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Stuttgart Eine-Million-Jahre-Plan: Südwesten bei Endlager-Suche dabei

Über ganz Deutschland verteilt stehen 1900 Behälter mit Atommüll. Irgendwo müssten sie langfristig gelagert werden, aber niemand will sie haben. Ein Bericht zeigt nun, welche Gegenden geologisch - ganz grundsätzlich - infrage kämen. Wirklich klar wird dadurch wenig.

Für das Prinzip der "weißen Landkarte" hatten sie alle geworben. Kein Ort durfte bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland von vornherein ausgeschlossen werden.

Nun ist der Zwischenbericht veröffentlicht. Einige Gebiete sind ausgeschieden - und dennoch scheint es auf den ersten Blick so, als seien Experten und die baden-württembergische Politik nicht wesentlich vorangekommen. Denn auch nach der ersten Auswahl kommt immer noch fast die Hälfte der Fläche Baden-Württembergs als möglicher Standort infrage.

Vier Teilgebiete in Baden-Württemberg

In ihrem Zwischenbericht nennt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) für Baden-Württemberg Regionen auf einem Gebiet von insgesamt mehr als 16 800 Quadratkilometern.

Vier sogenannte Teilgebiete hat die BGE im Südwesten ausgemacht. Dort gebe es günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Banges Warten also weiterhin in 39 Landkreisen und kreisfreien Städte, über die sich diese Gebiete erstrecken. Denn natürlich will niemand ein Endlager vor der Haustüre haben.

Teilgebiete liegen aber auch vor allem in Bayern und Niedersachsen, ebenso in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Insgesamt kommen 90 teils länderübergreifende Regionen in Deutschland infrage.

Mehr als die Hälfte der Bundesrepublik kommt in Frage

Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist damit aber noch nicht verbunden.

In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden.

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein.
Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein. | Bild: Björn Vogt/dpa

Salz, Granit und Ton seien als geologische Formationen für einen Endlagerstandort grundsätzlich geeignet. Das gebe es eben auch im Südwesten, zeigte sich Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) wenig überrascht.

Armin Gabler vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist eher erstaunt, dass auch der Nord- und der Mittelschwarzwald nach wie vor zur Wahl stehen. "Dabei gibt es am Oberrheingraben tektonisch eigentlich allerhand Bewegung", sagte er. Ausgelegt werden soll der Bau für eine Million Jahre.

Diskussion um Endlager wird Fahrt aufnehmen

Jeder zweite Quadratmeter im Land steht noch auf der Liste, es ist nichts entschieden - und dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll mit dem Zwischenbericht in Fahrt kommen.

Bild: Sebastian Kahnert/Archiv

Das betrifft vor allem die Gebiete, die nun näher unter die Lupe genommen werden sollen. «Mir ist auch klar, dass es da heute einiges an Unruhe geben wird», sagte Untersteller dem Südwestrundfunk.

Salz, Ton, Granit sind am besten geeignet

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der 1970er Jahre ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben gestartet worden.

In Deutschland wird seit 2017 offiziell ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gesucht.
In Deutschland wird seit 2017 offiziell ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gesucht. | Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/Archiv

Der BGE-Bericht listet erst einmal alle Regionen in Deutschland auf, "die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen". So schreibt es das entsprechende Gesetz vor.

Deswegen sind es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete. In den kommenden Jahren werden aus den Teilgebieten sogenannte Standortregionen ausgewählt, die übertägig genauer erkundet werden. Einige davon werden dann auch untertägig erforscht. "Gesucht wird dann das Gebiet, das am wenigsten unsicher ist", sagte BUND-Mitglied Gabler.

FDP übt Kritik am Verfahren

Die FDP kritisiert das bisherige Verfahren als intransparent. «Das ist eine Überraschungstüte», sagte der baden-württembergische Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke der Deutschen Presse-Agentur. "Durch die mangelnde Transparenz verspielt die Bundesgesellschaft für Endlagerung die Chance, dass eine solche Suche und ihr Ergebnis auch akzeptiert werden."

Ein Endlager könne aber nur durchgesetzt werden, wenn in dem Bundesland und auch in der Region, in der es gebaut werden solle, die Akzeptanz und das Vertrauen der Bevölkerung vorhanden seien.

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Kommentare (20)
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  •   tom1966
    (542 Beiträge)

    30.09.2020 15:16 Uhr
    Warum erst jetzt?
    Seit wievielen Jahren - um die 30? - geht nun schon das Theater um Gorleben? Und jetzt auf einmal soll der Salzstock dort nicht mehr sicher sein?
    Da beschleicht mich doch der leise Verdacht eines politischen Hintergrundes.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (130 Beiträge)

    30.09.2020 02:05 Uhr
    Weiss jetzt auch nicht
    wo ich das her habe. Aber geologisch stabil ist, wenn sich in hundert Jahren nur Abweichungen von einem Millimeter ergeben. Wenn ich Ingenieur waere, wuerde ich die hundert Jahre auf eine Million Jahre hochrechnen.

