Karlsruhe Die Franks: Eine Schausteller-Familie in der Corona-Krise - Zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Kein Berufsstand ist von der aktuellen Corona-Pandemie mehr betroffen als der Schausteller-und Veranstaltungsbereich sowie Diskotheken und Clubs. Ein Beispiel ist die Schaustellerfamilie Frank. Sie kämpft sich, wie so viele Schausteller durch die Pandemie. ka-news.de hat die Familie begleitet.

Beeindruckend ist der positive Wille der jungen Familie Frank. Auch in schweren Zeiten geht ihr Blick stets nach vorne. Benjamin und Claudia Frank hatten das Wort "Corona" Anfang des Jahres zum ersten mal im Fernsehen gehört. Irgendwo in China, weit weg von Karlsruhe und der heilen Welt in der sie damals noch lebten und arbeiteten.

Das Ende kam plötzlich

"Nach der langen Winterzeit sind wir Schausteller froh wenn es wieder los geht", erzählt Claudia Frank. In Schriesheim stand die junge Mutter damals mit ihrem Entenangeln, als der Matheise-Markt plötzlich vorzeitig beendet wurde und die Schausteller abbauen mussten.

Bild: Thomas Riedel

Erst in diesem Moment war Benjamin und Claudia Frank klar wie ernst die Situation sein muss. Die nächsten acht Wochen waren geprägt von Sorgen und Existenzängsten der jungen Familie. Hatten sich doch beide erst einen Autoscooter gekauft, der auf einem Lagerplatz bei Eggenstein mit viel Eigenarbeit restauriert wird.

Nachdem die Heimatnahen Schausteller Roder und Fetscher ihren Autoscooter verkauft haben, war der Bedarf nach einem Scooter vorhanden und Familie Frank wollte ihren Autoscooter in der Region für Märkte und Volkfeste anbieten. "Wir hatten bereits schon Zusagen für die Karlsruher Frühjahrsmess' sowie den Gaggenauer Herbstjahrmarkt und weitere Veranstaltungen", blickt Claudia Frank enttäuscht zurück.

Kredit hilft der Familie

Trotz all dem schlechten hatten wir auch ein Stück weit Glück: Dank eines kfw-Kredites konnte Familie Frank die bereits begonnen Arbeiten am Autoscooter fertig stellen.

Bild: Thomas Riedel

"Zwei oder drei Monate, dann geht es weiter", dachte Benjamin Frank rückblickend. Niemals wär er auf die Idee gekommen, dass der Weihnachtsmarkt in der Schwebe steht. Abwarten und Aussitzen war keine Möglichkeit für die Franks: Lösungen mussten schnellstmöglich her.

Zwar ging  die Motivation zeitweitweise verloren,  doch als die Meldung kam, dass Freizeitparks wieder öffnen war das ein zusätzlicher Schub: "Es geht wieder weiter!"

Die Franks sind viel unterwegs

Einen Platz fanden sie in dem Freizeitgarten "Das Dorf" bei Willy Krusig. Hier steht ihre Crepes-Hütte. Im von den Besuchern abgeschirmten hinteren Teil der großen Anlage steht der Autoscooter. Benjamin Frank baut von morgens bis abends unermüdlich an der Technik und dem Design. "Wir sehen uns nur zum Mittagessen und Gute Nacht sagen", schmunzelt Claudia Frank.

Bild: Thomas Riedel

"Das Dorf" ist eine gute Alternative gegenüber dem was aktuell nicht mehr gestattet ist. Eine zusätzliche Alternative war auch das Karlsruher Herbstfest vom 2. bis 18. Oktober bei dem die Familie mit Entenangeln und Jumper dabei war. Bei der Offerta-Fun wird dann der Autoscooter seine Premiere für die Franks feiern. Die Familie hofft auf Plätze in der naheliegenden Region.

Eine Sorge bleibt

Claudia Frank macht sich auch Gedanken um den Klimawandel und die Zukunft ihrer Kinder. "Unnötige weite Fahrten sind in der heutigen Zeit einfach nicht mehr zeitgemäß", so die zweifache Mutter. Corona-Veranstaltungen mit Hygienekonzept sind nach der Meinung von Franks nicht ganz so rentabel wie das normale Volksfest, jedoch besser als keine Möglichkeit den Beruf weiter auszuüben.

Etwas Sorge bleibt, ob die alten großen Volksfeste irgendwann in Vergessenheit geraten werden und dann auch einfach nicht mehr stattfinden werden.

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