55  

Karlsruhe Wohnungsnot macht wohnungslos: Immer mehr Obdachlose in Karlsruhe

Kälteschutz, Arztsprechstunde und Bratwurst mit Ketchup: Seit nunmehr zehn Jahren steht das "Dienstezentrum für wohnungslose Menschen" Karlsruher Obdachlosen mit Beratung und Tat zur Seite - das wollte am Mittwoch im Rahmen einer lockeren Grillrunde gefeiert werden. Dennoch blieb auch Zeit für ernste Themen: "In Karlsruhe gibt es derzeit mehrere hundert Menschen ohne Dach über dem Kopf - die Zahl steigt ständig", betonen die Verantwortlichen bei seichter Gitarrenmusik im Hinterhof der Kriegsstraße 88.

"Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Karlsruhe hat in den vergangenen Jahren zugenommen", sagt Uwe Enderle von der Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werks. 350 Menschen kehrten regelmäßig in ansässigen Notunterkünften ein. Zudem wisse man von 150 Obdachlosen. Die Dunkelziffer liege wesentlich höher. Auch würden die Obdachlosen tendenziell immer jünger.

Wohnungslose aus dem Landkreis strömen nach Karlsruhe

Fragt man ihn, worauf das zurückzuführen ist, verweist Enderle auf die Wohnungsnot in der Fächerstadt: "Eine prekäre Situation."  Es gebe kaum noch preiswerten Wohnraum und wenn, werde dieser den Studis oder den gastiereden Kombi-Bautrupps zugesprochen. Keine Chance für Obdachlose also, so Enderle. Ihnen bleibe das Hilfsangebot in Karlsruhe, darunter das "Dienstezentrum für wohnungslose Menschen" mit Beratung, Versorgung und Unterschlupf - eine Dauerlösung sei das jedoch nicht. "Es muss etwas getan werden", fordert Enderle. Immer häufiger kämen Menschen aus dem Umkreis, weil es dort schlicht keine Verpflegung oder Notunterkünfte gebe. Karlsruhe wirke mit dem städtischen Angebot wie ein Magnet auf Obdachlose - so wie jedes andere Ballungszentrum auch.

Die Kriegsstraße 88 - das ist Postleitzahlen-übergreifend eine Adresse für Erfrierungsschutz im Winter, eine Kleiderkammer, Essensausgabe und intensive Gespräche - und das seit nunmehr zehn Jahren. Täglich zählen die Verantwortlichen rund 155 - vor allem männliche - Besucher, die das Angebot nutzen. Im Winter sei die Zahl weitaus höher. Man will Hilfsbedürftige nicht im Regen stehen lassen - auch solche, die es zwar schon von der Straße weg geschafft haben, nun aber mit der Integration zurück in die Gesellschaft kämpfen.

"Wir brauchen sozialen Wohnraum, Ein-Euro-Jobs - und Socken"

Besonders schwer fällt das offenbar jenen, die noch nie richtig eingebürgert waren: "Aktuell schwappt eine Welle von wohnungslosen Migranten aus Osteuropa an unsere Haustür", erklärt Uwe Schlindwein von der städtischen Wohnungslosenhilfe. Oft sprechen sie kein Deutsch und seien vom Sozialleistungsbezug ausgegrenzt - da werde es schwierig, sowohl in Sachen Kommunikation als auch in Punkten ärztlicher Versorgung. Mittlerweile könne im Dienstezentrum nahezu täglich eine Arztsprechstundeangeboten werden - problematisch werde es allerdings, wenn die Patienten nicht versichert sind. Weiterführende Behandlungen bei Spezialisten würden dann zur Kraftprobe. Was sich durch jegliche Zweige in der Bevölkerung zu schlängeln scheint ist offenbar die Angst vor Zahnärzten.

Erkundet man sich nach den Zukunftswünschen der beiden Helfer, erhascht man ein verlegenes Grinsen. Nach einer kurzen Überlegung beginnt Enderle: "Sozialen Wohnraum, eine Eingliederung  - besonders von wohnungslosen Migranten - und mehr Ein-Euro-Jobs - das braucht Karlsruhe." Viele Obdachlose wollen offenbar arbeiten, schätzen ihre Chancen für den normalen Arbeitsmarkt jedoch zu gering ein. Geeignete Tätigkeiten gebe es heutzutage kaum mehr - dabei wirke laut dem Mitarbeiter des Diakonischen Werks schon allein die Beschäftigung sowie die Routine im Alltag therapeutisch. An was es noch fehle? "Socken, Jeans und Unterwäsche" - die hauseigene Kleiderkammer sei für jede Spende dankbar.

 Mehr zu Obdachloen und Wohnungsnot in Karlsruhe:

Krank und arm: Medizinische Hilfe für Obdachlose in Karlsruhe

Karlsruher Obdachloser Günter Hoppe: "Es gibt keinen Himmel"

Gegen Wohnungsnot: Über 100 neue Wohnungen in Karlsruher Oststadt

Karlsruher Studenten in Wohnungsnot: Bürger sollen freien Wohnraum vermieten

Wohnungsnot in Karlsruhe: Stadt sucht nach Lösungen

Projekttage: ESK-Schüler kochen für Obdachlose

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (55)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    08.08.2013 22:43 Uhr
    Guter Gag
    nun musste nur noch einen finden, der darüber lacht....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   juanzorro
    (889 Beiträge)

    09.08.2013 16:31 Uhr
    war kein Scherz :)
    und du hast dich grad selbst enttarnt, wie ungebildet du bist :D

    Schade, denn wer von Geschichte keine Ahnung hat, kann sich um die Zukunft keine Gedanken machen!!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (999 Beiträge)

    08.08.2013 17:58 Uhr
    es wird ordentlich zu uns hin umverteilt
    attraktiver war das Spiel bei hohen Zinsen, bei hohen Forderungen ist das ja höchst lukrativ grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    08.08.2013 16:49 Uhr
    Lies mal das hier:
    http://www.zukunftskinder.org/?p=42940#more-42940
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (1170 Beiträge)

    08.08.2013 17:22 Uhr
    Hassowa hat recht.
    Auch wenn viele das nicht wahr haben wollen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (91 Beiträge)

    08.08.2013 16:05 Uhr
    Ich beneide die beiden Herren
    Enderle und Schlindwein nicht um diese schwierige soziale Arbeit, die sie leisten! Da kann man nur den Hut ziehen!
    Hat die hauseigene Kleiderkammer in der Kriegsstraße Öffnungszeiten? Oder kann man Socken (etc.) jederzeit dort abgeben?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    08.08.2013 16:17 Uhr
    .
    klick hier
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (91 Beiträge)

    08.08.2013 16:31 Uhr
    klick hier
    Super! Vielen Dank!
    Die vielen Menschen, die diese Hilfe annehmen müssen, beneide ich natürlich auch nicht. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   barlou
    (2555 Beiträge)

    08.08.2013 15:34 Uhr
    Und...
    ...da behaupte noch jemand, die Würde des Menschen sei unantastbar.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bettiperrosmiamor
    (161 Beiträge)

    20.01.2016 09:10 Uhr
    Hauptsache
    die Würde der "Flüchtlinge" bleibt erhalten. Wohnungslose und ihre Tiere dürfen ruhig auf der Straße bleiben!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.