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Karlsruhe Medikamente auf Knopfdruck: Karlsruher Richter verbieten "Apotheken-Automat"

Es bleibt dabei: Docmorris darf in Deutschland keine Apotheken-Automaten betreiben. Die Versandapotheke aus den Niederlanden wehrte sich bis zum Bundesgerichtshof (BGH) gegen das Verbot ihres bundesweit ersten Automaten in dem baden-württembergischen Örtchen Hüffenhardt. Die Karlsruher Richter ließen jedoch keine Revision zu und wiesen mehrere Nichtzulassungsbeschwerden von Docmorris ab. Die Beschlüsse vom 30. April wurden am Dienstag veröffentlicht.

Der Automat in der nordbadischen Gemeinde hatte im April 2017 kurzzeitig in den umgebauten Räumen einer geschlossenen Apotheke den Betrieb aufgenommen. Kunden konnten per "pharmazeutischer Videoberatung" Kontakt mit einem Apotheker in den Niederlanden aufnehmen. Das Medikament fiel dann aus einem Ausgabeschacht.  

Eine Mitarbeiterin einer Leipziger Apotheke mit einem selbst genähten Mundschutz.
Eine Mitarbeiterin einer Leipziger Apotheke . (Symbolbild) | Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Nur zwei Tage später schritt das Regierungspräsidium Karlsruhe ein. Nach Klagen mehrerer Apotheker und des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg verboten schließlich erst das Landgericht Mosbach, dann das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe den Automaten.

Lagerung der Medikament nicht sicher genug

Eine Revision ließ das OLG nicht zu. Mit den Beschwerden wollte Docmorris trotzdem eine Überprüfung durch die obersten Zivilrichter des BGH erzwingen. Für die ist der Fall aber auch so klar: Das Oberlandesgericht habe rechtsfehlerfrei festgestellt, dass das Vertriebsmodell nicht den Vorschriften genüge.

Jahrelanger Marderbefall und die Beseitigung der damit verbundenen Schäden sei keine akuter Schädlingsbefall und daher auch nicht von der Steuer absetzbar. Das entschied das Finanzgericht Hamburg.
(Symbolbild) | Bild: picture alliance / dpa

Die OLG-Richter hatten unter anderem beanstandet, dass die Medikamente in einem angeschlossenen Lager zwischengeparkt wurden. Das unterscheide den Automaten auch von einer Versandapotheke - dort komme erst die Bestellung durch den Kunden, dann werde das Medikament verschickt. Bei dem Apotheken-Automaten sei beispielsweise nicht garantiert, dass die Medikamente sicher gelagert würden.

Mit diesen Gesichtspunkten habe sich Docmorris in den Beschwerden nicht auseinandergesetzt, befanden die BGH-Richter. Eine Vorlage an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) hielten sie nicht für nötig.

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  •   tom1966
    (409 Beiträge)

    13.08.2020 14:06 Uhr
    Ist das die Zukunft?
    Hoffentlich nicht! Aber es wie überall, die Ketten überleben, die kleinen Geschäfte schließen. Oft gibt es in Dörfern keine Apotheke (man hat ja schon Glück, wenn es einen Arzt gibt). Was bleibt einem übrig, wenn man nicht so mobil ist, in der nächsten größeren Ortschaft zur Apotheke zu gehen? Man muss online bestellen. Es sei denn, die Apotheke macht "Hausbesuche"

    Ich vermute, dass die klassischen Apotheken vom Aussterben bedroht sind - leider! Das Internetgeschäft macht sich auch hier immer weiter breit. Ist ja auch für den "Apotheker" günstiger: er braucht nur ein Lager, von dem aus er ein riesiges Gebiet abdecken kann, und nicht mehrere Ladengeschäfte, die jeweils ihre eigene Bevoratung haben müssen. Dass die Beratung dabei auf der Strecke bleibt, ist der Nachteil. Wo bleibt dann "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!"?
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  •   kommentar4711
    (2660 Beiträge)

    14.08.2020 07:49 Uhr
    ANTWORT AUF "IST DAS DIE ZUKUNFT?"
    Das Problem ist eben auch, dass eine Apotheke deutlich weniger Geld abwirft, als man landläufig meint. Viele Apotheker haben mehrere Apotheken - aber nicht aus Gier sondern weil man als Inhaber mit einer Apotheke alleine je nach Lage nicht wirklich gut überleben kann. Dazu kommt aber auch, dass es, was Apotheker angeht, akuten Nachwuchsmangel gibt. Das Studium ist ziemlich heftig und der Verdienst danach nicht wirklich berauschend.
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  •   Route66
    (2632 Beiträge)

