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Karlsruhe Corona-Dauerstress sorgt für Frust beim Karlsruher Klinikpersonal: Städtisches Klinikum in "schwieriger Lage"

Seit über einem Jahr beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Nach drei Corona-Wellen, die letzte im Frühjahr 2021, beginnen die Zahlen aktuell wieder nach oben zu klettern - doch wohin geht der Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage: Inzidenz im Stadtkreis steigt wieder

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass sich die Corona-Inzidenzen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe immer noch auf hohem Niveau bewegen.

Zum Vergleich: Waren am Dienstag, den 5. Oktober, noch 357 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Freitag, 22. Oktober, 585. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 121,6 und im Landkreis bei 154,6 (Stand: Donnerstag, 21. Oktober, 16 Uhr). Die 7-Tage Hospitalisierungsinzidenz liegt mit aktuell 222 belegten Intensivbetten in Baden-Württemberg bei 3,4. Damit befindet sich das Land in der Basisstufe.

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Warnstufe ab nächster Woche?

Zwar wurde schon vorab häufig  von einer vierten Welle oder einer "Welle der Ungeimpften" gesprochen - spätestens jetzt ist sie auch im Städtischen Klinikum angekommen. Grund dafür ist ein rapider Anstieg der Corona-Infektionen, was sich nicht nur in Karlsruhe, sondern landesweit niederschlägt.

Kurzum: Seit zwei Wochen werden immer mehr Covid-Betten benötigt, sodass die Kapazitäten mittlerweile in ganz Baden-Württemberg drastisch schrumpfen. So ist das Verschieben von Patienten innerhalb des Clusters kaum noch möglich, obwohl die kalte Jahreszeit noch nicht mal richtig begonnen hat. 

Links: Franz Kehl, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin
Rechts: Elvira Schneider, Pflegedirektorin
Links: Franz Kehl, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Rechts: Elvira Schneider, Pflegedirektorin | Bild: Verena Müller-Witt

"Wir haben eine angespannte Lage. Wir haben einen erheblichen Zuwachs an Covid-Patienten, die einer stationären Behandlung bedürfen. Es wird wirklich knapp mit Krankenhausbetten", erklärt der Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Franz Kehl. "Ich denke, die Warnstufe werden wir spätestens nächste Woche erreichen."

Bereitschaft des Personals sinkt

Dass es bereits jetzt so knapp mit den Betten wird, hänge jedoch auch damit zusammen, dass die Bereitschaft des Pflegepersonals immer weiter sinke. Der Grund: Die "ständige Konfrontation mit dem Tod auf den Intensivstationen" und die körperliche Erschöpfung durch die Dauerbelastung haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Pfleger sind nicht mehr bereit, auf die Covid-Station zu wechseln.

Doch wo kein Personal ist, kann auch keine Versorgung stattfinden. Infolgedessen mussten 35 Prozent der Covid-Betten inzwischen gesperrt werden. Aktuell befinden sich 13 Patienten auf der Covid-Allgemeinstation und sieben Patienten auf der Covid-Intensivstation, wovon fünf beatmet werden müssen. Auch einen Intensiv-Pädiatrie-Fall gibt es.  

Elvira Schneider, Pflegedirektorin am Städtischen Klinikum Karlsruhe | Bild: Gudrun de Maddalena

"Was am Anfang der Pandemie wirklich hochmotiviert war, ist jetzt in Müdigkeit umgeschlagen. Die Mitarbeiter hatten keine Zeit, sich zu erholen", erläutert die Pflegedirektorin Elvira Schneider. "Es ist momentan die große Kunst, eine Balance zwischen Patientenversorgung und dem, was unsere Mitarbeiter noch stemmen können, hinzubekommen. Die Lage ist schwierig."

Klinikum spricht sich gegen Aufhebung der Pandemie-Lage im November aus

In diesem Zusammenhang klingt die Aussage der Politik, die Pandemie-Lage im November aufheben zu wollen, sehr widersprüchlich. Findet zumindest Klinikdirektor Kehl, der dieses Vorhaben besonders kritisch sieht: "Es sind nicht selten 50-Jährige, die auf der Intensivstation landen und uns dann unter den Händen wegsterben. Wir müssen zum Teil Schlaganfallpatienten woanders hinbringen", so der Klinikdirektor auf der Pressekonferenz am Freitag.

