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Karlsruhe Wenn's wieder länger dauert: Matthias Zimmermann kennt Lösungen für das Stau-Problem - auch wenn Baustellen teurer werden und Tempo 80 gilt

Für eine Strecke, für die man sonst nur wenige Minuten braucht, benötigt man vielleicht mal eine Stunde. Oft reicht eine kleine Störung aus und der Verkehr bricht zusammen. Im vergangenen Jahr war das wieder häufiger der Fall als im Vorjahr.

207.118 Kilometer. So lange war der Stau auf den baden-württembergischen Fernstraßen laut ADAC im vergangenen Jahr insgesamt. Damit war die Schlange so lang, dass sie fünf Mal um die Erde reichen würde.  Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Verkehr über 10.000 Kilometer länger gestaut. In Summe standen die Fahrer 60.114 Stunden in baden-württembergischen Staus. Als Stau zählt in der Auswertung, wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit unter 20 km/h fällt.

Die Ursachen für Staus hat unter anderem die Uni Kassel untersucht. Sie fand heraus, dass die meisten Staus, immerhin 40 Prozent, auf ein hohes Verkehrsaufkommen auf den Straßen zurückzuführen sind - also schlicht zu viele Autos auf den Spuren. Ein Anteil von 30 Prozent entfällt auf Baustellen als Ursache, 25 Prozent gehen zulasten von Unfällen, die restlichen fünf Prozent sind nicht weiter zu bestimmen. Genau das sind die Situationen, die jeder Autofahrer kennt. Kommt dann noch Berufsverkehr oder Reiseverkehr dazu, sind die Straßen oftmals so voll, dass es zu Staus kommt.

Fehlende Rettungsgasse auf der A5 nach Bruchsal
(Symbolbild) | Bild: Florian Kaute

Baustellen sorgen für Spitzenplätze

Der ADAC hat zu Beginn des Jahres im Rahmen der eigenen Staustudie auch die Strecken benannt, auf denen es im Land im vergangenen Jahr besonders häufig "voll" wurde. Im bundesweiten Ranking konnte sich so der A8-Abschnitt zwischen Karlsruhe und Stuttgart auf Rang vier einordnen. Auf Platz sieben folgt der A5-Abschnitt zwischen Heidelberg und Karlsruhe.

Stau nach Unfall
Stau nach einem Unfall auf der Autobahn (Symbolbild). | Bild: Igor Myroshnichenko

Und wie schon in der Theorie, war auch in der Praxis recht eindeutig, was den Stau ausgelöst hat: "Wesentliche Stau-Ursachen sind Baustellen und Engpässe", so Volker Zahn, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Baden-Württemberg. Immerhin würden gerade viele Strecken saniert und erneuert werden. Doch er sehe einen weiterhin großen Handlungsbedarf, die Straßeninfrastruktur und die Brücken instand zu halten und vorhandene Engpässe im Autobahnnetz zu beseitigen.

Wo viele Autobahnen sind, gibt es mehr Staus

Ein Blick auf die Zahlen des ADAC hat auch Matthias Zimmermann geworfen. Er ist Leiter der Abteilung Straßenentwurf und -betrieb beim Institut für Straßen- und Eisenbahnwesen am KIT - ein Experte für die Verkehrsführung auf Autobahnen also. Die statistische Auswertung des ADAC sieht er als "schwierig" an. Es sei wenig überraschend, dass die Fernstraßen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern besonders staubelastet sind. Die Länder, durch die viele Autobahnen und viel Verkehr führt, sind automatisch in der Auflistung oben mit dabei.

Doch die genannten Gründe für die Behinderungen im Autoverkehr kann er bestätigen. Ob es künftig noch schlimmer wieder mit der Überlastung der Straßen kann auch Zimmermann nicht abschätzen. Wichtiger sei aus seiner Sicht daher, dass die Straßen an sich möglichst optimal genutzt werden.

Oft gibt es Optimierungsmöglichkeiten

"In Hessen ist es zum Beispiel üblich, dass trotz Baustellen die Zahl der Spuren gleich bleibt", erklärt Zimmermann im Gespräch mit ka-news. Eine Praxis, die auch in Baden-Württemberg angewendet werden sollte - aber nicht immer wird. Als positives Beispiel nennt er hier den Brückenneubau bei Bruchsal. Hier wurde eigens eine Hilfsbrücke gebaut, um den Verkehr möglichst wenig auszubremsen.

