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Karlsruhe Frust in der Corona-Krise: Schausteller Willy Krusig hat ein Budendorf gebaut - darf aber nicht öffnen

Willy Krusig ist verärgert: Auf seinem 17.000 Quadratmeter großen Privatgrundstück am Ortseingang von Eggenstein-Leopoldshafen will der Schausteller eine Art großen, dauerhaften Biergarten eröffnen, um die Zeit der Corona-Pandemie zu überbrücken. Die Buden - unter anderem die größte transportable Kuckucksuhr der Welt - stehen schon, doch bürokratische Hürden machen einer Öffnung seit Wochen einen Strich durch die Rechnung. Die CDU-Fraktion will sich nun dem Problem annehmen.

Die Corona-Krise hat das Schaustellergewerbe - wie so viele andere Berufszweige - hart getroffen. Da bis auf Weiteres keine Großveranstaltungen - beispielsweise die Schlosslichtspiele oder die Karlsruher Mess' - stattfinden können, fehlen den Besitzern der fliegenden Bauten die Einnahmen.

"Wir stehen mit dem Rücken zur Wand"

Auch Willy Krusig kennt das Problem. Seit seinem 18. Lebensjahr arbeitet der heute 64-Jährige als Schausteller - und das bereits in dritter Generation. Seit März, als der Corona-Lockdown jedermanns Alltag durcheinanderbrachte, gilt für ihn wie für alle anderen Buden- und Fahrgeschäftbesitzer noch bis mindestens Oktober ein Berufsverbot. 

Schausteller Willy Krusig | Bild: Thomas Riedel

"Ich habe zwar 15.000 Euro als erste Soforthilfe bekommen, aber das Geld reichte gerade mal bis Mitte März", sagt Krusig im Gespräch mit ka-news.de. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, wissen weder ein noch aus. Wir haben keine Berufsperspektiven." Von der Politik fühlt er sich alleingelassen. "Die lässt sich Zeit. Hätte ich keine KfW-Förderung beantragt, wäre ich jetzt pleite!"

In Eggenstein entsteht eine Mess' ohne Fahrgeschäfte

Seither sucht er händeringend nach Möglichkeiten, sein Familienunternehmen über die Krisenzeit zu bringen. Seine Idee: Eine Art 1.500 Quadratmeter großen Biergarten aus seinen fliegenden Bauten, die - unter normalen Umständen - aktuell eigentlich gerade auf Messen und Märkten in Deutschland unterwegs sein würden, will Krusig am Rande von Eggenstein-Leopoldshafen auf seinem Grundstück eröffnen.

Alles ist bereit - nur die Gäste fehlen noch. | Bild: Thomas Riedel

Neben Essens- und Getränkeständen, die bereits aufgebaut sind, soll für Kinder noch eine Schaukel- und Kletterlandschaft entstehen - quasi wie eine kleine Karlsruher Mess', nur ohne Fahrgeschäfte. An die Corona-Hygieneregeln wurde dabei auch geachtet: Abstandsregelungen und Desinfektionsspender sind bereits zu erkennen, als ka-news.de am Montag das Budendorf besucht. "Ich bin mir sicher, dass die Leute das annehmen würden", sagt Willy Krusig.

Hier soll für Kinder eine Spielelandschaft entstehen. | Bild: Thomas Riedel

Öffnung nur mit Gaststättenkonzession zulässig

Grundsätzlich wäre damit eigentlich alles bereit für eine Eröffnung - eigentlich - wenn da nicht ein großes Problem wäre:  Krusig darf noch keine Gäste empfangen. Der Grund ist - unter anderem - eine fehlende Gaststättenkonzession, da er alkoholische Getränke ausschenken möchte. "Seit vier Wochen stehen die Buden schon und ich könnte innerhalb von zwei Tagen öffnen, sobald ich darf", sagt er.

Die Hygienevorschriften hat Willy Krusig berücksichtigt. | Bild: Thomas Riedel

Dass er jetzt als Besitzer von fliegenden Bauten auf eine Konzession für eine fest installierte Gaststätte warten muss, kann er nicht nachvollziehen. Beantragt habe er sie schon,  von den städtischen Stellen wie Marktamt und Ordnungsamt habe er bisher aber nur Absagen erhalten.

