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Karlsruhe "Partybürgermeister" sorgt für ruhige Nächte: Bald auch in Karlsruhe?

Nächtliche Krawalle in den Städten, Clubbetreiber vor dem finanziellen Ruin: In der Corona-Krise ist die Partyszene mit vielen Problemen gespickt. Hier beginnt der Job des "Nachtbürgermeisters": Städte wie Mannheim haben den Posten ins Leben gerufen, um die Konflikte in den Griff zu bekommen - und damit Erfolg. Könnte auch Karlsruhe einen sogenannten "Night Mayor" bekommen?

Wenn die Nacht hereinbricht und das Wochenende in den Startlöchern steht, fängt die Stadt an, zu pulsieren: Jugendliche und junge Erwachsene machen sich auf - und die Bars und Clubs Karlsruhes unsicher. Sie tummeln sich mit Bier und Musik im Schlossgarten und der Innenstadt, stehlen Anwohnern den Schlaf. Noch am nächsten Morgen zeugen zersplitterte Glasflaschen und achtlos weggeworfener Müll von einer lebendigen Partynacht.

Zerbrochene Bierflasche auf dem Bürgersteig - Zeuge einer turbulenten Partynacht. | Bild: pixabay@wal_172619

In Zeiten ohne Pandemie birgt das Nachtleben einer Großstadt wie Karlsruhe viel Konfliktpotential. In diesem Jahr gestaltet sich die Situation aufgrund der noch immer andauernden Schließung der Diskotheken zwar grundlegend anders, doch nicht weniger problembehaftet. Während die jungen Menschen zunehmend auf den Straßen randalieren, kämpfen die Clubbetreiber mit drohenden Insolvenzen.

Um die Situation für alle Beteiligten zu verbessern, hat die Stadt Mannheim im Jahr 2018 den bundesweit ersten "Nachtbürgermeister" berufen. Nun steht der erste Wechsel an: Ab August 2020 übernimmt DJ und Veranstalter Robert Gaa das Amt. Wie sieht der Berufsalltag des neuen Nachtbürgermeisters aus?

Robert Gaa, Nachtbürgermeister Mannheim
Robert Gaa, Nachtbürgermeister Mannheim | Bild: Stadt Mannheim

Er ist "Brückenbauer zwischen Bar- und Clubbetreibern, Gästen, Anwohnern, Polizei, ÖPNV und der Stadtverwaltung", teilt die Stadt Mannheim mit. In Konfliktfällen gehe er bereits vor einer Eskalation auf alle Parteien zu, um gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten.

Während Corona sorgt die Partyszene für Probleme

Doch nicht nur für die Probleme der Szene ist der "Night Mayor" zuständig. Er soll darüber hinaus die Nachtkultur der Stadt voranbringen, neue Impulse setzen und die Branche besser vernetzen.

(Symbolbild)
Die Aufgabe des Nachtbürgermeisters: Die Nachtszene besser vernetzen und Konflikten entgegenzuwirken. (Symbolbild) | Bild: Andi Graf @ pixabay.com

Ein "richtiger" Bürgermeister ist Robert Gaa allerdings nicht. "Die Stelle des Nachtbürgermeisters in Mannheim ist nicht vergleichbar mit der Stelle eines beigeordneten Bürgermeisters oder eines Dezernenten", so die Stadt Mannheim auf Nachfrage von ka-news.de. Die Stelle ist bei einer Tochterfirma im Bereich der kulturellen Stadtentwicklung angesiedelt - das Gehalt des "Night Mayors" somit Verhandlungssache.

Auch Stuttgart möchte einen Nachtbürgermeister

In Zeiten der Corona-Krise ist der Nachtbürgermeister sehr gefordert und gefragt. Aus diesem Grund wird in Mannheim - anders als geplant - die Stelle vorerst doppelt besetzt. Bis zum Jahresende wird Robert Gaa wird von seinem Vorgänger Hendrik Meier unterstützt.

Der Grund: Zum einen sehen sich viele Clubbetreiber in ihrer Existenz gefährdet, da die Corona-Verordnung noch bis Ende September die Schließung der Diskotheken vorschreibt. Zum anderen steigt die Gewaltbereitschaft der Partyszene, wie die Krawallnächte von Stuttgart und Frankfurt eindrücklich vor Augen geführt haben.

In der Nacht zum Samstag haben Polizei und die Verkehrsbetriebe eine Kontrollaktion durchgeführt.
In vielen Städte nahmen in der Zeit der Corona-Pandemie die Krawalle auf den Straßen zu. | Bild: VBK

Stuttgart hat bereits angekündigt: um die Situation auch langfristig in den Griff zu bekommen, soll noch in diesem Jahr ebenfalls ein Nachtbürgermeister eingestellt werden. Braucht auch die Stadt Karlsruhe einen "Night Mayor"? 

Karlsruhe inzwischen aufgeschlossen

Während sich der Gemeinderat noch vor einiger Zeit gegen einen solchen Posten ausgesprochen hatte, haben sich die Umstände mittlerweile geändert. "Die Dinge entwickeln sich weiter, so dass die Idee, die hinter dem Nachtbürgermeister steht, heute vielleicht anders zu bewerten ist", sagt Albert Käuflein, Kultur- und Sicherheitsbürgermeister der Stadt Karlsruhe.

Bürgermeister Albert Käuflein (CDU).
Bürgermeister Albert Käuflein (CDU). | Bild: Archiv/Paul Needham

Das Leben verlagere sich mehr in den öffentlichen Raum, sei es durch Außengastronomie, Open-Air-Veranstaltungen oder private Grillabende. "Dies zieht Interessenkonflikte nach sich, die frühzeitig und aktiv angegangen werden müssen, bevor sich Fronten verhärten", betont Käuflein.

