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Bielefeld Baden-Württemberg bekommt Negativpreis "Big Brother Award"

Der Negativpreis "Big Brother Award" für Datenkraken und Privatsphäre-Verletzungen geht 2020 an den US-Autobauer Tesla und zwei Bundesländer. Der Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage verlieh am Freitagabend die ungeliebte Auszeichnung in der Kategorie Digitalisierung an das Land Baden-Württemberg für die Entscheidung, wesentliche Dienste der digitalen Bildungsplattform des Landes von Microsoft betreiben zu lassen. Das zuständige Ministerium weist diese Darstellung des Datenschutzvereins Digitalcourage als nicht korrekt zurück.

Der Verein wirft der zuständigen Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) vor, damit Daten und E-Mails von Lehrern und Schülern nicht nur an das US-Unternehmen zu liefern, sondern damit auch an die US-Geheimdienste. Warnungen von Datenschützern und ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) habe Eisenmann ignoriert, heißt es in der Begründung.

Die kritisierte Ministerin reagierte noch vor der Preisverleihung und wies den Vorwurf zurück. "Die Recherche für diese Preisverleihung kann nicht allzu gründlich gewesen sein", sagte Eisenmann laut Mitteilung aus ihrem Ministerium. Der baden-württembergische Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDI) sei früh in den Prozess eingebunden gewesen.

Verbraucher wollen im Internet am liebsten individuell ihre Daten verwalten und prüfen.
Verbraucher wollen im Internet am liebsten individuell ihre Daten verwalten und prüfen. | Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Mit ihm befinde man sich in konstruktiven Gesprächen, "um einen datenschutzkonformen Einsatz von Bestandteilen von Microsoft 365 für unsere neue digitale Bildungsplattform zu prüfen." Die zur Auswahl stehende Version würde dabei auf jeden Fall speziell für die Bedürfnisse der digitalen Bildungsplattform konfiguriert werden, so dass beispielsweise sichergestellt sei, dass eine Speicherung von Daten nicht außerhalb des Geltungsbereichs der DSGVO erfolge, sagt die Kultusministerin.

Dauerhafte Autokennzeichen-Speicherung und Überwachung auf vier Rädern

In der Kategorie Behörden und Verwaltung bekommt das Land Brandenburg den "Big Brother Award", weil es dauerhaft Autokennzeichen gespeichert hat. Laut Laudatio archiviere das Bundesland seit Jahren Informationen zu Fahrzeugen in über 40 Millionen Datensätzen, obwohl das Bundesverfassungsgericht klare Grenzen gezogen habe.

In der Kategorie Mobilität erhält die US-Firma Tesla den Preis für die Überwachung der Fahrzeuginsassen und der Umgebung. "Der Autohersteller Tesla findet für seine Elektroautos viel Anerkennung. Für viele Reiche und Ökos haben die Autos Kultstatus", heißt es in der Begründung. Dass es sich dabei um Überwachungsanlagen auf vier Rädern handelt, spiele offenbar keine Rolle. "Die hippen Autos aus Kalifornien haben Sensoren für praktisch alles, was mit dem, in dem und um das Auto herum passiert." Was mit den gesammelten Daten im Detail passiert, bleibe unklar.

Weitere Preise wurden in den Kategorien Arbeitswelt, Politik, Geschichtsvergessenheit vergeben.

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Kommentare (13)
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  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    20.09.2020 14:31 Uhr
    Daten sammeln
    Empfehlung der SV Sparkassen Versicherung an ihre Kunden
    Man sollte sich beim Owl CPP Sicherheitsdienstleister anmelden, der die digitalen Daten überwacht.
    Der Kunde muss nur angeben:
    Kreditkartennummern
    Bankkonten
    E-Mail-Adressen
    Telefonnummern
    Reisepassnummer
    Personalausweisnummer
    Führerscheinnummer
    Krankenversicherungsnummer
    Dieser Dienstleister überwacht schon in vielen Ländern das Darknet.
    Natürlich wird dieser Sicherheitsdienstleiter niemals gehackt.
    Kann gar nicht sein, Sparkasse weiß das.
    Gerade sind in Norwegen Patientendaten von 2,9 Millionen Menschen gehackt worden. Die Daten der Norweger wurden bisher überregional gespeichert.
    Die Sparkasse lügt sich da selbst in die Tasche, wenn sie glaubt, die Daten seinen bei OwI CPP sicher.
    Irgendwann schreibt dann die OwI den Sparkassen Kunden, tut uns leid,
    wir haben ihre Daten zwar überwacht, aber jetzt ist unsere Datenbank gehackt worden.
    Wer weiß, vielleicht steckt dann Trump dahinter. Er mag uns nicht.😊
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  •   Kojak
    (470 Beiträge)

