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Karlsruhe Das Virus mutiert: Wie gefährlich sind Corona-Mutationen?

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und vorsichtigen Lockerungen konnte die Lage stabilisiert werden - doch wohin geht der aktuelle Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage - Infektionszahlen bleiben gleich

Die kurze Entspannung der Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe ist vorbei: Waren in der vergangenen Woche 80 Personen in der Fächerstadt mit dem Virus infiziert, sind es am Donnerstag, den 01. Oktober, 81.  Damit erhöht sich die Anzahl der Infizierten um eine Person.

Corona Lagekarte - Stand 01. Oktober 2020 | Bild: Landratsamt Karlsruhe

Deshalb bleibt die Stellungnahme des Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellsten Lagebericht die gleiche wie letzte Woche: "Nach einer vorübergehenden Stabilisierung der Fallzahlen auf einem erhöhten Niveau ist aktuell ein weiterer Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher muss die Lage weiterhin sorgfältig beobachtet werden."

Wie entstehen Mutationen?

Viren vermehren sich, indem sie die Zellen von Lebewesen befallen. Dockt ein Virus bei einer Zelle an, schleust es sein eigenes Erbgut, die RNA, in die Zelle und zwingt sie so zur Vermehrung von weiteren infizierten Zellen, statt gesunder Zellen. Die platzen dann auf und setzen noch mehr Viren frei, die wiederum andere Zellen befallen.

Bei diesem Vorgang können Fehler passieren, bei denen das Ergbgut nicht eins zu eins kopiert wurde. Diese veränderten Gene nennt man Mutationen.

Elektronenmikroskopische Aufnahme des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht. Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert.
Elektronenmikroskopische Aufnahme des Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht. | Bild: -/NIAID-RML/AP/dpa

Stellt sich heraus, dass eine dieser Mutationen für das Virus von Vorteil ist, reproduziert sich das Virus mit eben dieser Mutation. Das Virus passt sich also den äußeren Umständen an. Eine wirkliche Veränderung des Virus selbst, findet dann durch aufeinander aufbauende Mutationen statt. 

Kurzum: Das Virus kann so zum Beispiel seine Vermehrung oder seine Übertragbarkeit optimieren. Ein Prozess, der zumeist einen längeren Zeitraum umfasst. Doch ist Corona schon mutiert?

Mutation D614G - Ein Grund zur Sorge?

Die gute Nachricht vorab: Laut dem RKI besteht bei den bisher erworbenen "Fähigkeiten" des Corona-Virus durch Mutationen kein Grund zur Sorge. Das heißt, die bisherigen Mutationen sind noch nicht relevant genug, um den Krankheitsverlauf zu beeinträchtigen. 

Dennoch ist immer wieder eine Mutation im Gespräch: D614G. Hierbei handelt es sich um einen Austausch im Oberflächen-Glykoprotein, das für die Verbindung von Virus und Zelle verantwortlich ist. Laut Medienberichten soll durch diesen Austausch ein leichteres "Andocken" von Virus und Zelle begünstigt werden.

Kurz: Die Infektion ginge mit dieser Mutation schneller einher als mit dem "Ursprungsvirus". 

Ein Arzt nimmt in der Corona-Teststelle am Flughafen Schönefeld einen Abstrich für einen Coronavirus-Test.
Forscher sind kontinuierlich mit der Erforschung des Covid-19 Virus beschäftigt. | Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Christian Drosten, Virologe der Charité in Berlin, steht dieser Behauptung in seinem Podcast-Beitrag vom 09. September kritisch gegenüber: "Wenn dem so ist, dann nur in Maßen. Also nicht weltbewegend, sondern geringfügig. Und es gibt keine Hinweise, dass die krankmachende Eigenschaft sich dadurch verändert hat." 

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin.
Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. In seinem Podcast erklärt er alles Wissenswerte über das Corona Virus. | Bild: Christophe Gateau/dpa

Etwas anders sieht es Dr. Bernhard Miller, Facharzt für Laboratoriumsmedizin beim MVZ Labor Volkmann. Seiner Meinung nach sorge die D614G Mutante für eine schnellere Ansteckung. Aber: Eine Verschlimmerung des Krankheitsverlaufes sei noch nicht bekannt. Auch aus dem Grund, da der Krankheitsverlauf bei Infizierten prinzipiell sehr unterschiedlich verlaufen kann.

"Viel mehr ist damit zu rechnen, dass das Virus immer wieder 'in Wellen' auftauchen wird und sich im Verlauf der Jahre oder Jahrzehnte sogar eher abschwächt", so der Facharzt im Gespräch mit ka-news.de. Das liegt daran, dass die ständigen Änderungen in der viralen Erbsubstanz die Viren zusätzlich schwächen.