"In ganz Europa dreht sich das Rad weiter, nur bei uns nicht"

"Da heißt es immer, es wird unbürokratisch geholfen, und dann das", zeigt sich Willy Krusig sichtlich aufgebracht. "In ganz Europa und in anderen baden-württembergischen Städten dreht sich das Rad weiter, nur bei uns nicht." 

Die CDU-Fraktion will dem Schausteller unter die Arme greifen. | Bild: Thomas Riedel

Die Karlsruher CDU-Fraktion hat nun ebenfalls von dem Problem des 64-jährigen Schaustellers erfahren und will ihn dabei unterstützen, die Konzession, die nicht von der Stadt selbst ausgestellt wird, so schnell wie möglich zu erhalten.

CDU fordert: Stadt sollte Ausnahmegenehmigung erteilen

"Alteingesessene Schausteller wie Willy Krusig  sind in Karlsruhe alle keine Unbekannten. Daher müsste es möglich sein, dass die Stadt ihnen auf Vertrauensbasis eine vorläufige Genehmigung erteilt", sagt Fraktionsvorsitzender Tilman Pfannkuch bei einem Treffen mit dem Budenbesitzer vor Ort. Mehrere Wochen, so schätzt Krusig, wird er noch einmal auf die offizielle Konzession warten müssen.

Tilman Pfannkuch | Bild: Thomas Riedel

"Ich erkenne das als stadtweites Problem. Wenn die Schausteller alle Bedingungen erfüllen, sollten sie öffnen dürfen, so etwas kann meiner Meinung nach nicht sein", sagt auch Stadtrat Detlef Hofmann. Die Fraktion wolle nun prüfen, welche Unterlagen noch genehmigt werden müssen und ob eine vorläufige Öffnungserlaubnis erwirkt werden kann.

Detlef Hofmann (r.) | Bild: Thomas Riedel

Auf Karlsruher Plätzen könnten bald die Schausteller stehen

Ehemalige CDU-Stadträtin und Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz weist zudem auf ein neues dezentrales Märktekonzept hin, das die Stadt ausgearbeitet hat und über das der Gemeinderat Ende Juli abstimmen soll.

Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz | Bild: Thomas Riedel

Hierbei sollen künftig auf dem städtischen Bereich des Schlossplatzes, auf dem Friedrichsplatz, dem Gottesauer Platz, dem Kronenplatz, dem Marktplatz, dem Kirchplatz St. Stephan und dem Stephanplatz Schausteller ihre Buden jederzeit aufschlagen und länger als vier Wochen am Stück öffnen können - eine Möglichkeit, die bereits in anderen Städten wie Heidelberg praktiziert wird - und von der auch Willy Krusig Gebrauch machen will. 

"Sobald ich wieder reisen darf, bin ich hier weg"

"Wir hoffen, dass wir auf den Plätzen aufschlagen können, sobald die Sommerferien beginnen", so Luczak-Schwarz weiter. Sie geht davon aus, dass das Konzept im Gemeinderat großflächig Anklang finden wird.

ka-news.de-Redakteurin Melissa Betsch im Gespräch mit Willy Krusig. | Bild: Thomas Riedel

Doch selbst wenn das dezentrale Märktekonzept kommt und er seine Gaststättenkonzession erhält: Für Schausteller Willy Krusig wird das keine Dauerlösung sein: So plant er, sein Budendorf nur solange bestehen zu lassen, bis die Corona-Krise vorüber ist. "Sobald ich wieder reisen darf, bin ich hier weg", sagt er. "Aber wenn der Lockdown so bleibt, sehe ich keine Chance, dass das vor April kommenden Jahres möglich sein wird."

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  •   kommentar4711
    (2572 Beiträge)

    12.07.2020 23:10 Uhr
    Fakten schaffen
    So sehr ich auch Verständnis für den Schausteller habe: Aber muss er sich wirklich wundern, wenn er mal eben so ohne Genehmigung Fakten schafft ohne sich erst um eine Genehmigung zu kümmern?
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  •   FinnMcCool
    (300 Beiträge)

    12.07.2020 20:58 Uhr
    bitte mehr Informationen
    Im Artikel steht leider nur, dass die Genehmigung nicht erteilt wurde, da Krusig auch Alkohol ausschenken möchte. Nun, wenn es ihm wirklich ums Geschäft ginge, da könnte er ja am Anfang auch ohne Alkoholausschank anfangen und dann wenn die Genehmigung vorliegt den Alkohol ausschenken. Mir fehlt hier die Information welche weitere Hindernisse es gibt.
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  •   myopinions
    (1100 Beiträge)