    20.09.2020 10:23 Uhr
    Aber immer schön
    unsere persönlichen Daten sammeln bei jedem Gaststätten- oder Badbesuch... wenn das Manne Lucha für unseren "Gesundheitsschutz" tut, ist es natürlich alles super. Aber wehe, die Bösen von Microsoft, Apple oder Google bekommen irgendwelche Daten.

    Ach, wie lächerlich das Theater.
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  •   FCKSUV
    (499 Beiträge)

    20.09.2020 13:17 Uhr
    Geb ich immer falsche
    Daten an. grinsen
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  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    20.09.2020 17:12 Uhr
    Du bist
    ja ein richtiger Freiheitskämpfer!!! Toll!!!
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  •   Route66
    (2717 Beiträge)

    20.09.2020 12:05 Uhr
    Du sorgst übrigens
    indem Du hier kommentierst aktiv dafür, daß Deine Daten gesammelt werden. Also fürs sichaufregen. Dafür daß man Dich im Ernstfall informieren kann, daß Du Dich evtl. angesteckt hast (und falls Du Symptomfrei bist Deine alte Mutter oder die Nachbarin anstecken kannst) willst Du Deine Mailadresse nicht rausgeben? Du kannst Dir sogar nur für diese Anlässe eine andere Adresse zulegen. Verstehe ich nicht.
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  •   mein-senf
    (1002 Beiträge)

    20.09.2020 07:38 Uhr
    WOW KA-News
    mal was mit Tiefgang , nicht nur Pille Palle, oder KSC. Chapeau !
    Es sollten nur die 99% der Bevölkerung auch mal kapieren was mit Ihnen geschieht , in der so schönen bunten digitalen Welt , mal weg vom unsäglich dummen " ich habe ja nichts zu verbergen... "
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  •   Route66
    (2717 Beiträge)

    20.09.2020 12:09 Uhr
    Also das kann man auch ka news verstehen
    Aber es ist ja so schön 2000 Freunde in den Social Media zu haben, die Bilder vom Essen und der Kinder ins Netz zu stellen, überall vernetzt zu sein, Treuepunkte für ne Gummiquietscheente zu kassieren und auch sonst gläsern zu sein wie es besser nicht mehr geht. Und wenn davor gewarnt wird, sich selbst so öffentlich zu machen kommt ein:" Ich hab nichts zu verbergen". George Orwells 1984 ist schon sehr lange da..nur noch viel subtiler, denn der Bürger gibt freiwillig alles Preis. Ein Träumchen.
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  •   mein-senf
    (1002 Beiträge)

    20.09.2020 12:47 Uhr
    So isses
    In den 80er sind Leute in den Bau gegangen weil sie nicht persönliche Daten preisgeben wollten , und was ist heute ? Die Stasi und Gestapo wären aus dem Champagner saufen nicht heraus gekommen mit den Möglichkeiten und derlei dummem volk ....
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  •   FG1961
    (373 Beiträge)

    20.09.2020 07:31 Uhr
    Es ist seit Jahrzehnten bekannt,
    dass die Verwendung jegliche Software aus den USA (Stammsitz USA),
    grundsätzlich sämtlichen Daten an NSA, FBI und CIA weitergeben müssen.
    Dies ist per Gesetz so geregelt.

    Des weiteren hat NSA, FBI und CIA einen Generalschlüssel für alles "Verschlossene".
    Auch das steht in den amerikanischen Gesetzen.
    Und die Gesetze sind älter als die Offenbarungen von Edward Snowden.
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  •   Messer
    (369 Beiträge)

    19.09.2020 20:48 Uhr
    und wieder hat Frau Eisenmann restlos versagt
    anstatt Deutschen- und Baden-Württembergischen IT-Unternehmen mit diesem Millionenauftrag zu beauftragen, kauft sie lieber bei Datenkrake Microsoft 365 für 40 Millionen ein.
    Diese Politikerin hat überhaupt keine Ahnung von digitalen Bildungsplattformen und was sie da macht.
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