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Karlsruhe Finanzspritze genehmigt: 150.000 Euro für Karlsruher Majolika

Traditionsreich, stadtbekannt - und finanziell klamm: Der Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika fehlt Geld. Die Lösung könnte eine Finanzspritze von 150.000 Euro aus der Stadtkasse sein. Darüber soll am Dienstag der Gemeinderat entscheiden.

Vom herkömmlichen Trinkbecher über Vasen aus dem 3D-Keramikdrucker bis hin zu Kunstwerken in den Kombilösungs-Haltestellen - seit 1901 stellt die Majolika am Karlsruher Ahaweg hinter dem Schloss Keramikprodukte her.

Majolika macht kaum noch Gewinn

Doch in den vergangenen Jahren sah es schlecht aus für die Majolika: Weniger Umsatz und weniger Projekte brachten das Keramikstudio finanziell ins Schlingern. Wie es jetzt mit der Majolika weitergehen könnte, hat die Stadt in einer Beschlussvorlage an den Gemeinderat am Dienstag skizziert.

Eine Lösung wäre, die Majolika-Stiftung vom Staat zu trennen und das Studio in die Hände eines privaten Unternehmens zu geben. Ralf Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Zeller Keramik Manufaktur in Zell am Harmersbach und der "Dorotheenhütte" Glashütte Wolfach, stehe demnach seit 2018 in Gesprächen mit der Stadt Karlsruhe.

Wird die Manufaktur in private Hände gegeben?

Wird er die angeschlagene Manufaktur kaufen? "Herr Müller bekundete großes Interesse am Erwerb der Majolika Manufaktur GmbH mit dem Ziel, seine Keramikproduktion in das Produktionsgebäude der Majolika zu verlagern", erklärt die Stadt.

(Archivbild)
(Archivbild) | Bild: Paul Needham

"Er hat das Ziel, dort eine 'gläserne' Manufaktur aufzubauen sowie gemeinsam mit dem Badischen Landesmuseum, der Hochschule für Gestaltung, der Kunstakademie sowie weiteren Kultureinrichtungen ein Areal mit auch touristischer Attraktivität zu entwickeln." 

Gemeinderat entscheidet über erneutes Förderpaket

Die andere Möglichkeit wäre, ein weiteres Förderpaket von der Stadt zu erhalten. Mehr als 300.000 Euro flossen seit 2011 jährlich bisher in die Majolika. Im Haushaltsplan 2021 sollen nun erneut Zuschussmittel in Höhe von 150.000 Euro bereitgestellt werden - wenn der Gemeinderat am Dienstag zustimmt.

Der Karlsruher Gemeinderat (Archivbild). | Bild: rmv

Aktualisierung, 16.30 Uhr

Die Stadträte waren sich fast einig: Mit nur drei Gegenstimmen  wurde die Beschlussvorlage zu einer Bezuschussung der Majolika mit 150.000 Euro angenommen. Der Änderungsantrag der FDP, der Majolika auch bis zum Ende der Corona-Krise die komplette Miete zu erlassen, wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt.

Stadträtin Renate Rastätter von den Grünen schlägt vor, die Majolika von einer GmbH in eine gemeinnützige gGmbH umzuwandeln, da so das Problem der fehlenden Einnahmen zunächst gelindert werden könnte.

Stadträtin Elke Ernemann von der SPD hat sich zur Debatte mit ihren Amtskollegen mit Zeitungsmaterial der vergangenen Jahre eingedeckt, in denen Jahr um Jahr das Ende der Majolika prophezeit wurde. "Trotzdem ist diese Karlsruher Institution niemals untergegangen", sagt sie. "Und jetzt, da die Majolika ein neues Konzept vorzeigt, kann es nur bergauf gehen."

Elke Ernemann (SPD)
Elke Ernemann (SPD) | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

Die Linke stimmte der Beschlussvorlage ebenfalls zu: "Wir lieben diese Anlage", meint Stadträtin Karin Binder. Eine mögliche Nutzung für die Örtlichkeiten wäre auch als Austragungsort von Kunst- und Kulturevents - eine bis dato komplett neue Einnahmequelle für das Gelände im Hardtwald.

Anders sieht das die CDU-Fraktion: Sie drängt zur Investorenlösung. Nur somit könne man den Fortbestand der Manufaktur sichern. "Seit Jahren hängt sie am Tropf des städtischen Zuschusses. Wir sind der Überzeugung, dass sie finanziell auf eigenen Beinen stehen muss", heißt es in einer Pressemeldung der Fraktion.

Wichtig sei es, dass der Gesprächsfaden zwischen dem Stiftungsrat und dem Investor nicht abreißt. "Wenn es persönliche Unstimmigkeiten geben sollte, dürfen sie nicht zu Lasten der Majolika gehen. So viel Professionalität dürfen wir erwarten", so Fraktionsvorsitzender Tilman Pfannkuch.

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Kommentare (16)
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  •   lukedeluxe
    (7 Beiträge)

    02.08.2020 22:47 Uhr
    Das Paar
    Die künstlerische Leitung hat versagt. Völlig. Es war keine Linie zu erkennen. Viel zu viel expressiver Kitsch. Weniger ist manchmal mehr.
    Die KA300 Tassen waren für jeden Ästheten ein banal gephotoshoptes Stück Hässlichkeit, aus der man weder morgens noch abends etwas trinken möchte. Und welche Zielgruppe sollte z.B. erreicht werden mit Echtpelz-Bommel und appliziertem Keramikherz? Das ist unterste Liga.
    Entschuldigung, für wen wurde dort eigentlich die letzten Jahre produziert? Glööckler muss man auch nicht mögen, aber weiß ich nicht, wie diese Kooperation zustande kam. Es wirkte zumindest peinlich. War RTL2 anwesend? Die “7 Tage des Herrn” folgten. Auch wenn das kontextlose “Geschenk” nicht auf deren Mist gewachsen ist, hätte sich Herr Lindemann (Stiftungs Vorstand) anfangs ruhig mal öffentlich positionieren können. Er war nämlich dagegen. Nicht unsympathisch.

    Jetzt wurde der Shop auf der Webseite aufgeräumt... Sperrmüll raus. Sehr gut! Ich bin gespannt auf die neue Leitung.
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  •   357.Magnum
    (142 Beiträge)

    29.07.2020 10:48 Uhr
    zumachen
    es werden ja auch keine Postkutschen mehr gebaut und Dampflokomotiven werden auch keine mehr hergestellt
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  •   peddersenn
    (1024 Beiträge)

    29.07.2020 09:22 Uhr
    so sehr ich.....
    .....die Handwerkskunst bewundere - das PRODUKT hat ausgedient - damit lässt sich nicht viel Umsatz mehr machen. Und wohl in Zukunft immer weniger. Und von der reinen Kunst kann so ein Laden nicht überleben.

    Das wird den Weg der Glasbläser gehen - da ists ähnlich.
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  •   Weichei
    (738 Beiträge)

    29.07.2020 08:48 Uhr
    Wer braucht schon Keramik made in Germany
    Kauft das Zeug bei euren Freunden den Chinesen. Denen griecht Deutschland ja in den P.poo.
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  •   ALFPFIN
    (7354 Beiträge)

    29.07.2020 09:42 Uhr
    Kann man in Südafrika
    keine Suppenschüsseln aus China kaufen? 😊

    Wer weiß, vielleicht produziert China schon "echte Majolika" aus Karlsruhe und verkauft es in der Welt. Wenn man bei Ebay nachschaut, was da an Majolika Ware angeboten wird, hat man schon den Verdacht, ist das wirklich alles echte Handwerkskunst aus Karlsruhe.
    Ich werde jedenfalls meine Majolika Erbhäschen, - Rehlein, -Wandteller dem Sozialkaufhaus spenden, vielleicht findet sich da noch ein Käufer oder Kashka versteigert es bei Ebay. 😊
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  •   Weichei
    (738 Beiträge)

    29.07.2020 15:12 Uhr
    Doch die gibt es
    Leider! Jedoch wenn Made in South Africa dort steht wird es bevorzugt. Leider ist unsere ANC genau so China hoerig und auch gewaltig Korrupt.
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  •   andip
    (10523 Beiträge)

    29.07.2020 08:41 Uhr
    Die Majolika
    hat noch nie seit ihrer Gründung richtig wirtschaftlich gearbeitet und musste immer wieder unterstützt werden.
    Also warum nicht an den Investor verkaufen, dann muss der sich damit herumschlagen und die Stadt hat ein finanzielles Problem weniger.
    Weil der Investor das ganze dann kommerzialisieren will und manchen der dort arbeitenden Künstler das nicht passt?
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  •   Malaika
    (255 Beiträge)

    29.07.2020 05:54 Uhr
    Das Konzept Majolika
    hat sich überholt, man sollte es würdevoll bestatten. Standen oder hingen bei der älteren Verwandschaft noch so unsäglicher Chi-Chi wie Bambis oder grellbunte Blumenkacheln herum, kenne ich niemanden, der sich heute noch mit überteuerten Majolika-Artikeln einrichtet. Seit ich denken kann, ist die Firma in der Schieflage, darum macht doch den Laden endlich zu. Lieber ein Ende mit Schrecken...
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  •   kommentar4711
    (2675 Beiträge)

    28.07.2020 21:34 Uhr
    gemeinnützige gGmbH
    "Stadträtin Renate Rastätter von den Grünen schlägt vor, die Majolika von einer GmbH in eine gemeinnützige gGmbH umzuwandeln, da so das Problem der fehlenden Einnahmen zunächst gelindert werden könnte."

    -> Kann mir das jemand erklären? Warum verbessert sich die Einnahmensituation, wenn man die Geschäftsform ändert? Oder zielt der Vorschlag auf eine Verschleierung ab?!?
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  •   FCKSUV
    (443 Beiträge)

    29.07.2020 12:10 Uhr
    Als gGmbH können sie sich vom Jobcenter
    Ein Euro Jobber bestellen. Modernes Sklaventum. Viele Grüne* sind in der "Erwachsenenbildung" tätig, die wissen genau, wie man Steuergelder ziehen kann.

    Alles unter dem Deckmäntelchen der Gemeinnützigkeit.
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