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Karlsruhe Wetterwarte Karlsruhe: Warum misst die Fächerstadt keine Rekordwerte mehr?

40,2 Grad Celsius - das ist die höchste je offiziell gemessene Temperatur in Karlsruhe. Dieser Wert wurde gleich zweimal im August 2003 vom Deutschen Wetter­dienst (DWD) festgestellt. Das ist allerdings schon über zehn Jahre her - warum wurden diese Temperaturen trotz andauernder Hitzewellen in der Region seither nicht übertroffen?

2003 erlebte Deutschland und damit auch die Fächerstadt die bis dato längste und heißeste Hitzewelle. Insgesamt wurden in Karlsruhe während des "Jahrhundertsommers" 53 Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad gemessen. Am 9. und 13. August verzeichnete der DWD den damaligen nationalen Hitzerekord von 40,2 Grad.

Der DWD ist als Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur allerdings nicht nur für die Messung von Temperaturen zuständig. Er besitzt bundesweit rund 2000 nebenamtliche und 181 hauptamtliche Wetterwarten, mit denen täglich unter anderem auch die Daten für den Luftdruck, die Windgeschwindigkeit, die Sonnenscheindauer oder auch die Höhe der Wolkenuntergrenze ermittelt werden.

Eine hauptamtliche Station davon: Die meteorologische Station für die Region rund um Karlsruhe. Sie liefert wie alle 180 anderen wichtige Daten für "die Erstellung von Wettervorhersagen, für Klimadaten und -statistiken," informiert der Wetterdienst auf seiner Internetseite.

Verlegung der Wetterwarte nach Rheinstetten

Bereits schon vor knapp zehn Jahren wurde die Wetterwarte des DWD für die Region aus der Karlsruher Hertzstraße in den Heckelweg nach Rheinstetten verlegt. Damit kommen die Infos für das Wetter rund um Karlsruhe also schon länger nicht direkt aus dem Stadtgebiet und eine offizielle "Wetterwarte Karlsruhe" gibt es nicht mehr. Laut DWD werden die Werte, die in Rheinstetten gemessen werden eins zu eins für die Fächerstadt übernommen.

Der Grund für den Standortwechsel: Die damaligen Rahmenbedingungen am alten Standort sind nicht mehr ausreichend gegeben gewesen, erklärt Michael Gutwein des DWD gegenüber ka-news. Der Schatten eines Nebengebäudes und der geringe Austausch von Luftmassen führten demnach zu weniger wünschenswerten Bedingungen.

"Durch die Verlegung nach Rheinstetten konnte die Qualität der Messung um einiges verbessert werden," erläutert Gutwein weiter. Der neue Standort sei demnach vor allem auch durch die wesentlich bessere Durchlüftung repräsentativ für die ganze Region.

Wetterwarte Rheinstetten
Der Architekt gestaltete die neue Wetterwarte in Rheinstetten/ Forchheim in leuchtendem Rot. | Bild: soi

Und warum konnte der Rekordwert bisher nicht an der neuen Station geknackt werden? In Rheinstetten sind aufgrund von geografischen Verhältnissen andere Bedingungen gegeben: Stadteffekte, wie Auswirkungen von Beton oder auch Asphalt, beeinflussen nicht mehr die gemessene Gradzahl. Daraus resultiert eine deutlich geringere Höchsttemperatur. "Eine Rekordsuche ist dort natürlich nicht mehr möglich," schmunzelt Gutwein im Gespräch mit ka-news. Wie der DWD allerdings weiter erklärt, sei es nicht ausgeschlossen, dass auch die Station in Rheinstetten irgendwann einmal bei den Spitzenwerten vorne mit dabei sein kann.

Karlsruher Uni misst in "alter Station" weiter

Die Station in der Hertzstraße - in welcher der offizielle Höchstwert gemessen wurde - wurde nach dem Umzug aber nicht komplett geschlossen: Das Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) führte seit 21. Januar 2009 die Messungen mit neuen Gerätschaften fort.

Seit dieser Übergabe wurde dort der Rekordwert von 40,2 Grad Celsius tatsächlich übertroffen. So wurden laut dem zuständigen Diplom-Meteorologen Bernhard Mühr vom KIT beispielsweise im August 2015 41,2 Grad Celsius festgestellt. Dieser Wert ist allerdings kein neuer offizieller Rekordwert für die Fächerstadt, erklärt Mühr.

Inoffizieller Rekord

Das liege vor allem daran, dass die Karlsruher Uni nicht offiziell im Messwert für das Wetter in Deutschland integriert ist und allein für die Forschung misst. Das Resultat: Ganz genau genommen können nur noch im Landkreis und nicht mehr im Stadtkreis Karlsruhe offizielle Rekordwerte aufgestellt werden.

