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Karlsruhe Zwei Klos für 60 Mitarbeiter: "Irgendwann findet man sich mit der Situation ab"

Aufzüge streiken, Toiletten sind gesperrt und die Lüftung ist auch fehlerhaft: Im Karlsruher Landratsamt, das mitten in Karlsruhe rund 21 Stockwerke gen Himmel ragt, herrscht an vielen Stellen dringender Sanierungsbedarf. Was bedeutet das für direkt Betroffene? ka-news.de hat mit einem der Mitarbeiter über das Arbeiten im maroden Gebäude gesprochen.

"Die Sanitäranlagen sind ein Dauerbrenner", sagt ein Mitarbeiter gegenüber ka-news.de, der anonym bleiben möchte. "Längere Spaziergänge zu notwendigen Sanitäreinrichtungen sorgen unter den Kollegen eher für humorvolle Kommentare."

Die Angestellten des 15. und 16. Stockwerkes - rund 60 Personen - teilen sich zwei Toiletten. Auch die Teeküchen seien teilweise in einem weniger guten Zustand.

Mal zu warm, mal zu kalt

Ein weiteres Problem: "Die Regulation der Temperatur funktioniert oftmals nicht richtig", so der Mitarbeiter im Gespräch mit ka-news. So sei es mal zu warm, mal zu kalt in den Büros. Einfluss können die Büromitarbeiter nicht auf die Temperatur nehmen: Die Fenster des Hochhauses lassen sich nicht öffnen.

Landratsamt Karlsruhe an der Kriegsstraße.
Landratsamt Karlsruhe an der Kriegsstraße. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Im Sommer kann das richtig problematisch werden, denn hinter der  Glasfassade des Gebäudes können sich die Räume schnell aufheizen. Die Kälte- und Wärmeanlagen des Gebäudes sollen das verhindern - doch diese könnten ausfallen. Dann müsste das Gebäude evakuiert werden. 

Ausfall aller Lüftungsanlagen nicht unrealistisch

Unrealistisch ist dieser Extremfall nicht, er ist im Mai 2019 schon einmal eingetreten: Alle drei Lüftungsanlagen sind ausgefallen. Der Geschäftsbetrieb war davon nicht betroffen, der Ausfall war an einem Wochenende.

"Es ist gelungen, zumindest Teile der Anlage noch vor Dienstbeginn am Montag wieder in Betrieb zu nehmen", teilt Martin Zawichowski vom Landratsamt auf Nachfrage von ka-news.de mit. 

Sanierung der Toiletten abgebrochen - Wasserrohrbruchgefahr!

Die Verantwortlichen wissen um die Mängel: "Das Problem ist, dass es nicht möglich ist, nur einzelne Stockwerke zu erneuern", sagt Ragnar Watteroth, Finanzdezernent des Landkreises. "Wir müssten bei einer Sanierung das ganze Hochhaus bis auf das Rohbauskelett abtragen."

Zahlreiche Versuche wurden unternommen, die Situation für die Mitarbeiter zu verbessern. Immer wieder mussten Sanierungsmaßnahmen allerdings abgebrochen werden. Unter anderem die Erneuerung der Toiletten, das Risiko eines Rohrbruches war zu hoch. 

"Man findet sich mit der Situation ab"

Der Landkreis Karlsruhe würde das Gebäude am liebsten abreißen, dafür fehlt allerdings die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde. "Sollte es einen Neubau geben, würden wir mit dem Abriss warten, bis das neue Gebäude steht", teilt der Landkreis auf Nachfrage von ka-news.de mit.

Dann könnten die Mitarbeiter auf direktem Wege vom alten in das neue Landratsamt ziehen. Im Falle der Sanierung müssten die Angestellten zwischenzeitlich woanders untergebracht werden. 

