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Karlsruhe "Amazon-Mentalität": Karlsruher Tierorganisationen kämpfen mit Rückgabewelle von "Corona-Haustieren"

Ein Zyniker könnte fragen, ob nun der Hund oder das Smartphone der beste Freund des Menschen ist. Manchmal steht das eine jedoch stark mit dem anderen in Verbindung, denn nicht nur wurden während des Lockdowns einige Hunde per App bestellt, sie wurden - genau wie manche Smartphones - spontan zu Unterhaltungszwecken angeschafft. Dieser Umstand missfällt vor allem den Karlsruher Tierheimen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie neben den Hunden die Leidtragenden sind.

1876 entstand der Tierschutzverein Karlsruhe und Umgebung e.V. auf dem Boden der Fächerstadt. Genau 140 Jahre später, 2016, wurde der Tierschutzhof Karlsruhe ins Leben gerufen. Beide Vereine stellten sich die Aufgabe, Tieren ein neues Zuhause zu bieten. Der Tierschutzhof fokussiere sich dabei auf alte, kranke und verhaltensauffällige Hunde. Gerade dort wolle eine Adoption wohlüberlegt sein.

"Ein Tier ist kein Spielzeug"

"Während der coronabedingten Einschränkungen haben wir allerdings einige Anfragen von Leuten bekommen, die sich im Vorfeld überhaupt keine Gedanken darüber gemacht haben, was es bedeutet, einen Hund zu halten", erzählt Stephan Winterhoff, Gründungsmitglied und erster Vorstand des Tierschutzhofs. "Die Leute hatten einfach unglaubliche Langeweile." Dies sei besonders bei Kindern ein Problem gewesen.

Stephan Winterhoff, Gründer und erster Vorstand des Tierschutzhofs Karlsruhe e.V:
Stephan Winterhoff, Gründer und erster Vorstand des Tierschutzhofs Karlsruhe e.V: | Bild: Roland Ferch TSHKA

"Viele Eltern waren während des Lockdowns regelrecht verzweifelt und wollten - nun, da alle Schulen geschlossen waren - irgendwie ihre Kinder bespaßen. Also haben einige bei uns angerufen, nach dem Tenor: 'Wir hätten gerne einen Hund für unseren Sohn oder unsere Tochter zum Spielen'", so Winterhoff. "Solche Anfragen stoßen bei uns aber grundsätzlich auf Ablehnung. Ein Tier ist  kein Spielzeug."

"Ein brutales Milliardengeschäft"

Gerade weil ein Tier kein Spielzeug sei, dürfe man einen vierbeinigen Gefährten keineswegs "aus einer spontanen Kaufentscheidung heraus adoptieren, um sich die Zeit zu vertreiben", ergänzt Stephanie Keil vom Tierschutzverein Karlsruhe und Umgebung. Sowohl der Tierschutzverein, als auch der Tierschutzhof legen großen Wert darauf, dass die Tiere nur nach einer adäquaten Kennenlernphase an empathische Menschen gegeben werden.

Stephanie Keil, Mitglied des Tierschutzvereins Karlsruhe und Umgebung e.V.
Stephanie Keil, Mitglied des Tierschutzvereins Karlsruhe und Umgebung e.V. | Bild: Tierschutzverein Karlsruhe und Umgebung

Allerdings entwickele sich der Trend zu anderen Möglichkeiten der Tieradoption: "Sehr viele Haustiere wurden während der Corona-Zeit über verschiedene Internet-Plattformen erworben. Bei uns ist es nicht leicht, ein Tier zu adoptieren, aber den Welpenhändlern ist es natürlich egal, wie groß die Wohnung des Käufers ist oder ob der Hund überhaupt zum Menschen passt. Gerade bei Hunden ist der Online-Handel ein brutales Milliardengeschäft, bei dem es viel zu einfach ist, an ein Haustier zu kommen", sagt Keil.