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Coronavirus (SARS-CoV-2, orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt.
Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Coronavirus (SARS-CoV-2, orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt. | Bild: ---/NIAID-RML/dpa

Auch die Frage, ob derlei Mutationen Auswirkungen auf den zukünftigen Impfstoff haben, ließe sich, so Miller, noch nicht beantworten und machen Spekulationen schwierig.

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen während der Sommermonate und zum Schulbeginn erneut in die Höhe.

Neben den Lockerungen der Corona-Bedingungen ist das vor allem auf Reiserückkehrer aus Urlaubsländern und auf Privatfeiern zurückzuführen. Bei den bisherigen Corona Infektionen im Schulbetrieben hält sich der Kurvenanstieg in Grenzen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es beispielsweise aufgrund der Urlaubsrückkehrer und der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften weiterhin zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI Bericht 30. September
Dateigröße : 895.88 KBytes.
Datum : 30.09.2020 17:50
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  •   Propagandahilfskraft
    (1605 Beiträge)

    02.10.2020 14:35 Uhr
    Die Lethalität von Covid 19 ...
    ... wurde in einigen Ländern durch massive Fehlbehandlungen erhöht. Diese waren zum Teil von Oben angeordnet. Das lässt sich nun kaum noch aufrecht erhalten. Da sinkt die Lethalität alleine schon durch den Wegfall der Fehlbehandlungen ziemlich drastisch. Daher muss ich die Argumentation mit der Gefahrlosmutierung als eine Propagandalüge zum Ablenken von den Tatsachen betrachten. So langsam kommen einige Hintergründe ans Tageslicht. Der Propagandakrieg um Hydroychloroquine (ein Chininersatz) zeigt einem die Richtung auf, in die man suchen kann/soll/muss. Aber bitte nicht erschrecken, wenn ihr die ans Tageslicht gekommenen Verbrechen lest. Wer Angst vor Dr. Mengeles Erben hat sollte sich von diesen Tatsachen fern halten und weiter ARD, ZDF und BILD konsumieren.
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  •   RainerBu
    (1206 Beiträge)

    01.10.2020 17:16 Uhr
    Viren
    werden aber offensichtlich von der Wissenschaft nicht gerade als Lebewesen angesehn.
    Ich denke , die Sache wird uns noch lange begleiten . Also schwierige Frage wieviele Einschränkungen sind vertretbar , welches Lebensrisiko bleibt eben . Ist man 60 so ist das Risiko daran zu sterben wohl 0,7 Prozent .
    Das Neue daran ist die höhere Infektiosität und 10-20 mal gefährlicher als Grippe.
    Bei der Dunkelziffer kann man wohl mindestens Faktor drei annehmen. Super wäre, genau herauszufinden wer warum richtig gefährdet ist und nur für diesen Personenkreis ein Mittel zu finden.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1605 Beiträge)

    02.10.2020 14:24 Uhr
    Die Infektiösität ist nicht so hoch?
    Die Basisreproduktionszahl ist etwa 1,5 bis 2 mal so hoch wie bei der Influenza. Aber die Generationenzeit auch. Damit sind die Infektiösitäten ungefähr in einer ähnlichen Größenordnung. Die Lethalität ist aber etwa 2 bis 3 mal so hoch wie bei einer durchschnittlichen Grippe, aber immer noch unter der einer Ausnahmegrippe wie die Hong-Kong-Grippe. Ganz grob kennt man das Risiko von SARS-CoV-2. Es ist hoch, aber nicht außergewöhnlich. Es ist eine ernstzunehmende Atemwegserkrankung und sollte - wie die Influenza - als solche behandelt werden. Das was im Moment bei SARS-CoV-2 zuviel gemacht wird, hat man bei der Influenza die letzten Jahrzehnte leider nicht gemacht. Kann mir einer diesen Doppelstandard erklären?
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  •   RainerBu
    (1206 Beiträge)

    02.10.2020 14:42 Uhr
    schon genauer lesen oder ?
    Das Neue daran ist die höhere Infektiosität
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  •   kunvivanto
    (253 Beiträge)

    01.10.2020 16:44 Uhr
    Langfristig
    tendieren Mutationen dazu, einen Erreger harmloser zu machen. Denn je weniger ein Infizierter in seinen Aktivitäten beeinträchtigt ist, desto mehr Sozialkontakte kann er haben, um den Erreger weiter zu verbreiten.
    Ziel einer Lebensform (also auch eines Virus) ist ja nicht, anderes Leben zu zerstören, sondern sich selbst zu vermehren. Schwere Krankheitsverläufe oder gar Tod des Wirtes sind aus Sicht des Erregers Betriebsunfälle.
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