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Karlsruhe Fell und Schnauze unter dem Christbaum: Warum Tiere keine guten Weihnachtsgeschenke sind

Tiere sind unter dem Weihnachtsbaum ein absolutes No-Go, doch keine Seltenheit. Im Laufe des Jahres setzen die großen Abgabewellen ein und die Tierheime laufen beinahe über. Der Deutsche Tierschutzbund appelliert daran, sich in der hektischen Weihnachtszeit nicht für ein Tier zu entscheiden, aber warum? ka-news.de geht der Sache auf den Grund.

"Ich wünsche mir einen Hund." So oder so ähnlich steht vermutlich auf vielen Wunschzetteln. Doch ein Hund mit einer roten Schleife unter dem Weihnachtsbaum ist kein Weihnachtsgeschenk, sondern eine langfristige Entscheidung einer ganzen Familie.

"Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke"

"Ein Tier ist ein Lebewesen, keine Sache, die wie ein Spielzeug auf einem Wunschzettel abgehakt werden kann und im Zweifel umgetauscht wird", erklärt Lea Schmitz,  Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes.

Die Entscheidung für ein Tier sollte immer gut informiert und in Rücksprache mit allen Beteiligten getroffen werden, denn Tierbesitzer zu sein, bedeutet, die Verantwortung für das Lebewesen zu tragen.

Lea Schmitz ist Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes.
Lea Schmitz ist Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. | Bild: Anne Kirchhoff-Duhme/ Deutscher Tierschutzbund e.V.

"Vor der Anschaffung eines Tieres sollte geklärt werden, ob man bereit ist, für das Tier bis an dessen Lebensende zu sorgen, ob man finanziell dazu in der Lage ist, keine Allergien herrschen, ein Einverständnis des Vermieters vorliegt und vieles mehr", erklärt Schmitz im Gespräch mit ka-news.de.

"Während der kleine Hundewelpe zu Weihnachten nur lieb und putzig ist, merkt der Beschenkte im Laufe des Jahres, dass das Tier doch mehr Arbeit macht als gedacht", erklärt Schmitz.

Große Rückgabewellen machen sich erst im Laufe des Jahres bemerkbar

Unüberlegte Tierkäufe führen nämlich häufig dazu, dass die Tierheime immer voller werden, weil die Beschenkten nach einiger Zeit merken, welche Aufgaben und Pflichten ein Tier mit sich bringt, wie Pamela Rischke vom Tierschutzverein Karlsruhe bestätigt.

Viele Tierheime in Deutschland beobachten in der Corona-Krise eine erhöhte Nachfrage nach Haustieren.
Viele Tierheime in Deutschland beobachten in der Corona-Krise eine erhöhte Nachfrage nach Haustieren. | Bild: Andreas Arnold/dpa

"Wir erleben oft, dass Kleintiere im Januar oder Februar zu uns gebracht werden, weil sich die Besitzer überfordert fühlen oder den Arbeitsaufwand unterschätzt haben", so Rischke. Besonders hoch sei die Abgabe von Kleintieren, da man diese in Zoohandlungen ohne großen Aufwand kaufen kann und so schnell zum Spontankauf werden.

Solche Entscheidungen können nicht in der Hektik und Eile der Weihnachtszeit getroffen werden. Rischke: "Deshalb appellieren wir in Richtung der Zoohandlungen, den Verkauf von Tieren in der Weihnachtszeit einzustellen. Viele Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, wie zeit- und arbeitsintensiv Tiere sind." 

Doch nicht nur die Tierheime stoßen an ihre Grenzen, sondern auch die Tiere selbst. "Wenn das Tier zum Wanderpokal wird, endet das meist traumatisch für das Lebewesen", bemerkt Lea Schmitz. 

Ein Tier nicht "aus der Laune heraus" kaufen

Gefahren sieht der Deutsche Tierschutzbund auch in der Corona-Pandemie, in dieser wird regelrecht nach Beschäftigung  gesucht. Doch die Anschaffung eines Haustiers ist die falsche Beschäftigung, meint Schmitz und ergänzt: "Man sollte sich niemals spontan und aus der Laune heraus für ein Tier entscheiden. Denn die Zeit von Langeweile und Home Office ist irgendwann vorbei und auch dann muss genügend Zeit für das Lebewesen bleiben." 

Schwarze Katzen aus dem Tierheim lassen sich trotzdem schwerer vermitteln.
Schwarze Katzen aus dem Tierheim lassen sich trotzdem schwerer vermitteln. | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Falls die Anschaffung eines Haustiers ernsthaft in Erwägung gezogen wird, bieten sich zuerst einmal Ratgeberlektüren an, um sich über die Ansprüche und Bedürfnisse der gewünschten Tierart bewusst zu werden.