    Verdienen wollten alle, den Muell will keiner. Und die FDP glaubt immer noch an die Erloesung durch einen genialen Erfinder, der das alles loesen kann. (Dabei haben die grossen Erfinder unserer Tage - Musk und Bezos - eigentlich nur Ladenhueter im Angebot. Sind damit reich gewoerden - sei ihnen gegoennt) Da wuerde ich eher an den Heiland glauben.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (130 Beiträge)

    30.09.2020 01:54 Uhr
    Erstaunlich
    Wenn ich ein Kiosk aufmachen will, verlangt man ein Muellkonzept. Bei Atommeilern sucht man noch nach deren Stilllegung danach.
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  •   BMWFahrer
    (315 Beiträge)

    29.09.2020 18:33 Uhr
    Die Akzeptanz für ein Endlager
    wäre dann vorhanden, wenn von den Einlagerern eine jährliche Gebühr an die betroffene Gemeinde zu entrichten wäre. So lange, bis die Radioaktivität abgeklungen ist.

    1 Cent pro eingelagertem Becquerel und wir könnten uns vor Interessenten nicht mehr retten.
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  •   Gaensebluemchen
    (576 Beiträge)

    29.09.2020 17:33 Uhr
    Ab nach Finnland ...
    ... mit dem Dreck, die haben eine praktikable Lösung tief unten in ihrem Granit. Auch wohnt in der Ecke kaum jemand, für gute Zahlung nehmen die unser Erbe.
    Salz würde ich nach dem Debakel in Asse niemals zulassen.
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  •   andip
    (10646 Beiträge)

    30.09.2020 08:42 Uhr
    Dumm nur
    dass dieses Lager nur für deren eigenen Atommüll reicht und nicht für viel mehr.
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  •   Freigeist1
    (1488 Beiträge)

    29.09.2020 17:14 Uhr
    Bei der
    Endlagersuche werden aus Befürwortern der Atomkraft plötzlich Skeptiker. Im Moment sind das glaube ich vor allem die Rechtssitzer in den Parlamenten - was ist denn deren Vorschlag?
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  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    29.09.2020 11:44 Uhr
    Eine Million Jahre
    Nachdem man durch Funde von Homo-sapiens Knochen in Marokko festgestellt hat, dass der moderne Mensch doch schon vor 300.000 Jahren auf der Welt war und sich nicht erst 100.000 Jahre später von Ostafrika über den Kontinent verbreitet hat, würde ich sagen, es reicht jetzt langsam. Wahrscheinlich sind wir eh ein auslaufendes Modell.
    Da finde ich es doch fürsorglich, dass man stabile Endlager für Atommüll für
    1 Million Jahre errichtet, für die nächste Entwicklung von menschenartigen Lebewesen, die glauben, dass sie sich als die besseren Affen auf den Kontinenten ausbreiten dürfen. 😊
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  •   photographer
    (29 Beiträge)

    29.09.2020 09:54 Uhr
    Philippsburg
    Schaut einfach mal nach Philippsburg, da liegt das Zeug auf Jahrzehnte im sogenannten Zwischenlager. Und dann träumen alle von Tiefengeothermie im Oberrheingraben, aktuell in Graben-Neudorf, Waghäusel und Neureut.
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  •   mein-senf
    (1002 Beiträge)

    29.09.2020 07:04 Uhr
    absurdes Theater
    mehr kann man dazu nicht sagen , wenn man bedenkt dass die Menschheit nun ca. X00.000 Jahre existiert
    sich Gedanken über ein Mio Jahren zu machen , ist mehr als vermessen / absurd .

    Diese Politclowns haben ja noch nicht einmal einen Plan der länger als 4 Jahre reicht ( Ziel ist ja wieder an die Macht zu kommen ) , und da labern die über Zeiträume von 1 Mio Jahren , dazu kommt dass da auch noch parteipolitsche Belange eine Rolle spielen , liebe Politics in einer Mio Jahren ist nix mehr mit Partei !! A B S U R D E S T H E A T E R
    Fakt ist ,die Büchse der Pandora wurde geöffnet, man wusste es vorher , die Politik hat sich einen Dreck drum geschert....
    Nun sollte man Lösungen für ca. 100 Jahre finden und hoffen dass die Technologie dann soweit ist um Problem nachhaltig zu lösen, klar wieder die Lösung a la Politik , Problem vertagen......
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