Brücke A5 Bruchsal
Neben der Autobahn entstehen zwei Behelfsbrücken, damit der Verkehrsfluss trotz Baustelle möglichst wenig beeinträchtigt wird. | Bild: ka-news

Als negatives Beispiel dafür wiederum sei die Baustelle zwischen Karlsruhe-Süd und Rastatt zu nennen. Dort wurde die Zahl der Spuren verringert. Es kam häufig zu Staus und zu schweren Unfällen gerade am Stauende. Diese Baustelle erreichte im ADAC-Ranking auch eine Platzierung bei den Stauspitzen. Immerhin rund 2.100 Staus wurden in dem Bereich gezählt.

Höhere Baukosten könnten dem Autofahrer helfen

Das Problem hier sei gewesen, dass eine haltbarere Betonfahrbahn verbaut wurde. Wäre eine Asphaltdecke verbaut worden, hätte der Verkehr zum Teil auf der eigentlichen Fahrbahn aufrecht erhalten bleiben können. Dafür hält der neue Belag die Strecke länger baustellenfrei. Hierfür war die vollständige Sperrung einer Fahrtrichtung notwendig. 

Baustelle A5 im Sommer 2015
(Archivbild) |

"Das hätte die Bauarbeiten aber sicherlich auch verteuert", so Matthias Zimmermann weiter. Zudem hätte sich wohl die Bauzeit verlängert, weil die Verkehrsführung häufiger hätte angepasst werden müssen und nicht so viel "in einem Rutsch" erledigt werden können. Aber: Die Zahl der Staus könnte auf diese Art verringert werden, ist sich der Experte sicher. "In solchen Fällen sollten die volkswirtschaftlichen Kosten, die bei Staus entstehen, den finanziellen Mehrkosten beim Bau gegenübergestellt werden", so Zimmermann weiter. Die Autofahrer würden also zwar eine länger Fahrzeit in Kauf nehmen müssen, dafür aber seltener im Stau stehen.

Autobahn durch Technik besser nutzbar machen

Für die nächste Zeit sieht er aber eine leichte Entspannung der Situation auf den Autobahnen in der Region. "Bald sind die Autobahnen in der Region sechsspurig ausgebaut, das hilft schon mal weiter", so Zimmermann weiter. Wenn dann allerdings auch diese Strecken wieder an die Grenzen ihrer Kapazität stoßen, dann hilft zunächst die systematische Nutzung von Seitenstreifen - wie es beispielsweise bei Leonberg geschieht. Zu Stoßzeiten wird hier der Standstreifen für den Verkehr freigegeben.

Dr.-Ing. Matthias Zimmermann,
Dr.-Ing. Matthias Zimmermann, Leiter der Abteilung Straßenentwurf und -betrieb am Institut für Straßen- und Eisenbahnwesen des KIT | Bild: Sebastian Buck

Eine weitere Möglichkeit, mehr Fahrzeuge auf den Autobahnen unterzubringen, wäre die Regulierung des Tempos. "Bei Tempo 80 hat eine Straße ihr Kapazitäts-Maxium", erklärt Zimmermann. Die aktuelle Diskussion um ein Tempolimit auf 130 wäre also keine wirkliche Lösung für das Stauproblem.

Langfristig gesehen könnte aber die aktuelle Erforschung zum Autonomen Fahren die Situation entschärfen. Dann würden die Fahrzeuge in einer Abhängigkeit zueinander fahren und sich nicht gegenseitig durch Fahrmanöver ausbremsen. "Wenn alle mit einem gemeinsamen Interesse fahren, kommt man schneller an, als wenn jeder einzelne nur an sich denkt", fasst Zimmermann die ideale Lösung zusammen - die allerdings weder Politik noch Forschung wirklich beeinflussen können.

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  •   dipfele
    (5155 Beiträge)

    07.02.2019 14:41 Uhr
    Schlecht organisierte Bahnbaustellen...
    …. sind leider kein Thema der "Verkehrs"-Experten. Bahnkunden spielen keine Rolle.
    2018 waren für insgesamt 65 Tage die Gleise zwischen Remchingen und Pforzheim gesperrt. Bei 3000 Fahrgästen pro Tag und einer Fahrzeitverlängerung von 30 Minuten macht das 1500 Stunden pro Tag, in 65 Tagen sind das dann 97 500 "Staustunden" auf dieser einen kurzen Bahnstrecke. Bei einem angenommenen Durchschnittslohn von 15,-€ ergeben sich Verluste von 1.462.500,-€ für die Fahrgäste. Darüber redet keiner der Verkehrsexperten. Das Schlimme an dieser Gleisvollsperrung ist, dass lediglich der neue Pforzheimer Tunnel angeschlossen wurde, aber alle 6 Langsamfahrstellen zwischen Remchingen und Pforzheim - 14 km - erhalten geblieben sind. Es ist abzuwarten, dass in 2-3 Jahren wieder Vollsperrungen auf der selben Strecke ins Haus stehen. Zum Leidwesen der Fahrgäste. Und das bei einer IC Fernstrecke.
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  •   heaven
    (827 Beiträge)

