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Karlsruhe Zivilcourage in Karlsruhe: "Wir haben eine Kultur des Hinsehens!"

Weggeschaut, ignoriert, gekniffen: Mit der Informationsoffensive der Polizei "Aktion-tu-was" und dem Förderverein "Sicheres Karlsruhe", soll innerhalb der Bevölkerung das Bewusstsein für größere Hilfsbereitschaft gestärkt werden. Wie man sich couragiert verhält und wie 15 Karlsruher bereits Zivilcourage bewiesen haben, darüber wurde in einer Ehrungsveranstaltung der Aktion "Sicheres Karlsruhe sagt Danke" informiert.

Desinteresse am Schicksal des Nächsten ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Liegt es an der Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit oder vielleicht an der Unsicherheit? "Wie kann ich helfen?" oder "Sind es nicht die anderen, die dafür zuständig sind?" - diese Fragen gehen den meisten Menschen durch den Kopf, wenn sie zu einem Zeuge einer Straftat werden. Doch nicht alle Menschen denken so, sondern ergreifen in solchen Situationen die Initiative.

"Karlsruhe hat eine Kultur des Hinsehens, nicht des Wegsehens", erklärte Hildegard Gerecke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Sicheres Karlsruhe". 15 Karlsruher haben in den letzten drei Jahren, durch besonderes Engagement oder durch couragiertes Auftreten, maßgeblich zur Verhinderung einer Straftat beziehungsweise zu deren Aufklärung beigetragen oder sich sogar schützend vor die Opfer gestellt. Dafür wurde ihnen nun "Danke" gesagt.

(Sie haben Schlimmeres verhindert: 15 Karlsruher wurden für ihre Zivilcourage geehrt.

Hier wurde Schlimmeres verhindert

In zehn unterschiedlichen Fällen wurde deutlich, wie Zivilcourage direkt vor unserer Haustür aussehen kann. So beendeten die drei Jugendlichen Jakob Steininger, Jonathan Blankenship und Nat Than Duy, durch engagiertes Eingreifen, einen Raubüberfall. Melanie Harmouch beobachtete einen Überfall auf einen Supermarkt und handelte instinktiv richtig indem sie Ruhe bewahrte, die Polizei rief und dadurch eine schnelle Festnahme des Täters ermöglichte.

Lebensretter

Stephanie Hordus und Nadine Fritz hörten auf ihr Bauchgefühl und verhinderten so einen Sexualdelikt. Die Frauen fuhren in einem Auto, als sie neben der Fahrbahn, einen im Gras liegenden Mann erkannten. Sie hielten an und erkundigten sich nach dem Wohl des Mannes. Als dieser die Damen abwimmeln wollte, hörten die beiden den Hilferuf einer Frau die, kaum erkennbar, unter dem Mann lag. Stephanie Hordus und Nadine Fritz erkannten die Situation schnell und reagierten. Der Täter floh daraufhin, konnte allerdings unweit des Tatorts durch die Polizei festgenommen werden.

"Sie haben mir mein Leben gerettet", diese Worte sagte das Opfer, eine junge Frau, zu Stephanie Hordus nach der Gerichtsverhandlung. "Wenn jemand so etwas sagt, dann wird einem erst richtig bewusst, dass man richtig gehandelt hat. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich mich erinnere", erklärt Stephanie Hordus im Gespräch mit ka-news.

(Nadine Fritz und Stephanie Hordus zeigten Zivilcourage.)

Risikofaktor Zivilcourage

Engagiertes Eingreifen in eine gefährliche Situation bringt immer auch ein Risiko mit sich. Daher ist es wichtig, zwar couragiert aber in erster Linie richtig zu handeln. Sich selbst in Gefahr zu bringen ist nicht die beste Lösung. Aus diesem Grund hat die Informationsoffensive der Polizei "Aktion-tu-was" sechs Regeln aufgestellt, nach denen Zivilcourage ablaufen sollte.

1. Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.

2. Ich fordere Andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf.

3. Ich beobachte genau, präge mir Tätermerkmale ein.

4. Ich organisiere Hilfe unter Notruf 110.

5. Ich kümmere mich um Opfer.

6. Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung.

Praxis statt Theorie

In den Kursen "Helfen, aber wie?" der Karlsruher Initiative "Zivilcourage" und "Wehr DICH, aber richtig!" des Polizeipräsidiums Karlsruhe und seiner Kooperationspartner, wird Interessierten gezeigt, wie sie sich in solchen Situationen richtig verhalten können.

 

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Kommentare (9)
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  •   malerdoerfler
    (6056 Beiträge)

    16.10.2016 09:17 Uhr
    Daumen hoch!
    Vielleicht wird so ja doch einiges an krummen Dingen verhindert.
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  •   hermann07
    (49 Beiträge)

    15.10.2016 16:08 Uhr
    kürzlich wollte ich....
    ... mich als Zeuge einer Person zur Verfügung stellen, die in eine ordnungspolizeiliche Massnahme geraten war, wobei mir das Vorgehen der Behörde gegenüber der mir fremden Person arg überzogen vorkam. Mit den Worten "hier findet eine Massnahme statt" wurde ich wie weitere mögliche Zeugen zum weitergehen aufgefordert!
    Soviel zum Thema "Zivilcourage"!!!
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    15.10.2016 16:15 Uhr
    Da hast du
    ja aber auch grob was missverstanden. Es steht dir ja nicht zu auf offener Strasse in die Arbeit der Polizei einzugreifen nur weil dir etwas überzogen vorkommt.
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  •   hermann07
    (49 Beiträge)

    16.10.2016 16:23 Uhr
    also hätte ich ...
    ... nach Ihrer Definition aktiv gegen die Behörde in den Vorgang eingreifen müssen, um Zivilcourage zu beweisen?! denn mit "arg überzogen" meinte ich eine nicht zu rechtfertigende Vorgehensweise der Behörde gegen eine Einzelperson, wobei ich bewusst "Behörde" schreibe.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    16.10.2016 17:59 Uhr
    Du hast
    keinerlei Recht in eine polizeiliche Aktion einzugreifen, denn das ist dann nicht mehr zivil.
    Du hättest der betroffenen Person nach Beendigung der Aktion als Zeuge anbieten müssen. Aber so hast du doch aktiv eingegriffen und das mögen die halt gar nicht.
    Wars der KOD? Weil du nicht schreibst 'Polizei' sondern 'ordnungspolizeiliche Maßnahme'.
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  •   hermann07
    (49 Beiträge)

    17.10.2016 13:01 Uhr
    es war...
    ... die pseudopolizeitruppe des kod, richtig. und also weil die das nicht mögen, müssen wir jetzt den Begriff "Zivilcourage" zu "Behördencourage" oder "Bürgercourage" erweitern? Denn auch das würde ich als engagiertes gesellschaftliches Auftreten erachten.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    15.10.2016 15:34 Uhr
    Zivilcourage
    definiert sich für mich durch aktives Eingreifen um eine Straftat zu verhindern oder abzubrechen.

    Einen Überfall zu beobachten und die Polizei zu rufen gehört da jetzt nicht wirklich dazu.
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  •   redaktion
    (1301 Beiträge)

    15.10.2016 18:44 Uhr
    Eigene Meinung
    Hallo Originalteil,

    Zivilcourage fängt schon bei einer Zeugenaussage an.

    LG,
    ka-news
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    16.10.2016 00:33 Uhr
    Genau,
    darum schrieb ich ja auch 'für mich'. grinsen
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