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Karlsruhe Drei Monate nach Aus der Brötchentaste: "Das war der größte Fehler überhaupt"

Seit dem 1. Juli ist die sogenannte Brötchentaste in Karlsruhe Vergangenheit - und damit auch das kostenlose Kurzzeit-Parken in den Stadtteilen Mühlburg und Durlach. Die Entscheidung wurde damals heiß diskutiert und erregt immer noch die Gemüter von Bürgervereinen und Einzelhändlern: Mehr Co2-Ausstoß durch Parkplatz-Suchende, überteuerte Parkzeiten, weniger Kundschaft. Jetzt sollen Unterschriften gegen diesen Beschluss gesammelt werden.

Die Mühlburger und Durlacher Bürger sind verärgert. Nur mal eben parken und fix zum Bäcker flitzen - das geht seit Anfang Juli auf den Geldbeutel, denn: Das Brötchenticket, mit dem 30 Minuten kostenloses Parken in den sogenannten B-Zentren Mühlburg und Durlach möglich sind, wurde vom Gemeinderat abgeschafft.

Seit 2004 war das Konzept etabliert, um den Einzelhandel zu beleben und den Umsatz zu steigern. Doch schnell wurde klar: Das Geld fehlt dann an anderer Stelle: Rund 270.000 Euro sind der Stadt Karlsruhe nach eigenen Angaben jährlich durch die Brötchentaste auf den Parkautomaten entgangen. 

"Der größte Fehler überhaupt"

Grüne und SPD hatten Anfang 2020 daher den Wunsch nach dem Aus des kostenlosen Kurzzeitparkens in den Karlsruher Gemeinderat eingebracht. Mit 27 Ja- und 20 Nein-Stimmen wurde die Abschaffung schließlich besiegelt - ein Fehler, wie nun, fast drei Monate nach dem Ende der Brötchentaste, die Bewohner Mühlburgs eine erste Bilanz ziehen.

Massimo Ferrini, der Vorsitzende des Bürgervereins in Mühlburg, erhält zahlreiche Beschwerden zur fehlenden Brötchentaste. | Bild: CDU Karlsruhe

"Ich bekomme ständig wütende Anrufe, von Bürgern, die keinen Parkplatz bekommen", sagt Massimo Ferrini, Vorsitzender des Mühlburger Bürgervereins, im Gespräch mit ka-news.de. Zwar gebe es auch positive Stimmen, diese seien aber eher die Ausnahme. Stattdessen sei die Abschaffung des kostenlosen Parkens der "größte Fehler überhaupt".  Denn: das lange Suchen eines Parkplatzes sei vor allem für die älteren Bewohner des Stadtteils nicht vertretbar. 

Einnahmen der Stadt steigen

"Außerdem muss man jetzt ständig das passende Bargeld parat haben, da die Automaten nur Großmünzen annehmen", so Ferrini weiter. Zehn und 20 Cent Stücke blieben außen vor. Das führe wiederum dazu, dass für kurze Parkzeiten oft mehr gezahlt werde als nötig. Auch das Ordnungsamt Karlsruhe bestätigt auf Anfrage von ka-news.de, dass durch den Wegfall der Brötchentaste die Einnahmen entsprechend gestiegen sind. Konkrete Zahlen könne man jedoch nicht nennen.

"Aus diesem Grund wäre ein Umrüsten der Parkautomaten nötig", meint der Bürgervereins-Vorsitzende.

(Symbolbild)
Wenn das passende Kleingeld nicht parat ist, zahlen Kurzzeitparker häufig drauf. | Bild: Thomas Riedel

Potentielle Kunden fahren lieber zum Discounter

Doch nicht nur die Mühlburger, auch die Durlacher sind von der Abschaffung der Brötchentaste nicht begeistert, meint auch Gregor Wick, Sprecher des Vereins Mittelstand und Handwerk (MH) und seinerzeit Mitinitiator der Brötchentaste. Seine Kritik: Statt - wie von den Verantwortlichen erhofft - durch das Aus des kostenlosen Parktickets CO2 zu sparen und damit "ein Zeichen zu setzen", habe der Suchverkehr nach Kurzzeit-Parkplätzen nun stark zugenommen - und damit auch wieder der CO2-Ausstoß.

Gregor Wick, Sprecher des Vereins Mittelstand und Handwerk (MH).
Gregor Wick, Sprecher des Vereins Mittelstand und Handwerk (MH). | Bild: privat

"Sowohl Geschäftsleute als auch Bürger und Kunden sagen mir, dass sie dann eben zum Discounter rausfahren und dort einkaufen. Dort gibt es kostenloses Kurzzeit-Parken, aber eben weitere Wege. Der Fach- und Einzelhandel - dramatisch Corona-gebeutelt - ist den selbsternannten Umweltschützern so ziemlich egal", sagt er im Gespräch mit ka-news.de.

