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Karlsruhe dm-Neubau: Viel Grün, aber auch viel Verkehr?

Der Gemeinderat hat am Dienstag die Aufstellung des Bebauungsplans "Südwestliche Untermühlsiedlung" in Karlsruhe-Durlach beschlossen. Hier soll die neue dm-Zentrale gebaut werden. Der Karlsruhe Gemeinderat freut sich darüber, dass der Drogeriekonzern seiner Heimat die Treue hält. Vor allem die außergewöhnliche Architektur und vielen Grünflächen begeistern. Allein die künftige Verkehrssituation bereitet manchem Stadtrat Kopfschmerzen.

Auf der Tagesordnung am Dienstag stand der Bebauungsplan "Südwestliche Untermühlsiedlung". Hier soll die neue dm-Zentrale entstehen. Auch wenn parteiübergreifend alle Stadträte den dm-Neubau begrüßen, sorgt die geplante Verkehrsanbindung noch für Klärungsbedarf. Letztlich stimmten die Stadträte mit deutlicher Mehrheit ( 2 Enthaltungen, 1 Ablehnung) der Aufstellung des Bebauungsplans zu.

Durlacher wollen "Vollknoten"

Der Bebauungsplan war am vergangenen Mittwoch bereits Thema im Durlacher Ortschaftsrat. Letztlich stimmte die Mehrheit des Ortschaftsrates mit 13 Stimmen für den Beschluss. Sechs Enthaltungen zeigen jedoch, dass bei den aktuellen Plänen Nachbesserungsbedarf besteht. Der Rat fordert "ein umfassendes Verkehrskonzept", denn die Verkehrssituation bereitet den Räten viel Kopfzerbrechen. Denn - und da waren sich alle Fraktionen einig - das dm-Bauprojekt müsse neben dem Bauherrn vor allem den Bürgern der Untermühl- und Dornwaldsiedlung etwas bringen. Sie dürften am Ende nicht die Leidtragenden sein, was Lebensqualität, so wie Lärm- und Verkehrsbelastung betrifft. Die Durlacher sprechen sich daher für einen sogenannten "Vollknoten" - also sowohl eine Rechts- als auch eine Linksabbiegemöglichkeit zum Neubau  - aus.

"Das Verkehrsnetz ist in der Lage, das prognostizierte Verkehrsaufkommen auch nach der geplanten Bebauung des Gebietes zu bewältigen", erklärt die Stadtverwaltung in der dazugehörigen Beschlussvorlage (Link führt zu PDF auf Webseite der Stadt). Es werde zusätzlich angestrebt und geprüft, ob die verkehrliche Situation zukünftig durch die Realisierung eines sogenannten "Vollknotens" mit Lichtsignalanlage weiter verbessert werden könne. Die entsprechenden Planungen seien allerdings nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Der Vollknoten ist nicht Bestandteil des Bebauungsplans, werde aber separat geprüft und untersucht. Bis zur Realisierung eines Vollknotens werde der Verkehr daher die vorhandenen Verkehrswege nutzen. "Insbesondere die zur erwartenden Mehrbelastungen in der Johann-Strauß-Straße von ca. 1.500 KfZ/24 h kann das Straßensystem aufnehmen", betont die Stadt.

Kritik an Plänen der Stadt

Die SPD-Gemeinderatsfraktion sieht die Plänen der Stadt skeptisch. Kern der SPD-Kritik ist die geplante Verkehrsanbindung des Areals. "Eine Zufahrt zum dm-Areal über die Johann-Strauß-Straße mit zusätzlichen 1500 Fahrzeugen pro Tag ist für die Bewohner der Dornwaldsiedlung nicht hinnehmbar. Wir fordern weiter eine direkte Anbindung des dm-Areals über die Durlacher Allee", so SPD-Stadtrat David Hermanns. Schon heute seien die Menschen in der Dornwaldsiedlung mit einer großen Lärmbelastung konfrontiert, so David Hermanns. "Die Dornwaldsiedlung braucht eine Entlastung vom Lärm und keine Mehrbelastung."

Bereits im Jahr 2013 hatte sich die SPD-Fraktion für eine Verkehrsanbindung des dm-Areals über die Durlacher Allee stark gemacht, erläutert der planungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Michael Zeh in einer Pressemitteilung: "Unsere Position ist, dass die Anwohner von der dm-Ansiedlung profitierten sollen. Die jetzt vorgelegten Pläne bedeuten das Gegenteil. Die Stadtverwaltung muss dringend eine Zu- und Abfahrt über die Durlacher Allee realisieren."