    13.08.2020 07:06 Uhr
    Ein Apotheker
    aus den Niederlanden gibt als per Monitor Auskunft. Es gibt genug ältere Menschen, die mehrere Medikamente für diverse Probleme bekommen. In der Apo vor Ort ist das hinterlegt und die Leutchen werden ordentlich beraten, wenn sie dann noch ein freiverkäufliches Medikament kaufen wollen was Gegenwirkungen in Verbundung mit ihren normalen Medikamenten zeigt. For a few dollars less die Gesundheit riskieren? Doc Morris kann das in den NL machen.
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  •   kommentar4711
    (2660 Beiträge)

    13.08.2020 08:12 Uhr
    ANTWORT AUF "EIN APOTHEKER"
    Das ist aber nur ein Teilaspekt. Im besagten Örtchen gab es ja keine Apotheke mehr, die Leute dort müssen jetzt entweder mobil sein oder online bestellen. Und in letzterem Fall ist es mit der Beratung sicher auch nicht besser.
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  •   timo
    (3175 Beiträge)

    12.08.2020 19:22 Uhr
    Die Apothekerlobby mag den
    Fortschritt kurzzeitig ausbremsen, aber langfristig sollten sich diese überzahlten Kassierer doch besser einen zukunftstauglichen Job suchen.
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  •   Beobachter
    (177 Beiträge)

    13.08.2020 11:45 Uhr
    Fortschritt?
    ich bin weder Apotheker und Toi Toi bisher auch kein nennnswerter Kunde der Selben.
    Aber "Fortschritt" der beschriebenen Art haben wir schon jetzt mehr als genug!
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  •   kommentar4711
    (2660 Beiträge)

    13.08.2020 08:15 Uhr
    ANTWORT AUF "DIE APOTHEKERLOBBY MAG DEN"
    Als reine "Kassiererin" in einer Apotheke können Sie vielleicht eine PTA bezeichnen - wobei selbst diese etwas mehr ist. Und die ist garantiert nicht überbezahlt, ganz im Gegenteil, schauen Sie sich den Tarifvertrag mal online an. Und dann gibt es eben noch den zugelassenen Apotheker mit Staatsexamen. Auch für den können Sie sich mal die Tarife anschauen, sich damit beschäftigen, was er im Studium alles machen muss, und dann entscheiden, ob das auch nur im Ansatz überbezahlt ist. Und bitte nicht vergessen, dass in einer Apotheke auch Medikamente individuell angerührt werden müssen, die Ausgabe von fertigen Arzneien ist nur ein Teil des Jobs.
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  •   timo
    (3175 Beiträge)

    14.08.2020 07:42 Uhr
    die Ausgabe von fertigen Arzneien ist nur ein Teil des Jobs
    Und was rechtfertigt den Kampf gegen Technologien? Außer Selbsterhalt finde ich da nichts.

    Für Beratung gehe ich zum Arzt. Die Apotheker sagen einem dann wie oft man die Pillen nehmen muss. Toll, das steht auf der Packung. Beratung wäre bei der fehlenden Privatsphäre ja auch nicht möglich.

    Was machen Apotheker denn, was ihre Sonderstellung gegenüber anderen Ladeninhabern - die mit Internet, Automaten, etc leben müssen - rechtfertigt?
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  •   kommentar4711
    (2660 Beiträge)

    14.08.2020 07:46 Uhr
    ANTWORT AUF "DIE AUSGABE VON FERTIGEN ARZNEIEN IST NUR EIN TEIL DES JOBS"
    Bestellen Sie ihre Medikamente doch bei Doc Morris und sind glücklich.

    Ärzte machen beispielsweise auch mal Fehler. Oder ein Patient verschweigt einem Facharzt, was er sonst noch alles an Medikamenten nimmt. Es gibt mehr als genug Fälle, in denen Apothekern Unverträglichkeiten zwischen vom Patienten eingenommenen Medikamenten aufgefallen sind.

    Und wie gesagt, Apotheker stellen auch regelmäßig selbst Arzneimittel her.
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