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Karlsruhe Autonome Busse statt großem Bauprojekt: Steht die Verlängerung der Karlsruher Turmbergbahn auf der Kippe?

Neben dem Badischen Staatstheater ist sie ein weiteres Bauvorhaben, dem viele Karlsruher kritisch gegenüberstehen: Die Verlängerung der Turmbergbahn. Doch nicht nur das: Auch der Karlsruher Haushalt lässt derartigen Projekten so gut wie keinen finanziellen Spielraum. Jetzt haben die Fraktionen Karlsruher Liste (KAL)/ die Partei und Freie Wähler/ Für Karlsruhe (FW/FÜR) einen interfraktionellen Antrag gestellt, über den am Dienstag nun entschieden werden soll. Der Punkt: Autonome Busse könnten die geplante Verlängerung ersetzen und somit Geld einsparen.

Bequem von der Endhaltestelle in den Waggon und dann hoch auf den Turmberg. Das soll schon in ferner Zukunft möglich sein. Denn: Bereits Ende 2022 - sobald die Betriebserlaubnis erlischt - soll die älteste Standseilbahn Deutschlands "Fit für die Zukunft gemacht werden", was auch eine Verlängerung der Strecke beinhaltet. Das Problem: Spielraum, die Baumaßnahmen weiter nach hinten zu verschieben, um so den Haushalt zu schonen, gibt es somit nicht. 

Die Turmbergbahn soll nach ihrem Umbau in den kalten Wintermonaten täglich fahren.
Die Turmbergbahn soll nach ihrem Umbau in den kalten Wintermonaten täglich fahren. | Bild: Florian Kaute

Aus diesem Grund sehen die zwei Fraktionen autonome Busse, wie sie schon in Weiherfeld-Dammerstock zum Einsatz kommen, als eine Möglichkeit an, die teure Verlängerung zu umgehen. Diese Idee wurde bereits im Jahr 2017 in den Gemeinderat eingebracht - und abgewiesen. Der Grund: Die Marktreife der autonom fahrenden Fahrzeuge sei noch nicht erreicht. Das wollen die Fraktionen aber nun nicht mehr gelten lassen.

Keine Alternativen, kein Plan B

"Die Verlängerung ist politisch gewollt, wurde auch im Gemeinderat zugestimmt. Aber: Wir wissen nicht mal, ob sie tatsächlich kommen wird", erklärt Jürgen Wenzel auf Anfrage von ka-news.de. Er ist nicht nur Fraktionsvorsitzender von den FW/FÜR, sondern auch im Ortschaftsrat von Durlach. 

Stadtrat Jürgen Wenzel
Stadtrat Jürgen Wenzel | Bild: ps

Laut Wenzel soll so ein Projekt "durchgedrückt" werden, ohne Alternativen oder einen "Plan B" aufzuzeigen. "Gehen wir mal davon aus, das Projekt ist bis 2022 immer noch nicht fertig. Dann brauchen Sie auch wieder einen Pendelbus, der die Leute nach oben bringt", so Wenzel weiter. Kurzum: Zu "viele Fragezeichen" stünden vor allem bei der Finanzierung des Projekts noch offen. Das ganze vor einem Haushalt, der dunkelrote Zahlen schreibt.

"Auch Petitionen können ein Projekt aufhalten"

Ein weiterer Grund, der das Projekt weiter nach hinten drängen könnte, wären die Anwohner. Der Grund: Einigen Durlachern gefallen die Entwürfe nicht. Sogar eine Petition soll es inzwischen gegen das Projekt geben. So wird von den Anwohnern kritisiert, dass die historischen Waggons bei diesen Entwürfen nicht beibehalten werden und unter anderem ein wichtiger Grünstreifen wegfalle. Die Anwohner sehen darin eine Reduzierung ihrer Wohnqualität. 

Bild: ©Garaventa_Forum 4

Dessen ist sich auch Stadtrat Wenzel bewusst. "Wir wissen, auch Petitionen können ein Projekt aufhalten. Deswegen sehen wir die Gefahr, dass es hier zu Verzögerungen kommen kann." Wäre schließlich nicht das erste Mal: Die Idee der Verlängerung war schon in der Vergangenheit immer wieder geplant gewesen. Wurde aber aus finanziellen Gründen nie verwirklicht.

Doch allen Argumenten zum Trotze wird die Stadt wohl weiter an dem Bauvorhaben festhalten. Der Grund: Noch immer sei die Marktreife von autonom fahrenden Shuttlebussen nicht ausgereift genug. So heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung.

