25  

Karlsruhe FDP-Fraktion überzeugt: Mentrups Staatstheater-Kurswechsel ist reine Wahlkampftaktik

Das Badische Staatstheater kommt nicht zur Ruhe. Wie aus einer Pressemitteilung der Stadt Karlsruhe und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst hervorgeht, empfehlen Oberbürgermeister Frank Mentrup und Kunstministerin Theresia Bauer eine Vertragsauflösung mit Generalintendant Peter Spuhler. Dieser wäre grundsätzlich bereit, auf eine dritte Intendanz-Periode zu verzichten. Die Karlsruher Fraktionen von CDU, Freie Wähler/Für Karlsruhe und FDP reagieren teils empört.

Donnerstag

19:19FDP und FW/Für KA nehmen Stellung

"Wir begrüßen den Schritt, sich vom bisherigen Generalintendanten zu lösen. Von Anfang an hatten wir eine Beurlaubung, dann, nach weiteren Gesprächen eine Trennung gefordert. Wir glauben, dass nur dies einen Neuanfang für das Badische Staatstheater, die Belegschaft und die Führungskultur ermöglicht", erklärt die Gemeinderatsfraktion Freie Wähler/Für Karlsruhe am Donnerstag in einer Pressemeldung.

Anders sieht das die FDP-Fraktion. Sie teilt die Meinung der CDU-Fraktion und attestiert Stadt und Land ein "miserables Krisenmanagement", wie es in einer Pressemitteilung heißt. "In dieser nunmehr völlig verfahrenen Lage kann eine für alle Beteiligten erträgliche Lösung nur noch darin bestehen, dem Verwaltungsrat eine Vorlage zu erarbeiten, die die sofortige Freistellung des Generalintendanten mit einer in der Höhe vermittelbaren Abfindung festschreibt."

Intendant Peter Spuhler.
Intendant Peter Spuhler. | Bild: Uli Deck/dpa

Fraktionsvorsitzender Tom Høyem vermutet demnach in dem Kurswechsel von Ministerin Theresia Bauer und Oberbürgermeister Frank Mentrup einen Versuch, "noch schnell und 'zufällig' in Wahlkampfzeiten von dem Generalintendanten abzurücken".

Man habe Spuhler öffentlich faktisch das Vertrauen entzogen, "ohne die wichtigsten Fragen beantworten zu können" - etwa, warum man mit dieser Sache bereits an die Öffentlichkeit gehe, obwohl die Trennung offiziell noch gar nicht feststeht oder wie teuer die Trennung für den Steuerzahler wird.

Und: "Will man es den Beschäftigten des Staatstheaters, aber auch dem Generalintendanten selbst zumuten, das Theater noch bis Mitte 2021 leiten zu müssen, wo er doch offensichtlich in den Augen der Entscheider trotz 'Bewährungsfrist' seine Führungseignung nicht nachweisen konnte?", fragt die FDP-Fraktion weiter. Zur Lösung müsse es statt "Ministermonologen" nun einen "echten Dialog" geben.

Mittwoch

17:48CDU-Fraktion reagiert mit "Fassungslosigkeit"

Die CDU-Fraktion reagiert mit Fassungslosigkeit auf den plötzlichen Zickzackkurs des Oberbürgermeisters Frank Mentrup und der Kunstministerin Theresia Bauer in der Frage um die Generalintendanz von Peter Spuhler am Badischen Staatstheater.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Detlef Hofmann, erklärt: "Der Oberbürgermeister und die Ministerin haben bislang auf Biegen und Brechen an Peter Spuhler festgehalten. Sie sind somit der Fürsorgepflicht gegenüber allen anderen Mitarbeitern des Staatstheaters nicht nachgekommen."

Laut Hofmann war diese Hinhaltetaktik für die Karlsruher Kulturszene unzumutbar und hat zu einer unerträglichen Situation am Badischen Staatstheater geführt. 

Detlef Hofmann (CDU, Listenplatz 4).
Detlef Hofmann. | Bild: CDU Karlsruhe

Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Rahsan Dogan, ist entsetzt: "Die Verfahrensweise, jetzt mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit zu gehen, ohne die kommunalpolitischen Gremien miteinzubeziehen, ist unzumutbar. Es scheint so, dass insbesondere Herr Mentrup aus reiner Wahlkampftaktik jetzt, nachdem er monatelang die Entscheidung zu Lasten der Mitarbeiter verschleppt hat, diesen längst überfälligen Schritt geht. Dies ausschließlich aufgrund des Drucks von außen und der bevorstehenden Oberbürgermeisterwahl. Alle anderen Kandidaten hatten sich bereits klar positioniert."