    12.07.2020 19:14 Uhr
    ................so also sieht
    schnelle und unbürokratische Unterstützung aus -nicht auszudenken- wenn er auch noch Geld wollte.
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  •   Chris23
    (562 Beiträge)

    12.07.2020 16:51 Uhr
    Vetternwirtschaft und Abstände
    ""Alteingesessene Schausteller wie Willy Krusig sind in Karlsruhe alle keine Unbekannten. Daher müsste es möglich sein, dass die Stadt ihnen auf Vertrauensbasis eine vorläufige Genehmigung erteilt", sagt Fraktionsvorsitzender Tilman Pfannkuch bei einem Treffen mit dem Budenbesitzer vor Ort. Mehrere Wochen, so schätzt Krusig, wird er noch einmal auf die offizielle Konzession warten müssen."

    Wenn er gesagt hätte das in dieser Ausnahmesituation, die Geschäfte schnell möglichkeiten bekommen sollten ihr Geschäftsmodell umzustellen hätte ich ihn zugestimmt. Aber dem kennen wir dem Behandeln wir bevorzugt ist eine Vetternwirtschaft die ich nicht sehen möchte.
    Die Runde der CDU Fraktion ist übrigens sitzt dicht beieinander ohne Masken, sieht man zwar an jeder Ecke aber auf ein Pressefoto und als teil der Gesetzgebung vielleicht nicht so geschickt.
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  •   maehdrescher
    (1444 Beiträge)

    12.07.2020 17:13 Uhr
    Populistisches CDU-Bashing?
    Selbstverständlich darf die CDU-Fraktion beieinander sitzen, wenn die Leute das wollen. Bis zu 20 Personen. Völlig konform mit der seit 1. Juli gültigen Corona-Verordnung aus dem grünen (!) Sozialministerium BW.
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  •   Freigeist1
    (1282 Beiträge)

    12.07.2020 21:02 Uhr
    Was man kann, darf
    und macht und dann auch noch veröffentlicht, das sind aber noch immer 4 Paar Schuhe.
    Vorbildwirkung und Sensibilität gehen jedenfalls anders.
    PS.: Bist Du im Wahlkampfmodus, oder was ist mit Dir los? zwinkern
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  •   Chris23
    (562 Beiträge)

    12.07.2020 16:44 Uhr
    Was mir aber fehlt ist das wann
    In dem Bericht steht zumindest nicht, ich habe jetzt schon 2 Monate gewartet. (innerhalb von 3 Monaten müssen sie entscheiden)

    Zudem wurde wohl schon entschieden, und zwar negativ wenn ich das richtig interpretiere "Beantragt habe er sie schon, von den städtischen Stellen wie Marktamt und Ordnungsamt habe er bisher aber nur Absagen erhalten." Kann natürlich sein, das mit Absagen hier auch antworten gezählt werden wie haben sie noch geduld ...

    Das Lokal scheint mir etwas in der Pampa zu liegen, also mehr ausflügler statt Trinker anzuziehen evtl könnte er es erstmal ohne Alkohol versuchen? Wenn es ein Party Konzept ist,könnte ich mir vorstellen das es mit der Genehmigung schwer wird.
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  •   labbapaloema
    (83 Beiträge)

    12.07.2020 14:41 Uhr
    Krusik, halten Sie sich an die Vorschriften!
    Wie kann man in der jetzigen Zeit so ein riesen Ding aufbauen und ohne zuvor eine Genehmigung einzuholen, für etwas was wahrscheinlich gar nicht zulässig ist!
    Sich selbst falsch verhalten und dann über die Verwaltung motzen sowie die Presse und Politiker einschalten. Einfach nur peinlich!
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  •   mueck
    (11670 Beiträge)

    13.07.2020 16:55 Uhr
    !
    Das ist SEIN Gelände zum Lagern der Buden, der kann die da aufstellen, wie es ihm lustig ist. Nur zum Betreiben braucht er Genehmigungen.
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  •   Freigeist1
    (1282 Beiträge)

    12.07.2020 11:31 Uhr
    Ist "am Rande von Eggenstein-
    Leopoldshafen" jetzt eigentlich Karlsruhe, oder warum ist das nun anscheinden die Stadt Karlsruhe zuständig? Paßt irgendwie nicht zusammen...
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