Besuche im Tierheim können erste Berührungspunkte zu den Lebewesen schaffen und können bestens über die individuellen Eigenschaften des Tieres beraten. Durch das Corona-Virus ist das Karlsruher Tierheim geschlossen, Besuche können allerdings telefonisch vereinbart werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will strengere Regeln für eine artgerechte Hundehaltung einführen. Sie sollen auch vorgeben, wie oft der Hund vor die Tür kommt.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium will strengere Regeln für eine artgerechte Hundehaltung einführen. Sie sollen auch vorgeben, wie oft der Hund vor die Tür kommt. | Bild: Nicolas Armer/dpa

Eine Alternative zu einem Haustier kann das Engagement beim Tierheim, wie zum Beispiel in Karlsruhe sein. Wer bereit ist, sich langfristig und regelmäßig zu engagieren, kann als ehrenamtlicher Gassigänger oder Katzenstreichler tätig werden und ohne eigenes Haustier die Bindung von Hunden, Katzen und vielen mehr genießen.

Außerdem besitzen viele Tierheime eine Jugendgruppe, in denen Kinder bei der Versorgung und Fütterung von Tieren mithelfen können. Laut Pamela Rischke ist dies eine geeignete Variante, um den Umgang mit Tieren kennenzulernen. "So können sie für sich selbst feststellen, ob sie den Anforderungen gewachsen sind und auch langfristig Freude an der Versorgung eines Tieres haben".

 

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  •   Weichei
    (850 Beiträge)

    23.12.2020 14:44 Uhr
    Tiere als Geschenk
    gleichgueltig zu jedem Anlass ein absolutes NEIN!
    Leider jedoch gehoert der Mensch als einziges Lebewesen auf diesem Planeten zu der Gattung der Idioten.
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  •   ALFPFIN
    (7555 Beiträge)

    23.12.2020 17:11 Uhr
    Tiere als Geschenk
    Nicht alle Tierheime hinterfragen da die Gründe für den Wunsch ein Tier mitzunehmen. Nach ein paar Wochen werden die Tiere häufig auch ausgesetzt.
    Leider.

    "Leider jedoch gehört der Mensch als einziges Lebewesen auf diesem Planeten zu der Gattung der Idioten".

    Angeblich wurden wir ja von dem Allwissenden da oben kreiert. Der hätte seinen Entwurf ruhig noch mal überdenken können.
    Jetzt haben wir den Salat, also eine Typenänderung wird es vorläufig nicht geben. 😊
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  •   kunvivanto
    (498 Beiträge)

    23.12.2020 19:31 Uhr
    Wie hätte er können
    Zitat von ALFPIN Angeblich wurden wir ja von dem Allwissenden da oben kreiert. Der hätte seinen Entwurf ruhig noch mal überdenken können.

    Wenn man diese beiden Aussagen logisch verknüpft:
    Zitat von 1Mose 1,26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!

    Zitat von Weichei Leider jedoch gehoert der Mensch als einziges Lebewesen auf diesem Planeten zu der Gattung der Idioten.

    Was kann man dann von diesem Gott erwarten?
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  •   Weichei
    (850 Beiträge)

    23.12.2020 14:49 Uhr
    Allerdings es gibt Ausnamen
    Er wuerde euch von Herzen LIEBEN
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  •   mueck
    (12034 Beiträge)

    23.12.2020 10:55 Uhr
    !
    Einen Tag vor Heiligabend kommt dieser Artikel ja genau rechtzeitig!
    Zitat von Besonders hoch sei die Abgabe von Kleintieren, da man diese in Zoohandlungen ohne großen Aufwand kaufen kann und so schnell zum Spontankauf werden.
    Ich habe nämlich noch verzweifelt nach einem Weihnachtsgeschenk für meine Katze gesucht! Dann kann ich gleich ja noch losradeln zur Zoohandlung ...
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  •   ALFPFIN
    (7555 Beiträge)

    23.12.2020 11:04 Uhr
    Also
    mein Kater war da sehr eigen, zumindest im hohen Alter. Der hätte mir deutlich gezeigt, ich renne doch nicht meinem Futter nach. 😊

    Der schwarze Kater unserer Nachbarn, inzwischen auch schon 15 Jahre alt, kommt seit Jahren auf ein Schwätzchen rüber und hat keinem von uns je Unglück gebracht. Nur so zur Beruhigung für alle Unkenrufer. 😊
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  •   schlaule2
    (332 Beiträge)

    23.12.2020 10:38 Uhr
    Tiere die man essen kann
    sind doch prima Weihnachtsgeschenke...
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  •   ALFPFIN
    (7555 Beiträge)

    23.12.2020 10:58 Uhr
    Passen Sie nur auf,
    dass nicht doch ein Tier zurück beißt, auf die eine oder andere Art.😊
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  •   Weichei
    (850 Beiträge)

    23.12.2020 20:18 Uhr
    Stimmt
    Die Tiere inChina sind auf diesem Gebiet besonders clever.
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