Mühlburg und Durlach wollen Verbot der Brötchentaste nicht hinnehmen

Laut Massimo Ferrini sei derselbe Effekt auch in Mühlburg zu erkennen: "Die Geschäfte merken, dass manche Kunden nicht mehr kommen. Besonders Kunden, die auf der Durchfahrt dort gehalten haben, fallen jetzt weg", sagt der Bürgervereins-Vorsitzende.

Das Problem, das beide Seiten sehen: Seit der Entscheidung zu Beginn des Jahres werde das Thema im Gemeinderat ignoriert. Sowohl Gregor Wick als auch Massimo Ferrini streben nun nach eigenen Angaben danach, das Problem im Gemeinderat nochmal aufzurollen. Der Vorsitzende des Bürgervereins Mühlburg plant, Beschwerde bei Oberbürgermeister Frank Mentrup einreichen.

Gregor Wick indes will eine Unterschriften-Aktion in Mühlburg und Durlach durchführen. Sollte das nicht fruchten, so sagt er im Gespräch mit ka-news.de., will er sich bei den nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2024 weiterhin für die Brötchentaste einsetzen.

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  •   InKa
    (865 Beiträge)

    22.09.2020 21:59 Uhr
    Hier
    geht es am Thema vorbei.es geht doch in der Hauptsache um Pendler die auf dem Weg zur Arbeit oder Nachhauseweg kurz zum " Bäcker" gehn. Hält man halt jetzt in der Pfalz oder Pfinztal...da findet man noch Parkplätze
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  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    23.09.2020 07:10 Uhr
    Pendler in Durlach
    die mal eben kurz in den Seitengassen durchfahren? Tagsüber um 10,11 oder 14 Uhr? Mit dem dicken SUV? Jo die sollen ruhig nach Pfinztal zum Brötchen holen fahren. 😀😀😀
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  •   silberahorn
    (10545 Beiträge)

    23.09.2020 07:33 Uhr
    Es geht auch um die Rheinstraße,
    die zu den wichtigsten Durchfahrtstraßen Richtung Süden gilt. Mit dem Rückbau wurde der Verkehr in Seitenstraßen stärker, weil man gewohnte Routen änderte. Das gilt auch ohne den Wunsch irgendwo auf der Rheinstraße zu parken. Dann wurde z.B. eben in die Weinbrennertsraße abgebogen um später wieder auf der Yorckstraße in Richtung Weststadt zu fahren oder ähnliche Routenänderungen.

    SUV haben allgemein gesehen zugenommen und Autoposer, die sowieso kein Problem mit 50 cent hätten. Ob das was mit Druck und Gegendruck zu tun hat mag ich nicht beurteilen.

    Ich glaube allerdings kaum, dass der Bürgervereisnvorsitzende von Mühlburg sich für diese Gruppe einsetzt. Das ist ein sehr engagierter Bürgerverein mit einem guten Blatt, das kostenlos an die Haushalte geht, und indem man alle Parteien, Vereine zu Wort kommen lässt.

    Hier setzen sich allerdings auch Leute aus der Südweststadt für die Haltung der Stadt ein, die niemals davon betroffen sind oder waren.
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  •   Revoluzzer
    (26 Beiträge)

    22.09.2020 18:45 Uhr
    Das ist Karlsruhe
    Die Leute im Gemeinderat machen zu 75% Entscheidungen gegen die Bürger in Karlsruhe es sind ja bald Wahlen
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  •   Freigeist1
    (1488 Beiträge)

    22.09.2020 21:05 Uhr
    Aus einer
    Minderheitenauffassung wird auch durch ständige Wiederholung keine Mehrheitsmeinung.
    Deine Idee, viele Karlsruher würden quasi "aus Versehen" seit Jahren Parteien wählen, deren Programm und Handlungen dem Bürgerwillen widerspricht ist schon ein bissle arg schräg, oder?
    Nach allem was man weiß, gibt es Stammwähler, die quasi ohne neues Nachdenken immer eine Partei wählen eher bei Älteren und die wählen dann meist konservativ.
    Sorry, aber ich fürchte daher, der Trend der nächsten Wahlen wird ganz, ganz anders aussehen, als Du Dir das vorstellst und wünschst zwinkern
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  •   silberahorn
    (10545 Beiträge)

    23.09.2020 03:58 Uhr
    Bei der Gelegenheit
    sei zum Wahlverhalten gesagt, dass bei Bundestagswahlen aus Karlsruhe nur zwei Kandidaten herauskamen von CDU und LINKE.
    Stadtparlament und Oberbürgermeister werden mit geringer Wahlbeteiligung gewählt, was sich auch daraus ergibt, dass Menschen z.B. vor oder nach dem Studium eine Stadt wechseln. Man kann auch ein Häusle oder eine Wohnung auf dem Land ergattert haben und immer noch ins Städtle kommen, ohne Wahlrecht zu Stadtangelegenheiten.