Erfolgsmodell: 25 Prozent weniger Lärmbeschwerden

Ob die Lösung in der die Schaffung einer Nachtbürgermeister-Stelle liegt oder anderweitig mit den Konflikten umgegangen wird, möchte die Stadt derzeit noch offen lassen. Im Oktober greift der Hauptausschusses das Thema im Rahmen des "Sicherheitskonzeptes Innenstadt" auf.

Robert Gaa, Nachtbürgermeister Mannheim
Robert Gaa, Nachtbürgermeister der Stadt Mannheim. | Bild: Stadt Mannheim

In Mannheim konnte der Nachtbürgermeister bereits erste Erfolge erzielen. "Die Lärmbeschwerden im Ausgehviertel Jungbusch nahmen in den letzten beiden Jahren um zirca 25 Prozent ab", so die Stadtverwaltung auf Nachfrage von ka-news.de.

Darüber hinaus seien die Wege zwischen Betreibern, Stadtverwaltung und Anwohnern deutlich kürzer geworden und die Vernetzung aller Stakeholder intensiviert. "Auch gerade in Zeiten von COVID-19 wurde sehr deutlich, wie wichtig eine solche Schnittstellenposition ist."

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  •   andip
    (10504 Beiträge)

    11.08.2020 15:52 Uhr
    Erstaunlich
    wie viele hier nach der Polizei schreien, die am besten gleich alle niederknüppeln soll, wenn jemand sich draussen aufhält.
    Lest mal den Text, wozu dieser Nachtbürgermeister dienen soll.
    Da geht es nicht um Randale, die es im Übrigen hier gar nicht gibt.
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  •   tom1966
    (409 Beiträge)

    11.08.2020 13:21 Uhr
    Wo gibt es denn ein "Recht auf Party"?
    Man könnte meinen, die Party- und Clubszene reklamiere ein solches für sich. Wenn es das nicht gibt, gibt es eben Randale.

    Dass die Zeiten für den gesamten Bewirtungsbereich schwierig sind, ist ja keine Frage und dass es die Clubbetreiber und Partyveranstalter besonders hart trifft, auch nicht. Die machen aber nicht den Ärger, das sind die "Partypeople", die nichts mit sich anzufangen wissen, wenn die Clubs geschlossen sind. Wenn ich an die Bilder aus Stuttgart denke, bekomme ich das große K.... - und das passierte nur aus Frust und Langeweile!

    Wir bräuchten mehr Polizei auf der Straße, um solchen Ausschreitungen begegnen zu können und Richter, die es nicht bei einem Klaps auf die Finger für die Täter bewenden lassen.
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  •   80er
    (5754 Beiträge)

    10.08.2020 20:39 Uhr
    Verlieren....
    ....jetzt eigentlich den Verstand? Wir brauchen keinen Partybürgermeister sondern genügend Ordnungskräfte mit einem robusten Mandat.
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  •   Kojak
    (444 Beiträge)

    10.08.2020 14:03 Uhr
    Besser in eine Aufstockung des KOD investieren
    und für Ordnung sorgen als so eine Laberer-Stelle einrichten.

    Wo ist der Staat, wenn es um unsere Sicherheit und Nachtruhe geht? Ach so, keine Zeit, man muss sich ja um Maskenpflicht und Abstandsregeln kümmern...
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  •   HerrNilson
    (1648 Beiträge)

    10.08.2020 14:10 Uhr
    Was hat
    das eine mit dem anderen zu tun? Äpfel und Birnen und so?
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  •   oststaedtler
    (276 Beiträge)

    10.08.2020 12:12 Uhr
    Mayor, nicht Major
    kwt
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  •   ka-lex
    (1674 Beiträge)

    10.08.2020 12:06 Uhr
    Wir brauchen keinen Partybürgermeister
    Was wir brauchen ist
    - mehr Polizei
    - mehr Befugnisse für die Polizei
    - und vor allem härtere Konsequenzen für die Delinquenten!
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  •   Toleranz
    (259 Beiträge)

    10.08.2020 11:26 Uhr
    Quacksalber Initiative ?
    Reihenweise gehen Lokale, Cafes, Einzelhändler seit 20 Jahren pleite oder werden durch die "Stadtplanung" indirekt in eine Pleite getrieben. Was soll so ein Wurschtel Bürgermeister ausrichten? Nüscht. Das ist nur ein anderes Wort für 'Blockwart' wer noch die NS-Zeit in KA kennt oder die DDR .
    Gebt doch den Menschen monatlich die 3.500 € netto Zusatzverdienst, welche bereits seit 1970er Jahren durch Steigerungen der Produktivität von uns erarbeitet wurden (Präteritung/Vergangenheit).

    Statt das auch die Städte sich gegen das ausbluten der Innenstädte mit Amazon-Verbot, Google-Verboten, Lokalzölle fürs Internet erheben .... robbt sich 'Politik' täglich mehr in- die Probleme- und Lügen.
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  •   HerrNilson
    (1648 Beiträge)

    10.08.2020 14:11 Uhr
    Amazonverbot?
    Also Du willst den freien Handel in Deutschkand verbieten und die Wirtschaft damit zugrunde richten?
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  •   andip
    (10504 Beiträge)

    10.08.2020 12:21 Uhr
    Klar doch
    Weil die Städte mal so eben den Leuten verbieten können, im Internet einzukaufen oder auf die gekauften Waren Zölle zu erheben.
    Das kann noch nicht einmal der Staat.
    Und wenn ein Laden mal Pleite geht, dann ist natürlich immer die Stadt daran schuld, nie der Ladenbetreiber selber.
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