Karlsruhe Corona-Lage in Karlsruhe: Städtisches Klinikum hält Impfstoff für sicher

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und konnte die Lage in der aktuell "zweiten Welle" stabilisiert werden - doch wohin geht der Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage: Neuinfektionen sinken - aber nur langsam

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe bleibt weiterhin angespannt. Waren in der vergangenen Woche noch 973 Personen der Fächerstadt mit dem Virus infiziert, sind es am Freitag, 27. November, 818. Damit ist die Anzahl der Infizierten innerhalb einer Woche um 155 Personen abgesunken. Der 7-Tage Inzidenzwert liegt in Karlsruhe immer noch bei 111,8.

C | Bild: Landratsamt Karlsruhe

"Die zweite Welle ist abgeflacht, aber noch nicht gebrochen - und das wird bis zum Frühjahr vermutlich auch so bleiben", warnt daher auch Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

Im Hinblick auf die nur langsam sinkenden Infektionszahlen sei man daher froh über die von Bund und Ländern am Mittwoch beschlossenen strengeren Corona-Regeln. So dürfen sich ab Dienstag, 1. Dezember, bis Weihnachten nur noch maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen, aktuell sind es noch zehn.

Geißler kritisiert fehlendes Böllerverbot

Dass die Maßnahmen über die Feiertage wieder gelockert werden sollen, kann Klinik-Chef Michael Geißler jedoch nur für Weihnachten nachvollziehen: "Dass an Silvester kein Böllerverbot gilt, finde ich nicht gut. Da hätte man zumindest ein Zeichen setzen können", sagt er.

Pressekonferenz im Städtischen Klinikum: Martin Bentz, Klinikdirektor der medizinischen Klinik II, Michael Geißler, Klinikleiter, Josef Hug, Geschäftsbereichsleiter Pflegedirektion und Prokurist | Bild: Verena Müller-Witt

Doch trotz der Gefahr, dass es nach den Feiertagen mit den Infektionen wieder nach oben geht, gibt sich das Klinikum optimistisch.  Der Grund: Inzwischen hätten sich intensive Kooperationen mit anderen Kliniken konstituiert, die ein einfacheres Arrangieren der Patienten ermögliche.

"Können Situation noch ganz gut stemmen"

"Trotz Stufe drei können wir die Situation ganz gut stemmen , es darf nur nicht noch schlimmer werden", sagt Geißler auf der Pressekonferenz. "Wenn wir wegen Covid-19 nochmals drei Stationen schließen müssten, dann wird es wirklich kritisch."

Michael Geißler, Leiter des Städtischen Klinikums | Bild: Thomas Riedel

Aktuell sind bereits vier allgemeine Stationen geschlossen, um Personal für die Corona-Patienten zu gewinnen. 42 Personen sind momentan wegen des Virus im Klinikum in Behandlung - davon neun auf der Intensivstation, von denen wiederum fünf künstlich beatmet werden müssen.

Das heißt: Zirka 16 Prozent der Intensivbetten des Städtischen Klinikums sind derzeit für Covid-Patienten ausgelegt. Die Behandlung von nicht-Covid-Fällen, die als "nicht dringend" eingestuft werden, müssen mit einer eingeschränkten Behandlung von rund 20 bis 30 Prozent rechnen.

Klinik schätzt Impfstoff als sicher ein

Auch im Bezug auf den neuen Impfstoff und des zukünftigen Impfkonzeptes ist das Städtische Klinikum optimistisch eingestellt, denn: Der Impfstoff wird von den Experten als sicher eingeschätzt. Der Grund: Anders als andere Impfstoffe, die zumeist aus abgeschwächten Viren bestehen, handelt es sich bei dem Covid-Impfstoff um ein Erzeugnis aus sogenannter "mRNA". 

mRNA-Impfstoffe sind ein neues Prinzip. Hier wird nicht das Antigen, sondern nur die "Bauanleitung" dafür verimpft. Das ist die Boten-RNA - englisch messenger-RNA (mRNA) - die in den Zellen des Geimpften abgelesen wird.

Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze mit einem potenziellen Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna gegen Covid-19 vor.
Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze mit einem potenziellen Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna gegen Covid-19 vor. | Bild: Hans Pennink/AP/dpa

Nach dieser "Anleitung" wird dann ein Protein des Zielerregers gebaut, das dann wiederum eine Immunreaktion bewirken soll. Laut Geißler sei diese Methode für den Körper "besonders sicher", da sie nicht in die Erbsubstanz des Geimpften eindringen kann.

Klinikum will Mitarbeiter in rund zwei Wochen impfen lassen

Ein weiterer Grund, warum das Klinikum von dem Impfstoff überzeugt ist: Seit Mai werden die akuten Nebenwirkungen potentieller Impfstoffe untersucht und dementsprechend stets weiter verbessert. "Wäre der Impfstoff jetzt nicht sicher, würde dafür keine Zulassung eingereicht werden - und die wird auch bald kommen", so Geißler im Gespräch mit ka-news.de.

Dementsprechend sollen die eigenen Mitarbeiter in zirka zwei Wochen ihre erste Impfung erhalten können. Dass die Bevölkerung ob der vergleichsweise schnellen Entwicklung des Impfstoffes dennoch Zweifel an dessen Sicherheit hegt, könne Geißler nachvollziehen.

Daher tendiere die Klinikleitung zu einer Informationskampagne - einerseits, um der Bevölkerung die Angst nehmen, andererseits, um über die Impfstrategie besser zu informieren. Wie das vonstatten gehen soll, sei aber noch nicht eindeutig geklärt. 

Weil der Grippeimpfstoff in dieser Saison knapp werden könnte, empfehlen Experten, zunächst nur Risikopatienten zu impfen.
Das Kinikum plädiert für eine "Informationskampagne", um den Bürgern die Angst vor dem Impfstoff zu nehmen | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Das einzige Manko: Es gibt noch keine Ergebnisse bezüglich langfristiger Folgen. "Wie sich der verabreichte Impfstoff in drei bis vier Jahren auswirkt, ist noch nicht klar, da der Beobachtungszeitraum noch zu kurz ist", so Geißler, aber: Das Wichtigste seien die akuten Nebenwirkungen - und die sind jetzt "ganz sicher erfasst".

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten großen Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen aufgrund privater Veranstaltungen wieder in die Höhe. Durch einen erneuten Lockdown beginnen die Neuinfektionen nun leicht zu sinken. 

Neben den Lockerungen der Corona-Verordnungen im Sommer ist der vorangegangene Anstieg inzwischen auf Privatfeiern zurückzuführen. Reiserückkehrer spielen laut Gesundheitsamt nahezu keine Rolle mehr. Corona-Infektionen im Schulbetrieb halten sich bis dato in Grenzen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage. In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : Lagebericht RKI 26. Nov
Dateigröße : 1.14 MBytes.
Datum : 26.11.2020 18:17
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