Das sagt die Stadt

"Gerade das aktuell laufende Forschungsprojekt zeigt auf, welche technischen, vor allem aber regulatorischen Hindernisse noch zu beseitigen sind um eine Zulassung, für den autonomen Betrieb ohne jegliches Personal zu erhalten." Vor diesem Hintergrund wolle die Stadt die Idee von autonom fahrenden Bussen in Zukunft auch nicht weiterverfolgen. 

Autonome Minibusse wie "Olli" könnten uns 2050 direkt vor der Haustür abholen.
Autonome Minibusse in Karlsruhe | Bild: Melanie Hofheinz

Also bereits abgewiesen, bevor es überhaupt zur Abstimmung kommt? Nicht ganz. "Wir nehmen diese Antwort jetzt auf, werden es aber vermutlich trotzdem zur Abstimmung bringen. Sollte es sich dann irgendwann herausstellen, dass es bei der Verlängerung weshalb auch immer zu Verhinderungen kommt, dann werden wir diese Karte noch mal ziehen. Der Antrag ist auf jeden Fall noch nicht vom Tisch", so Wenzel. 

Am Dienstag entscheidet der Karlsruher Gemeinderat in der Gartenhalle über den Antrag der Fraktionen. Sobald ein Ergebnis vorliegt, wird der Artikel an dieser Stelle aktualisiert. 

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Kommentare (69)
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  •   Gelegenheits-Kommentator
    (69 Beiträge)

    23.06.2021 07:18 Uhr
    Es werden sicherlich noch ein paar Jährchen vergehen,
    ehe autonom fahrende Busse alltagstauglich sind. Für wenige, ausgewählte Strecken ist es aber sicher schon früher technisch möglich und unter Sicherheitsaspekten verantwortbar, dort ein autonomes Fahrzeug einzusetzen. Die Bergbahnstraße von der Grötzinger Straße bis zur Talstation böte sich ja geradezu an. Es handelt sich um ein vielleicht 300 Meter langes Straßenstück, das - auch bei Verlängerung der Turmbergbahn - kreuzungsfrei gemacht werden muß. Natürlich müßte man dann vom autonomen Fahrzeug in die Turmbergbahn wieder umsteigen. Wäre das zumutbar? Heute und bereits seit 133 Jahren müssen alle, wenn sie mit öffentlichem Verkehrsmittel kommen, das steile Stück von der Straßenbahnendhaltestelle bis zur Talstation hochlaufen. Dies würde auf jeden Fall entfallen. Wenn dann ein zweistelliger Millionenbetrag für die Verlängerung der Standseilbahn eingespart und das autonome Fahrzeug als Modellprojekt noch finanziell gefördert wird, könnte das eine ernsthafte Alternative sein.
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  •   dipfele
    (5959 Beiträge)

    23.06.2021 21:16 Uhr
    Dakann man ja gleich....
    .... die bergbahn bis zur B3 fahren lassen. Warum zweimal unsteigen auf so kurzer Strecke?
    Nicht ganz ernst zu nehmen ist der Wenzel.. Als Ortschaftstrat in Durlach hat er immer für eine Verlängerung gestimmt, auch im Oktober 2020 mit seiner Gemeideratsfraktion "Freie WählerI FÜR Karslruhe. hat er das projekt für Gut geheissen.
    Jetzt haben Anwohner unter fadenscheinigen Gründen 5.300 Unterschriften gesammelt und jetzt betätigt er sich als Trittbrettfa0hrer. und stellt das Projekt in Abrede. Solche politiker braucht weder Stadt noch Land.
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  •   mueck
    (12327 Beiträge)

    23.06.2021 09:22 Uhr
    !
    Das zweistellig eingespart wird, wäre zu bezweifeln, da die Talstation eh neu gebaut werden muss wegen Barrierefreiheit und es nur um 200 m Gleis geht, die sind so teuer nicht.
    Zudem muss man Jahrzehnte lang erhöhte Betriebskosten für den zusätzlichen Bus gegenrechnen, für viele Jahre incl. Aufpasser im Bus.

    Im übrigen ist die Straße eine Steigungsstrecke, da wird es besonders hohe Anforderungen daran geben, dass das Teil im Zweifel auch wirklich bremst und stehen bleiben kann, statt ungebremst den Berg runter zu rollen ... Eine geeignete Strecke sehe ich deswegen gerade dort NICHT.
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  •   Gelegenheits-Kommentator
    (69 Beiträge)

    23.06.2021 08:03 Uhr
    Ergänzung:
    Die Alternative mit einem autonom fahrenden Bus könnte man im Rahmen eines Modellversuchs sagen wir mal für zwei Jahre testen. Um diese Zeit müßte natürlich die derzeit geltende Betriebserlaubnis der Turmbergbahn verlängert werden. Das setzt allerdings Voraus, daß alle beteiligten Institutionen bereit sind, miteinander und nicht gegeneinander zu agieren. Nach Beendigung des Modellversuchs wird man beurteilen können, welche Variante dauerhaft am Besten ist.
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  •   patenting13
    (13 Beiträge)