"Eine Amazon-Mentalität"

Auch Winterhoff stimme dieser Sachlage zu: "Solche Plattformen sind Nutznießer der Krise. In vielen Ländern Europas floriert der Online-Handel mit Hunden, inklusive Produktbeschreibungen, was der Hund für ein Wesen haben soll." Natürlich könne das Wesen eines Hundes, der von einem Zwinger in eine völlig neue Umgebung gebracht wird, kaum verlässlich vorhergesagt werden.

Jungkatzen gehören zu den beliebtesten Zöglingen des Tierschutzvereins.
Auch Jungkatzen gehören zu den beliebten Zöglingen des Tierschutzvereins. | Bild: Tierschutzverein Karlsruhe und Umgebung

"Es herrscht eine regelrechte Amazon-Mentalität. Wenn die Leute sehen, dass der Hund nicht der Produktbeschreibung entspricht, geben sie ihn wieder weg." Auch andere Faktoren seien dabei zu berücksichtigen:  Als zum Ende des Lockdowns die Zeit der Menschen allgemein knapper wurde und der Alltagsstress zurückkehrte kamen viele Hunde ins Tierheim. "Zeitmangel und totale Überforderung sind der Grund, warum so viele Corona-Hunde wieder abgegeben werden", so Keil.

"Wir sind Oberkante voll"

"Früher haben auch wir viele Hunde aus dem Ausland adoptiert und sie hier bei uns im Tierschutzhof sozialisiert. Wir wollten sie in eine liebevolle Familie eingliedern. Das geht momentan nicht mehr. Die Abgabeanfragen aus der unmittelbaren Umgebung sind für uns natürlich primär. Und aufgrund ihrer schieren Anzahl sind wir Oberkante voll", sagt Winterhoff. An Neuzugänge von weiter her sei also nicht zu denken.

Gelände des Tierschutzvereins Karlsruhe und Umgebung e.V.
Gelände des Tierschutzvereins Karlsruhe und Umgebung e.V. | Bild: Tierschutzverein Karlsruhe und Umgebung

In den Räumlichkeiten des Tierschutzverbundes ginge es etwas weniger stresserfüllt zu. Die Flut an Abgabeanfragen "hält sich bei uns noch in Grenzen und wir bekommen es nicht ganz so stark zu spüren, wenn auch stark genug", wie Stephanie Keil berichtet.

Ein Mangel an Zeit und Empathie

Was dieser Welle an weggegebenen Haustieren zugrunde liegt, darüber seien sich Stephan Winterhoff und Stephanie Keil weitgehend einig. "Um bei uns einen Hund zu adoptieren muss man sich sehr viel Zeit nehmen. Man muss ihn lange vor der Adoption regelmäßig besuchen, ihn kennenlernen und vor allem Empathie und Freundschaft zu ihm aufbauen."

Stephanie Keil vertrete ganz ähnliche Ansichten: "Potenzielle Hundehalter müssen sich zuvor ganz genau bei Fachleuten informieren, wie man einen Hund aufzieht und wie man ihn richtig pflegt", wie sie ergänzt. Insbesondere dieser Mangel an Zeit und Empathie, den einige Menschen, die während der Corona-Krise ein Tier adoptierten an den Tag legten, sei der Grund, warum nun so viele Hunde zurück ins Tierheim müssten.

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  •   Rundbau-Gespenst
    (12814 Beiträge)

    10.08.2021 10:55 Uhr
    Die Hundesteuer erhöhen und eine Kleintiersteuer einführen.
    Wer keine Nutztiere hält, sondern nur ein Kuscheltier, das nicht widerspricht haben will, der soll auch dafür bezahlen.