Erfreut zeigt sich CDU-Fraktion, dass jetzt Klarheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herrscht und sie sich wieder auf ihr künstlerisches Wirken konzentrieren können.

13:41Mentrup und Bauer empfehlen Auflösung

Nach zahlreichen Gesprächen am Badischen Staatstheater werden Kunstministerin Theresia Bauer und Oberbürgermeister Frank Mentrup dem Verwaltungsrat empfehlen, den Vertrag mit Generalintendant Peter Spuhler im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen. Spuhler hat dazu seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt und würde dann im Sommer 2021 ausscheiden.  Am 30. November werden Verwaltungsrat, Oberbürgermeister und Ministerin zusammenkommen.

Land und Stadt bitten um Zustimmung

Land und Stadt als Träger werden den Verwaltungsrat um Zustimmung bitten, die Bedingungen für eine solche Auflösung im Einvernehmen mit Peter Spuhler zu klären.

Die im Verwaltungsrat im Juli 2020 beschlossenen Maßnahmen am Badischen Staatstheater werden konsequent umgesetzt. Dem Verwaltungsrat wird in seiner Sitzung am 30. November einen Verfahrensvorschlag zur Überprüfung und Verbesserung der Führungs- und Entscheidungsstrukturen vorgelegt.

Keine Auswirkungen für restlichen Mitarbeiter

Die Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Generalintendanten hat keine Auswirkungen auf die laufenden Verträge mit den Sparten- und Abteilungsleitungen. Diese gehen über den Sommer 2021 hinaus und stehen nicht zur Disposition. Hier wird von personeller Kontinuität ausgegangen. Peter Spuhler ist seit September 2011 Generalintendant des Badischen Staatstheaters.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (25)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   IchKA
    (969 Beiträge)

    20.11.2020 07:52 Uhr
    Das ist der Verwaltungsrat:
    Vorsitz
    Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
    Stellv. Vorsitz Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe

    Mitglieder
    Gisela Splett, Grüne
    Dr. Albert Käuflein, Bürgermeister der Stadt Karlsruhe, CDU
    Dr. Rainer Balzer MdL, Dr. Alexander Becker MdL CDU, Joachim Kößler MdL CDU
    Martin Rivoir MdL, SPD, Barbara Saebel MdL SPD, Alexander Salomon MdL Grüne
    Elke Ernemann, Stadträtin SPD, Michael Haug, Stadtrat KAL, Tom Høyem, Stadtrat FDP
    Dr. Thomas Müller, Stadtrat CDU, Renate Rastätter, Stadträtin Grüne, Markus Schmidt, Stadtrat Grüne

    https://www.staatstheater.karlsruhe.de/ensemble/verwaltungsrat/
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (969 Beiträge)

    20.11.2020 07:44 Uhr
    Wendehälse sind sie alle und kleben an ihren Stühlen
    Zurückgespuhlt: Der Verwaltungsrat hat einstimmig quer durch alle Parteien für den vorläufigen Verbleib Spuhlers gestimmt. Jetzt macht die CDU auf "Fassungslos". Was ist den mit Verwaltungsratsmitglied Käuflein, der wie ein Häuflein Elend in der Sache abgetaucht ist, neben den CDU MDL Alexander Becker und Joachim Kößler? Auch FDP Verwaltungsratsmitglied Hoyen robbt sich jetzt zu den Wendehälsen und attestiert ein "miserables Krisenmanagement", obwohl auch für den Verbleib Spuhlers gestimmt hat. Arbeitnehmerpartei SPD und die Grünen wussten, haben sich aber ebenfalls weggeduckt und für Verbleib gestimmt. Den einsamen Gipfel noch vor Käuflein erreicht nur Mentrup. Der OB-Mann entblödet sich kürzlich bei einer Wahlveranstaltung zu sagen, er hätte ganz ehrlich von alledem nichts gewusst. Herr Mentrup, haben Sie Ihren Laden nicht im Griff, oder greifen Sie voller Dreistigkeit zu einer infamen Lüge, weil auch sie in Ihrer Eitelkeit merkten, dass es heftigst rumort beim Wahlvolk.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rino
    (328 Beiträge)

    19.11.2020 17:11 Uhr
    Fassungslos und sprachlos.
    +++ Das Posting enthält beleidigende Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Freigeist1
    (1553 Beiträge)