Ob die eine oder andere Variante - bis dahin wird wohl noch etwas Zeit ins Land gehen. Ein Dauerzustand ist die derzeitige Situation des Landratsamtes nicht. Das sagen nicht nur die Verantwortlichen, sondern auch die Mitarbeiter: "Irgendwann findet man sich mit der Situation ab, motivierend ist das natürlich eher nicht."

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  •   patrickkk
    (1526 Beiträge)

    10.02.2020 17:36 Uhr
    Schon Lustig
    Schon lustig wie die Stadt mit ihren Gebäuden umgeht.

    Und ausgerechnet jene Stadt will jetzt per Vorkaufsrecht Häuser in Gegenden kaufen die sie selbst vernachlässigt hat.

    Ach welch selbstherrlichkeit.
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  •   Ein_Wanderer
    (411 Beiträge)

    10.02.2020 19:42 Uhr
    Das Landratsamt
    gehört aber nicht der Stadt. Sondern dem Landkreis, wie der Name schon sagt.
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  •   andi79
    (2937 Beiträge)

    10.02.2020 16:10 Uhr
    2 toiletten für 60 leute
    das erinnert mich irgendwie an KSC Sonderzüge.... ok, da sind es als auch 2 toiletten für 300 Leute grinsen
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  •   malerdoerfler
    (6056 Beiträge)

    10.02.2020 23:02 Uhr
    Und beschweren sich die KSCler?
    Es gibt doch sicherlich noch mehr Gebäude, bei denen es 2 Klos für 60 Leute gibt.
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  •   andi79
    (2937 Beiträge)

    11.02.2020 07:45 Uhr
    man hat sich
    an so Umstände gewöhnt... grinsen.
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  •   Mondgesicht
    (2334 Beiträge)

    10.02.2020 12:40 Uhr
    "Merkel steht hinter AKK"
    Deshalb ist sie jetzt auch abgestürzt...
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  •   Mondgesicht
    (2334 Beiträge)

    10.02.2020 12:41 Uhr
    Was ist denn hier passiert?
    Gehört natürlich zur anderen Diskussion...
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  •   teflon
    (2975 Beiträge)

    10.02.2020 11:59 Uhr
    Hier kommt ganz sicher das erprobte "Karlsruher
    Modell" zum Einsatz - erst wird für ein Heidengeld dieser bauliche Komapatient saniert und danach sieht man die Untauglichkeit final ein, reisst es schliesslich doch ab und baut 5-geschossig neu. Dann beschwert man sich, dass man keine Flächen mehr habe, die Räumlichkeiten zu klein sind und wirft noch mehr Geld zum Fenster raus, um dringend benötige Büroräume anzumieten oder in anderen Ämtern zu erstellen.
    Würde mich wirklich stark wundern, wenn es viel anders käme
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  •   Denkfehler
    (174 Beiträge)

    10.02.2020 11:24 Uhr
    Denkmalschutz??
    Was ist an einem hochgradig Schadstoff-belasteten Stahl- und Betontrümmer in üblichem 1960-er/1970-er-Jahre-Baustil "Denkmal-würdig"? Soll die Schadstoffbelastung für die Nachwelt erhalten werden?
    Von den alten Asbest- und Formaldehyd-Trümmern gibt es bundesweit noch tausende Restbestände.
    Und: Eine Sanierung wird das Mehrfache eines Abrisses und Neubaus kosten - und wenn man das Ding bis auf das Stahlskelett gestrippt hat, wird man feststellen, dass auch dieses komplett marode ist. Ich glaube allerdings nicht, dass dort Heerscharen von Touristen und Historiker dann staunend vor dem Gebäude stehen - höchstens, weil man da Unsummen an Steuermittel versenkt hat. Wird dann so wie bei der Elb-Philharmonie in HH oder dem WCCB Bonn -
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  •   AK1
    (5 Beiträge)

    12.02.2020 20:53 Uhr
    Denkmalschutz
    ist gut und wichtig. Das Gebäude muss erhalten werden.
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