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Karlsruhe Zu hohe Preise, wenig Fahrgäste: Matthias Lieb will, dass sich der Karlsruher Nahverkehr dem Stuttgarter Vorbild anpasst

Ab dem 9. Dezember wird Bus- und Bahnfahren in Karlsruhe erneut teurer. Das ärgert auch die Kunden des KVV: Die Fahrgastzahlen gehen eher zurück. Doch der Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland, der Regionalverband des Fahrgastverbandes Pro Bahn und auch der KVV wollen sich nun dafür einsetzen, dem unattraktiven Nahverkehr wieder neuen Aufschwung zu geben.

Verspätungen, Fahrtausfälle, Personalmangel und steigende Fahrpreise - Der Service des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) genießt in der jüngeren Vergangenheit unter den Karlsruher Bus- und Bahnfahrern nicht gerade den besten Ruf. Vor allem die erneute Erhöhung der Fahrkartenpreise um rund 2,7 Prozent, die der KVV für den 9. Dezember angekündigt hat, stieß auf vielseitige Kritik.

Warum wird Bus- und Bahnfahren immer teurer?

"Die Tarifanpassung ist notwendig, um das Defizit, das aus der Erbringung der Verkehre entsteht, zu dämpfen", erklärt Michael Krauth, Pressesprecher des KVV, die Erhöhung auf Nachfrage von ka-news. Rund 350 Millionen Euro koste der Verkehr im Verbundgebiet demnach pro Jahr. Wesentliche Punkte für die hohen Kosten seien die gestiegenen Personalgehälter, der barrierefreie Ausbau der Haltestellen sowie die Modernisierung des Fuhrparks.

Um 33 Prozent sind die Preise der Einzelfahrscheine im Gebiet des KVV in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, die Monatskarten sind sogar um 43 Prozent teurer geworden. Nur der Verkehrsverbund Rottweil kann diesen Wert mit 45 Prozent noch toppen. Das zeigen Erhebungen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

 

Doch Krauth verteidigt die Monatskarte: So habe der Verbund seinen Kunden bereits bei der Einführung "eine sehr günstige Monatskarte mit vielen attraktiven Sonderkonditionen" anbieten können. "Dieses hohe Niveau galt es in den vergangenen Jahren zu halten und zu finanzieren", rechtfertigt er die Preiserhöhung.

Die Preise steigen, die Fahrgastzahlen stagnieren

Dass die Fahrpreiserhöhungen auch an den Fahrgästen des KVV nicht spurlos vorübergehen, beweist eine Statistik des VCD: Zwischen 2007 und 2017 konnte der KVV einen Fahrgastzuwachs von nur knapp einem Prozent verzeichnen. Woran liegt das genau?

Preissteigerung ÖPNV
Während der Preis weiter steigt, kann der KVV bei den Fahrgastzahlen seit Jahren kaum Zuwachs verzeichnen. | Bild: VCD Baden-Württemberg

Laut Matthias Lieb, Landesvorsitzender des VCD, ist die große Abweichung aber nicht nur der Fahrpreisentwicklung, sondern auch dem seit Jahren vorherrschende Personalmangel sowie den daraus resultierenden Fahrplaneinschränkungen geschuldet. Hinzu kommt die Baustellensituation in Karlsruhe, die durch den Bau der Kombilösung entsteht.

Matthias Lieb
Matthias Lieb, Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). | Bild: VCD Baden-Württemberg

Daher liegt - sowohl für Matthias Lieb als auch für Michael Krauth - die Behebung des Fahrgastmangels vor allem in der Inbetriebnahme des neuen Stadtbahnnetzes. "Viele Baustellen, die derzeit an der einen oder anderen Stelle noch den Verkehrsfluss hemmen, gehören dann der Vergangenheit an", meint der Sprecher des Karlsruher Verkehrsverbunds. "Wir rechnen also mit einer weiter wachsenden Attraktivität des Nahverkehrsangebots im KVV-Gebiet."