    "Blubb!" sagte der Goldfisch noch, bevor er in den Epplesee "entlassen" wurde...
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  •   andip
    (11201 Beiträge)

    09.08.2021 13:47 Uhr
    Welcher (seriöse) Züchter
    bietet Tiere übers Internet an und nimmt die auch wieder zurück, wenn die einem nicht gefallen?
    Auch im Zoogeschäft heisst es immer, Tiere sind vom Umtausch ausgeschlossen.
    Und unseriöse Züchter, die Tiere aus dem Kofferraum verkaufen, nehmen die erst recht nicht zurück.
    Es kommt allerdings oft vor, dass so ein erworbenes Tier später im Tierheim landet.
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  •   fischkopffamilie4
    (75 Beiträge)

    09.08.2021 13:10 Uhr
    Zwei Seiten Teil 2
    Entschuldigung, erstens ist unser bub noch nie Auto gefahren, die Tierärztin ist ein paar meter die Straße runter. Also hätte ich den fast 7 jährigen ins Auto bringen müssen, im Käfig, irgendwo ein paar Stunden beschnuppern lassen müssen und wie es geheißen hat, vielleicht danach nochmal und hätte dem tier einen riesen Stress zugemutet, nur um festzustellen, dass er daheim in seinem Garten ganz anders reagiert? anderes tierheim forderte Charakterbeschreibung, wo anders bekam ich nie eine antwort usw usw. Wir haben privat ein gleich altes Kaninchen gefunden und beide haben hier das Paradies. Und jedes, jedes Kaninchen hat einen vollkommen anderen Charakter, andere Vorlieben und andere Nachteile, jedes.
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  •   fischkopffamilie4
    (75 Beiträge)

    09.08.2021 13:04 Uhr
    Zwei Seiten
    Zum einen wäre ich 100% dafür diese Haustierverkauferei grundsätzlich zu minimieren, da wir Kaninchen lieben, werden diese hier die Hauptrolle spielen. Wenn ich schon sehe, wie Kaninchen in einem Ministall im Haus untergebracht sind, könnte ich einen Wutanfall bekommen. So und zum anderen können die Tierschützer auch mal den Ball flach halten, zumindest die, die immer meinen genau zu wissen, wie jedes tier reagiert und denkt und was das Beste für jedes Tier ist, nein das ist Humbug. wir haben einen ca 80qm kleinen Garten, in dem zwei 7 Jahre alte Kaninchen, den ganzen Tag frei rennen dürfen, voll geschützt und ein 16qm großes Nachtgehege im Freien mit allem was man sich denken kann, voll geschützt. Letztes Jahr ist die Partnerin von unserem Buben im Alter von 9 Jahren verstorben. Wir suchten nochmal ein gleichaltriges, das mit den Tierheimen war ein Flop. Wir sollen unseren Buben hinbringen für ein paar Std, ob er sich mit der Partnerin versteht, ja so ein blubb,
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  •   Reger
    (681 Beiträge)

    09.08.2021 11:39 Uhr
    Amazon-Mentalität?
    Eine schlimme Entwicklung. Tiere sind keine Rückgabeartikel je nach Gemütslage des "Kunden".
    Doch die Überschrift dieses Artikels ist einseitig gegen Amazon gerichtet. Gefällt mir nicht.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12814 Beiträge)

    10.08.2021 10:57 Uhr
    die haben es sich aber auch
    "verdient"!
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  •   Motorhead
    (695 Beiträge)

    09.08.2021 07:06 Uhr
    Es muss ein Gesetz her
    Wer ein Tier möchte braucht einen Tierführerschein. Die Tiere müssen geschützt werden damit sie nicht ausgesetzt werden können ohne Konsequenzen für die Halter. Rückgabe im Tierheim: 1000 Euro.
    Anschaffung nur über legale Quellen, was direkt nachzuweisen ist beim Tierarzt.
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  •   Iglaubsnet
    (1020 Beiträge)

    09.08.2021 20:02 Uhr
    Es
    lebe die Bürokratie und der Regulierungswahn. Anwärter auf ein EU-Job?
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  •   Motorhead
    (695 Beiträge)

    09.08.2021 21:20 Uhr
    Dumme Sprüche
    HELFEN NICHT.
    GEGENVORSCHLAG UM DAS LEID DER TIERE ZU VERMEIDEN???
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  •   Genervt_KA
    (76 Beiträge)

    10.08.2021 06:53 Uhr
    Dann
    GEH DOCH ZU NETTO !

    (rumbrüllen hilft wirklich nicht)
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