    08.02.2019 17:26 Uhr
    Also
    ich komme nur auf 3 Langsamfahrstellen
    Zitat von dipfele ...aber alle 6 Langsamfahrstellen zwischen Remchingen und Pforzheim...
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  •   Greif
    (1516 Beiträge)

    07.02.2019 17:44 Uhr
    Die Verkehrsexperten
    hatten eben etwas dagegen, dass der gesamte Nahverkehr zwischen Remchingen und Pforzheim beziehungsweise Mühlacker im Schienenersatzverkehr gefahren wird (auf die 65 Tage komme ich nur, wenn ich die Sperrungen hinter Pforzheim mitaufsummiere). Und die Stadt Pforzheim hatte etwas dagegen, auf der Schiene auch nur zeitweise gar nicht mehr erreichbar zu sein...

    Im übrigen wurde während der Sperrungen immer an zwei Stellen gleichzeitig gearbeitet - mehr geht nicht, wenn man die Baustelle auf der Straße nicht versorgen kann (weil gleichzeitig auf der B10 bzw. für Straßenbauarbeiten gesperrt ist. Mehr als von beiden Seiten auf der Schiene zuzufahren ist technisch (wenn man Gleise ausbaut, um sie zu ersetzten) und arbeitschutzrechtlich (Durchfahrten durch eine Baustelle) heutzutage nicht möglich. Und komme mir jetzt keiner mit "Opa erzählt vom Krieg"-Umbauten mit Schubkarre und Stopfpickel zwinkern
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  •   ettlinger
    (169 Beiträge)

    07.02.2019 17:24 Uhr
    Die Abteilung Straßenentwurf und -betrieb
    und der Artikel beschäftigen sich nunmal nicht mit dem Schienenverkehr . "Fahren und Bauen" ist aber auch im Eisenbahnwesen ein Thema. Durch die Trennung zwischen Infrastruktur und Betrieb haben die Verkehrsunternehmen allerdings (leider) wenig Spielraum auf zeitliche Sperrungen.

    Wo gibt es aber zwischen Remchingen und Pforzheim Langsamfahrstellen? Das meiste ist dort schlicht historisch durch die Trassierung bestimmt.
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  •   Jossele
    (23 Beiträge)

    07.02.2019 13:27 Uhr
    Schade...
    ... dass es autonom fahrende Fahrzeuge braucht, um mit dem "gemeinsamen Interesse" eines funktionierenden Verkehrsflusses zu fahren.
    Theoretisch könnten ja auch menschliche Fahrer dieses Interesse verfolgen - machen nur leider die wenigsten...
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  •   moggy
    (70 Beiträge)

    07.02.2019 08:43 Uhr
    Fünf mal um die Erde?
    Ich glaube es ist keinem bewusst was das heißt. Fahrt besser mal Fahrrad! Ach so, könnt ihr ja gar nicht.. sry ich vergaß.
    Die Diskussion um ein Tempolimit wäre keine Lösung - aber immerhin ein Anfang...
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  •   patrickkk
    (1207 Beiträge)

    06.02.2019 22:10 Uhr
    Ich bleib dabei
    Ordentliche Abbiegespuren in die Kapellenstr. und Karl-Wilhelmstr. und wir haben schon spürbar weniger Stau.

    Achso, und ja:
    " In Summe standen die Fahrer 60.114 Stunden in baden-württembergischen Staus."
    Kann nicht stimmen. Würde wetten in der Summe stehen allein die Pfälzer auf unserer Seite der Brücke länger als 60k stunden (bestimmt sogar pro Monat).
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  •   schoenix
    (105 Beiträge)

    07.02.2019 08:34 Uhr
    Fernstraßen
    Was haben die Kapellenstraße und die Karl-Wilhelmstraße mit Fernstraßen zu tun?
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  •   patrickkk
    (1207 Beiträge)

    07.02.2019 14:06 Uhr
    Die
    Die Kriegsstraße ist gleichzeitig die B10...
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  •   Greif
    (1516 Beiträge)

    07.02.2019 15:30 Uhr
    Aber auch nur deshalb,...
    weil der Bund sich dadurch die Bau- und Unterhaltskosten für eine Bundesstraße sparen kann zwinkern
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