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Karlsruhe Gesetz gegen Motorradkrach? "Ein generelles Fahrverbot ist völliger Schwachsinn!"

Sie knattern durch Wohngegenden und zu fast jeder Tages- und Nachtzeit - Motorräder empfinden viele Menschen als zu laut. Das hat Mitte Mai auch der Bundesrat beschlossen und will Biker nun in ihre Schranken weisen: Ein Lärmlimit für Neuzulassungen und ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen sollen her. Holger Siegel vom Arbeitskreis Motorradlärm des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erachtet das aber nur zum Teil als sinnvoll.

Motorräder sollen leiser werden: Das hat der Bundesrat in einer Sitzung bereits am 15. Mai beschlossen. Auch der Verkehrsminister von Baden-Württemberg, Winfried Hermann, hat sich in einem Brief an den Bundesrat für diesen Schritt ausgesprochen. Konkret umgesetzt werden soll der Beschluss in zwei Schritten.

Nicht lauter als ein Profifön - "Ich bin überzeugt, dass das geht"

Zum einen sollen neu zugelassene Motorräder nicht lauter als 80 Dezibel sein dürfen. Diese Lautstärke ist ungefähr vergleichbar mit einem hochwertigen Haarfön und dient dazu, in Zukunft die Ohren der Anwohner viel befahrener Motorrad-Strecken zu verschonen.

Bild: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Fahrzeuge, die diesen Grenzwert überschreiten, sollen laut Bundesratsbeschluss in Zukunft von der Polizeibehörde beschlagnahmt werden. Darüber hinaus sollen Modifikationen, die die Lautstärke erhöhen, höher bestraft werden. Dass eine solche Forderung nach leiseren Maschinen durchaus legitim ist, findet auch Holger Siegel. 

"Wir sind überzeugt, dass das geht", so der Experte vom Arbeitskreis Motorradlärm des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Gespräch mit ka-news.de. "Ich selbst fahre ein Motorrad aus den Neunzigern, dass dieses Limit einhält."

Motorradhersteller müssen umdenken

Dennoch würde ein solches Lärmverbot eine große Umstellung für die Motorradhersteller bedeuten. Der Grund: Laut Siegel hält sich fast kein neues Motorrad mit Verbrennungsmotor aktuell an das 80-Dezibel-Limit. Motorsteuerung und Auspuffanlagen seien so entworfen, dass sie einen besonders lauten Klang erzeugen. Dieser sei zwar für die Fahrer und Beifahrer angenehm, jedoch nicht für Außenstehende. "Diese Firmen sind Marktführer im Lärm", meint Siegel.

Motorradfahrer sind sichtbarer - und damit sicherer - wenn sie sich auf der Fahrbahn etwas hin und her bewegen. Schlangenlinien sollten sie aber natürlich nicht fahren.
Bild: Judith Michaelis/dpa-tmn

Als vorbildliches Beispiel nennt der BUND-Experte hingegen die grünen Polizeimotorräder aus den frühen 2000ern: sie waren für innerstädtische Einsätze entworfen worden und waren trotz Verbrennungsmotor in der leiseren Fraktion der motorisierten Zweiräder angesiedelt.

Sind E-Motorbikes eine Lösung?

Auch wenn die Polizeimotorräder vergleichsweise leise waren, gibt es trotzdem noch Verbesserungsansätze: Die Initiative "Silent Rider" setzt sich schon seit Jahren für weniger Motorradlärm ein. Neben der Einführung einer Schallobergrenze fordert sie auch beispielsweise die staatliche Förderung und Subvention von Batterie-elektrischen Motorrädern, die um einiges leiser sind.

Bild: Zero Motorcycles

Beispielsweise liefern elektrische Bikes wie das SR/S der amerikanischen Firma Zero Motorcycles eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern - zu einem Preis, der vergleichbar mit den Angeboten von BMW und Yamaha ist. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung, meint Siegel.

Und die Initiative geht sogar noch weiter: So fordert "Silent Rider" auch ein Verbot, Motorräder mit Augenmerk auf besonders lauten Klang zu entwerfen und verlangt eine Nachrüstung aller Auspuffanlagen, die das Limit von 80 Dezibel überschreiten.

Motorradfans starten Online-Petition

Begeisterte Motorradfahrer, die das satte Aufheulen ihrer Maschinen lieben, sind weniger von diesen Vorschlägen überzeugt. Besonders aber widerstrebt ihnen der zweite Beschluss des Bundesrates: Dieser hat nämlich auch ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen vorgeschlagen.

Vorsicht bei Seitenwind: Starke Böen können Motorradfahrer aus der Spur schieben.
Bild: Peter Steffen/dpa/dpa-tmn

Auf sozialen Netzwerken und Petitions-Webseiten formieren sich daher bereits Gegner dieses Vorschlags. Heiko Schmidt ist einer dieser Motorrad-Enthusiasten. In einer Online-Unterschriftenaktion auf der Plattform "Open Petition" an die Bundesregierung macht er seinem Ärger Luft: "Es gibt genug arbeitende Menschen in unserem Land, die nur an Sonn- und Feiertagen dazu kommen, mal auf dem Motorrad zu entspannen und dem Alltag, der gerade in Corona Zeiten sehr schwer ist, zu entfliehen.

