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Karlsruhe Geldschlucker Majolika: Karlsruhe bewilligt Keramik-Manufaktur weitere 125.000 Euro - aber "es muss auch mal Schluss sein"

Die Majolika ist für viele Karlsruher ein geliebter Teil ihrer Stadt - aber auch ein sehr teurer. Jahr um Jahr erhielt sie finanzielle Hilfe, die Geldprobleme wurden dadurch aber nicht weniger. Nun wurden ihr vom Gemeinderat weitere 125.000 Euro zugesprochen - unter heftigem Disput. Einig ist man sich alleine darüber, dass es so nicht weitergehen könne. Die Stimmen aus dem Gemeinderat.

Seit nicht weniger als zehn Jahren kämpft die Karlsruher Majolika nun mit der Pleite. Nach immer neuen Finanzspritzen wurde im Januar dieses Jahres ein sogenannter Sperrvermerk verhängt, der der Keramikwerkstatt weitere finanzielle Hilfe verwehrte. Am Dienstag wurde die Sperre in der Gemeinderatssitzung aufgehoben und der angeschlagenen Manufaktur wurden weitere 125.000 Euro zugesagt.

Obwohl schon in den Haushaltsplanungen vermerkt, sorgte diese Entscheidung für teils heftige Debatten zwischen den Stadträten. In einer Sache sind sich die Fraktionen allerdings einig: Weitergehen wie bisher kann es mit der Majolika so nicht. Ob die Aufhebung des Sperrvermerks und damit neue Geldmittel für neue Ansätze innerhalb der Keramikfabrik überhaupt sinnvoll waren, darüber scheiden sich am Dienstag im Plenum die Geister.

Grüne, CDU, Linke, FDP und SPD sind für die Aufhebung 

Für die Aufhebung sprechen sich gleich zu Beginn der Debatte die Grünen, die CDU und die SPD aus. "Hauptsächlich zwei Faktoren bringen uns zu dieser Entscheidung", sagt Renate Rastätter von der Grünen-Fraktion. "Erstens hat die neue Geschäftsleitung  ein überzeugendes Konzept für die Zukunft umgesetzt, zweitens wird die gewerbliche Ausrichtung der Majolika wegfallen und sie wird zur reinen Kulturstätte."

Renate Rastätter, Mitglied der Fraktion Die Grünen im Karlsruher Gemeinderat. | Bild: Grüne Karlsruhe

Natürlich müsse man dabei "auch im Auge behalten, wie Finanzen und Wirtschaftsplanung aussehen. Aber vor allem sollten wir der Majolika auch angemessene Zeit einräumen, ihr neues Konzept umzusetzen".

Dem stimmt auch Rahsan Dogan von der CDU-Fraktion zu. "Die Möglichkeit, dieses Konzept zu Ende auszuarbeiten und uns vorzustellen, wollen wir ihnen gewähren, zumal es coronabedingt ja in vielen Institutionen zu Verzögerungen kam."

Rahsan Dogan, Mitglied der CDU-Fraktion im Karlsruher Gemeinderat. | Bild: CDU Karlsruhe

Gleichzeitig müsse man aber auch diskutieren, "wo und wie wir die Zukunft der Majolika sehen. Wir wollen nach wie vor die Investorenlösung nicht ausschließen". Doch ob man die Majolika an Investoren verkaufe oder nicht, sei nun nicht das Thema, wie auch Elke Ernemann von der SPD anmerkt.

"Eine unnötige Dämpfung des Kulturbetriebs in Karlsruhe"

"Es geht heute nur darum, ob die Majolika weiterhin Geldmittel erhält und dem stimmt meine Fraktion zu", so die Sozialdemokratin. Auch die gemeinsame Fraktion der Karlsruher Liste und der Die Partei  sowie Die Linke stimmen in diese Entscheidung ein.

Elke Ernemann
Elke Ernemann, SPD-Fraktion. | Bild: SPD Karlsruhe

"Eigentlich ist der Sperrvermerk der Majolika eine unnötige Dämpfung des Kulturbetriebs in Karlsruhe", sagt auch Anette Böringer von der FDP.

Annette Böringer
Annette Böringer, FDP-Fraktion. | Bild: FDP Karlsruhe

AfD und Freie Wähler sind gegen eine Aufhebung

Kritischer sieht die AfD-Fraktion den Zuspruch weiterer Geldmittel für den Keramikhersteller: "Seit Jahren hängt die Majolika finanziell auf der Stadt! Immer, wenn das Geld zur Neige geht, wird ein neues, ein besseres, ein weiterentwickeltes Konzept aus dem Hut gezaubert - mit der Intention, weitere finanzielle Mittel für die Majolika freizugeben, die aus gutem Grund gesperrt wurden", sagt Oliver Schnell.

