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Karlsruhe Bye-Bye Auto-Parkplätze? Grüne wollen mehr Abstellraum für Fahrräder in städtischen Wohngebieten

Fünf bis zehn Prozent der Pkw-Parkplätze im innerstädtischen Wohngebiet sollen zukünftig in Fahrrad-Stellplätze umgewandelt werden, zumindest wenn es nach der Gemeinderatsfraktion der Grünen geht. Auch die Karlsruher Stadtverwaltung arbeitet derzeit an Projekten, die genau dieses Thema behandeln. Andere Fraktionen gehen derweil auf die Barrikaden.

Die Fraktion der Grünen im Karlsruher Gemeinderat schlägt in einem Antrag vor, in innerstädtischen Wohngebieten fünf bis zehn Prozent der Pkw-Parkplätze bis Ende 2023 in Stellflächen für Fahrräder umzuwandeln. 

Gehwege würden durch Fahrräder zu schmal werden

In vielen Stadtgebieten seien die Bürger dazu gezwungen, ihre Fahrräder auf den Gehwegen abzustellen, weil es nicht genügend Stellplätze für Fahrräder gibt. Dies führt dazu, dass es auf den Gehwegen eng wird und die eigentlich geforderte Mindestbreite eines Gehweges von 1,60 Meter nicht mehr gegeben ist.

Dicht an dicht parkende Autos im Zentrum von Berlin.
Dicht an dicht parkende Autos im Zentrum von Berlin. | Bild: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Wenn die Fahrräder dann von den Gehwegen schwinden und ordnungsgemäß parken, sei eine “komfortable Gehwegbreite” wieder gegeben. Das sei besonders für Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder auch Kinderwägen von Vorteil. 

Laut Berechnungen der Grünen passen ungefähr acht Fahrräder auf einen Pkw-Parkplatz. “Durch die Umverteilung von Fläche”, wie es in dem Antrag heißt, könne im öffentlichen Raum ein deutlicher Schritt zur Radverkehrsförderung in den Quartieren geschaffen werden. Gleichzeitig würde das aber auch bedeuten, dass die Autos aus den Parkplätzen in der Innenstadt schwinden müssten.

Wildes Fahrradparken
Wildes Fahrradparken | Bild: Paul Needham

"Es besteht massiver Handlungsbedarf", sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen Aljoscha Löffler, während der Diskussion im Gemeinderat. Die bisherigen Bemühungen der Stadtverwaltungen habe man wahrgenommen, dennoch sei man der Überzeugung, dass ein großer Sprung gemacht werden müsse. Schließlich entspreche die Reduzierung der Kfz-Stellplätze im öffentlichen Raum auch den Zielen des Klimaschutzkonzeptes, welche unter anderem die Reduzierung des Individualverkehrs beinhalten.

"Weiterer Vorstoß den Auto-Fahrern das Leben schwer zu machen"

Viel Zustimmung erhalten die Grünen mit ihrem Antrag, aber nicht. "Wir sehen die Problematik bei Weitem nicht so hochrangig", meint Tilman Pfannkuch von der CDU. Einmal im Monat gebe es einen Antrag dieser Art seitens der Grünen-Fraktion, das sei überzogen. "Die eigentliche Zielrichtung dieses Antrages geht gegen den Autofahrer", ist sich Pfannkuch sicher. 

Tilman Pfannkuch, Fraktionsvorsitzender der CDU Karlsruhe
Tilman Pfannkuch, Fraktionsvorsitzender der CDU Karlsruhe | Bild: Roland Fränkle

Die SPD lehnt den Vorschlag der Grünen grundsätzlich nicht ab, mahnt aber zur Geduld, die Grünen nicht haben. Denn die Fraktion spekuliert auf ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg, in dem ein Zuschuss von 90 Prozent der Kosten möglich sei, falls die Maßnahmen bis Ende 2023 abgeschlossen sind. 

