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Karlsruhe "Schön, dass überhaupt etwas passiert": Karlsruher Gemeinderat bewilligt Pilotprojekt zu kostenlosen Damenbinden

Menstruation, Periode, Regelblutung. Die sozialen Berührungspunkte zum Thema sind stark. Viele Frauen seien mit dem Thema aber alleine gelassen und fänden nicht immer Hilfe, wenn sie sie benötigen. Aus diesem Grund bringt die Fraktion die Linke einen Antrag auf kostenlose Damenhygieneartikel in öffentlichen Gebäuden in den Gemeinderat. Dabei ginge es nicht nur um den finanziellen Aspekt, sondern auch um gesellschaftliche Akzeptanz.

17:00Mathilde Göttel ist "Mittel zufrieden"

"Es ist schön, dass überhaupt etwas passiert", sagt Stadträtin Göttel gegen Ende der Gemeinderatssitzung. "Andererseits hätte ich mir ein wenig mehr erhofft. Es ist immer noch enttäuschend, dass so viele Frauen im öffentlichen Raum in einem Notfall erst nach Hygieneartikeln fragen müssen oder zusehen, wo sie auf die Schnelle eine Binde herbekommen. Aber immerhin ein Pilotprojekt wurde gestartet, ich würde also sagen ich bin Mittel zufrieden."

16:08Antrag wird angenommen

Der Antrag wird unter Berücksichtigung des Ergänzungsantrags der Grünen angenommen. 

"Wir können und müssen über Umschichtung sprechen," sagt Mathilde Göttel und schließt ihre Argumentation als sie den Antrag vor dem Gemeinderat einbringt. Der Antrag wird von Grünen, SPD und der gemeinsamen Fraktion von Karlsruher Liste und Partei unterstützt und von CDU, Freien Wählern und AfD abgelehnt.

"Die Hälfe der Menschen weltweit menstruiert mindestens einmal in ihrem Leben und dennoch wird viel die Periode nicht als Bedürfnis wahrgenommen", sagt Stadträtin Jorinda Fähringer der Grünen. "Allerdings haben wir keine belastbaren Erfahrungswerte, auch nicht zu Resonanz der Bürger. "Daher wollen wir zunächst ein Pilotprojekt an wenigen Schulen und Jugendzentrum einleiten."

Jorinda Fahringer (Die Grünen). | Bild: Grüne Karlsruhe

Rahsan Dogan von der CDU und Ellen Fenrich lehnen die kostenlosen Damenhygieneartikel ab. "Wir müssen junge Mädchen in dieser Hinsicht zur Selbstständigkeit erziehen und nicht bevorzugen." Ein Statement in das auch Petra Lorenz von den Freien Wählern einstimmt.

Rahsan Dogan (CDU). | Bild: CDU Karlsruhe

Ellen Fenrich von der AfD gibt zu bedenken, dass das Geld für das Projekt langfristig fehle. "Außerdem wussten Frauen sich seit Menschengedenken zu diesem Thema zu helfen. Wir sind gegen diesen Antrag."

Ellen Fenrich, (AfD). | Bild: Ellen Fenrich

Dennoch wird die Idee des Pilotprojekt mit einer sichtbaren Mehrheit vom Gemeinderat angenommen angenommen.

15:30Start der Gemeinderatssitzung

Das Thema Menstruation wird auch heute als "schmutzig" stigmatisiert, wie die Linke in einem Antrag schreibt. Das führe mitunter zu Problemen, wie die Karlsruher Fraktion fortfährt. Durch die Stigmatisierung jenes Körpervorgangs sei es vielen Frauen unangenehm, bei Regelproblemen nach Hilfe zu fragen und sie würden im akuten Fall oft damit alleine gelassen.

"Frauen werden mit solchen Kosten alleine gelassen"

Aus diesen Gründe soll es eine kostenfreie Versorgung mit Damenhygiene in öffentlichen Gebäuden, Toiletten, städtischen Einrichtungen, aber auch Restaurants, Fitnessstudios oder Einkaufszentren geben. "Die Idee hatten wir nach dem Vorbild anderer Gemeinderatsfraktionen der Linken - etwa Mannheim", sagt Mathilde Göttel, Fraktionsmitglied der Karlsruher Linken und Initiatorin des Antrags im Gespräch mit ka-news.de. 

Mathilde Göttel (Die Linke), Stadträtin im Gemeinderat Karlsruhe.
Mathilde Göttel (Die Linke), Stadträtin im Gemeinderat Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

"Im Laufe ihrer Lebenszeit verbringt eine Frau rund sieben Jahre innerhalb ihrer Periode", sagt Göttel. "Dabei entstehen unheimlich viele Kosten. Fast 20.000 Euro sammeln sich ein Leben lang für Binden, Tampons oder andere Hygieneartikel an. Diese Kosten werden meines Wissens von keiner Stelle berücksichtigt - etwa bei einer Harz IV Auszahlung."

