Karlsruhe Hitze, Stürme, Trockenheit: Wie geht es dem Karlsruher Stadtwald?

Der Sommer 2020 machte mit Rekordtemperaturen von sich Reden. Besonders der August fiel dabei stark ins Gewicht - eine Herausforderung für die Bäume im Karlsruher Stadt- und Waldgebiet, die bereits 2018 und 2019 mit extrem trockenen Sommern zu kämpfen hatten. Da stellt sich die Frage: Wie geht es unseren Waldbäumen in diesem Jahr?

Die gute Nachricht: Die Bäume sind dieses Jahr glimpflicher davongekommen als in den Jahren davor. "Es gibt weniger Schadbäume als in den letzten Jahren", so der leitende Forstdirektor Ulrich Kienzler.  Die schlechte Nachricht: Nach wie vor sind die Wasserspeicher der Böden leer.

3.000 Kubikmeter Holz: Waldschäden durch Stürme und Trockenheit

Nässephasen bleiben aus, Niederschlag verdunstet noch direkt an der Oberfläche. Das Resultat: "Die Bäume reduzieren ihre Kronen, Rinden werden brüchig, Schädlinge dringen ein." Starke Sonneneinstrahlung begünstige den Vorgang.

Lichte Baumkrone im Stadtwald | Bild: Hammer Photographie

Auch das Austreiben von Knospen und Nüssen, angeregt durch die warmen Temperaturen, führt zur Erschöpfung der Bäume und macht sie wegen Wassermangel anfälliger. Insgesamt kamen in diesem Jahr aufgrund der Waldschäden rund 3.000 Kubikmeter Holz zustande. 40 Prozent fielen davon Stürmen im März zum Opfer. Totholz wurde zahlenmäßig nicht erfasst.

Buchenholz dieses Jahr knapp

"Besonders an weniger hitzebeständigen Sorten wie Birken, Kiefern und Buchen sind derlei Symptome zu sehen", sagt Kienzler im Gespräch mit ka-news.de. Deshalb sei auch der diesjährige Verkauf von Buchenholz, das bei der Fällung frisch sein muss, extrem eingeschränkt. "Jetzt noch lebende Buchen zu fällen, ist bei der aktuellen Situation nicht vertretbar", so Kienzler weiter.

Ulrich Kienzler klärt ka-news.de-Mitarbeiterin Verena Müller-Witt über den Zustand des Waldes auf. | Bild: Hammer Photographie

"Wir wollen den Wald nicht umbauen"

Zwar werden bei Neupflanzungen Sorten in Betracht gezogen, die klimabedingt besser an unsere Region angepasst sind - wie zum Beispiel die Roteiche, die im Hardtwald bereits erfolgreich Wurzeln geschlagen hat. Dafür wurden dieses Jahr zirka 16.000 Jungbäume gepflanzt, davon rund 6.000 Eichen, wovon knapp die Hälfte nicht angewachsen sind.

Unter Beobachtung: Die Auswüchse der nicht heimischen Kermesbeere hindern zum Beispiel die Naturverjüngung. Sie raubt den keimenden Bäumen das Sonnenlicht. | Bild: Hammer Photographie

Allerdings, so Kienzler, stehe der Erhalt der Baumarten, die bereits im Wald heimisch vorkommen, im Fokus. "Wir wollen das bestehende Potential des Waldes fördern, die Bäume erhalten. Nicht den Wald umbauen", erklärt Kienzler im Gespräch mit ka-news.de.

Somit relativiert er die Aussage der Stadt Karlsruhe, die noch im Jahr 2019 von einem Umbaukonzept des Stadtwaldes gesprochen hatte. Vielmehr sei der Begriff einer "Waldanpassung" treffend, so Kienzler.

"Wir wissen nicht, wie es in zehn Jahren aussieht"

"Baumvielfalt bringt Risikoverteilung. Deshalb arbeiten wir aktuell mit 80 Prozent heimischen und 20 Prozent nicht heimischen Bäumen", so der Forstdirektor weiter.  Für die kommenden Jahre sei deshalb wichtig, die Walddynamik im Auge zu behalten.

Jürgen Unger, Leiter des Bereichs Baumpflege beim Gartenbauamt | Bild: Hammer Photographie

"Wir wissen nicht wie es in zehn Jahren ausschaut", ergänzt Jürgen Unger, Leiter des Bereichs Baumpflege beim Gartenbauamt. "Deshalb ist es bei solchen Verhältnissen keine gute Idee, alles der Natur selbst zu überlassen."

Wie es den Bäumen in der Stadt in diesem Jahr ergeht und wie wir selbst zum Wohl unserer Bäume beitragen können, lesen Sie am Montag bei ka-news.de.

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