CDU-Stadtrat Thorsten Ehlgötz erklärt: "Auf die Infrastruktur und den Individualverkehr wird es ankommen." Bei aller Freude über die Entscheidung, dass dm in Karlsruhe eine neue Zentrale in Karlsruhe baue, müsse die Stadt eine Infrastruktur gewährleisten, die zeitgemäß und zukunftsfähig sei, so Ehlgötz. Eine sinnvolle Verkehrsanbindung an dieser Stelle sei aus CDU-Sicht entscheidend.

Auch die Grünen stehen hinter dm und dem Projekt wohlwollend gegenüber und freuen sich über die vielen Grünflächen. Dennoch dürften die Interessen der Anwohner nicht vernachlässigt werden, so der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Johannes Honné. Auch die Grünen haben Bedenken vor einer zunehmenden Verkehrs- und Lärmbelastung in der Johann-Strauß-Straße. Sie befürworten derzeit ebenfalls einen "Vollknoten".

Ikea verschärft Verkehrssituation zusätzlich

Auch der schwedische Möbelriese Ikea will sich an der Durlacher Allee ansiedeln. Das ist ein weitere Aspekt, der die Verkehrssituation in der Durlacher Allee verschärfen könnte. Durch die Ikea-Filiale, die im Sommer 2017 eröffnen soll, werden deutlich mehr Autos im Osten der Fächerstadt erwartet.

Laut einem Umweltbericht des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein (RVMO)fahren auf der Durlacher Allee in diesem Bereich täglich etwa 45.000 Autos - auf dem Weinweg sind es rund 17.000. Auch die angrenzende Gerwigstraße ist mit 16.700 Fahrzeugen aktuell  stark belastet. Durch die Ansiedlung von Ikea werden laut Umweltbericht von Montag bis Donnerstags rund 4.400 zusätzliche Autos erwartet. Freitags rechnen die Experten, die sich auf ein aktuelles Verkehrsgutachten berufen, gar mit 5.000 zusätzlichen Autos - samstags mit bis zu 7.100.

ka-news-Hintergrund:

Der Karlsruher Dorgeriekonzern dm will seine neue Zentrale an der Durlacher Allee für rund 90 Millionen Euro errichten. Das vor 40 Jahren in Karlsruhe gegründete Unternehmen verteilt sich derzeit auf sieben Standorte. Diese verschiedenen Unternehmensbereiche sollen mit dem Neubau in einer neuen Hauptverwaltung zusammengeführt werden.

Der Gemeinderat stimmte bereits einstimmig für den Verkauf des rund 50.000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Alten Karlsruher Straße. In dem Neubau sollen laut dm künftig 1.800 Menschen arbeiten. Für das Vorhaben ist ein Bebauungsplanverfahren notwendig. Es ist Wunsch der Firma, den ersten Bauabschnitt bis Ende 2015 zu realisieren. Die Drogeriekette plant mit einer Fertigstellung im Jahr 2018.

Hier geht's zu den ausführlichen Sitzungsunterlagen (externer Link).

Hier informiert dm auf seiner Webseite über die Neubau-Pläne (externer Link)

Mehr zum Thema:

dm-Neubau: Durlacher fordern umfassendes Verkehrskonzept

Ikea-Neubau: Wie geeignet ist der Standort an der Durlacher Allee?

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im aktuellen Gemeinderat:

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  •   rheiniheini
    (1455 Beiträge)

    25.03.2015 08:51 Uhr
    das frag ich mich auch
    ich denke, dass die Enttäuschten gar nucht mehr zur Wahl gehen, weil sie glauben, dass es sowieso egal ist, wen sie wählen.
    Das ist natürlich Blödsinn, es gibt genügend Alternativen und im Zweifelsfall kann man ja das kleinere Übel wählen.
    Ausserdem ist die Uni enorm gewachsen. Da gibt's viele Wähler, die nicht pünktlich morgens am Arbeitsplatz erscheinen müssen.
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  •   quattrostagnazione
    (874 Beiträge)

    25.03.2015 00:31 Uhr
    Alle (ok, fast) gehen
    gerne zu dm und diese unnötige IKEA Ansiedlung wird auch hier bei ka-news gehypt als gäbe es kein Morgen.

    Und jetzt kriegt man die Gebäude und fängt an sich über die Verkehrssituation Gedanken zu machen. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

    Gibts das dm Gebäude auch in grade oder war der Architekt mit einem Rotweingürtel gefesselt? Naja, passt zu den anderen architektonischen Meisterleistungen...

    Freiheit für Vlado Bulics Pyramide! grinsen
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