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Karlsruhe Der Bahnstreik geht auch in Karlsruhe weiter: Aber warum muss das immer nur zulasten der Pendler gehen, liebe GDL?

Die Deutsche Bahn hat vor Gericht verloren - und damit geht der Bahnstreik der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) weiter - sehr zulasten von Reisenden und Pendlern, auch in Karlsruhe. Doch warum ist das eigentlich so? Kann man den Tarifkonflikt nicht auch anders lösen? Zwei GDL-Mitglieder stehen ka-news.de Rede und Antwort.

"Grundsätzlich wollen wir ja unserem Job nachgehen und für die Leute da sein, aber wir werden zum Streik gedrängt", sagt der Bezirksvorsitzende der GDL-Südwest, Lutz Dächert, während einer Kundgebung anlässlich des Tarifkonflikts vor dem Karlsruher Schloss am Montag.

"Wir haben mehrere Jahre der Verhandlung hinter uns und sind vergangenes Jahr sogar in eine Schlichtung mit der Deutschen Bahn AG gegangen - allerdings blieb das alles ohne Ergebnis. Die Deutsche Bahn hat uns bisher kein verhandlungsfähiges Angebot gemacht."

Lutz Dächert, Bezirksvorsitzender der GDL-Südwest. | Bild: Thomas Riedel

"Und dann behauptet der DB-Vorstand gegenüber den Medien noch, die GDL sei gierig"

Die GDL selbst hingegen habe sich nach eigener Angaben in der Vergangenheit durchaus kooperationsbereit gezeigt: "Wir wollten ursprünglich eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent innerhalb von zwölf Monaten, eine Corona-Prämie von 1.000 Euro und eine stabilere Betriebsrente", sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der GDL, Norbert Quitter, im Gespräch mit ka-news.de.

"Nun haben wir unsere Forderungen auf 3,2 Prozent innerhalb von 28 Monaten und 600 Euro Corona-Prämie heruntergekürzt." Dennoch sei die DB nicht zu Zugeständnissen bereit.

Norbert Quitter, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft deutsche Lokomotivführer (GDL). | Bild: Thomas Riedel

"Im Gegenteil, die Betriebsrente der Lokomotivführer soll, obwohl ohnehin schon knapp, noch gekürzt werden - und das, während sich die Manageretage teils fünfstellige Monatsrenten in die eigene Tasche wirtschaftet. Außerdem wird mehr Flexibilität von den Lokführern verlangt, was bedeutet, dass wir im Prinzip rund um die Uhr verfügbar sein sollen", so Quitters Einschätzung.

"Und dann behauptet der DB-Vorstand gegenüber den Medien noch, die GDL sei gierig und würde sich keinen Millimeter bewegen."

Bild: Thomas Riedel

"Uns ist bewusst, dass der Streik zulasten der Kunden geht"

Aus diesem Grund werde man erst einmal weiterstreiken. Der Streik soll bis Dienstagmorgen um 2 Uhr andauern. Doch das zehrt an den Nerven der täglichen Pendler. Kann das nicht auch anders gelöst werden?

"Uns ist durchaus bewusst, dass das auch zulasten der Kunden geht. Aber wir sehen keine andere Möglichkeit. Wer die Last der Kunden verhindern könnte, wäre das DB-Management, indem es ein ernsthaftes Angebot unterbreitet", so der stellvertretende Bundesvorsitzende. "Alleine darauf warten wir."

Ob der Streik auch mit Methoden geführt werden könnte, da zeigen sich die Organisatoren der Demo pessimistisch: "Wir hören ja durchaus verschiedene Vorschläge. Beispielsweise, dass wir einfach die Zentrale in Berlin lahmlegen sollen. Aber das ist uns gesetzlich nicht möglich - in anderen Ländern ginge das vielleicht, aber nicht in Deutschland", so Lutz Dächert.

Kostenlose Fahrten als Form des Streiks?

Auch die Idee, Kunden einfach entgeltlos mitfahren zu lassen und so als Streikform Verluste bei der Deutschen Bahn zu generieren, sei kaum praxistauglich. "Zunächst einmal würde diese Idee nur im Personenverkehr funktionieren", erklärt Quitter. Die Deutsche Bahn beziehe ihren Hauptumsatz aber durch Gütertransport.

"Zudem geht der Erlös des Nahverkehrs an die Verkehrsverbünde. Würden im Nahverkehr also kostenfreie Fahrten anbieten, würden wir nicht bei der DB, sondern dort Verluste schaffen - und das wollen wir natürlich nicht. Außerdem werden die Fahrkartenkontrollen nicht immer von Mitgliedern der GDL durchgeführt. Schaffner, die nicht Mitglied der Gewerkschaft sind, könnten wir an einer solchen Aktion nicht beteiligen", erklärt er gegenüber ka-news.de.

Die Prozession der streikenden Lokführer zog vom Schlossplatz aus zum Marktplatz. | Bild: Thomas Riedel

Es bleibe daher nur die jetzige Form des Streiks, bis GDL und Deutsche Bahn zu einer Einigung kommen. Tatsächlich "macht der Bahn-Vorstand ein Angebot nach dem anderen", meint Norbert Quitter. "Aber keines davon ist für uns auch nur im Entferntesten annehmbar. Unser Ziel ist nämlich nicht nur ein gerechter Tarifvertrag, sondern auch Wertschätzung und Respekt."

