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Brüssel Ende der Zeitumstellung lässt auf sich warten

Sie sollte längst abgeschafft werden und bleibt uns dennoch erhalten: die Zeitumstellung. Seit rund zwei Jahren liegt das Projekt mehr oder weniger auf Eis. Kommt bald Bewegung in das Vorhaben?

Halbjährlich grüßt das Murmeltier: In der Nacht auf Sonntag wird die Zeit eine Stunde zurück gestellt - dann gilt wieder Winterzeit.

Am Sonntag geht die Sonne im Westen Deutschlands dann schon gegen 17.10 Uhr, im Osten sogar noch eine gute halbe Stunde früher unter. Dabei sollte das Ritual in der Europäischen Union eigentlich Geschichte sein. Doch ein rasches Ende ist nicht in Sicht.

Mittlerweile finden drei Viertel der Deutschen die Zeitumstellung überflüssig.
Mittlerweile finden drei Viertel der Deutschen die Zeitumstellung überflüssig. | Bild: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Warum also gibt es die Zeitumstellung noch? Ein Sprecher der EU-Kommission formulierte es jüngst so: "Diese Frage zur saisonalen Zeitumstellung ist auch eine saisonale Frage, die wir zweimal im Jahr jeweils vor der Zeitumstellung erhalten." Wie schon sechs Monate zuvor, könne er nur wiederholen, was er vor sechs Monaten wiederholt habe: "Der Ball liegt nun im Feld der Mitgliedsstaaten."

Befragung der Bürger

2018 befragte die EU-Kommission die Bürger zu dem Thema. 84 Prozent waren in der nicht repräsentativen Konsultation für ein Ende des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit. In Deutschland war die Zustimmung besonders groß. Der ehemalige Kommissionschef Jean-Claude Juncker verkündete noch im gleichen Jahr im deutschen Frühstücksfernsehen ein Ende der Zeitumstellung: "Die Menschen wollen das, wir machen das", sagte er. Das EU-Parlament stimmte dem daraufhin folgenden Vorschlag der EU-Kommission dann im März 2019 zu und sprach sich dafür aus, die Zeitumstellung 2021 abzuschaffen. Doch es gibt sie noch immer.

Ein Techniker bewegt die Uhrzeiger einer 500 kg schweren Uhr.
Ein Techniker bewegt die Uhrzeiger einer 500 kg schweren Uhr. | Bild: Elise Amendola/AP/dpa

Denn es hakt bei den EU-Ländern: Sie müssten klären, ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit wollen. Bislang haben die Regierungen im Rat der EU jedoch keine gemeinsame Position gefunden. Und suchen sie offenbar auch nicht mehr: Derzeit hat Slowenien den Vorsitz der EU-Staaten inne, eine Sprecherin teilte mit, es gebe "nichts Neues" bezüglich der Zeitumstellung. Unter slowenischer Ratspräsidentschaft habe es seit Juli keine Debatte dazu gegeben.

"Diskussion wurde nicht einmal gestartet"

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber kritisiert, dass die EU-Länder sich nicht ernsthaft bemühten, das Projekt weiter zu bringen. "Die Diskussion unter den Mitgliedstaaten wurde noch nicht einmal gestartet." Zuletzt forderte auch Litauens Verkehrsminister Marius Skuodis, eine Lösung zu finden.

Auf die Frage, ob die EU-Kommission das Vorhaben ihres ehemaligen Chefs noch einmal so vorschlagen würde, betonte ein Sprecher, dass es wichtig sei, auf die Meinung der Bevölkerung zu hören. Auch wenn es - wie in diesem Fall - nicht immer einfach zu lösende Probleme seien. "Die Zeit vergeht in der Tat sehr langsam, wenn es um die Zeitumstellung geht", so der Sprecher.

Das Ende der Zeitumstellung lässt auf sich warten.
Das Ende der Zeitumstellung lässt auf sich warten. | Bild: Oliver Berg/dpa

Ein Problem ist unter anderem, dass die Gefahr eines Flickenteppichs besteht: Wenn sich die Länder nicht einheitlich auf Sommer- oder Winterzeit einigen, könnte es dazu kommen. Wenn dies nicht gelingt, könnte es etwa zu Problemen bei Fahrplänen und in anderen Bereichen kommen. Zudem sind die Auswirkungen für EU-Länder an den Rändern der Mitteleuropäischen Zeitzone nicht positiv: Käme die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10 Uhr. Einigen sich alle auf Winterzeit, würde es in Warschau im Sommer schon um 3 Uhr hell. Die Zeitumstellung zweimal im Jahr dämpft diese Extreme.

