8  

Karlsruhe Getrennte Liebe in Corona-Zeiten: "Ich hoffe, dass er bei der Geburt unseres Kindes dabei sein wird"

Die aktuellen Corona-Maßnahmen treffen die Menschen überall in Deutschland und auch im Nachbarland Frankreich. Besonders schwer ist es für Liebespaare, die durch Ländergrenzen getrennt werden - wie Angela Musso und Christoforo Amodeo. Die 22-Jährige ist hochschwanger und hofft, dass sie ihren Verlobten zur Geburt ihres ersten Kindes in einem Monat sehen kann.

"Ich weiß nicht ob ich ein Einzelfall bin, oder ob es noch weiteren Paaren so ergeht, aber ich bitte um ein wenig Verständnis und Einfühlsamkeit", schreibt Angela Musso Ende März auf Facebook. Die angehende Mutter ist verzweifelt: "Ich bin das erste Mal schwanger. Mein Verlobter ist aufgrund der Grenzschließung zu Frankreich, 15 Minuten Autofahrt entfernt, in einem kleinen Ort im Elsass gefangen."

Verlobter wohnt im Elsass

Ihr Verlobter, Christoforo Amodeo, wohnt in Mothern in der Nähe von Lauterbourg, im französischen Elsass. Zunächst waren Reisen von Lebensgefährten zwar erlaubt, doch als das Robert-Koch-Institut (RKI) das Elsass zum Risikogebiet erklärte, wurde eine Einreise nach Deutschland für Amodeo unmöglich. 

Der 25-Jährige Cristoforo Amodeo hat seine Verlobte seit über einem Monat nicht mehr gesehen.
Der 25-Jährige Cristoforo Amodeo hat seine Verlobte seit über einem Monat nicht mehr gesehen. | Bild: privat

"Er fehlt mir sehr momentan. Wir haben keine Möglichkeit unsere letzte gemeinsame Zeit zu zweit zu genießen", so Angela Musso im Gespräch mit ka-news.de. Ihr Verlobter arbeitet zwar in Deutschland, befindet sich aktuell allerdings im Zwangsurlaub und darf nicht nach Deutschland einreisen. Umgekehrt darf auch Musso nicht die Grenze nach Frankreich überqueren. 

Einreise verweigert

In Frankreich gelten seit dem 17. März zusätzlich strikte Ausgangssperren: Anwohner dürfen sich für maximal eine Stunde und in einem maximalen Umfeld von einem Kilometer um ihren Wohnort im Freien aufhalten - für Spaziergänge, Gassigehen oder zum Sport.

Für die Arbeit das Haus verlassen dürfen nur Menschen, denen kein Home-Office möglich ist. Bei Verstoß gegen die Regeln droht ein Bußgeld von mindestens 135 Euro. Am 13. April wurden die strengen Maßnahmen bis zum 11. Mai verlängert. 

Das junge Paar erwartet ihr erstes gemeinsames Kind.
Das junge Paar erwartet ihr erstes gemeinsames Kind. | Bild: privat

Schon mehrfach stand Christoforo Amodeo am Grenzübergang mit dem Ziel, seine Verlobte endlich wieder in den Arm nehmen zu können - doch zwecklos. "Er besitzt keine deutsche Staatsbürgerschaft, sondern nur die italienische. Die Polizei lässt ihn nicht passieren", so Musso. 

Hochzeit bereits geplatzt

Doch nicht nur die Geburt macht ihr Sorgen. Ein anderer großer Tag im Leben eines Paares ist bereits geplatzt. "Wir wollten Anfang April heiraten - doch auch da hat uns das Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagt Angela Musso im Gespräch mit ka-news.de. 

Der errechnete Geburtstermin, an dem der kleine Diego zur Welt kommen soll, ist der 16. Mai 2020.
Der errechnete Geburtstermin, an dem der kleine Diego zur Welt kommen soll, ist der 16. Mai 2020. | Bild: privat

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für das junge Paar: "Kommenden Dienstag darf Christoforo zur Arbeit fahren, um eine Bescheinigung abzuholen, doch ob er mich dann besuchen kommen darf oder direkt ins Elsass zurückmuss, wissen wir nicht", so Musso. "Die Ungewissheit ist schlimm." Vor allem die Frage, ob ihr Verlobter bei der Geburt am 16. Mai dabei sein kann oder nicht. "Das ist meine größte Angst", sagt die 22-Jährige. 