Auch FDP-Stadtrat Heinz Jooß ist alles andere als begeistert von dem Antrag. Dass es zu wenig Fahrrad-Abstellplätze gebe, könne er so nicht bestätigen: "Ich habe für mein Fahrrad noch nie einen Parkplatz gesucht." Wenn zusätzliche Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden, solle man auch die Fahrradfahrer zur Kasse bitten. "Die Autofahrer zahlen schließlich Steuern, die Fahrradfahrer nicht."

Zu einer Abstimmung über den Antrag kam es aber nicht. Denn die Stadt Karlsruhe arbeitet derzeit an Projekten, die genau dieses Thema betreffen. Die Grünen nahmen die Antwort der Stadt zur Kenntnis. 

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  •   andip
    (11067 Beiträge)

    10.06.2021 08:23 Uhr
    Naja
    Der Herr Jooß hat nicht ganz unrecht, Radfahrer stellen ihr Rad da ab, wo sie ihr Ziel haben und nicht da, wo ein Abstellplatz ist, das ist ja der Vorteil beim Radeln, dass man sich keinen Parkplatz suchen muss. Von daher dürften die auch nicht viel bringen.
    Oder aber dann werden die Abstellplätze auch mal gerne genutzt, um seine Fahrradleiche loszuwerden, bzw. da abgestellte Räder werden nie wieder genutzt.
    Ich kenne da einige davon und die sind nicht nur am Hauptbahnhof.
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  •   patrickkk
    (2070 Beiträge)

    10.06.2021 13:46 Uhr
    ...
    Im Prinzip gibt es auch regeln dazu wo Fahrräder abgestellt werden dürfen und wo nicht. Im Prinzip wäre das Ordnungsamt auch dafür zuständig die Einhaltung dieser Regeln zu beachten und durchzusetzten.

    Aber Prinzipien gelten hier nichts.
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  •   Chris23
    (677 Beiträge)

    10.06.2021 14:13 Uhr
    Nenn mal die Vorschriften
    Fahrräder dürfen auf dem Gehweg abgestellt werden, es gibt dem relativ schwammigen Grundsatz das sie nicht dem Verkehr behindern dürfen (der für alles mögliche gilt) aber richtig klare Regelungen gibt es aber afaik nicht. Beim Bild hier, welches mit wildes Fahrradparken untertitelt ist wird das Ordnungsamt denke ich nichts tun können.
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  •   patrickkk
    (2070 Beiträge)

    10.06.2021 21:42 Uhr
    ...
    Selbstverständlich kann die Stadt Privatgegenstände die den Gehweg versperren auf Kosten der Besitzer entfernen. Das Bild ist übrigens von der Ludwig-Wilhelm Str. Ecke Rudolf Str.

    Versuch da mal als Rettungskraft mit einer Liege und 120kg Patient durchzukommen. Oder als Rollstuhlfahrer.
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  •   Chris23
    (677 Beiträge)

    11.06.2021 11:10 Uhr
    Es bleibt aber bei der sehr schwammigen Behinderung
    + der beachtung der Verhältnissmässigkeit. Da begibst du dich in Teufels Küche, wenn du darauf basierend agierst. Damit kriegst du die schlimmsten behinderungen weg. aber nicht die alltäglichen kleinen ...

    Das Räumen für die Liege kannst du dann vermutlich erst veranlassen, sobald die Liege nicht durchkommst wobei bei nicht an gegenständen festgemachten Rädern wird es eher umgehoben - steht dann auch nicht besser behindert dem Einsatz aber nicht (wäre aber verhältnissmässig).
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  •   tom1966
    (1386 Beiträge)

    11.06.2021 07:12 Uhr
    Alles richtig!
    Das Problem ist aber doch die Rücksichtslosigkeit von einigen Verkehrsteilnehmenrn (egal ob Auto- oder Radfahrer), die ihr Fahrzeug abstellen, ohne an andere zu denken. Wie sich das durch eine Umwidmung von Autoparkplätzen zu Fahrradabstellplätzen ändern soll, ist mir ein Rätsel. Das würde das Problem doch nur verlagern und dadurch eher verschlimmern: Wenn ein Anwohner keinen Parkplatz für sein Auto mehr findet, was soll er dann machen? Z.B. zum Ausladen wird das Auto dann eben mal verbotswidrig abgestellt.