Kombilösung, Ettlinger Tor
Bild: Paul Needham

Öffentlicher Verkehr nach Stuttgarter Vorbild

Damit dieses Ziel auch wirklich erreicht werden kann, empfiehlt der VCD, dem Beispiel der Tarifreform der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu folgen. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) führt ab April 2019 seine insgesamt 52 Tarifzonen zu fünf Ringzonen zusammen - das soll den öffentlichen Verkehr nicht nur einfacher, sondern vor allem günstiger machen. Das Land unterstützt das Vorhaben in den nächsten Jahren mit jährlich bis zu 42 Millionen Euro. 

Aber: "Im KVV-Gebiet fehlt aktuell die Unterstützung der politischen Gremien für eine Preissenkung, bei der die Stadt- und Landkreise die Kosten als Aufgabenträger übernehmen", kritisiert Matthias Lieb. Er fordert den KVV daher auf, auf benachbarte Verbünde wie Pforzheim, Freudenstadt und die Ortenau zuzugehen, um "gemeinsam einen großen, leistungsfähigen Verkehrsverbund" zu gestalten.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Auch KVV-Sprecher Michael Krauth sieht in der Stuttgarter Lösung grundsätzlich eine denkbare Option - "sofern geklärt ist, wer die entsprechenden Kosten trägt", sagt gegenüber ka-news. Neben der Unterstützung durch das Land empfiehlt der VCD-Landesvorsitzende Lieb deshalb auch Finanzierungsformen wie eine Citymaut oder eine Nahverkehrssteuer.

Kostenlose Netzkarten und mehr Fahrkomfort?

Konkrete Vorschläge zur Steigerung der Attraktivität des KVV-Verkehrs kommen auch vonseiten des  Regionalverbandes des Fahrgastverbandes Pro Bahn. So fordert er beispielsweise die Einführung einer dauerhaften Werbekampagne sowie Tarifmaßnahmen wie die Ausgabe einer kostenlosen dreitägigen Netzkarte für alle Gäste der Fächerstadt. "Auch Fahrten zu Veranstaltungen sollten grundsätzlich im Eintrittspreis enthalten sein", erklärt der Regionalverband in einer Pressemeldung.

Darüber hinaus will er Investitionen in die Netzgestaltung und -erweiterung, aber auch in den Fahrkomfort durchsetzen. Das bedeutet: Bahnen sollen nach Meinung des Pro Bahn-Verbandes freie Fahrt vor anderen Verkehrsteilnehmern erhalten und Baustellen künftig so geplant werden, dass sie so wenig Sperrungen wie möglich nach sich ziehen.

KVV kündigt große Tarifreform an

Wie wird sich der öffentliche Nahverkehr in Karlsruhe also in Zukunft gestalten? Auf Nachfrage von ka-news versichert KVV-Pressesprecher Michael Krauth, dass der Verbundtarif regelmäßig auf mögliche Änderungen hin überprüft wird. Zudem sei angedacht, in den kommenden Jahren eine große Tarifstrukturreform durchzuführen.

Fahrkartenautomat des KVV
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Aber: "In welcher Form der Tarif im Zuge dessen letztendlich einfacher oder günstiger gestaltet werden könnte, hängt vom politischen Willen der Städte und Landkreise als Gesellschafter ab", so Krauth. Ob sich Karlsruher Bus- und Bahnfahrer bald über günstigere Fahrkarten freuen können, bleibt also auch weiterhin offen.

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  •   mueck
    (10816 Beiträge)

    16.10.2018 12:45 Uhr
    Willkürlich?
    Da war nie ein Übergang vorgesehen laut Planfeststellungsunterlagen, da war nur kurzzeitig mal ein Ersatz für den Übergang weiter westlich asphaltiert, als dort während der Streckensperrung umgebaut wurde, aber der Asphalt wurde schon gleich bei Wiedereröffnung der Strecke wieder rausgerissen. Wohl wg. Sicherheit wg. der Mauer: schlechte Sicht zwischen Kindern und Bahn.

