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Karlsruhe Auslaufen der "epidemischen Notlage": Warum sich auch nach dem 25. November wenig an den Corona-Maßnahmen in Karlsruhe ändern wird

Seit über einem Jahr beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Nach drei Corona-Wellen, die letzte im Frühjahr 2021, beginnen die Zahlen aktuell wieder nach oben zu klettern - doch wohin geht der Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage: Inzidenz im Stadtkreis steigt weiter

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass sich die Corona-Inzidenzen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe immer noch auf hohem Niveau bewegen.

Zum Vergleich: Waren am Freitag, den 22. Oktober, 585 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Dienstag, 26. Oktober, 603. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 131,3 und im Landkreis bei 163,4 (Stand: Montag, 25. Oktober, 16 Uhr). Die 7-Tage Hospitalisierungsinzidenz liegt mit aktuell 230 belegten Intensivbetten in Baden-Württemberg bei 3,8. Damit befindet sich das Land in der Basisstufe.

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Sind ab dem 25. November die Maßnahmen passé?

Es scheint wie ein Aufeinandertreffen der Gegensätze: Auf der einen Seite die steigenden Corona-Zahlen und das Land Baden-Württemberg kurz vor der Warnstufe. Auf der anderen Seite Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der zum 25. November die epidemische Lage auslaufen lassen möchte

Aber was hätte denn das Auslaufen der "epidemischen Lage von nationaler Tragweite" in Karlsruhe zur Folge? Wird dann alles wieder so wie vor den Corona-Maßnahmen?

Übergangsregelungen sollen durch den Winter helfen

Ganz so einfach wird dies wohl doch nicht werden. Nach Berichten diverser Medien wie dem "Ärzteblatt", "Focus" und der "Tagesschau" wird es weiterhin Vorsichtsmaßnahmen geben, quasi als eine Art "Übergangsregelung".  Anders gesagt: Laut Paragraf 28a Absatz 7 des Infektionsschutzgesetzes haben die Länder auch nach dem 25. November die Möglichkeit, die Maßnahmen fortzuführen. Das bestätigt auch das Karlsruher Gesundheitsamt gegenüber ka-news.de. 

"Das Hauptziel der epidemischen Lage war die Beschleunigung, Bündelung und Vereinheitlichung von Maßnahmen auf Bundesebene. Es ist nicht davon auszugehen, das mit dem Wegfall der bundesweiten epidemischen Lage unmittelbar wesentliche Regelungen wegfallen oder aufgegeben werden. Die Länder bleiben für die Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes weiterhin zuständig und können im Hinblick auf das Infektionsgeschehen (weiterhin) allgemeine (zum Beispiel Rechtsverordnungen) und konkrete (zum Beispiel individuelle Quarantäneanordnungen) Regelungen treffen", schreibt das Gesundheitsamt in einer Mail an die Redaktion.

Der Eingang des Karlsruher Gesundheitsamtes. | Bild: Thomas Riedel

Wie diese Übergangsregelung konkret umgesetzt werden sollen, ist derweil Gesprächsthema im Bundestag. Auch Spahn setzt sich laut Medienberichten sehr für die weitere Umsetzung der Maßnahmen - wie  die AHA-Regeln oder die Maskenpflicht im ÖPNV - ein. Kritik an dem Vorhaben gibt es, weil viele einen "Flickenteppich" der Bundesländer bei der Umsetzung befürchten.  

Was sagen Gesundheitsamt und Klinikum dazu?

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen halten nicht alle dieses Vorhaben für eine gute Idee. In Karlsruhe ist das nicht anders. Allen voran: das Städtische Klinikum. Auf der Pressekonferenz am vergangenen Freitag hatte Franz Kehl, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, schon seine Bedenken dazu geäußert. 

So befürchtet Kehl, dass viele Menschen annehmen könnten, dass mit dem Auslaufen der "epidemischen Lage" auch die Situation allgemein nicht mehr von Bedeutung wäre "Es ist nicht damit zu verwechseln, dass Corona jetzt zu Ende wäre. Das ist nicht der Fall. Corona kommt jetzt nochmal und wird uns erneut herausfordern", so der Klinikdirektor. 