Auch verurteile ich die Motorradfahrer, die in Ortschaften und Wohnvierteln extra Krach machen. Aber durch dieses Verbot werden wir in unserer freien Entfaltung eingeschränkt", erklärt der Essener Motorradfan dort. Knapp 171.000 Menschen sehen das bisher genauso und haben die Petition unterzeichnet.

Generelles Fahrverbot ist "völliger Schwachsinn"

Die Aufregung um ein mögliches Fahrverbot kann Holger Siegel vom BUND allerdings nicht verstehen. Der Grund: Es ginge dabei nur um bestimmte Strecken, bei denen die Lärmbelastung unzumutbar werde. "Ein generelles Fahrverbot, egal ob an Sonntagen oder an anderen Tagen, ist völliger Schwachsinn", sagt Siegel im Gespräch mit ka-news.de.

Wie es jedoch zu den neuen Restriktionen kommen wird, obliegt zunächst der Bundesregierung. Sie muss nun entscheiden, ob und wann sie die Anregung umsetzen möchte. Wann über den Bundesratsbeschluss debattiert werden soll, ist aber noch nicht bekannt. 

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  •   Schillerlocke
    (459 Beiträge)

    13.06.2020 19:23 Uhr
    Da stimme ich in diesem Punkt zu,
    ein generelles Verbot gehört verboten. Mich nerven diese Krawallegomanen genau so wie alle anderen. Wir können aber auch nicht die Biker enteignen.

    Da wird es Zeit für einen tragfähigen Kompromiss.

    Zulassungsbeschränkung gemessen am Krach, leider auch zeitliche Fahrverbote auf beliebten Rennstrecken. (Schwarzwaldhochstraße).

    Das die Biker das nicht selbst kapieren, unverständlich.
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  •   Lärm
    (1 Beiträge)

    13.06.2020 10:42 Uhr
    Lärm
    Leider gibt es wie immer einige, die das Blatt überweisen...
    Allerdings könnte man das Motorrad auch als Ferrari des kleinen Mannes betrachten.
    Wenn also eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Mitbürgern dieses Gerät, wie einige besser besuchte ihr auch mit seinem Klang auch entsprechende Emotionen verbinden, ist das eigentlich fast legitim.
    Ansonsten bitte ich auch sämtliche Rasenmäher, Häcksler, Schleifmaschine und ähnliche Gerätschaften entsprechend zu reglementiert.
    Diese ertrage ich nämlich auch ohne zu murren - Rücksichtnahme kann nämlich auch mal passiv sein...
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  •   Weichei
    (883 Beiträge)

    11.06.2020 16:10 Uhr
    Warum denn gleich in die Luft gehen?
    Greife lieber zur BMW
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  •   peddersenn
    (1031 Beiträge)

    11.06.2020 15:41 Uhr
    Das ist ein Missverständnis...
    Eigentlich hab ich was anderes geschrieben.
    Ich hatte auch nicht für die Freiheit der Minderheiten unter den Motorradfahrer plädiert, die zu doof sind, anständig und leise Motorrad zu fahren und sich dementsprechende Maschinen zu kaufen. Im Gegenteil. Eher dafür, daß die anderen nicht mit in einen Topf geworfen werden.

    Und AUCH nicht bezeichne ich Betroffene oder Leute, die eine andere Meinung haben als Pöbel - bei Lärm gibts garkeine andere Meinung und betroffen bin ich selbst - an der Straße zum Rheinkiosk versteht man oft sein eigenes Wort nicht mehr.

    Aber die, die ohne nachzudenken immer fordern "kann weg" und damit helfen, immer weiter die unstörenden Tätigkeiten der Mitmenschen zu verunmöglichen und dazu Beifall klatschen, bezeichne ich durchaus so. Zu Recht.

    Ob das nun : alle Autos aus der Stadt, Fußball muß weg, die Jugend ist doof oder eben Motorräder sind bäh heißt.
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  •   Oeuropa
    (54 Beiträge)

    11.06.2020 12:44 Uhr
    Verbote, Verbote , Verbote
    Ich bin auch nicht gerade für solche Krawall- Fahrzeuge. Warum unterbindet man nicht schon den Handel mit solchen lauten Fahrzeugen oder entsprechendem Zubehör? Das wäre ein Leichtes, dem ein Ende zu bereiten. Ich habe den Eindruck, die Steuern aus solchen Umsätzen nimmt man wohl gerne mit. Wenn Minderheiten meinen, dass sie einen bestimmten Sound brauchen, dann muss man die gezielt angehen und nicht alle durch generelles Fahrverbot bestrafen. Ich habe so langsam den Eindruck, dass bei uns nur noch Verbote für alles und jeden ausgesprochen werden. Es ist nicht mehr auszuhalten. Es ist zum kotzen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    11.06.2020 16:33 Uhr
    Rücksichtslosigkeit,
    Rücksichtslosigkeit, Rücksichtslosigkeit seitens mancher Fahrer und der Motorradlobby. Das lassen sich die Leid Tragenden nicht ewig bieten, das ist ganz normal. Bedanke Dich denen, die erst für den akuten Handlungsbedarf sorgen...
    Wenn zu laute Röhrer von der Community geächtet würden, gäbs das gar nicht (Verkäufer, Werkstätten, Mitfahrer, in Motorradkneipen und an -Treffs, von Partnern und Verwandten). Ist aber wohl nicht der Fall, im Gegenteil. Da solltet Ihr dran arbeiten.
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  •   peddersenn
    (1031 Beiträge)