    Dass das große Argument für die bahnfreie Fuzo "Da kommt man ja gar nicht mehr über die Straße" zum einen eh immer falsch war und zum anderen das "rüberkommen" durch ein "Da kommt man ja gar nicht mehr über die Straße" im Bereich der drei Rampen getauscht wird, da haben ich und andere 2002 ausreichend oft drauf hingewiesen, hat aber niemand groß interessiert ... 2006 hätte man es in den Planfeststellungsunterlagen nachlesen können ... (Immer noch, Pläne auf der Kombiseite) Meine alte Radelstrecke von der südlichen Hildapromenade Richtung Euro ist auch schon lange zu und nun umwegbehaftet ...
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  •   357.Magnum
    (80 Beiträge)

    16.10.2018 09:54 Uhr
    Monopol-Selbstbedienungsladen
    wie in der deutschen Politk sind die Kassen leer wird die Steuerschraube weiter angezogen oder wie hier werden die jetzt schon viel zu hohen Tarife weiter erhöht.
    Beispiel Breslau, dort kostet die Straßenbahnfahrt 0,60 € über das gesamte Stadtgebiet, zwei mal so groß wie KA! Und Personen ab 70 Jahren haben freie Fahrt
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  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    16.10.2018 12:05 Uhr
    Tallin
    Beispiel Tallin, da fahren alle umsonst.
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  •   ALFPFIN
    (6760 Beiträge)

    16.10.2018 19:24 Uhr
    In Tallinn fahren alle umsonst?
    Nicht so ganz
    " Kosten: 16 Millionen Euro jährlich. Finanzierung: Steuermehreinnahmen durch neu zugezogene Bürger, freiwerdende Mittel nach abgeschlossenen Großbauprojekten und Fördergelder der EU."
    Über Steuern muss das alles dann finanziert werden, auch bei uns. Und die Steuern bezahlen wir alle. Interessant sind Fördergelder aus der EU, da bezahlen wir auch daran, für die kostenlose Fahrt in Tallinn. grinsen
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  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    17.10.2018 06:42 Uhr
    Steuerzahler
    Gut, was du da aufzählst ist alles richtig und eine Motivation für den Steuerzahler den ÖPNV zu nutzen. Damit er etwas von seinen Steuern hat.
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  •   andip
    (9759 Beiträge)

    16.10.2018 12:03 Uhr
    Und wer bezahlt den Rest?
    Auch in Breslau kann man mit den Preisen den ÖPNV nicht kostendeckend betreiben.
    Also wird dort garantiert auch der Steuerzahler zur Kasse gebeten .
    Und wenn die Kassen leer sind, wird man auch da entweder die Preise wieder erhöhen oder anderswo sparen.
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  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    16.10.2018 12:07 Uhr
    Straßen
    Man könnte sich den Ausbau der Straßen sparen.
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  •   357.Magnum
    (80 Beiträge)

    16.10.2018 10:03 Uhr
    Vorbildlich
    Freie Fahrt für Senioren - Öffentlicher Nahverkehr in Ungarn für über 65-Jährige kostenlos
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  •   kommentar4711
    (2288 Beiträge)

    16.10.2018 09:46 Uhr
    Grundverständnis
    Ich denke es wird Zeit, dass wir in Deutschland mal das Grundverständnis dafür aufbringen, dass ÖPNV den Steuerzahler Geld kosten darf. Das ein KVV Verluste machen darf und das dieses mit Steuermitteln finanziert wird. Warum? Ganz einfach, weil ÖPNV ein wichtiger Infrastruktur-Faktor ist, und zum anderen, weil damit die Umwelt geschont wird. Und mal ehrlich, auch jeder überzeugte Autofahrer sollte sich darüber freuen, wenn mit seinen Steuergeldern dafür gesorgt wird, dass er weniger im Stau steht und dass es für ihn weniger Fahrverbote gibt.

    Macht eine Einzelkarte für das Stadtgebiet für 1 Euro, die Tageskarte für 3 Euro, und die Leute fahren wieder deutlich mehr damit. Und ob das Defizit dann wirklich steigt oder eben nicht da die Einnahmen wegen der steigenden Fahrgastzahlen doch nicht einbrechen, da wäre ich mal sehr gespannt.
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  •   Beiertheimer
    (1020 Beiträge)

    16.10.2018 16:51 Uhr
    oder ganz kostenlos
    dann spart man sich u.a. Fahrscheinautomaten, Kontrollen und die ganzen handlingskosten mit dem Geld.
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