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Karlsruhe Der Ohrwurm für alle Karlsruher: Badnerlied feiert 125-jähriges Jubiläum - "Das schönste Land in..."

Wohl jeder Bürger der Region dürfte es kennen: das Badnerlied. Auf Festen und aus dem Wildparkstadion ist es nicht wegzudenken, sorgt dort für entsprechende Stimmung und verdeutlicht die tiefe Ablehnung gegen die Region rund um die Landeshauptstadt. In diesem Jahr wird das Lied über "die schönste Region Deutschlands" 125 Jahre alt. Für unseren Redakteur Hajo Of ein Grund, mal einen genaueren Blick in die Historie und auf die unglaublich vielen Variationen des Badnerliedes zu werfen.

"Wenn heute noch voller Inbrunst im badischen Landesteil das Badnerlied gesungen wird, dann zeugt dies von einem gesunden, regionalen Selbstbewusstsein", eröffnete Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann unlängst. Hintergrund ist die erste, schriftliche Erwähnung des legendären Liedes vor 125 Jahren.

"Das schönsten Land..."

Für alle, die hier wohnen oder ein Zuhause fanden, ist klar: Das bundesweit schönste Land ist Baden! Dass dies auch die Bayern und Sachsen in nahezu gleichem Duktus behaupten? Geschenkt! Schon die erste Strophe lässt keine Zweifel aufkommen. Dort heißt es klipp und klar: "Das schönste Land in Deutschlands Gau'n, das ist mein Badner Land. Es ist so herrlich anzuschauen und ruht in Gottes Hand. Drum grüß ich dich mein Badner Land, du edle Perl' im deutschen Land."

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) spricht im Landtag.
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) spricht im Landtag. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Das "Badnerlied" ist die bekennende Hymne schlechthin. Gesungen bei Veranstaltungen, Events – und natürlich beim Fußball im Wildparkstadion oder in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Nur wenn die "lieben Schwaben" in den dortigen Stadien aufkreuzen, wird das schönste aller Lieder von diesen Fans niedergemacht. Dabei sagt selbst Kretschmann: "Als hohenzollerischer Schwabe mit Flüchtlingshintergrund singe ich natürlich mit. Das nenne ich Heimat teilen."

1896 erstmals erwähnt

Fakt ist: Die älteste, bekannte Publikation findet sich in einem Liederheft zum 16. Badischen Pioniertag in Heidelberg aus dem Jahr 1896. Damit ist das Lied, das mit "Frisch auf, frisch auf, mein Badnerland" weitergeht, älter als gedacht. Alexander Jordan, Direktor des wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt, hatte vor einigen Jahren bei seinen Recherchen zum Jubiläum "900 Jahre Baden" ein unscheinbares Büchlein entdeckt und später gemeint: "Das Lied ist älter, als alle glaubten. Eine schöne Überraschung."

Bild: Hajo Of

Der Freiburger Ossi W. Pink hat schon vor langer Zeit damit angefangen, alle Strophen zusammenzutragen und aufzulisten. Weit über 1 200 Mehrzeiler des ursprünglich dreistrophigen Liedes sollen es sein. Und es kommen immer noch neue hinzu.

Die Zeilen "In Karlsruh' isch die Residenz, in Mannheim die Fabrik. In Rastatt ist die Festung, und das ist Badens Glück“, als Teil der Regionalhymne kennt hier jeder. Dass Verse wie das im Zuge von Stuttgart 21 entstandene "In Stuttgart gräbt man jetzt ein Loch, und das wird riesig sein. Und groß genug, wir hoffen's doch, dass alle Schwaben passen rein", nicht überall auf Begeisterung stoßen, dürfte klar sein.

Badener vs. Schwaben

In seiner langen, 125-jährigen Geschichte hat sich laut Aussage der Kulturwissenschaftler im Ländle das Badnerlied vom einstigen Militär- und Vereinslied zu einem Stimmungshit, der im Stadion genauso wie im Festsaal oder Bierzelt funktioniert, gewandelt.

In pandemiefreien Zeiten sorgt das Badnerlied auf Festen für gute Stimmung. Wie hier auf dem Hoepfner Burgfest 2017
In pandemiefreien Zeiten sorgt das Badnerlied auf Festen für gute Stimmung. Wie hier auf dem Hoepfner Burgfest 2017 | Bild: ps

Doch selbst hart gesottene Schwaben horchen auf, wenn in fröhlicher Runde ein Reim gesungen wird, wo es heißt: "Ein Badner möcht' ich gerne sein, denkt sich so mancher Schwob'. Und weint dann still in sich hinein. Er wird es nie – gottlob." Geht es noch lustiger, fieser, hämischer? Klar, doch: "In Konstanz fließt der Rhein noch blau, in Mannheim wird er grau. Da fließt der dreckige Neckar rein, die alte Schwobesau." 

Ob die Badener den Schwaben so immer noch heimzahlen, dass sie bei der Abstimmung zum Südweststaat vor über 50 Jahren angeblich über den Tisch gezogen wurden? Und dass Stuttgart und nicht Karlsruhe Landeshauptstadt wurde?

Auch in Corona-Zeiten darf das Lied im Wildparkstadion nicht fehlen.
Auch in Corona-Zeiten darf das Lied im Wildparkstadion nicht fehlen. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Die Hymne auf den eigenen Landstrich bleibt eine Hymne fürs Herz. Man vermutet, dass dieses Lied im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 entstand und in diesem Zuge einige volkstümliche Lieder, gerade auch von Soldaten, gesungen wurden. Ob die Hymne schon im frühen 19. Jahrhundert im immer größer werdenden Baden entstand oder sogar mit der Badischen Revolution von 1848/49 zusammenhängt, ist nicht überliefert.

Ob das "Volkslied mit den meisten Strophen" irgendwann in das Buch der Rekorde kommt, ist ungewiss. Vielleicht bleibt es deshalb außen vor, weil doch der Verdacht nahe liegt, dass die heimliche Hymne bei den Sachsen abgekupfert wurde? Doch haben das die Pfälzer und Bayern nicht auch so gemacht? Und wenn der KSC früher oder später tatsächlich wieder den Bundesligaaufstieg schafft, hätte die nachfolgende Strophe ihre Berichtigung: "Das Stadion ist hier viel zu klein, die Not, die ist sehr groß. Die Fans, die passen längst nicht rein, hier ist der Teufel los."

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