Professor Doktor Franz Kehl, Facharzt für Anästhesiologie und Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe
Franz Kehl, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe. | Bild: Philip Dehm Fotografie

Entspannter scheint es wiederum das Karlsruher Gesundheitsamt aufzufassen. Auf Nachfrage der Redaktion, ob mit dem Auslaufen der epidemischen Lage die Nachverfolgung außer Kontrolle geraten könnte, kann das Amt Entwarnung geben.

"Das Gesundheitsamt war bisher in der Lage alle gesetzlich vorgegebenen Ermittlungen ohne wesentlichen Verzug zu tätigen. Hierzu hatten wir uns bei Bedarf organisatorisch und personell verstärkt, um auf die Fallzahlenentwicklung zu reagieren. Dies tun wir derzeit erneut, weshalb die Infektionskontrolle aktuell gewährleistet ist."

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun mehrere Hochs und Tiefs hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen im November 2020 in die Höhe, danach im März 2021 und erneut im Sommer 2021. Verantwortlich dafür ist die zurzeit vorherrschende Delta-Variante. 

Das Problem: Häufig sind Infektionsketten nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. Dies nennt das Gesundheitsamt ein "diffuses Infektionsgeschehen."

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   fahrbahnteiler
    (435 Beiträge)

    27.10.2021 14:22 Uhr
    Noch-Kanzlerin Merkel
    droht schon indirekt wieder mit "zusätzlichen Maßnahmen"... das wäre dann wohl der nächste Lockdown. Nun hilft nur noch beten, dass die neue Regierung bald ins Amt kommt und die Kanzlerin abgelöst wird. Sonst macht sie uns womöglich noch ein besonders schönes Abschiedsgeschenk in Form neuer Ausgangssperren.
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  •   tom1966
    (1700 Beiträge)

    27.10.2021 15:06 Uhr
    Kanzlerin droht?
    In welcher Form droht sie, wenn sie feststellt, dass, abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen, eventuell schärfere Maßnahmen kommen könnten?

    Ausgangssperren oder ein erneuter Lockdown dürften eher nicht kommen, höchstens starke Einschränkungen für ungeimpfte Personen. Etwas anderes ist in Anbetracht der (noch immer zu niedrigen) Impfquote nicht vertretbar.
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  •   ALFPFIN
    (7848 Beiträge)

    27.10.2021 10:05 Uhr
    Eigentlich
    bleibt es wie es ist. Nur, dass die Regelungen zur epidemischen Notlage auf die Länder übertragen werden. Da wird dann jedes Bundesland seine eigenen Regeln schaffen, was ja auch zum Teil jetzt schon so ist.
    Das wollte man durch die bundeseinheitliche Regelung verhindern.
    Wenn die Verantwortung hierfür wieder auf die Länder verlagert wird, muss man sich bei "Grenzübertritt" wieder überlegen, je nach epidemischer Lage, was muss beachtet werden. Das Virus Covid 19 hat Gefallen an uns, der bleibt noch eine ganze Weile.
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  •   Mondgesicht
    (2752 Beiträge)

    27.10.2021 11:00 Uhr
    Es wird eine Regelung geben.
    Der Bund wird weiterhin eine gesetzliche Grundlage für Maßnahmen schaffen. Die künftige Bundesregierung plant, die "epidemische Notlage" nicht zu verlängern, sondern stattdessen eine Übergangsregelung bis März 2022 in Kraft setzen.

    Ich halte das, was die neue Regierung da plant, für eine vernünftige Lösung. Der Ausnahmezustand in seiner bisherigen Form kann und darf angesichts der Impfquoten nicht mehr ewig weiter verlängert werden. Wir müssen einen Weg aus dem ständigen Alarm-Modus heraus zurück zur Normalität finden. Zwar würde ich mir persönlich durchaus einen früheren "freedom day" wünschen, da jeder die Möglichkeit zur Impfung hatte. Aber ich weiß auch, dass das derzeit keine Mehrheit findet. Daher ist eine solche Übergangslösung akzeptabel.

    Wer sich gerne über das geltende Maß und die Pläne der neuen Regierung hinaus persönlich einschränken will, darf das natürlich tun und sich freiwillig in einen persönlichen Lockdown begeben.
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  •   Waterman
    (6774 Beiträge)

    27.10.2021 10:38 Uhr
    So ist es, leider
    Die Fans des Virus haben offensichtlich Freude daran, es am Leben zu halten, indem sie sich nicht impfen lassen, trotz der inzwischen 5 Millionen Menschen weltweit, die daran verstarben.