Krankenschwestern und Pflegekräfte arbeiten im besonders geschützten Teil der Intensivstation des Universitätsklinikums Greifswald.
Krankenschwestern und Pflegekräfte arbeiten im besonders geschützten Teil einer Corona-Intensivstation. | Bild: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir kommen ohne Verordnungen nicht durch die Pandemie. Es muss nicht gleich ein neuer Lockdown sein, aber dass zumindest die effektiven Maßnahmen wie Abstand halten und Kontaktreduzierung beibehalten werden."

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun mehrere Hochs und Tiefs hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen im November 2020 in die Höhe, danach im März 2021 und erneut im Sommer 2021. Verantwortlich dafür ist die zurzeit vorherrschende Delta-Variante. 

Das Problem: Häufig sind Infektionsketten nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. Dies nennt das Gesundheitsamt ein "diffuses Infektionsgeschehen."

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   Suedweschter
    (481 Beiträge)

    23.10.2021 15:42 Uhr
    Es wird Zeit für die Einführung der Impfplicht
    Freiheiten hin oder her, das Gemeinwohl ist vorrangig! Es kann nicht sein, dass unser Gesundheitssystem wegen diesen Sturköpfen zusammenbricht; allerdings gehören die Gehälter im kompletten Dienstleistungbereich, nicht nur in der Gesundheitsbranche, um mindestens 30 - 35 % erhöht.
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  •   Kicherente
    (211 Beiträge)

    22.10.2021 23:35 Uhr
    Corona ist der Katalysator
    Pflege und Ärzte des Klinikums stehen unter maximalem Druck egal in welchem Bereich. Das wirtschaftliche Ergebnis hat Vorrang vor der Mitarbeiterzufriedenheit. Der Umgang mit dem Personal ist teilweise unterirdisch und der Druck wird von ganz oben nach unten weitergereicht. Das Ergebnis sind innere oder äußere Kündigung oder Krankheit. Covid19 und der Neubau und dessen Finanzierung verschärfen die Situation. Auf Dauer wird die Versorgung der Patienten leiden. Corona hat das nur verschärft.
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  •   ALFPFIN
    (7846 Beiträge)

    22.10.2021 16:42 Uhr
    Ich war im letzten Jahr
    zweimal im Klinikum. Die Operationen wurden auf den Herbst verschoben , wegen der zu hohen Belastung im Frühjahr durch Corona. In beiden Fällen war ich früh morgens in die Klinik bestellt worden, OP sollte um 8.00 Uhr durchgeführt werden, jedes Mal musste ich bis 15.00 Uhr warten, aus dem schlichten Grund, weil ärztliches Personal fehlte und bei einem Akutfall dann die "normalen" OP nicht durchgeführt werden konnten. Wie man mir sagte, konnte der 2. OP-Saal wegen Personalmangel nicht besetzt werden. An diesen Tagen waren keine Corona-Notfälle zu behandeln.
    Auch bei der Visite waren sowohl Ärzte als auch Pflegepersonal immer in Eile. Wenn dann noch Akutfälle eingeliefert wurden, entsteht natürlich durch den Personalmangel schnell eine Überlastung.
    Trotzdem waren sowohl das ärztliche Personal als auch die Pflegekräfte immer freundlich und haben sich ihre prekäre Situation nicht anmerken lassen. Dafür auch heute noch meine Hochachtung und noch einmal ein Dankeschön.
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  •   Ein_Wanderer
    (523 Beiträge)

    22.10.2021 16:17 Uhr
    Man darf aber
    nicht den Eindruck erwecken dass die derzeit wenigen Coronapatienten für die Überlastung sorgen. Vielmehr hat man das System über Jahre ausgesaugt und kaputtgespart.
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  •   Motorhead
    (937 Beiträge)

