Browserpush
40  

Karlsruhe Wilder Müll in Karlsruhe: Wenn nach dem Wochenende die Abfalleimer überquellen

Schon seit einigen Jahren hat Karlsruhe ein Müllproblem, das vor allem im Sommer gut zu sehen ist, wenn sich das Leben vermehrt im Freien abspielt. Die Schwerpunkte liegen da in der Günther-Klotz-Anlage, bei den Jägerseen in der Waldstadt und mittlerweile auch im Citypark in der Südstadt-Ost. Hier haben die Mitarbeiter des Amtes für Abfallwirtschaft (AfA) montags besonders viel zu tun.

Es ist Montagmorgen, kurz nach 6 Uhr, die beiden Mitarbeiter des AfA fahren gerade an. Der Park in der Südstadt-Ost und gerade das Areal rund um den See sind an den Wochenenden im Sommer ein beliebter Treffpunkt. Das sieht man, denn die drei Mülleimer in direkter Wasser- und Sitzbanknähe quellen über. Flaschen, Eisbecher, Kippen - die kleinen grauen Container sind randvoll. Dabei sieht es heute noch recht ansehnlich aus, meint Dieter Kloiber, Teamleiter der Straßenreinigung beim AfA. Und dabei liegt ein langes Wochenende mit sommerlichen Temperaturen hinter uns. 

Am Wochenende gibt es nur eine "Notbesetzung"

"Drei Mal in der Woche werden hier im Park die Mülleimer geleert - und zusätzlich bei Bedarf", sagt Dieter Kloiber vor Ort gegenüber ka-news. Die 35 Abfallbehälter stehen im ganzen Park verteilt, doch beides scheint nicht zu reichen. "Aber aus personellen und betrieblichen Gründen sind wir vom AfA am Wochenende nur in der Innenstadt unterwegs. Das decken dann zehn Leute ab, das würden wir nicht schaffen, auch noch hier sauber zu machen", sagt Kloiber weiter. 

Das übernehmen im Citypark teilweise genervte Anwohner. "Ich habe auch schon den vollen gegen einen leeren Mülleimer ein paar Meter weiter getauscht oder habe den Müll aufgelesen wenn etwa am Abend vorher hier viel los war", erklärt ein Anwohner, der zufällig am Montagmorgen auch im Park mit seinen beiden Hunden unterwegs ist. "Sonst würde es noch schlimmer aussehen als heute Morgen!" Deswegen haben die Nachbarn auch schon ein Schild an einem der Mülleimer angebracht. 

Die Nachbarn haben auch schon Schilder aufgehängt. | Bild: Anya Barros

Entsorgung von "wildem Müll" kostet viel Geld

Doch das scheint zumindest in der Südstadt-Ost nicht wirklich viel zu nützen. "Schon seit Jahren kann man im gesamten Stadtgebiet feststellen, dass die Verunreinigungen auf konstant hohem Niveau sind!" Meistens finden die Mitarbeiter des AfA auf ihrer Runde Flaschen aber auch Pizzakartons - "immer da, wo die Leute sitzen", sagt einer der AfA-Mitarbeiter, der für die Südstadt und den Citypark zuständig ist. 

Und das Entsorgen von "wildem Müll" kostet bares Geld. Allein bei den Mitarbeitern des Karlsruher Gartenbaumamts (GBA) sind etwa 16.400 Arbeitsstunden erfasst worden, um im vergangenen Jahr achtlos weggeworfenen Müll in der Stadt einzusammeln. "Das entspricht etwa 12 Vollzeitarbeitskräften", erklärt die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news. 

Zwei Mitarbeiter des AfA leeren drei mal in der Woche die Mülleimer. | Bild: Anya Barros

Ordnungsamt kontrolliert Parks und Grünanlagen

Doch wie könnten GBA und AfA der Lage Herr werden? Kontrollen in den öffentlichen Grünanlagen sind schon ein Schwerpunkt des den Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Karlsruhe. "2017 gab es in den Parks der Fächerstadt über 4.000 Kontrollen", so die Stadtverwaltung auf Anfrage von ka-news weiter. "Die Ordnungskräfte bringen unerlaubte Müllentsorgung auch zur Anzeige, doch gerade in den Abendstunden, wenn der KOD verstärkt kontrolliert, muss das Personal zu dringlicheren Einsätzen und Präsenzstreifen in den Grünanlagen werden zurückgestellt!"

Scherben auf der Wiese - das kann gefährlich werden. | Bild: Anya Barros

Bei der Stadt weiß man allerdings auch, dass durch die Vielzahl der Parks eine lückenlose Kontrolle nicht möglich ist. "Da muss an die gegenseitige Rücksichtnahme der Bürger appelliert werden!" Eine weitere Möglichkeit, "wilden Müll" in den Grünanlagen zu verhindern: Mehr Mülleimer aufstellen. "Mehr Müllbehälter mögen vielleicht etwas bringen, gerade wenn ich mir anschaue, dass auf der Wiese Scherben lagen", so Dieter Kloiber weiter im Gespräch mit ka-news.