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Kommentare (18)
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  •   patrickkk
    (2303 Beiträge)

    08.09.2021 06:32 Uhr
    ...
    Amüsiert lese ich dass jetzt die 4er Karte abgeschafft wurde. (nach dem die echte 24h Karte ja schon gut ein Jahrzehnt geschichte ist).

    Bin ich froh dass ich die Bahn nicht nehmen muss. Ich werde darauf achten dass das auch in Zukunft so ist.
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  •   ordnungshueter
    (213 Beiträge)

    07.09.2021 14:22 Uhr
    was verdient...
    denn ein vorstand?
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  •   smuudo
    (288 Beiträge)

    07.09.2021 18:52 Uhr
    Ein Vermögen…
    … und jetzt? 🤷🏼‍♂️
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  •   smuudo
    (288 Beiträge)

    07.09.2021 12:53 Uhr
    Streik? Für was?
    Was wird denn hier noch bestreikt? Die Bahn ist auf die Grundforderungen 3,2% mehr Gehalt und Covid Prämie von 600€ eingegangen. Lediglich wurde von der Bahn der Zeitpunkt zur Erhöhung anders gesetzt. Statt noch in diesem Jahr möchte die Bahn im Januar '22 (also max. 4 Wochen später) und im März '23 (anstatt in 2022) ausbezahlen. Und jetzt? Bleiben deswegen jetzt die Weihnachtsgeschenke aus? Zur betrieblichen Altersrente: Es gibt zwei Rentenarten. Der Pensionsfond und der Zusatzversorgungstarifvertrag. Letzteres wurde gekündigt, da es sich aufgrund der Niedrigverzinsung nicht mehr rechnet und es die Rücklagen der Bilanz belastet. Nachvollziehbar, oder nicht? Dafür wurde aber der Fonds entsprechend angepasst. Was ist jetzt das Problem? Andersrum gefragt: Wer von euch hat noch das Glück, dass es eine betriebliche Altersversorgung gibt? Noch was: Ein Lockführer verdient im Durchschnitt 3.328€ eine Krankenpflege im Durchschnitt 3.283€. Jetzt die Preisfrage: Wer hat die größte Belastung?
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  •   jojo
    (888 Beiträge)

    08.09.2021 18:13 Uhr
    Völlig richtig
    Endlich mal jemand, der die betriebliche Altersversorgung korrekt beschreibt. Ein derartiger Wechsel in der Art der Vorsorge ist völlig normal und wird in anderen Unternehmen genauso gelebt. Ziel dieses Switches ist nicht die Reduzierung, sondern die Verbesserung des Endergebnisses. Insofern finde ich es gelinde gesagt merkwürdig, dass die GDL dies als Senkung verkauft.
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  •   FinnMcCool
    (604 Beiträge)

    07.09.2021 12:01 Uhr
    zu Lasten der Pendler?
    Stimmt, eine absolute Frechheit der GdL. Wie kann sie nur zu Zeiten streiken, wenn die Pendler unterwegs sind. Sollen die doch täglich zwischen 2 und 4 Uhr streiken. Da sind meist nur Güterzüge unterwegs.
    Und da es dann der Bahn relativ wenig weh tut, kann der Streik auch über Jahre fortgesetzt werden, ohne dass jemand etwas merkt.

    Nein, ein Streik muss weh tun. Dass sich die Verhandlungspartei bewegt. Nur so kann man etwas bewirken.
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  •   ordnungshueter
    (213 Beiträge)

    07.09.2021 11:43 Uhr
    oder besser noch...
    die pendler sollen vorstand werden: dann werden sie gefahren - im auto mit chauffeur!
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  •   ordnungshueter
    (213 Beiträge)

    07.09.2021 11:31 Uhr
    ach was...
    die lokfuehrer sollen doch einfach auch vorstand werden! selbst in schuld!
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  •   tom1966
    (1763 Beiträge)

    07.09.2021 09:56 Uhr
    Wenn ein Steik
    keinen Druck auf den Arbeitgeber ausübt, bringt er nichts. Insofern ist der Streik der GDL wirkungsvoll, da die öffentliche Meinung den Druck ausübt. Dass die Meinungen hierbei auseinander gehen, steht auf einem anderen Blatt.

    Witzig finde ich nur den Satz auf dem Plakat: "Wir waren im Lockdown jeden Tag arbeiten ..."! Das trifft auch auf andere Berufsgruppen zu. Die einzigen, die meiner Kenntnis nach, eine "Corona-Prämie" erhalten haben, sind jedoch die Beschäftigten im medizinischen Bereich.
    Was aber ist mit Polizei, Feuerwehr, Mitarbeitern im Gesundheitsamt usw.? Die haben auch im Lockdown gearbeitet. Ach stimmt ja, das sind ja Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst und zumindest die Beamten sind ja überbezahlt und dürfen nicht streiken :-I
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  •   Rundbau-Gespenst
    (13039 Beiträge)

    06.09.2021 17:56 Uhr
    ein Witz, " liebe GDL"
    und wer bringt das in den Hochwasserregionen dringend benötigte Material?

    Natürlich die Gummibahn, weil die Eisenbahn nicht fahren, sondern bestreikt werden soll !!!
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