogen als Apothekenpflichtig kennzeichnen und abwarten was passiert.
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  •   andip
    (11063 Beiträge)

    10.05.2021 13:59 Uhr
    Aha
    Wenn man aus 10g 30 Joints bauen kann, dann man aus den bisher erlaubten 6g mindestens 15 oder mehr machen.
    Ist das ein so riesiger Unterschied?
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  •   schoenix
    (273 Beiträge)

    12.05.2021 19:12 Uhr
    Keine Ahnung
    Aber es kommt auch drauf an, für wie lange diese 6g oder eben 10g halten sollen. Einen Kasten Bier kaufe ich auch nicht für mich alleine an einem Abend.
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  •   mein-senf
    (1028 Beiträge)

    10.05.2021 09:40 Uhr
    mal wieder bla bla bla bla bla
    die nächste Wahlkapfsau die durch Dorf getrieben wird und sich alle draufhocken , dann bekommt man die " Kiffer " auch als Wähler mit ins Boot .. einfach nur lächerlich. Das soll jetzt kein Pro-Cannabis sein !
    Aber wenn man über den Tellerarand sieht.. in den NL in Colorado etc. rennen auch nicht alle stoned rum , die haben auch keine grösseres Drogenproblem als wir, nur eine gewisse Entschärfung der Beschaffungskriminalität.
    Hallo liebe Politclows , da könnte man neue Steuern abzocken , die man dann verdummbeuteln könnte, ist doch was, oder ? Darüber zu diskutieren ist müssig, es geht einzig und alleine wieder nur darum welcher dieser Clowns mit dessen Kasperleverein an die Macht kommt , das Thema ist da eher fünftrangig , genau wie der Wähler.
    Mal schaun wie die nächtse Sau aussieht .. -->> Freibier für alle ?? Steuern senken ?? , freie Fahrt für freie Bürger ?? Mehr Sicherheit ?? bla bla bla bla bla
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  •   Motorhead
    (394 Beiträge)

    10.05.2021 13:53 Uhr
    Ja die Niederländer
    machen es schon lange vor, wie gut die Legalisierung funktioniert 😊
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  •   ALFPFIN
    (7688 Beiträge)

    10.05.2021 08:16 Uhr
    Cannabis
    Seit ihrer Gründung setzen sich die Grünen für die Legalisierung von Haschisch und Marihuana ein. Es gab auch damals schon den Vorschlag Coffeeshop zu eröffnen, in denen weiche Drogen legal verkauft werden sollten.
    Georg Wurth ist ein deutscher Lobbyist und Aktivist. War auch in der Gründungsphase der Grünen dabei und ist Inhaber eines Unternehmens, "Deutscher Hanfverband“ das als Interessensvertretung der Hanfbewegung in Deutschland auftritt.
    Und dann war da noch vor ein paar Jahren der Vorschlag der Grünen ein Cannabiskontrollgesetz zu erlassen, nicht um restriktiv den Cannabiskonsum zu kontrollieren, sondern nur die Auswüchse bei Freigabe im Auge zu behalten.
    Na, dann, man ist wieder auf Linie bei den Grünen, zumindest in BW.
    Die Schwarzen müssen halt mitmachen. Und Frau Baerbock hat ein weiteres Wahlkampfthema für ihre Klientel.
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  •   Motorhead
    (394 Beiträge)

    10.05.2021 13:52 Uhr
    Haja
    Es gibt nun mal mehr Alkoholsüchtige als Cannabisuser..aber immer schön wenn man die Gesellschaftsdroge einfach so akzeptiert.
    Bin dafür erst mal schwer gegen Alkohol vorzugehen und danach gegen Cannabis.
    Durch Alkohol am Steuer sterben jährlich wieviele Menschen? Genau. Cannabis fällt da eher unter nicht nennenswert.
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