Doch mehr Abfalleimer sind laut Stadtverwaltung Karlsruhe nur dann sinnvoll, wenn diese auch bestimmungsgemäß genutzt werden. Aber auch die Anwohner würden sich mehr Abfallbehälter rund um den See im Citypark wünschen. Das Engagement der Nachbarn findet Dieter Kloiber gut: "Wir würden es ja selber wegmachen, aber da fehlt sonst das Personal an anderen Stellen in der Stadt!" Und da gibt es genug zu tun, wenn sich im Sommer das Leben in der Fächerstadt oft draußen abspielt. 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (40)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   ka-lex
    (1715 Beiträge)

    05.06.2018 10:15 Uhr
    Also was jetzt?
    Wenn die Mülleimer überquellen ist das kein "wilderMüll"!
    Da ist die Stadt gefordert, ihre Kapazitäten zu erhöhen.

    12 Vollzeitstellen sind für eine Stadt mit 300.000 Einwohnern ein Witz. Und komme mir keiner mit den Kosten. Die sind im Vergleich mit anderen Ausgaben ein Klacks.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   NeoTiger
    (749 Beiträge)

    05.06.2018 10:42 Uhr
    Mit "wildem Müll" ist der Müll gemeint, der nicht in die aufgestellten Abfalleimer sondern einfach achtlos auf den Boden geworfen wurde.

    Das machen traurigerweise sehr viele Leute, selbst wenn der öffentliche Abfalleimer nur 3 Meter neben ihnen steht.

    Darauf in flagranti angesprochen kommt meistens noch die patzige Antwort: "dafür gibt's doch Straßenkehrer".
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1273 Beiträge)

    05.06.2018 11:03 Uhr
    Möchte mal wissen
    wie es bei "Denen" zu Hause aussieht (... Hempels hinter'm Sofa).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (4195 Beiträge)

    05.06.2018 10:01 Uhr
    50 Cent Pfand...
    ...auf Pizzaschachteln, Kaffeebecher u.ä. und das Problem ist gelöst. Wir leben halt im Kapitalismus und da führt der Weg zum Erfolg über den Geldbeutel. Entweder nehmen die Leute dann ihren Dreck selber mit oder es gibt genug Flaschensammler, die auch gerne Pizzaschachteln und Kaffeebecher einsammeln würden...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    05.06.2018 15:58 Uhr
    50 Cent
    ist wahrscheinlich zu wenig damit es Wirkung zeigt. Ansonsten eine gute Idee.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   magambo
    (56 Beiträge)

    06.06.2018 07:45 Uhr
    Völlig ausreichend
    50 Cent Pfand auf jede Art von Verpackung, egal ob einweg oder mehrweg, wären vermutlich mehr als ausreichend, um das Vermüllungsproblem und ein Stück weit sogar das gesamte Müllproblem inkl. Kunststoff in Gewässern drastisch zu reduzieren. Bestes Beispiel ist das Pfand für Einwegverpackungen von Getränken: Hier reichen schon 25 Cent, dass Horden von Menschen rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche freiwillig und zeitnah den Müll einsammeln, und das ganz ohne jede Androhung von Zwangsmaßnahmen. Eben Zuckerbrot statt Peitsche wie im zuvor genannten Beispiel Singapur. Damit das wirklich effizient funktioniert sollte ein solches Pfand gleich für die gesamte EU eingeführt werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (13039 Beiträge)

    05.06.2018 09:43 Uhr
    am asozialsten finde ich die Typen,
    die sich zu Hause den Mülleimer und die Müllgebühren sparen und ihre Müllbeutel an Bus- oder Strab-Haltestellen unsortiert in den Abfallbehälter oder in den "HuKo" (Hundekot)-Sammler entsorgen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Prof.Baerlapp
    (820 Beiträge)

    05.06.2018 08:33 Uhr
    Kontrollen im Park
    wären zur Nachtzeit notwendig, wenn das "Partyvolk" durch die Anlagen zieht, seinen Müll verteilt und die Leute um den Schlaf bringt, aber da schläft leider auch der KOD und einen privaten Sicherheitsdienst lehnt die Stadt wohl kategorisch ab.

    Sicherheit und Sauberkeit haben bei OB, Stadtverwaltung und Gemeinderat offensichtlich an Stellenwert verloren. Schade!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (6189 Beiträge)

    05.06.2018 10:19 Uhr
    Ich bezweifle....
    ...dass man einen privaten Sicherheitsdienst für öffentliche Aufgaben nutzen darf.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Prof.Baerlapp
    (820 Beiträge)

    05.06.2018 10:30 Uhr
    Andere Städte tun das
    Wer die regionale Presse verfolgt, konnte z.B. unlängst lesen, dass Rastatt an städtischen Brennpunkten nachts einen privaten Sicherheitsdienst einsetzt. Auch Pforzheim hat eine private "City-Streife" eingeführt. Und kleinere Gemeinden im Umland nutzen solche Unternehmen ebenfalls.

    Was Sie meinen - und was wohl auch das Argument der Stadt ist - ist, dass diese private Security keine hoheitlichen polizeilichen Befugnisse hat. Braucht sie aber auch gar nicht. Wir reden von Ruhestörung und wildem Müll, nicht von Schwerverbrechen. Es geht um Abschreckung und Prävention - und das können die sehr gut leisten. Falls jemand renitent wird, kann der Sicherheitsdienst immer noch die Polizei dazuholen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen