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Karlsruhe Wenn die Hitze zur Lebensgefahr wird: So können wir Mauersegler, Eichhörnchen, Igel und Co. im Sommer helfen

Sie springen aus verzweifelter Suche nach Abkühlung aus ihren Nestern - und damit oft in den sicheren Tod: Viele junge Mauersegler und Schwalben in Karlsruhe leiden unter der extremen Hitze, die in den vergangenen Wochen die Region um die Fächerstadt heimgesucht hat. Damit sind die Vögel aber nicht allein: Auch andere gefiederte Arten sowie Säugetiere sind aufgrund der Temperaturen in Gefahr. Wie man den Tieren helfen kann - ka-news.de hat bei Tierschutzexperten nachgefragt.

Wir haben geschwitzt, geschimpft und gelitten - dabei sind es nicht wir Menschen, die die extremen Temperaturen der vergangenen Wochen am meisten mitgenommen haben: Besonders wildlebende kleine Säugetiere wie Kaninchen, Eichhörnchen oder Igel sowie Vögel kommen bei fast 40 Grad an ihre körperlichen Grenzen. So kommen regelmäßig Meldungen über Eichhörnchen, die am Wegesrand gefunden wurden oder Vögel, die aus dem Nest gefallen sind. 

Wenn Nester zu Glutöfen werden

Schwalben und Mauersegler trifft es in diesen Tagen besonders hart: "Sie bauen ihre Nester direkt unter den Dächern, dort können es schon einmal 50 Grad oder mehr werden!", erklärt Jochen Lehmann vom Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz. Die Folge: Aus Verzweiflung fallen oder springen die Jungvögel auf der Suche nach Abkühlung aus den Nestern - oftmals das Todesurteil für den gefiederten Nachwuchs.

 

 

Neben Wassermangel, Erschöpfung, Überhitzung und Fressfeinden droht den Mauerseglern dann allerdings noch ein weiteres Problem: Einmal aus dem Nest herausgefallen, werden sie von ihren Eltern nicht weiter mit Futter versorgt, so Lehmann gegenüber ka-news.de. Als Nesthocker sind sie aber gerade in der ersten Zeit auf dauerhafte Fürsorge angewiesen. Bekommen sie die nicht mehr, besteht Lebensgefahr.

Jochen Lehmann
Jochen Lehmann, vom Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz. | Bild: Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz

Auch in der Fächerstadt weiß man um die Brisanz der Problematik. "Karlsruhe ist da ein Klassiker, weil es hier oft viel zu heiß ist", sagt Larissa Fritzenschaf von der Wildttierauffangstation (WiTAS) Karlsruhe.

Wildtierstation in Karlsruhe
Larissa Fritzenschaf (r.) führt zusammen mit ihrer Mutter, Tierärztin Astrid Fritzenschaf (l.), und Ursula Obst die WiTAS. | Bild: Anna Krüger

"Nicht jedes Tier benötigt tatsächlich Hilfe"

Dennoch gilt: Wer ein verletztes Wildtier findet - egal ob Vogel oder Säugetier - sollte zuerst einmal Ruhe und vor allem Abstand bewahren, denn: "Nicht jedes Tier benötigt tatsächlich automatisch Hilfe", erklärt Fritzenschaf. So seien Nestflüchter wie viele Singvogelarten sowie Feldhasen bereits oft selbstständig genug oder werden von ihren Eltern auch außerhalb des Nestes weiterversorgt und müssten daher - außer bei medizinischen Notfällen - nicht mitgenommen werden.

Feldhase
Feldhasen sind Nestflüchter. | Bild: Patrick Pleul

Hilfe benötigen dagegen in jedem Fall die Nesthocker: Sind sie nicht sichtbar verletzt oder geschwächt, können sie innerhalb von 24 Stunden wieder in ihr Nest zurückgesetzt werden. "Entgegen des allgemeinen Glaubens nehmen die Eltern die Kleinen dann trotzdem noch an", so Larissa Fritzenschaf.

