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Stuttgart/Berlin Corona Testpflicht: Pflegeheime in Baden-Württemberg kommen an ihre Grenzen

Es kommen immer mehr Anforderungen auf die Pflegeheime zu. Ziel ist, die Risikogruppe der Senioren vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Die Heime ächzen bereits unter Personalknappheit. Sie wünschen sich Hilfe.

Der Verband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) schlägt Alarm: Die seit Montag geltende Corona-Testpflicht für Besucher von Pflegeheimen bringe die Einrichtungen an die Grenze ihrer Kapazitäten, sagte Stefan Kraft, Leiter der bpa-Geschäftsstelle, in Stuttgart.

Auch die wöchentlich dreimalige - statt wie bislang zweimalige - Testung der Mitarbeiter sowie die Testung Externer wie Handwerker verschärften die Lage. "Wir können das nicht mehr stemmen", sagte Kraft der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten Corona-Test- Einrichtung gehalten.
Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten Corona-Test- Einrichtung gehalten. | Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Jegliche Hilfe von Soldaten über Mitglieder der Rettungsdienste bis hin zu Ehrenamtlichen sei dringend benötigt. Der Einsatz von Stammpersonal würde die Versorgung der alten Menschen beeinträchtigen. Nach Verbandsangaben sind bundesweit 4000 Heime im bpa organisiert, davon 340 in Baden-Württemberg.

Testung muss von Einrichtungen angeboten werden

Auch Krafts Kollege in Berlin findet es schwierig für die Verbandsmitglieder, die neuen Regeln zu realisieren. Bpa-Bundesgeschäftsführer Herbert Mauel wünscht sich mehr Spielregeln für das Umsetzen der Testpflicht für Besucher. "Wir fühlen uns ein bisschen alleine gelassen", sagte er.

In der baden-württembergischen Verordnung ist zu lesen:  "Die Einrichtungen haben den Besuchern und externen Personen die Durchführung der Testung anzubieten." Darüber hinaus müssen Besucher FFP2- oder vergleichbare Masken tragen.

Das Leben im Pflegeheim schlägt mit hohen monatlichen Kosten zu Buche.
(Symbolbild) | Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Mauel meint, um Diskussionen zu vermeiden, hätten die Corona-Verordnungen der Länder beispielhafte Szenarien für die Abnahme der Abstriche aufführen können. So hätten etwa bestimmte Testzeiten am Tag genannt werden können.

Damit würden zwar spontane Besuche eingeschränkt, aber gravierende Versorgungslücken für die Bewohner durch das Abziehen von Betreuungspersonal vermieden. Von generellen Besuchsbeschränkungen könne keine Rede sein, betonte Mauel.

Die Situation könne auch nicht durch Einstellung von Mitarbeitern für die Tests entspannt werden. Der Markt für Pflegekräfte sei leer gefegt. Mauel: "Es geht nicht um Willkür im Umgang mit Besuchern, sondern um den sinnvollen Einsatz einer knappen Ressource."

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  •   kritiker_2014
    (701 Beiträge)

    19.01.2021 19:38 Uhr
    Es ist wie so oft in der Politik
    gut gemeint und schlecht gemacht.
    Und das zieht sich seit letztem Jahr bei jeder Verordnung/Regelung wie ein schwarzer Faden durch
    die Politik.
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  •   barheine
    (488 Beiträge)

    19.01.2021 09:38 Uhr
    Es ist ein Trauerspiel. Ohne Impfstoff kommen wir doch nicht weiter. Auch die Würde des alten Menschen ist unantastbar.
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