    22.06.2021 19:15 Uhr
    Autonom fahrende kleine Elektrobusse ...
    ... finde ich eine grossartige Idee. Innovativ, sauber, leise, kostengünstig - sehr passend für eine Technologie-Stadt!
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  •   dipfele
    (5959 Beiträge)

    23.06.2021 21:36 Uhr
    Dein ernst.....
    .... denn es geht ja nicht nur um 200 m bergauffahren, sondern das Vehikel muss auch wieder runterkommen. Wenn das dann auf der einen Seite hoch-und auf der anderen Seite runter fährt, hat das 400 m zurückgelegt.Fahrgäste müssen zusätzlich umsteigen. Und das Gefährt kostet auch etwas Kleingeld, das man den Gleisbaukosten gegen rechnen muss. Und wenn ein Bus mit Fahrer eingesetzt werden muss, dann kostet das lt. BNN seine 400.000,- im Jahr. In drei Jahren hätte man das Geld für das Gleis beisammen, so oder so.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (700 Beiträge)

    23.06.2021 00:24 Uhr
    Du
    meinst ein Fahrzeug das noch nicht zugelassen ist, wenn's fahren dürfte dann aber schön mit Umsteigezwang, Stehplätzen, zusätzlichen Wartezeiten, Systembruch, Pannenanfälligkeit und so...?
    Ich halte das für ein reines Ablenkungsmanöver.
    In Wirklichkeit geht es rein um die Blockadehaltung der generellen Bahnverhinderung "auf Teufel komm raus".
    Komisch dass die Bahngegner noch nicht auf Flugtaxis gekommen sind zwinkern
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  •   dipfele
    (5959 Beiträge)

    23.06.2021 22:38 Uhr
    Alternativ.....
    ..... könnte der Grünstreifen asphaltiert und eingezäunt werden und dann lässt man den autonomen Bus unabhängig vom Strassenverkehr hoch und runter fahren. Tolle Abwechslung auf 200 m.
    Dass der Wenzel sich jetzt als Trittbrettfahrer betätigt, liegt an den 5.300 Unterschriften gegen die Verlängerung. Im Ortschaftsrat Durlach und im Gemeinderat (Multifunktionär) war er immer des Lobes voll. Für das Projekt. Vielleicht kann er so von Gutgläubigen Wählerstimmen generieren ?
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  •   silberahorn
    (10989 Beiträge)

    23.06.2021 03:54 Uhr
    Geflogen
    kommen all die Vögel, die sich in den Bäumen ausruhen die dort jetzt noch sind. Man muss den Projektgegnern einfach erklären, dass die auch auf Autos kacken und schon ist wieder ein Argument für die Verlängerung der Bahn gefunden.

    Heute ist in den BNN eine schönes Bild des Grünstreifens zu sehen in Verbindung mit einem Leserbrief.
    Ich bin tatsächlich auch nicht vom Mehrwert der Verlängerung überzeugt, weil ich nicht davon ausgehe, dass die Fahrgastzahlen dann tatsächlich steigen und auch benachteiligte Personengruppen auf dem Berg zunehmen können. Es wird aber tatsächlich für einen kleinen Teil der jetzigen Fahrgäste bequemer und außerdem verdient wohl auch noch jemand am Projekt.
    Ob nun autonom fahrender Bus oder andere Lösungen, man sollte sich ratsamerweise über andere Möglichkeiten doch noch mehr Gedanken machen.
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  •   dipfele
    (5959 Beiträge)

    23.06.2021 21:26 Uhr
    Bitte nicht vergessen....
    ..... butte nicht vergessen, dass Frau Artmann durch das Vermessungsbüro "Artmann" mit etwa einem Dutzend Fahrzeugen in der oberen Bergbahnstrasse/Burgweg ein besonderes Eigeninteresse hat, ungestört autofahren zu können. Ausserdem strotzt der Leserbrief nur so von Allgemeinplätzen.
    Das Foto stellt sehr gut dar, dass die Bäume auf der 8 m breiten Trasse ausserhalb der Gleisachse stehen und daher nicht gefällt werden müssen. Das ist auch so eine Fehlbehauptung der gGgner des ÖPNV. Wenn nächstens 90 gesunde Platanen in der Kaiserstrasse abgeholzt werden, regt sich von denen kein mensch auf. Ist ja nicht vor meiner haustüre !!!!
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