    22.10.2021 21:53 Uhr
    Ja klar
    Das ist der Grund warum auf einmal die Pflegekräfte abhauen.
    Das Kaputtsparen läuft schon länger als die Pandemie. Nur der Egoismus der Ungeimpften, die jetzt um ihr Leben ringen und dafür sorgen, dass Pflegekräfte und Ärzte wieder 80 Stunden Wochen schieben müssen, dass lässt das Personal kündigen. Die wollen nämlich auch noch ein Leben führen und nicht nur Dauerstress.
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  •   Ein_Wanderer
    (523 Beiträge)

    23.10.2021 08:51 Uhr
    Also gut,
    Sie haben natürlich wie immer recht und alle anderen reden Blödsinn. Die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern sind top, bis März 2020 waren die Mitarbeiter überglücklich. Erst jetzt wegen der paar Corona-Fälle ist alles anders.

    Steht diese Weisheit eigentlich in der Zeit oder wie kommen Sie darauf? Oder ging es einfach nur wieder mal darum, aus Prinzip zu widersprechen?
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  •   Motorhead
    (937 Beiträge)

    23.10.2021 10:42 Uhr
    Lesen
    Und verstehen. Danke.
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  •   Forever
    (97 Beiträge)

    22.10.2021 15:51 Uhr
    Die sollen
    Die sollen mal ihre Arbeit machen und nicht maulen,sonst sind sie falsch...oder geht was anderes machen
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  •   wolkenschauer
    (1480 Beiträge)

    23.10.2021 11:40 Uhr
    Menschenfreunde, Freunde der wahren Leistungsträger ...
    Zweierlei Maß bei der Korrektur ? zwinkern Ich werbe offensiv für lebensrettende Impfungen, die verhindern, dass die Intensivstationen wieder - insbesondere durch Ungeimpfte - vollaufen. Damit die Pandemie endlich mal in den Griff bekommen bzw. ein wesentlicher Beitrag gegen den momentan erhöhnten Pandemiebeitrag grösserer Teile Europas geleistet wird und das Personal nicht ständig in die völlige Überforderung getrieben wird. Ja für mich könnten Toni Crupalla und Alice Weidel hier Vorbilder sein, statt im Falle Weidels lauthals mit der Nichtimpfung zu protzen und zu zündeln und sich Crupalla einem öffentlichen Bekenntnis zu seinem Impstatus verweigert, sich im Sinne von Gesinnungsschnüffelei dazu äussert. Alles nachlesbar. Und absolut kontraproduktiv für einen höheren Prozentsatz von Impfungen und eine Entlastung der Intensivstationen. Und für mich stehen öffentl. Impfverweigerungsausrufe überwiegend für destruktive Leute, für Panik und Angstmacherei. Für Verschärfungen der Situation !
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  •   wolkenschauer
    (1480 Beiträge)

    23.10.2021 12:06 Uhr
    ...Kopfschütteln...
    Aber hey, gegen das vielfach geschundene Personal sich abfällig zu äussern, noch einen draufzugeben, ist en vogue ? Was würde wohl ein Julian Reichelt dazu sagen ? Für mich ist er glücklicherweise nicht mehr in Verantwortung. Auch ein Beitrag, die Intensivstationen zu entlasten und ernsthafte, bemühte, hilfsbereite Wissenschafter aus der Schusslinie von Bild-Champagnen zu nehmen. Freundliche IT- geprägte bessere Welt ? Ist soziale Netzwerkwelt ala Facebook besonders hilfreich für die Situation auf Intensiv ?

    Dass kann man grad als etwas älteres Semester auch mal sehr kritisch hinterfragen wollen. Warum steht Spanien jetzt deutlich besser da als Deutschl. mit seiner erheblichsten destruktiven Querdenker-Agitation, völkischer Agitation auf allen Kanälen ? Für mich ist das hier mittlerw. auch ein ziemlicher Kulturverfall, der deutl. auch im Gesundheitssystem seinen verschärften Niederschag findet. Exerzierplatzmentalität, statt massive Hilfe und Wohlwollen fürs geschundene Personal ?!
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