    19.11.2020 14:59 Uhr
    Das
    ist doch ganz normal: zunächst versucht man noch zu retten, was zu retten ist. Wenn aber trotz gutem Zureden und konstruktiven Ideen nichts fruchtet, muß man die Reißleine ziehen. Wenn das vorher immer schon wüsste... (das schaffen nur einige "superschlaue" Forumsteilnehmer)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10616 Beiträge)

    19.11.2020 15:13 Uhr
    Wann
    hat man versucht zu retten? Vor einem Jahr? Bevor der Vertrag verlängert wurde? Vor zwei Monaten?
    Es ist doch erst ins Rollen gekommen, als immer mehr veröffentlicht wurde. Also wirkt es dann doch so, als wenn es nur unter Druck zustandekam. Ob es richtig oder falsch ist, das kann sowieso nur jemand beurteilen, der auch mehr Details kennt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1553 Beiträge)

    19.11.2020 19:22 Uhr
    Das
    sage ich ja. Die Versuche, die Sache zu kitten haben naturgemäß wohl eher weniger in der Öffentlichkeit stattgefunden. Diese sind offenbar gescheitert, dann wird die Reißleine gezogen.
    Hätte z.B. der OB gleich gewußt, dass es nicht mehr zu kitten ist, hätte der die Entscheidung natürlich früher getroffen.
    Ich persönlich bin kein Fan des OB und wähle ihn nicht. Diejenigen, die ihm hier aber alles Mögliche unterstellen, scheinen aber stark interessengetrieben zu sein.
    So sieht das für mich als Laie aus.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   auchmalsenfdazu
    (3180 Beiträge)

    19.11.2020 23:03 Uhr
    Unterstellen ?
    Nein , leider ist es die Wahrheit und keine Unterstellungen.

    Zwischen Juli und November ist nämlich genau nichts passiert, was einen Anlass zur jetzigen Entscheidung gegeben hätte.
    Sprich, Spuhler war handzahm , super übertrieben freundlich zu allen Mitarbeitern und lammfromm. Es gab keinen Druck von ihm , was auch verständlich ist, denn die Corona Zeit und damit erst ein reduzierter Spielplan und jetzt im November wieder eine Spielzeitpause haben keine wirklichen Stress-Situationen bei ihm verursacht, die er dann an Mitarbeitern ablassen konnte.

    Mentrup ist den Mitarbeitern im Juli bei der Versammlung mit einer unglaublichen Arroganz entgegengetreten und wollte die Täter/Opferrolle verdrehen, weil es ihm absolut nicht gepasst hat, dass die ganze Sache und damit seine Ignoranz und Untätigkeit in die Öffentlichkeit gerät.
    Geschehnisse , die eigentlich nichts anderes als eine fristlose Kündigung zulassen.

    Alles auch auf mehreren Portalen nachzulesen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (969 Beiträge)

    20.11.2020 08:05 Uhr
    Völlige Zustimmung auchmalsenf
    ich habe auch gehört, wie Spuhler die letzten Wochen an der Erträglichkeitsgrenze Kreide gefressen hat und in fast unterwürfigen Art und Weise sich an die Mitarbeiter und Ensemblemitglieder heranwanzt.

    Ist ja auch kein Wunder bei einem Jahresgehalt von knapp 300.000.-
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   auchmalsenfdazu
    (3180 Beiträge)

    19.11.2020 23:06 Uhr
    ..
    jetzt zu diesem Zeitpunkt ist es eben nur politischer Druck, der keine andere Entscheidung zugelassen hat.
    Ein Glück für das Staaatstheater , dass dieses Jahr die OB-Wahlen sind , sonst wäre zum jetzigen Zeitpunkt nämlich genau nichts passiert.

    PS:
    bei Interesse empfehle ich auch diesen Blog , der Schreiber ist sehr nahe dran am Geschehen und bekommt auch sehr gute, wahrheitsgetreue Infos.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (969 Beiträge)

    20.11.2020 08:14 Uhr
    Sehr informativer Blog auchmalsenf, wohl mit Insiderwissen
    das, was da zu lesen ist macht betroffen und das steht größtenteils weder hier noch in den BNN zu lesen. Vor einigen Jahren gab es im Theater schon einmal einen handfesten Skandal, über den niemand berichten wollte, obwohl das intern bekannt war.
    Es handelte sich um einen Drogenskandal an denen ein Mitarbeiter primär beteiligt war neben anderen Mitarbeitern, die peripher beteiligt waren. Es ging um eine ganz erhebliche Menge Rauschgift, die zu längeren Gefängnisstrafen der Beteiligten führte.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.