Für Verhütungsmittel gelte beispielsweise ein ähnliches Prinzip. "Frauen werden mit diesen Kosten alleine gelassen. Ihre Bedürfnisse werden marginalisiert und für nicht allzu wichtig erachtet. Und das obwohl sie die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen", so das Fraktionsmitglied. "Unseres Erachtens nach, müssen die Hygieneartikel in so vielen Lebenslagen wie möglich kostenlos zur Verfügung stehen."

"Wir wollen Berührungsängste abbauen"

"Eine Binde nicht rechtzeitig zu wechseln ist unhygienisch", so Göttel. "Manchmal werden Frauen auch von ihrer Periode überrascht. Aber viele fühlen sich unwohl oder haben nicht immer die Möglichkeit einen Hygieneartikel in öffentlichen Toiletten anzulegen oder zu wechseln." Das hänge nicht zuletzt mit dem Status der Menstruation als Tabuthema zusammen.

Die City-Toilette im Schlossgarten Durlach ist mittlerweile wieder in Betrieb.
Die City-Toilette im Schlossgarten Durlach. | Bild: Ingo Rothermund

"Wenn Hygieneartikel aber immer und kostenlos auf der nächsten Toilette verfügbar sind - wenn Frauen das Gefühl haben, es ist an sie gedacht - fühlen sie sich gleich sicherer und entspannter. Und durch den Gewohnheitseffekt, der sich einstellt, wenn die Hygieneartikel im öffentlichen Raum zum alltäglichen Anblick werden, wird das Thema weniger stigmatisiert. Wir wollen auf diese Weise Berührungsängste abbauen", erklärt die Stadträtin.

Zwar habe sich schon ein wenig zu diesem Thema getan, etwa durch spezielle Entsorgungstüten für Hygieneartikel auf Damentoiletten, "doch die werden kaum genutzt und sind letztlich nur dazu da, die Binden von 'normalem' Müll zu trennen. Sie sind dazu da, das Thema Menstruation zusätzlich zu verstecken und ich finde das zeigt die Prioritäten unserer Gesellschaft sehr deutlich. Prioritäten die wir ändern müssen."

Ein Pilotprojekt an Schulen?

Besonders in Schulen und Jugendzentren sehen Göttel und ihre Fraktion diesen Handlungsbedarf. "Junge Frauen haben oft eine unregelmäßige Periode, werden am häufigsten überrascht und haben oft große Hemmungen, mit ihrer Regel um Hilfe zu bitten", sagt die Vertreterin der Linken. "Deshalb würde ich ein mögliches Pilotprojekt vor allem dort ansiedeln."

Auch die Fraktion der Grünen hat bereits ein Pilotprojekt dieser Art in einem Ergänzungsantrag vorgeschlagen. Dabei soll binnen eines Jahres an Schulen und öffentlichen Einrichtungen herausgefunden werden, inwieweit die Hygieneartikel genutzt werden und ob man sie offen liegen lassen könne oder sie - zur Missbrauchsvermeidung - in einem Spenderautomaten wegschließen solle.

"Mir persönlich wäre eine flächendeckende Nutzung von Anfang an lieber, aber natürlich sehe ich ein, dass ein solches Pilotprojekt sinnvoll ist", meint Göttel dazu. Dabei verbleibt jedoch die Frage, wie das Projekt, flächendeckend oder nicht, bezahlt werden soll.

"Den Bedürfnissen von Frauen soll ein höherer Wert eingeräumt werden"

"Wir wollen unseren Antrag noch ins Haushaltsbudget einbringen", erklärt Göttel. "Deswegen haben wir ihn schon frühzeitig, am 28. September, eingereicht." Beim geschätzte Kostenbereich orientiert sich die Karlsruher Stadtverwaltung an der Stadt Hamm. Hier wurden für zwei Jahre 20.000 Euro veranschlagt, wie der Stellungnahme der Verwaltung zu entnehmen ist. Damit sei Einkauf der Damenhygieneartikel und deren Verteilung im öffentlichen und nicht öffentlichen Raum gedeckt. 

Zur Gemeinderatssitzung am 23. November soll geklärt, ob der Antrag der Linken bewilligt wird. "Ich freue mich auf die Debatte und kann mir vorstellen, dass zumindest ein Pilotprojekt bewilligt wird", sagt Göttel. "Immerhin sind die Kosten nicht immens. Es geht viel mehr darum, den Bedürfnissen von Frauen einen höheren Wert einzuräumen. Die Regel ist ein normaler Lebensbereich für Frauen und sollte auch so behandelt werden."