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Kommentare (12)
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  •   mueck
    (12410 Beiträge)

    29.10.2021 08:14 Uhr
    !
    Zitat von Ein Problem ist unter anderem, dass die Gefahr eines Flickenteppichs besteht: Wenn sich die Länder nicht einheitlich auf Sommer- oder Winterzeit einigen, könnte es dazu kommen. ... Zudem sind die Auswirkungen für EU-Länder an den Rändern der Mitteleuropäischen Zeitzone nicht positiv: Käme die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10 Uhr. Einigen sich alle auf Winterzeit, würde es in Warschau im Sommer schon um 3 Uhr hell. Die Zeitumstellung zweimal im Jahr dämpft diese Extreme.
    Genau das ist das Problem bei der Abschaffung: Man will offenbar auf Teufel komm raus dran festhalten, dass einige Länder seit der Besetzung durch die Nazis (Benelux und Frankreich) bzw. durch Sympathisanten (Francos Spanien) in der falschen Zeitzone sind, wodurch genau diese Probleme entstehen.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (444 Beiträge)

    28.10.2021 13:38 Uhr
    Zum Urlaub hin und her fliegen,
    aber dann mit einer Stunde Zeitumstellung nicht zurecht kommen...

    Ich bin weder eine Kuh, die zur rechten Zeit gemolken werden muss, noch ein Schwein oder Huhn, das eine Stunde spaeter schon ueberfaellig ist.

    Ich habe lange gut ohne Zeitumstellung gelebt und danach mit.

    Wenn das das einzige Problem waere ...
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  •   Kiwi
    (649 Beiträge)

    28.10.2021 09:58 Uhr
    …so unnötig wie ein zweiter Kropf
    Wenn ich Befürworter der Zeitumstellung höre – abends ist es doch eine Stunde länger hell kann ich nur erwidern, es wurden die Uhren umgestellt nicht die Zeit.
    Unverständliche Blicke sind die Antwort.
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  •   kommentar4711
    (3425 Beiträge)

    28.10.2021 10:48 Uhr
    ANTWORT AUF "…SO UNNÖTIG WIE EIN ZWEITER KROPF"
    Genau, und die Uhren werden umgestellt, damit die Sonnenstunden besser auf den durchschnittlichen Tagesablauf passen.
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  •   bingobongo
    (651 Beiträge)

    28.10.2021 15:29 Uhr
    ?
    Man kann halt auch einfach ne Stunde früher aufstehen...

    Dideldum. Home Office machts möglich.
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  •   kommentar4711
    (3425 Beiträge)

    28.10.2021 15:44 Uhr
    ANTWORT AUF "?"
    Äh - ja, und was ist dann der Unterschied zu einer Zeitumstellung? Und alle die keine Lust auf Umstellung haben können dann nach Ihrer Logik ja einfach eine Stunde später aufstehen.
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  •   Kiwi
    (649 Beiträge)

    28.10.2021 15:39 Uhr
    bingobongo
    Es gibt auch Arbeiter die mit home dings nix zu tun haben
    z.B. Maurer - Straßenbauer - Müllmänner u.s.w.
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  •   myopinions
    (1275 Beiträge)

    28.10.2021 09:38 Uhr
    ..................wegen mir
    kann das so bleiben. Ich weiß wann der Vorgang "Uhrumstellung" durchzuführen ist, habe keinerlei Probleme mit einer Stunde mehr oder weniger auf meiner Matratze und muss immer wieder lachen, wenn sich die Mitmenschen von diesem Mikro-Jetlag geplagt und tagelang krank fühlen.
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  •   lynx1984
    (3449 Beiträge)

    28.10.2021 09:33 Uhr
    Zeitumstellung sinnvoll!
    Russland hat es bereits schon mal probiert und ist damit gescheitert. Warum soll es bei uns anders laufen?
    Würde es nun aber dauerhaft "eine Stunde später dunkel" und morgens eine Stunde später wieder hell, dann stört das unseren sozialen Tagesrhythmus. Konsequenz wäre: Rund sechs Wochen mehr dunkle Zeiten bei denen man zur Arbeit/Schule etc. gehen muss.
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  •   Grumpy
    (40 Beiträge)

    28.10.2021 09:27 Uhr
    Es juckt halt keinen außer den Deutschen
    hat man ja schön bei Umfrage gesehen, 90% der Teilnehmenden waren aus D und die sprachen sie mehrheitlich für eine dauernde MESZ aus.
    Warum soll man also europaweit ein Fass aufmachen, nur weil in D ein paar Schneeflöckchen meinen wg. der einen Stunde alle halbe Jahre sterben zu müssen?
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