    Sie verneinen die Existenz von Covid-19, äußern undefinierte Ängste und Bedenken, warten auf andere Impfstoffe oder wollen einfach nicht und das, trotz der 3 Milliarden inzwischen geimpften Menschen mit keinen oder verschwindend geringen Nebenwirkungen, aber der Hauptwirkung, diesem Schicksal zu entgehen.
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  •   Kommentar
    (1137 Beiträge)

    27.10.2021 13:46 Uhr
    Es lebt
    nicht.

    Sie verneinen nicht die Existenz.

    Das Nicht-Wollen oder Zögern, mit oder ohne Bedenken, ist ihr Recht zur Zeit hier in Deutschland.

    Für gesunde, schlanke (männliche) Menschen unter 25 Jahren sind die Nebenwirkungen nicht verschwindend gering. Bei diesen Menschen geht es nicht mehr um den Selbstschutz sondern nur um den Schutz anderer (alter oder gefährdeter) Menschen.

    Und verschwinden wird das Virus in den nächsten Jahren, egal bei welcher Impfquote hier, nicht.
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  •   Waterman
    (6774 Beiträge)

    27.10.2021 14:47 Uhr
    Nennen sie diese bitte:
    "...sind die Nebenwirkungen nicht verschwindend gering."
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  •   Kommentar
    (1137 Beiträge)

    27.10.2021 15:44 Uhr
    Für welchen Impfstoff?
    Und Nebenwirkungen müssen immer relativ zum Risiko für ernsthaftere Verläufe gesehen werden, und das ist in der Gruppe nahe Null.

    Wenn wir wirklich eine Impfpflicht in Deutschland hätten, könnten wir:

    - Tatsächlich darüber Debatten führen
    - Die Gerichte Entscheidungen treffen lassen
    - Wirklich gefährdete Menschen (60+ und Vorerkrankungen) vollständig zuerst impfen; nicht Kinder und junge Erwachsene

    Stattdessen machen wir: "Gibt es doch gar nicht, müssen wir nicht drüber reden", "Alle anderen sind doof", "Ich habe Recht", "Alle müssen eine/meine Meinung haben" und "Dann zwingen wir die halt hinten rum"

    Das ist schlecht.
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  •   Waterman
    (6774 Beiträge)

    27.10.2021 16:27 Uhr
    sie hätten recht,
    ...wenn diese Gruppe mit dem von ihnen vorhergesagten milden Verlauf bei dieser Gelegenheit nicht den Virus an andere Gruppen, die andere, vielleicht schlechtere Prognosen haben, weiter gäben würden. Ist ein bisschen wie Alkohol: man kann ihn zu sich nehmenn - ist eigener Kater. Aber Auto fahren geht nicht mehr, denn da werden andere gefährdet. Zudem gibt es auch keine Garantie für den milderen Verlauf, wie auch mit Impfung.

    ...wenn es nicht genug Impfstoff gäbe. Es gibt genug, und trotzdem lassen sich nicht alle impfen. Selbst unter den Alten, Gefährdeten, Unwilligen. Erst mal andere impfen, bevor sich selbst, ist kein Argument mehr.

    Es ist wirklich schlecht, wenn keine Argumente mehr ausgetauscht werden könnten.

    Sie sagen ja selbst, es geht hier nicht nur um Selbstschutz, sondern um den Schutz Dritter. (Wie Masken tragen auch). Was ist daran schlecht?
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  •   Kommentar
    (1137 Beiträge)

    27.10.2021 17:44 Uhr
    Ja
    So differenziert war ihr erstes Posting, auf das ich geantwortet habe, aber nicht. Da ging es nur um Nebenwirkungen und das mangels dieser bitteschön zu impfen habe.

    Nur die Gefährdung Dritter war in Deutschland noch nie ausreichend für eine Impfung von Kindern- dazu noch mit nahezu ungetesteten Impfstoffen wie Moderna.

    Und warum sollen sich überhaupt "Unbeteiligte" impfen lassen, um tatsächlich Gefährdete zu schützen, die sich einfach selbst nicht impfen lassen wollen? Finde ich vollkommen abwegig. Und selbstverständlich sind die gefährdeten Ungeimpften, wenn sie sich nicht total abschotten, in geringerem aber erheblichem Umfang auch durch Geimpfte gefährdet.
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