Eine Ausnahme bilden auch hier wieder die Mauersegler: "Die sollten auf keinen Fall wieder in ihre Nester gesetzt werden!", warnt die Tierretterin im Gespräch mit ka-news.de. "Sonst versuchen sie gleich wieder, dem aufgeheizten Nistplatz zu entkommen!"

Mauersegler
Mauersegler bauen ihre Nester dicht unter Dächern - die heizen sich im Sommer gefährlich auf. | Bild: Ursula Bauer/Aktion Tier/dpa-tmn

Wichtig: Fundtiere erst einmal beobachten

Die WiTAS-Mitarbeitern empfiehlt daher, das Fundtier erst einmal 30 bis 60 Minuten lang zu beobachten - kommen die Eltern dann nicht zurück oder wirkt das Tier verletzt oder stark geschwächt, kann es für die WiTAS bei der Tierarztpraxis Dr. Fritzenschaf & Dr. Weiß in der Teutschneureuter Straße 73 oder bei Nelly's Futterkiste in der New-York-Straße 3-7 abgegeben werden.

 

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"Bei der Abgabe sollten die Personen möglichst genau beschreiben, wo sie das Tier gefunden haben. So können wir versehentlich abgegebene Nestflüchter oder gesunde Tiere schnellstens wieder zurückbringen", rät Larissa Fritzenschaf.

Vogel trinken
Besonders im Sommer finden Wildtiere oft nicht genug Wasser. (Symbolbild) | Bild: pixabay.com@athree23

Damit es aber gar nicht erst soweit kommt, rät die WiTAS-Mitarbeiterin den Wildtieren im Sommer täglich frisches Wasser anzubieten - in Form von Vogeltränken und Schalen auf dem Boden. "Teich- und Poolbesitzer sollten zudem beachten, dass sie immer eine Art Ausstieg in Form eines Astes oder einer Stange zum Herausklettern anbringen. Vor Durst werden viele Wildtiere nämlich oftmals leichtsinnig und fallen ins Wasser, aus dem sie dann nicht wieder herauskönnen!" 

Die Kapazitäten sind (fast) erschöpft

Doch trotz aller Tipps und Ratschläge kommen in der Auffangstation immer mehr neue Tiere dazu: Über 70 hilflos aufgefundene Vögel hat die WiTAS laut Fritzenschaf so aktuell in Pflege. "Vorletzte Woche hatten wir sogar kurzzeitig einen Aufnahmestopp, weil wir restlos überlastet waren", meint sie gegenüber ka-news.de. Traurig: "Leider sind viele Neuankömmlinge schon so erschöpft und entkräftet, dass wir einen erheblichen Teil von ihnen nicht mehr retten können", sagt sie gegenüber ka-news.de wehmütig.

Einmal im Leben selbst zum Vogelpfleger werden

Um die WiTAS zu entlasten und die zeitintensiven Pflegebedingungen für die tierischen Patienten artgerecht zu gestalten, setzen Larissa Fritzenschaf und ihr Team daher auf die Ausbildung freiwilliger Helfer. Wer also schon immer einmal ein kleines Küken aufziehen wollte, kann sich in Seminaren über die richtige Fütterung, artgerechte Versorgung sowie zu zentralen Pflegeinformationen für Jungvögel informieren. "Wir haben bisher eine ganz tolle Resonanz bekommen", freut sich Fritzenschaf. 

Die WiTAS begleitet die frischgebackenen Pfleger dann bis zur Wiederauswilderung der Piepmätze. "Wir leisten, was wir können, aber je mehr Leute wir ins Boot holen können, desto mehr wird das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Wildtieren gestärkt", sagt die Tierretterin. "Und das kommt schließlich jedem zugute - sowohl Tier als auch Mensch!"