Die 22-Jährige ist im neunten Monat schwanger.
Die 22-Jährige ist im neunten Monat schwanger. | Bild: privat

Doch sie ist nicht alleine - Angela Musso wohnt noch zu Hause bei ihren Eltern. "Ich bekomme Unterstützung jeglicher Art - doch ich will endlich meinen Verlobten wieder bei mir haben. Ich vermisse ihn sehr", so Musso. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (8)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Blandine
    (40 Beiträge)

    19.04.2020 13:27 Uhr
    Luxusproblem
    Immer dieses Gejammer getrennter Liebespaare. Seid doch froh und dankbar, dass Ihr jemanden habt, der Euch nahe steht, an den Ihr denken könnt, mit dem Ihr auch auf Distanz Euer Leben und Eure Gedanken teilen könnt - jemanden, den Ihr lieben dürft.

    Wer allein ist und niemanden hat, kann darüber nur traurig den Kopf schütteln.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6436 Beiträge)

    17.04.2020 14:33 Uhr
    nochmals zum Klicken
    neue Corona-Verordnung Baden Württemberg
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10291 Beiträge)

    17.04.2020 15:26 Uhr
    Nutzt aber nichts
    wenn er von den Franzosen nicht rausgelassen wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6436 Beiträge)

    17.04.2020 15:54 Uhr
    Woher die Erkenntnis?
    Die Franzosen kümmern sich um die Einreise nach Frankreich und die Deutschen um die Einreise nach Deutschland.

    Er wird wohl erstmal in Quarantäne gehen müssen. Genaues ist sein Problem.

    Wir sind ja nicht im Krieg.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   FinnMcCool
    (258 Beiträge)

    17.04.2020 17:02 Uhr
    woher die Erkenntnis? - aus den Medien
    Denn in Frankreich darf man seine Wohnung nur zum Einkaufen verlassen. Ausnahmen gibt es noch, für Spaziergänge, Gassi gehen oder Sport treiben. Dies aber eine Stunde am Tag und nicht weiter als 1km vom Zuhause entfernt. Daher wird der gute Mann wohl kaum unbehelligt an die Grenze kommen. Ob ihn dann die deutschen Grenzbeamten rüber lassen ist noch ein anderes Thema
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6436 Beiträge)

    17.04.2020 14:32 Uhr
    ka-news vom 10.4.2020 lesen:
    gemäß
    Zitat von https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/coronavirus-karlsruhe./neue-corona-verordnung-fuer-baden-wuerttemberg-das-aendert-sich-ab-sofort;art6066,2518224 neuer Corona-Verordnung:


    "Das Robert-Koch-Institut weist ab dem 10. April keine Risikogebiete mehr aus, da die Infektionszahlen mittlerweile weltweit hoch sind. Deshalb wurden in der Corona-Verordnung alle Regelungen, die einen Bezug zu Risikogebieten hatten, angepasst."
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6436 Beiträge)

    17.04.2020 14:36 Uhr
    und weiter:
    "Außerdem wurde das bisher bestehende Verbot von Einreisen nach Baden-Württemberg aus Risikogebieten gestrichen."
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (220 Beiträge)

    17.04.2020 09:32 Uhr
    Man sollte dies human
    handhaben. Zur Zeit sehe ich auch keinerlei Vorteil in den sehr restriktiven Maßnahmen in Frankreich. Stand heute 8:38 Uhr hat Frankreich 10.000 mehr Infizierte und über die 4 fache Anzahl von Toten. Da muss man schon unsere Regierung loben, die mit Augenmaß hier vorgeht.

    Wo in der Welt gibt es keine Risikogebiete mehr? Nirgends. Deswegen sollte man in solchen Fällen flexibel reagieren. Und die, die jetzt argumentieren, er könnte ja sie und das ungeborene Kind infizieren sei gesagt, dies kann jeder Zeit an einem beliebigen Ort geschehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.