    An folgendes sollte man auch mal denken: Ein Auto, dass behindernd parkt, wird häufig abgeschleppt und der Halter bekommt die Rechnung. Einem Radfahrer passiert so etwas nicht, das Schlimmste, was ihm passieren kann, ist, dass das Rad als Schrott abgeholt wird und damit wird es auf Kosten der Stadt entsorgt. Warum also keine "Kennzeichen" für Fahrräder, dann können auch Radfahrer für Verkehrsverstöße zur Rechenschaft gezogen werden?
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  •   Chris23
    (677 Beiträge)

    11.06.2021 17:54 Uhr
    Du wirst nur abgeschleppt wenn ...
    ... du dem fahrenden Verkehr behinderst. Bei meiner Alten Wohngegend hat mal ein Van eine Woche über dem kompletten Fußweg geparkt (und nicht am ende einer Sackgasse oder so mitten auf dem Weg). Da waren 10cm platz zum Busch. Nach 4 Tagen wußte die Polizei mindestens davon, da ich es dann angezeigt hatte da ich jeden zweiten Tag auf der Straße gehen mußte. Nach Tag 7 habe ich nachgehakt und dann ist der halter aus dem urlaub wieder gekommen und hat selbst umgeparkt.

    Es haben auch oft pritschen Wagen (vermutlich über 3,5 Tonnen) dort geparkt, was besonders schön war da sie durch dem Bordstein schräg stehen, und die Pritsche dort schön auf Kopfhöhe, meiner kleinen Tochter die dort gerne mit dem Roller unterwegs warm dem Fussweg massiv verengt hatte ... Sowas intressiert nicht wirklich. Fussgängerüberweg komlett zu parken genauso (auch die sicht zur kreuzung), das hab ich mal täglich gemeldet bis die polizei gesagt hat hör auf wir machen da eh nichts.
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  •   Chris23
    (677 Beiträge)

    10.06.2021 14:22 Uhr
    Desweiteren
    ... muss das Ordnungsamt die Verhältnissmäßigkeit wahren, das heißt ohne größere Behinderung ist die Stadt verursacher der Kosten und trägt dem entstandenen Schaden.
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  •   Chris23
    (677 Beiträge)

    10.06.2021 09:53 Uhr
    Ich versuche mein Fahrrad dort abzustellen ...
    ... wo ich es gut abschließen kann. Wenn nun auf jeden 20ten Parkplatz (5%), eine Stange montiert an der Mann es vernünftig anschließen kann würde ich das nutzen.
    Man kann über die Quantität der umwidmung durchaus diskutieren, bei der oben genannten Menge findest du aber ein Parkplatz für dein Rad in der Nähe und ich gehe davon aus das die meisten es nutzen. Es gibt dann sicher wie beim Auto gerade bei Kurzzeit parkern Leute die es nicht machen, aber insgesamt wäre das schon ein Gewinn.
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  •   IchKA
    (1159 Beiträge)

    10.06.2021 08:13 Uhr
    Der grüne Aktionismus von Löffler wieder
    so alle paar Wochen zuckts. Auffallend oft vor Wahlen, Flagge zeigen, damit die renitende aufbegehrende grüne Jungwählerschaft bei der Stange bleibt. Insgesamt ziemlich wenig Output der stärksten Fraktion. Nicht mal komplette Solardächer im Stadion kriegen sie hin und beteiligen sich an der Zerstörung von gewachsenen Garten- und Grünstrukturen im Stadtgebiet. Anhänger der Grünen machen die meisten Fernreisen, haben die meisten SUV und Vandickschiffe a´la VW Busse. Es grünt schon lange nicht mehr grün.
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