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Karlsruhe "Willenlos und aggressiv" - Karlsruher Fasching mit Prügelrekord

Alles andere als lustig endete eine Faschingsparty in der Durlacher Festhalle am frühen Sonntag Abend. Der Streit zwischen zwei jungen Männern endete in einer Massenschlägerei. Als die Polizei anrückte, verbündeten sich die rund 150 Schläger gegen die Einsatzkräfte. Jedes Jahr kommt es an Fasching zu unschönen Szenen. So schlimm wie in diesem Jahr war es allerdings noch nie - glaubt man den Beamten des Durlacher Polizeipostens.

Der Streit zweier Jugendlicher um eine junge Frau hatte die Auseinandersetzung ausgelöst. Die beiden stark alkoholisierten Heranwachsenden verließen die Halle, um im Hof vor dem Gebäude die Fäuste fliegen zu lassen. Dort fanden sie ein personenstarkes Publikum, das sich aus mitgebrachten Alkoholika Drinks mixten.

Nachdem einer der beiden Kontrahenten zu Boden ging, mischten sich die herumstehenden Zuschauer ein und traten auf ihn ein. Da die drei anwesenden Sicherheitskräfte den Streit nicht beenden konnten, wurde die Polizei zur Hilfe gerufen. Der alamierten Polizeistreife gelang es zunächst - unterstützt von einem Polizeihund - die Lage einigermaßen in den Griff zu bekommen. Allerdings verbündeten sich dann die ehemaligen Rivalen unter den Jugendlichen gegen die beiden Ordnungshüter.

Das sei ein Verhaltensmuster, das die Polizei in solchen Situation öfter erlebt, erläutert Karlheinz Lachstädter, Revierleiter des Reviers Durlach. "Sobald die merken, dass es gegen ein Mitglied der Gruppe geht, geht es gleich gegen die Polizei." Da spiele es auch keine Rolle, dass sie sich noch Minuten zuvor die Köpfe eingeschlagen haben.

Jugendliche flüchteten unerkannt nach der Schlägerei

13 weitere Streifenwagen kamen den Kollegen an der Festhalle zur Hilfe. Am Ende lehnten sich am Sonntagabend rund 150 Jugendliche - allesamt stark alkohlisiert - gegen die knapp 30 Polizeibeamten und einen Polizeihund auf, der einigen der jungen Schläger Bisswunden verpasste.

Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der betrunkenen jungen Leute gelang es den Polizisten - auch mit Hilfe von Schlagstöcken -, das Gemenge aufzulösen. Verletzungen trug keiner der Beamten davon. "Wenn man weiss, was einen erwartet, sind die Kollegen gerüstet und wissen, wie sie - auch zu ihrem eigenen Schutz - agieren müssen", erklärt Lachstädter.

Wie viele Angreifer sich bei der gewalttätigen Rangelei verletzten, ist unbekannt. Alle flüchteten nach der Schlägerei. "Bisher hat sich unseres Wissens nach noch keiner wegen einer Bißwunde oder einer zerrissene Hose gemeldet", sagt der Revierleiter. "Es wird sich auch keiner mehr melden. Die sitzen wahrscheinlich mit dicken Köpfen zu Hause."

Immer mehr jugendliche "Komasäufer" in Durlach

Das hohe Aggressionspotential der jugendlichen Schläger erklärt sich Lachstädter mit dem enormen Alkoholkonsum, der die "tollen Tage" bereits seit Jahren begleitet. "Die Jugendlichen sind wirklich willenlos und so aggressiv. Da setzt jeglicher Verstand aus", bedauert er

Die bisherige Faschingssaison übertrifft nach Ansicht des Durlacher Polizeichefs die vergangenen Jahre. "Die letzten Jahre war es ruhig in Durlach. Da war der Umzug immer familienfreundlich." Seit dem letzten Jahren nehme die Zahl der jugendlichen "Komasäufer" auch am Fuß des Turmbergs zur Faschingszeit deutlich zu.

"Schon während des Umzugs war es extrem", berichtet Karlheinz Lachstädter. Die 70 Beamten im Einsatz lasen immer wieder betrunkene Jugendliche auf, die teilweise nicht mehr gehen konnten. Am Abend folgte mit der Schlägerei vor der Festhalle dann der traurige Höhepunkt des Tages. "Das war das erste Mal, dass es eine solche Auseinandersetzung beim Durlacher Fasching gab", so Lachstädter.

Polizei auch in Karlsruhe verstärkt anwesend

Am heutigen Faschingsdienstag schlängelt sich der närrische Zug auch durch die Karlsruher Innenstadt. Im Umfeld sorgen 200 Beamte für Ordnung und einen reibungslosen Ablauf. Nach dem Umzug geht die Arbeit mit "Komasäufern" allerdings erst los. "Je länger der Umzug dauert, desto kritischer wird es , weil der Alkoholpegel steigt", weiß Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizei und Einsatzleiter beim Umzug aus Erfahrung.

Die Punkte, an denen sich Jugendliche mit ihrem Alkoholvorrat treffen, behalten die Beamten besonders im Auge. Außerdem werden sie in der Innenstadt bei Kneipen und Bars verstärkt präsent sein. "Nach dem Umzug haben wir immer Vorfälle im Zusammenhang mit Alkohol. Darauf sind wir vorbereitet", versichert Westermann.

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