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  •   Nachteule
    (661 Beiträge)

    07.07.2019 16:01 Uhr
    Hier zum Vergleich - Der Sommerrückblick 2003 in KA-News
    Ja es ist einfach schön, das Internet vergisst nichts. Wie man in dem folgenden Artikel sieht, waren wir vor fast 20 Jahren alle viel cooler. Übrigens, auch die Tiere in der Stadt haben den Horrorsommer von 2003 überlebt - erstaunlich, nicht wahr?! Ka-News Sommerrückblick 2003
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  •   Holzbierebub
    (267 Beiträge)

    07.07.2019 17:03 Uhr
    Damals....
    hatten die Öko-Populisten das Thema noch nicht für sich entdeckt.
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  •   malerdoerfler
    (5584 Beiträge)

    07.07.2019 19:12 Uhr
    Etwa Fake-news?
    Und immer wieder der Griff zum nächsten Superlativ.
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  •   Nachteule
    (661 Beiträge)

    07.07.2019 16:07 Uhr
    Dieser Artikel zeigt deutlich, dass wir alle anfangen zu spinnen !!!
    Wie schreibt Ka-News nach dem Horrorsommer von 2003:

    "Heute beginnt der Oktober, der bekanntlich erste komplette Herbstmonat. Und auch die Wetterprognosen für die nächsten Tage und Wochen lassen keinen anderen Schluss zu: der Sommer kommt so schnell nicht mehr wieder."

    Man ist offensichtlich sogar traurig darüber, dass der Sommer zu Ende ist. Heute undenkbar. Aber was ist zwischen 2003 und 2019 passiert? Sind wir alle empfindlicher geworden? Vielleicht sogar auch die Tiere in der Stadt? Oder werden wir einfach nur manipuliert?
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  •   Kojak
    (196 Beiträge)

    07.07.2019 18:15 Uhr
    Natürlich werden wir manipuliert!
    Die Grünen und die grün-treuen deutschen Medien leisten da ganze Arbeit. Annalenas "Klimasommer" muss doch endlich in eine grüne Kanzlerschaft münden, so die Absicht dahinter.
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  •   Der_dunkle_Turm
    (629 Beiträge)

    07.07.2019 22:12 Uhr
    Momentan regnet es bei moderaten 23C
    Anfang Juli! Der Killerklimasommer mit 48C im Schatten fällt wohl momentan aus. Aber das ist natürlich nur ein lokales Phänomen. In 30 Jahren sind wir sowieso alle tot. So die Legende.
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  •   malerdoerfler
    (5584 Beiträge)

    07.07.2019 19:15 Uhr
    Früher ging es in den Urlaub in den Süden und hat geschwärmt
    von den lauschigen Abenden - die es auch damals sicherlich auch in Deutschland gegeben hat.

    Leute, genießt doch einfach das tolle Wetter.

    Heute hat es sogar wieder einmal ein wenig geregnet. Und der nächste Winter kommt bestimmt und mit ihm die kalten Tage, an denen wir über die Eiskälte jammern werden.
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  •   Nachteule
    (661 Beiträge)

    07.07.2019 15:46 Uhr
    Ich verstehe diese Hysterie überhaupt nicht
    Wieso stammt der Hitzerekord von Karlsruhe aus mit 40,2 Grad aus dem Jahre 2003, wenn es doch heute so heiß, ist "wie noch nie"? Ich erinnere mich an den Sommer des Jahres 2003 - der war um Klassen härter, als das, was wir jetzt erleben. Nur damals wurde es noch als "normal" betrachtet, dass es im Sommer heiß ist. Aber auch in den anderen Städten in Deutschland sind die Hitzerekorde uralt. Von wegen, es wird immer heißer - alles schon da gewesen !!! Hitzerekorde in deutschen Städten
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  •   malerdoerfler
    (5584 Beiträge)

    07.07.2019 19:18 Uhr
    Es gibt auch kühlere Ecken
    in Deutschland - keiner muss in das heiße Karlsruhe ziehen.
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  •   stoersender
    (1309 Beiträge)

    07.07.2019 21:25 Uhr
    Und wenn
    die Klimahysteriker alle wegziehen gibts auch widder mehr Wohnraum. Klassische win-win-Situation grinsen
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