Übrigens: Aktuell liegt der Rekord der höchsten Temperatur Deutschlands lediglich 0,1 Grad über dem Karlsruher Wert: 40,3 Grad Celsius wurden 2015 im bayrischen Kitzingen gemessen. Am 18. Januar 1940 wurde die tiefste je in Karlsruhe gemessene Temperatur von Minus 25,6 Grad erzielt. Die bundesweit niedrigste Temperatur liegt laut DWD bei Minus 37,8 Grad - gemessen 1929 im bayrischen Wolnzach-Hüll.

Das aktuelle Wetter für Karlsruhe und die Region von ka-news finden Sie hier.

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Kommentare (21)
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  •   elisuS
    (170 Beiträge)

    04.08.2017 18:47 Uhr
    Es geht nicht um Rekorde
    sondern um die Menschen in der Stadt.
    Die meisten Karlsruhe leben halt zwischen Beton und Asphalt und nicht auf der grünen Wiese.
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  •   myopinions
    (939 Beiträge)

    04.08.2017 17:35 Uhr
    ....................was nützt das dem
    Karlsruher Bürger, wenn Rekordwerte gemessen werden? ? ?

    N I X ! ! !
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  •   Aussie
    (545 Beiträge)

    04.08.2017 15:52 Uhr
    EINEN Messwert für eine Großstadt anzugeben
    ist ja auch nichtssagend.
    Die exakte Temperatur an einem Messpunkt ist von so vielen Faktoren abhängig, dass man selbst bei zehn Messstationen übers Stadtgebiet verteilt zehn verschiedene Werte bekäme. Diese zehn Werte lägen mehrere Grad auseinander.
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  •   Schiller
    (117 Beiträge)

    04.08.2017 15:45 Uhr
    Dafür
    haben wir häufig tropisches Feeling. Reicht das nicht?
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  •   peddersenn
    (981 Beiträge)

    04.08.2017 12:36 Uhr
    ...und jetzt?
    ....irgendwie fehlt mir jetzt der Aufhänger. Die INFO, daß seit 10 Jahren woanders gemessen ist, ist ja soweit schön und gut.
    Daß man WOANDERS aber andere Werte misst - wer hätte das jetzt gedacht?
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  •   Pilsi57
    (291 Beiträge)

    04.08.2017 12:30 Uhr
    Wie HansSchimpansi richtigerweise erwähnt hat,
    viele Wetterstationen sind eigentlich nicht mehr tauglich für eine seriöse Messung. Ob man da dem sogenannten Global Warming vorschub leisten will sein mal dahingestellt.
    Zu den Temperaturunterschieden z.B zwischen Hertzstrasse und Rheinstetten. Der beträgt an manchen Tagen 4 - 5C. Einfach mal auf die Web Seite gehen vom Institut für Meterologie und Klimaforschung. Da sind Temperaturkurven von der Hertzstrasse und Rheinstetten abrufbar. Im Diagramm vom 30.07. sieht man : Hertzstrasse 34C, Rheinstetten 29C. Ein Schelm der etwas böses dabei denkt
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  •   Elim_Garak
    (314 Beiträge)

    04.08.2017 17:44 Uhr
    Ihr seid ja nicht die ersten
    die das denken. Gab ja schon mal einen Skeptiker, der so dachte und alles nochmal nachgerechnet hat. Zusammenfassung auf deutsch findest du unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Berkeley_Earth_Surface_Temperature
    Resultat: Der Stadteffekt ist in den gängigen Temperaturreihen gut berücksichtigt, sogar ganz leicht (nicht signifikant) überschätzt, sprich der positive Temperaturtrend ist (bzw. war) zu klein.
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  •   Rieberger
    (66 Beiträge)

    04.08.2017 11:35 Uhr
    So ein Mist auch!
    Karlsruhe schmiert ab im Bundesvergleich. Jetzt ist auch noch die Maximaltemperaturen drittklassig.
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  •   Aussie
    (545 Beiträge)

    04.08.2017 11:33 Uhr
    45 Grad C braucht man schon ab und zu!
    Zum Beispiel zum Spiegeleier braten grinsen
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  • unbekannt
    (67 Beiträge)

    04.08.2017 11:07 Uhr
    Das Wetter macht was es will...
    ...und das Klima auch und das ist auch gut so. Hitzerekorde braucht wirklich kein Mensch und wir hier in Karlsruhe schon gar nicht... Hatten wir schon genug... Das sage ich, der Wärme sehr mag... Lieber mal wieder schneereiche Winter...
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