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  •   Altstädtler
    (7 Beiträge)

    25.11.2021 08:32 Uhr
    Sinnlos
    Was für ein sinnloses Projekt, wie wenn wir keine wichtigeren Ziele und Projekte hätten.
    Bleibt nur zu hoffen, dass das Projekt floppt bzw. erst gar nicht gestartet wird.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (465 Beiträge)

    24.11.2021 18:32 Uhr
    Um mal wieder ganz bloed zu sein
    Die meisten Frauen, die ich kenne, nutzen keine Hygiene-Produkte.
    Und wenn es mal nicht klappt, ist halt eine Handwaesche oder eine Extra-Maschine faellig.
    Und wenn Spuren uebrigbleiben, zieht man die halt nicht zum naechsten Date an.
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  •   Genervt_KA
    (85 Beiträge)

    24.11.2021 14:45 Uhr
    1. Verwarnung?
    Ganz im Ernst liebe KA News..geht's noch? Da posted man was Satirisches (welches nicht mal mein eigenes Werk war, leider) und wir angemahnt? Hat Euer Redaktionsazubi nichts anderes gefunden>?Bitte um Details, Ich habe niemanden bedroht/beleidigt/schlecht gemacht.

    Ich erinnere an das Recht der Meinungsfreiheit.

    Ab sofort nur noch SPASSFREIE Kommentare, Pfadfinderehrenwort!
    Zitat...zum Nachlesen!
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  •   Winston_Smith
    (844 Beiträge)

    24.11.2021 16:36 Uhr
    Interessant, der verlinkte Artikel ist von 2013
    Ich hätte den Spruch der wirklich völlig unverdächtigen Carolin Kebekus (Klick hier (2016) ab min 1:32) zugeschrieben. Dann hat sie den Gag ja möglicherweise von der Gruberin geklaut!? 😲
    Löschung eines Spruchs, welchen ausgerechnet Carolin Kebekus in den letzten Jahren zigfach performed hat, mutet allerdings mehr als strange an.
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  •   AlterMann
    (418 Beiträge)

    24.11.2021 12:19 Uhr
    20.000 Euro pro Frau???
    Woher kommt eigentlich dieser Betrag?
    Eine Frau hat etwa 400 Zyklen. Das gäbe dann 50 Euro pro Zyklus.
    Eine Binde (Hausmarke) liegt bei ca. 10Ct, das gäbe dann 500 Binden/Zyklus.
    Tampons kosten die Hälfte, also pro Zyklus 1000 Stück.
    Bekannte Marken sind zwar teurer, da reicht es dann nur für die Hälfte, aber ich hab noch nie eine Frau erlebt die so oft wechseln muss.
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  •   brummbär
    (16 Beiträge)

    24.11.2021 09:26 Uhr
    Nein danke
    Als Frau kann ich nur sagen : NEIN, DANKE. In meinem Bekanntenkreis haben alle Frauen immer irgendeinen Hygieneartikel in der Tasche. Sollte es mal wirklich zu einem Zwischenfall kommen, ist es eh zu spät.
    Ausserdem, wer benutzt denn so einen " sensiblen" Hygieneartikel, wenn er offen rumliegt. Auch wenn er hygienisch verpackt ist, da waren vielleicht 30 andere Hände dran. Und da gibt es ja auch noch die, welche ihre Koffertasche öffnen und alles verschwinden lassen.
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  •   Chris23
    (756 Beiträge)

    24.11.2021 10:14 Uhr
    Du mußt nicht aber du kannst
    und ich seh ehrlich gesagt nicht das Problem ein extra Verpacktes Tuch auf der Verpackung zu nehmen, auch wenn die jemand anderes schon angefasst haben sollte (ist in Laden aber vermutlich nicht anders die neu gekauften wurden bei Produktion, Transport und kauf sicher mal berührt insbesondere die umverpackung).

    Die diskussion geht auch aktuell eher dahin, ob die speziellen Hygene artikel per se 'frei' sein sollten (also dass die Gesellschaft insbesondere die Männer die sowas nicht kaufen müssen an dem Umkosten beteiligt werden sollen). Ist in einigen Ländern schon so, für mich kein Weltbewegendes Thema aber eine Umlage die ich verstehen würde.
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  •   Scardust
    (6 Beiträge)

    24.11.2021 14:20 Uhr
    Das wird witzig...
    Dann fühlen Frauen sich diskriminiert weil sie eine Frau sind und persönliche Hygiene Artikel kaufen müssen, Männer fühlen sich dann diskriminiert weil sie als Mann geboren wurden und nichts dafür können. Und brummbär hat da auch Recht. Mal die Kirche im Dorf lassen, sonst müssten manche Frauen den Alk vom Mann mitbezahlen der diese überhaupt erträglich macht. xD

    Ich hätte mit dem Budget lieber ein paar Obdachlose von der Straße geholt.
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  •   brummbär
    (16 Beiträge)

    24.11.2021 10:31 Uhr
    Ich glaube kaum,
    dass in all den Jahren irgendjemand in Armut verfallen ist, weil man monatlich diese Hygieneartikel kaufen muss. Geld für künstliche Fingernägel, Aperol für 7,50 € etc ist doch auch vorhanden. Und ich bezweifle, dass Ehemänner sich weigern, den Kauf zu bezuschussen.
    Lg brummbär
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  •   Fiddelix
    (108 Beiträge)

    24.11.2021 09:02 Uhr
    Klopapier
    Gibt es ja auch umsonst auf den Toiletten (sollte es zumindest) :-D.
    Das man darüber diskutieren muss?!
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