    11.06.2020 18:56 Uhr
    Community?
    Nun ja, die Möglichkeiten der "Community" sind da begrenzt. SEHR begrenzt. Die gehen gegen Null.

    Nur weil ich AUCH motorradfahre, kann ich da genausowenig gegen die Merkwürdigen ausrichten wie jemand, der beim KSC steht und den Chaoten zugucken muß oder ein Autofahrer gegen die Stadtraser oder ein Wanderer gegen die, die Müll hinterlassen.

    Das ist Wunschdenken - die "Community" gibts nicht in dem Maße, wie man sich das vorstellt - wie auch? Und deshalb ist ein "Argumentieren" mit internen Kontrollen eher ne verfehlte Schuldzuweisung an die, die nicht zuletzt auch drunter leiden.

    Wegen MIR und meinem Fahrweise - und unzähliger anderer- hätte man nicht das Elmsteiner Tal oder die Schauinslandstrecke sperren müssen.

    Pauschalsperren SIND immer Blödsinn, wenn man auch kontrollieren kann. Andernfalls könnten wir auch Autoverkehr, Hundehaltung und alles andere verbieten, wenns drum geht, daß sich einige nicht an die Regeln halten.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    11.06.2020 21:08 Uhr
    Klar gibts die Community.
    Du kannst mir doch nicht erzählen, dass Motorradgruppen von 10 Personen und mehr, die im Pulk den Schwarzwald durchkämmen dann im Biergarten an der Hochstraße kein Wort mit einander und mit anderen "Bikern" wechseln. Anscheindend habe ich da einen wunden Punkt getroffen!
    Es ist schlicht eine Belastungsgrenze erreicht bzw. längst überschritten, das ist wie ehedem beim Rauchverbot. Da mag es auch den einen oder anderen rücksichtsvollen Raucher gegeben haben, aber es war einfach insgesamt zu viel.

    Das Schöne: auch die Motorradfahrer werden sich schnell an die künftigen Regeln gewöhnen und (fast) alle sind zufrieden.
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  •   peddersenn
    (1031 Beiträge)

    12.06.2020 09:14 Uhr
    Nicht nur ein wenig realitätsfern....
    ...dieses Bild von den Motorradfahrern. Klar, es gibt große Gruppen, die gemeinsame Ausflüge unternehmen - und die werden auch miteinander reden.

    Aber die allermeisten Motorradfahrer sind doch allein oder zu zweit/zu dritt unterwegs - und die allermeisten erzeugen keinen unnötigen Lärm und fallen schlicht nicht auf. Und auf den allermeisten Straßen und Verkehrswegen ist das alles ja auch NULL Problem. Es ist einfach nicht wahr, daß für nennenswerte Gruppen der Auspuffsound was Erstrebenbswertes darstellt. Und gegen diese Behauptung zu wehren, hat nix mit wundem Punkt zu tun.

    Aber wenn ich durchs Dorf oder den Schwarzwald fahre oder die Pfalz/Elsass fahre, habe ich doch keinen Einfluß darauf, wer da vorher oder nachher vorbeigefahren ist - und wie. Sowenig wie mit dem Auto.

    Nöh, da gehts um blindes "Mach ich nicht, kann weg". Aber am Ende dieser Bestrebungen steht ne ganz arme Welt. Ohne vieles Schöne, was auch SIE gut finden. Und wo viele Freude dran haben.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    12.06.2020 10:53 Uhr
    Nein gar nicht, es geht um einen fairen
    Interessensausgleich. Auf der einen Seite die Erholungssuchenden und Natursportler z.B. im Nordschwarzwald, die völlig unnötig unter dem Lärm leiden müssen; auf der anderen Seite die rücksichtslosen Spaß-Lärmer mit ihrer Lobby. Lies doch mal die Beiträge von Bikern hier; gemeint sind Händler, Hersteller, Tuner, Schrauber, und deren Communities die das alles geil finden oder zumindest decken und stützen...

    Um mich gehts hier gar nicht. Ich kenne Ecken, die verschont bleiben (Straße zu schmal; Sackgassen...).

    Der faire Ausgleich wird kommen müssen, da sich Anwohner, Bürgermeister, Tourismusbetriebe -hier geht es um Umsätze und Existenzen- und Erholungssuchende es sich nicht auf Dauer bieten lassen, von einer rücksichtslosen Mini-Minderheit tyrannisiert zu werden.
    Merke: Lärm macht krank und arm.
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