Oliver Schnell, AfD Karlsruhe. | Bild: Oliver Schnell

"Die Geschäftsführung verhindert damit, die Majolika für Investoren freizugeben und sie in die finanzielle Unabhängigkeit zu führen. Es kann nicht so weitergehen, dass wir der Majolika auf Basis wolkiger Versprechungen immer mehr Geld in den Rachen werfen. Das muss ein Ende haben." Nur so sei seiner Ansicht nach ein Neuanfang möglich."

"Dumpfbackiges Gerede" und "falsche Aussagen"?

Auch Friedemann Kalmbach von den Freien Wählern fügt eine kritische Stimme zur Aufhebung der Sperrklausel hinzu: "Man kann sich einfach überlegen: Wenn eine Firma dauerinsolvent ist, zieht man sie ständig aus der Insolvenz, wenn sie einfach so weitermacht? Wir haben schon viele Konzepte befürwortet, es muss auch mal Schluss sein. Wir sagen deshalb Nein zur Aufhebung."

Friedemann Kalmbach, Stadtrat der Freie Wähler/FÜR Gemeinderatsfraktion
Friedemann Kalmbach, Stadtrat der Freie Wähler/FÜR Gemeinderatsfraktion. | Bild: Roland Fränkle

Außerdem, so ergänzt Kalmbach, "ist die Nachfrage an den Produkten der Majolika auch nicht so hoch, dass sie lebensfähig wäre". Ein Statement das am Dienstagabend von mehreren Seiten auf teils harsche Kritik stößt. So spricht Lüppo Cramer von der Fraktion KAL/Die Partei von "dumpfbackigem Gerede", während Thomas Hock von der FDP-Fraktion seinen Vorrednern Falschaussagen vorwirft.

Thomas Hock, Stadtrat für die FDP.
Thomas Hock, Stadtrat für die FDP. | Bild: TMC|Carmele Fotografie

"Die Annahme, dass sich die Majolika selbstständig in einen Schrumpfkurs begeben hat, ist ganz einfach falsch. Diejenigen, die sagen, es gäbe kein Konzept, die haben sich einfach nicht mit der Majolika auseinandergesetzt. Die Majolika hat lange Jahre alles getan, was sie tun konnte", so Hock.

"Nun müssen wir sehen, ob sie als Kulturbetrieb oder als Profitcenter genutzt wird. Ja, diese Entscheidung ist überfällig! Aber dass hier die Majolika seit Jahren durch den Schmutz gezogen wird, das ist inakzeptabel! Sie ist nicht insolvent", wie Hock betont.

"Es geht darum, wer die Betriebskosten übernimmt"

Es ist Oberbürgermeister Frank Mentrup, der diese Diskussion beendet. Auch indem er einige im Raum stehende Thesen entkräftet: "Es ist völlig falsch, dass immer wieder mit Geld nachgeschossen wird! Der Sperrvermerk wurde vom Gemeinderat nach einer Haushaltsberatung beschlossen und könnte nun aufgehoben werden", so seine Worte.

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup.
Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Carsten Kitter

"Es geht  nicht darum, ob der Gemeinderat bereit ist, im Jahr mit 150.000 Euro einen Kulturbetrieb mitzufinanzieren, es geht darum, wer die darüber hinausgehenden Betriebskosten und Sanierungskosten übernimmt", so der OB weiterhin.

"Es ist auch nicht so, dass die derzeitige Majolika Geschäftsführung einen Investor verhindert, der derzeitige Investor hat bisher nicht auf unsere Zusage reagiert. Andere interessierte Investoren sind teilweise wieder abgesprungen. Ist man bereit, als Stadt - auch wenn es keinen Investor gibt - diese Betriebskosten zu finanzieren? Da reden wir von ganz anderen Dimensionen", sagt Mentrup.

Es geht weiter - aber wie?

Dass es mit der Majolika jedoch erst einmal weitergehen soll, wurde mit der Gemeinderatsentscheidung am Dienstag beschlossen. Bis auf die AfD- und die Freie Wähler/Für Karlsruhe-Fraktion stimmten alle Stadträte für die Bewilligung der 125.000 Euro Zuschuss. 

(Archivbild)
Die Innenräume der Karlsruher Majolika. | Bild: Paul Needham

Dass es jedoch nicht weitergehen kann wie bisher, sei dabei allen anwesenden Fraktionen klar. Nach der Grundsatzfrage, ob die Majolika neue Geldmittel von der Stadt erhält, gelte es daher nun zu klären, welche neuen Konzepte deren Geschäftsführung vorlegen kann. Diese Frage soll am 14. Oktober im städtischen Kulturausschuss besprochen werden.

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Kommentare (13)
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  •   tom1966
    (1715 Beiträge)

    06.10.2021 12:32 Uhr
    Kunst und Kultur
    haben schon immer Geld gekostet und waren noch nie profitabel (mit wenigen Ausnahmen)!