    Die SPD hat hier lange Zeit gerade was Voraussicht bei Verkehrsangelegenheiten betrifft (siehe mein Hinweis weiter unten zur Situation vor einer Schule) ein schwaches Bild abgegeben und bekam nicht nur deshalb, allerdings auch nicht grundlos, immer weniger Stimmen. Jetzt meint man scheinbar (auch bei CDU) viel zu selbstgerecht, dass Kritiker von "extremen Randgruppen" gesteuert wurden. Die gab es aber vor 40 Jahren schon.
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  •   Karsten2010
    (190 Beiträge)

    22.09.2020 17:59 Uhr
    Geht es hier nicht ...
    ... hauptsächlich um die Bewohner der Stadtteile Durlach und Mühlburg ? Braucht man unbedingt ein Auto, wenn man im eigenen Stadtteil eine kurze Besorgung erledigen muss ?
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  •   silberahorn
    (10545 Beiträge)

    22.09.2020 19:12 Uhr
    Es geht nicht um Anwohner
    die auf dieser Straße nur kurz parken wollen, sondern um Durchgangsfahrer. Wer sich daran gewöhnt hatte, das es eine Brötchentaste gab (= kurze Haltezeit kostenfrei, längere Haltezeiten mit Kosten verbunden) fährt jetzt eben in eine Nebenstraße und findet dort mit etwas Glück einen Platz. Damit haben ausgerechnet die Anwohner des Stadtteils in den Nebenstraßen dann das Problem, dass man dort häufiger durchfährt und sogar Plätze wegnimmt.

    Argumentiert wurde damit, dass ein Auto abzustellen auch immer Geld kosten muss und 50 Cent nicht viel ist. Ein Auto zu fahren wurde damit aber nicht teurer.

    Jetzt wurde (so wie ich es verstanden habe) vom Bürgerverein darauf hingewiesen, dass man bei nahen Einkaufszentren umsonst parken kann und auch dort einkaufen geht, also nicht mehr wie früher in der Zone mit Brötchentaste. Damit geht dort auch etwas an Kundschaft verloren.
    Aber die Stadt will von der ersten Minute an Geld, also keine kostenfreien Kurzzeitparker mehr.
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  •   Freigeist1
    (1488 Beiträge)

    22.09.2020 21:18 Uhr
    Wir
    bauen gerade eine U-Bahn, auch um für Pendler das Bahnfahren attraktiver zu machen. Kein Mensch ist von Geburt an forever automatisch Autofahrer. Etwas Fanatsie, bitte. Die Anwohner leider am viel zu starken Durchgangsverkehr. Weniger Autos werden Mühlburg und Durlach massiv aufwerten. Auch nahe von Haltestellen gibt es Bäcker.
    So wie bisher oft falsche Schwerpunkte Pro Autonutzung gesetzt wurden (Folge: viele wählen das Auto), werden künftig richtige Schwerpunkte in Richtung ÖPNV, Fahrrad, E-Bike, etc. gesetzt. Das nennt man Konzept. Schlüssig muß es sein. Parkgebühren sind davon ein Bestandteil.
    Jetzt darf nicht hin- und her geeiert werden.
    Die nächsten Schritte müssen folgen.
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  •   silberahorn
    (10545 Beiträge)

    23.09.2020 03:37 Uhr
    Wegen 50 Cent steigt keiner vom Auto
    auf die U-Strab um. Ich habe übrigens die Diskussion um dieses Projekt seit den 80er Jahren mitbekommen, das sei gesagt zum Thema Weitblick und Voraussicht.

    Ich erinnere hiermit an die Straße mit 60.000 Autos am Tag, entlang einer Grund-und Hauptschule, an der zu dieser Zeit ein späterer Bürgermeister noch Lehrer war. Selbst die Tageszeitung hat aufgenommen, dass Autos dort ständig an die Wand knallten, z.B. auch während eine Frau mit Kinderwagen unterwegs war und gerade noch Glück hatte.. Wenn Eltern etwas sagten war die Reaktion aber, dass in Italien Kinder nicht so verhätschelt werden oder ähnliche Kritik an Hinweisgebern.

    Der damalige dortige Bürgervereinsvorsitzende lief auch gegen Mauern, denn mauern können sie, besonders wenn "kleine Leute" was sagen.
    Es ist eher Verhohnepiepelung der Anwohner, wenn man hier jetzt erzählt, dass die Abschaffung der Brötchentaste ihnen zugute kommt, weil dadurch mehr Menschen auf die U-Strab umsteigen und dadurch erzogen werden könnten.
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