    Die Majolika ist eine Einrichtung, die ich in KA nicht missen möchte, nur weil sie nicht profitorientiert arbeitet.
    Ein paar Stücke, die sich besser verkaufen lassen, wären aber kein Fehler!
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  •   mein-senf
    (1048 Beiträge)

    02.10.2021 07:30 Uhr
    so ist es
    wenn derlei Unternehmen von der Stadt "geführt " werden ... so wie immer es bereichern / beweihräuchern sich einige , der Laden wird mit Inkompetenz und Vetterleswirtschaft in den Dreck gefahren . Ist doch Wurscht, der Steuerzahler blechts doch, was soll des ganze Gejammer, interessiert doch niemand und dem Bürger erzählt man die Story vom Bär .. so wie immer !!!
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  •   Beiertheimer
    (1369 Beiträge)

    02.10.2021 12:40 Uhr
    So ist es wenn der künstlerische Aspekt
    hochgehalten wird. Der normale Kunstbanause erkennt nicht welch hoher Anspruch in dem Objekt enthalten ist. Im Gegenzug ist der Kunstbanause aber durchaus kompetent genug seinen Geldbeutel zu öffen und über den Umweg der Subvention zu bezahlen.
    @Gemeinderat Macht eine klare Ansage ab wann die Majolika auf eigen Füßen zu stehen hat.
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  •   Malaika
    (311 Beiträge)

    01.10.2021 20:05 Uhr
    Macht doch endlich
    die Schotten dicht, viele Schwiegertöchter und Patenkinder werden es euch danken! Passt doch so wenig in die heutige Zeit wie Nierentisch und Bambi. Ältere Damen schenkten mit Vorliebe klobige Kacheln mit Sonnen- und anderem Blumendekor, passte einfach nicht zu Marilyn und Campbell's, nicht mal auf's Gästeklo. Und sauteuer war der Chi-Chi auch noch.
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  •   80er
    (6169 Beiträge)

    01.10.2021 18:51 Uhr
    Keinen....
    ....Euro für diesen Verlustbringer, der nur dazu da ist, damit eine Handvoll Künstler selbst verwirklichen wollen.
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  •   andip
    (11294 Beiträge)

    01.10.2021 12:17 Uhr
    Naja
    "...wird die gewerbliche Ausrichtung der Majolika wegfallen und sie wird zur reinen Kulturstätte."
    Reine Kulturstätte konnten sich noch nie finanziell selbst tragen, die mussten schon immer unterstützt werden.
    Das wird bei der Majolika auch nicht anders werden.
    Wenn man nicht ständig was in die reinbuttern will, dann darf man die gewerbliche Ausrichtung nicht weglassen sondern die noch ausbauen.
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  •   Käsekuchen
    (54 Beiträge)

    01.10.2021 09:53 Uhr
    Es braucht eine wirtschaftliche Grundlage
    Wenn der Betrieb auf Dauer unabhängig von Zuschüssen werden will braucht es halt eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage. Da macht es wenig Sinn, die künstlerischen Aspekte soooo weit in den Vordergrund zu rücken, dass der Verdienst zur Nebensache wird. Also lasst euch etwas einfallen, was die Leute auch kaufen wollen, es darf auch gern mal was gebrauchbares sein. Ich denke gerade mit Grausen an die hässlichen Karlsruher ToGo Becher, die keiner haben wollte. Das geht doch auch besser. Also bitte nicht (nur) so abgehoben, sonst bald weg vom Fenster.
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  •   Waterman
    (6775 Beiträge)

    01.10.2021 13:14 Uhr
    Früher
    hatte jeder Haushalt in Karlsruhe mindestens eine sitzende Nackte oder ein paar Rehe zuhause.
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  •   ALFPFIN
    (7856 Beiträge)

    01.10.2021 16:02 Uhr
    Und bitte schön
    ein Majolika Elefant gehörte auch dazu. Den habe ich als Kind einmal verkaufen wollen, die Nachbarin hat ihn aber meiner Mutter wieder ausgehändigt. Der Gute hat dann sogar nach Jahrzehnten die Haushaltsauflösung überlebt, ich habe ihn ​dem Kashka abgegeben, da hat er sicherlich noch ein paar Euro eingebracht. 😊
    Auch wenn in der Majolika heute moderne Keramikartikel, zu den klassischen Modellen hergestellt werden, durch den Generationenwechsel und den heutigen Geschmack, wird Majolika wohl immer ein Zuschussbetrieb bleiben. Das ist schade, aber auch solche Traditionsunternehmen finden dann keine oder nur wenige Käufer für ihre Produkte.
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  •   steely
    (445 Beiträge)

    01.10.2021 14:06 Uhr
    Und Ben kleinen Dackel 😁
    Außerdem ist die Majolika immer mehr zu etwas geworden für abgehobene Kunstliebhaber mit viel Geld im Sack tagtägliches bezahlbaren eher nicht vorhanden.
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